Apostolische Überlieferung
Paulus lobt das Festhalten an der Überlieferung, die er übergeben hat
In 1 Kor 11,2 tritt Paulus als der auf, der Lehre übergibt, und die Gemeinde in Korinth als die, die sie bewahrt. Der Vers bezeugt damit die positive Bedeutung apostolischer Überlieferung. Zugleich lässt sich daran ablesen, was die Stelle trägt und wo ihre Grenze liegt.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Festhalten an den Überlieferungen Bibel und Textverständnis
Paulus lobt ein Festhalten an dem, was er selbst übergeben hat
In 1 Kor 11,2 spricht Paulus die Gemeinde in Korinth an und lobt sie dafür, dass sie an den Überlieferungen festhält, die er ihr weitergegeben hat.
Ich lobe euch, dass ihr in allem an mich denkt und an den Überlieferungen festhaltet, wie ich sie euch übergeben habe.
Auszug aus 1 Kor 11,2 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus lobt die Gemeinde, weil sie an den überlieferten Weisungen festhält.
Der erste Brief des Paulus an die Korinther (1 Kor) enthält an dieser Stelle eine Anerkennung. Paulus führt die Überlieferungen auf seine eigene Weitergabe zurück: Er hat sie übergeben, die Gemeinde hat sie empfangen, und dieses Empfangene wird bewahrt. Das Lob trifft damit nicht eine beliebige Gewohnheit, sondern das Festhalten an dem Gut, das von ihm als Apostel gekommen ist.
Aus dieser Zuordnung ergibt sich ein geordneter Weg: Die apostolische Lehre wird empfangen, bewahrt und an zuverlässige Lehrer weitergegeben; andere Briefe des Paulus beschreiben dieselbe Bewegung. Die Kirche versteht ihre Überlieferung in diesem Sinn als verantwortete Weitergabe des apostolischen Glaubens. 1 Kor 11,2 lobt dabei das Festhalten an dem, was der Apostel selbst übergeben hat; maßgeblich ist, dass die Überlieferungen von ihm kommen.
Empfangene Gabe und Weitergabe Glaube und Überlieferung
Die Überlieferung ist empfangene Gabe und verantwortete Weitergabe
Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) und das Dokument Dei Verbum (DV) entfalten, wie die Kirche die apostolische Überlieferung versteht und wie sie 1 Kor 11,2 in dieses Verständnis einordnet.
Dei Verbum 8 beschreibt die apostolische Überlieferung als eine Gabe, die in der Kirche bewahrt wird und unter dem Beistand des Heiligen Geistes im Verständnis fortschreitet. Apostolisch meint dabei: von den Aposteln her; Überlieferung meint das empfangene, in der Kirche weitergegebene Gut des Glaubens.
Dei Verbum 9 und 10 verbinden diese Überlieferung eng mit der Schrift und übertragen die verbindliche Erklärung des Wortes Gottes dem lebendigen Lehramt, dem Amt der Kirche, das das Wort Gottes verbindlich auslegt. In dieser Ordnung gelesen, bestätigt 1 Kor 11,2 den Grundvorgang: Empfangenes wird bewahrt und weitergegeben.
Quellen zu dieser Frage 2
Örtliche Sitte in Korinth Glaube und Überlieferung
Meint Paulus hier lediglich eine lokale Sitte in Korinth?
Der Vers steht unmittelbar vor Weisungen zum Auftreten beim Gottesdienst. Deshalb kann der Ausdruck Überlieferungen wie eine örtliche Ordnung wirken, die nur für die damalige Gemeinde galt.
Der Einwand nimmt die Nachbarschaft der Stelle ernst: Wenn Paulus gleich anschließend das Verhalten in der Versammlung regelt, könnte sich das Lob auf eine konkrete korinthische Praxis beziehen. Der Vers ließe sich dann als Bestätigung einer Gemeindesitte lesen, die mit der Frage nach der apostolischen Überlieferung nichts zu tun hat.
Der Einwand sieht richtig, dass auf den Vers Weisungen zur Ordnung der Versammlung folgen. Der Vers selbst führt die Überlieferungen aber auf Paulus zurück, und derselbe Brief gebraucht die gleiche Sprache des Empfangens und Überlieferns für die Mitte des Glaubens: für das Herrenmahl („Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe“, 1 Kor 11,23) und für das Evangelium von Tod und Auferstehung Christi (1 Kor 15,3). Überlieferung ist bei Paulus also der Weg, auf dem das Evangelium selbst weitergegeben wird. Von dieser apostolischen Überlieferung unterscheidet die Kirche die später in den Ortskirchen entstandenen Traditionen (KKK 83).