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Schrift und Überlieferung

Die Bibel und die apostolische Überlieferung

Ist die Bibel die einzige Regel des Glaubens, oder trägt die Kirche daneben eine verbindliche apostolische Überlieferung? Die Kirche antwortet: Beides gehört zusammen. Die Heilige Schrift ist von Gott eingegeben und bleibt Maßstab; zugleich hat Christus sein Glaubensgut der Kirche anvertraut (die eine Offenbarung, in Schrift und Überlieferung übergeben), damit sie es bewahrt, verkündet und auslegt. Das ist verbindliche Konzilslehre: Gegen die Beschränkung auf die Schrift hat das Konzil von Trient 1546 gelehrt, die apostolischen Überlieferungen mit gleicher Liebe und Achtung anzunehmen wie die Heilige Schrift; das Erste und das Zweite Vatikanische Konzil haben diese Lehre aufgenommen (Dei Verbum 9). Der Weg führt zuerst zu Paulus, der mündliche und schriftliche Überlieferung nennt, dann zur Frage, wer die Schrift auslegt, und schließlich zur Liturgie, in der die Gemeinde Gottes Wort hört und ehrt. Dort wird sichtbar vollzogen, was Schrift und Überlieferung verbindet.

Den Fragen nachgehen

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Eine offene Schriftrolle und eine Lichtflamme stehen zwischen drei Gestalten, die das Empfangene von einer zur nächsten weiterreichen.
Schrift & TraditionKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Unterthema 1 von 3 · Apostolische Überlieferung

Die Apostel übergeben den Glauben mündlich und schriftlich, damit er jede Generation erreicht

Apostolische Überlieferung Bibel und Textverständnis

Apostolische Überlieferung

Paulus kennt neben seinen Briefen eine mündliche Überlieferung, und beide gehören zum selben Glauben.

Seid also standhaft, Brüder und Schwestern, und haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben, sei es mündlich, sei es durch einen Brief!

Auszug aus 2 Thess 2,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Die Gemeinde soll an den mündlich und schriftlich überlieferten Lehren festhalten.

2 Thess 2,15: Zusammenhang und Übersetzung

Ich lobe euch, dass ihr in allem an mich denkt und an den Überlieferungen festhaltet, wie ich sie euch übergeben habe.

Auszug aus 1 Kor 11,2 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Paulus lobt die Gemeinde, weil sie an den überlieferten Weisungen festhält.

1 Kor 11,2: Zusammenhang und Übersetzung

Paulus fordert die Gemeinde auf, an den Überlieferungen festzuhalten, in denen er sie unterwiesen hat: an dem, was er mündlich gesagt hat, und an dem, was er in einem Brief geschrieben hat (2 Thess 2,15). Ebenso lobt er eine Gemeinde für ihr Festhalten an den Überlieferungen, die er ihr übergeben hat (1 Kor 11,2).

Was du vor vielen Zeugen von mir gehört hast, das vertraue zuverlässigen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren!

Auszug aus 2 Tim 2,2 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Empfangenes wird zuverlässigen Menschen anvertraut, die wiederum andere lehren können.

2 Tim 2,2: Zusammenhang und Übersetzung

Jede Schrift ist, als von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes gerüstet ist, ausgerüstet zu jedem guten Werk.

Auszug aus 2 Tim 3,16–17 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Die Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich für Lehre, Zurechtweisung, Besserung und Erziehung in der Gerechtigkeit.

2 Tim 3,16: Zusammenhang und Übersetzung

Diese Überlieferung geht weiter: Paulus beauftragt seinen Mitarbeiter, das Empfangene zuverlässigen Menschen anzuvertrauen, die es an weitere Lehrer weitergeben (2 Tim 2,2). Zugleich ist die Schrift selbst von Gott eingegeben und nützlich für die Lehre und für das Leben (2 Tim 3,16).

Der Glaube wird übergeben: mündlich und schriftlich, von den Aposteln an zuverlässige Lehrer und von diesen weiter. Die Überlieferung steht dabei im Dienst des Evangeliums: Sie gibt es weiter, damit Christus, wie ihn die Apostel verkündet haben, zu jeder Generation kommt. Wer das bedenkt, muss den Glauben nicht für sich neu erfinden und darf ihn doch persönlich annehmen. Die Überlieferung bewahrt, was größer ist als jeder Einzelne.

Weiterführende Erklärungen

Mündlich und brieflich: Paulus ruft zum Festhalten an der Überlieferung aufDirekter positiver Beleg

Paulus fordert, an den mündlichen und schriftlichen Überlieferungen festzuhalten. Er lobt eine Gemeinde ausdrücklich dafür, dass sie die empfangenen Überlieferungen bewahrt.

Paulus lobt das Festhalten an der Überlieferung, die er übergeben hatUnterstützender positiver Beleg

Die Gemeinde bewahrt, was sie empfangen hat. Damit diese Überlieferung nicht mit der ersten Generation endet, wird sie über zuverlässige Menschen an weitere Lehrer weitergegeben.

Weitergabe über zuverlässige Menschen an weitere LehrerUnterstützender positiver Beleg

Die Weitergabe läuft über Menschen, die das Empfangene treu weiterreichen. Neben ihr steht die Schrift selbst, von Gott eingegeben und nützlich für Lehre und Leben.

Die Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich für Lehre und LebenDirekter positiver Beleg

Unterthema 2 von 3 · Die Schrift auslegen

Die Schrift wird in der Gemeinschaft ausgelegt, die von den Aposteln her lebt

Auslegung der Schrift Glaube und Überlieferung

Wer legt die Schrift verbindlich aus?

Wer entscheidet, was ein Bibeltext bedeutet? Geschriebenes Wort will gelesen und gedeutet werden: Manche Sätze sind klar, andere geben Rätsel auf, und zwei Leser kommen mitunter zu verschiedenen Antworten. Die Kirche lehrt, dass die Schrift nicht beliebig erklärt werden kann. Die Auslegung der Schrift gehört zum Glauben der Apostel, auf deren Zeugnis die Kirche zurückgeht. Christus öffnet die Schrift, und die apostolische Kirche entscheidet Streitfragen unter der Leitung des Heiligen Geistes.

Der Zweite Petrusbrief nennt Paulus einen weisen Zeugen und erinnert daran, dass manche seiner Aussagen schwer zu verstehen sind und von Unwissenden und Ungefestigten verdreht werden können. Damit wird die Notwendigkeit einer verantworteten Auslegung sichtbar: Das Verständnis der Schrift bleibt an den apostolischen Glauben gebunden; die Kirche bewahrt die vollständige Ordnung ihrer Lehre in der empfangenen Überlieferung und übt ihren Lehrdienst unter dem Wort Gottes aus.

In ihnen ist einiges schwer zu verstehen und die Unwissenden, die noch nicht gefestigt sind, werden diese Stellen ebenso verdrehen wie die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben.

Auszug aus 2 Petr 3,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Paulus wird als weise bezeichnet; zugleich verdrehen Unwissende, die noch nicht gefestigt sind, manche Stellen seiner Briefe ebenso wie die übrigen Schriften.

2 Petr 3,15–16: Zusammenhang und Übersetzung

Philippus zeigt, wie dieser Auslegungsdienst aussieht. Auf die Frage des äthiopischen Beamten, wie er die Schrift verstehen könne, wenn ihn niemand anleite, legt Philippus die Stelle aus Jesaja im Licht der Verkündigung Jesu aus und führt zu Christus. Christus selbst öffnet die Schrift; der apostolisch beauftragte Lehrer dient dabei dem Verständnis des Schriftworts. Sein Dienst empfängt seine Grenze und seine Verbindlichkeit aus dem Wort, unter dem auch das kirchliche Lehramt steht.

Verstehst du auch, was du liest? Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet?

Auszug aus Apg 8,30–31 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Philippus legt dem äthiopischen Beamten die Schrift aus und führt von Jesaja zu Christus.

Apg 8,26–35: Zusammenhang und Übersetzung

In Jerusalem wird sichtbar, wie die apostolische Kirche eine Streitfrage entscheidet. Apostel und Älteste beraten gemeinsam, und ihr Beschluss wird den Gemeinden als verbindliche Weisung übermittelt: „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen“. Die Kirche entscheidet damit unter der Leitung des Heiligen Geistes und im Dienst Christi. Ihre Autorität bewahrt den apostolischen Glauben, indem sie das Wort zusammen mit der Überlieferung verbindlich auslegt. Diese gemeinsame Entscheidung weist auf einen kirchlichen Lehrdienst, der unter dem Wort fortgeführt wird.

Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!

Auszug aus Apg 15,28–29 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Die Apostel und Ältesten beraten und treffen eine verbindliche Entscheidung für die Gemeinden.

Apg 15,1–29: Zusammenhang und Übersetzung

Die apostolische Lehre bleibt dabei öffentlich und geordnet. Paulus trägt Timotheus auf, das, was er vor vielen Zeugen gehört hat, zuverlässigen Menschen anzuvertrauen, die wiederum andere lehren können. So wird die Lehre von Paulus über zuverlässige Lehrer an weitere Lehrer weitergegeben. Diese Weitergabe macht die apostolische Sendung in der Kirche sichtbar; ihre Verbindlichkeit wird in der empfangenen kirchlichen Ordnung bewahrt.

Was du vor vielen Zeugen von mir gehört hast, das vertraue zuverlässigen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren!

Auszug aus 2 Tim 2,2 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Lehre wird von Paulus über zuverlässige Lehrer an weitere Lehrer weitergegeben.

2 Tim 2,2: Zusammenhang und Übersetzung

Paulus nennt die Kirche des lebendigen Gottes Säule und Fundament der Wahrheit. Die Kirche ist damit öffentliche Trägerin und Zeugnisinstanz der Wahrheit; sie bewahrt die Lehre, die ihr anvertraut wurde, und trägt ihre geordnete Weitergabe. Das Lehramt empfängt diese Aufgabe aus der apostolischen Sendung, dient dem Wort Gottes und legt es in der apostolischen Überlieferung verbindlich aus.

Falls ich aber länger ausbleibe, sollst du wissen, wie man sich im Haus Gottes verhalten muss, welches die Kirche des lebendigen Gottes ist, Säule und Fundament der Wahrheit.

Auszug aus 1 Tim 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Die Kirche des lebendigen Gottes wird Säule und Fundament der Wahrheit genannt.

1 Tim 3,15: Zusammenhang und Übersetzung

Jesus selbst bindet das Hören auf ihn an das Hören auf seine Gesandten: Wer sie hört, hört ihn; wer sie ablehnt, lehnt ihn und den Vater ab. Die apostolische Sendung gibt dem Hören auf Christus eine öffentliche, erkennbare Gestalt. Die Auslegung dient Christus, der die Mitte des Glaubens ist.

Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.

Auszug aus Lk 10,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Wer die Gesandten hört, hört Christus; wer sie ablehnt, lehnt Christus und den Vater ab.

Lk 10,16: Zusammenhang und Übersetzung
Quellen zu dieser Frage 2

Die Schrift bleibt nicht sich selbst überlassen. Wer sie liest, liest sie in einer Gemeinschaft, die von den Aposteln her lebt. Die Auslegung dient der Mitte des Glaubens, und diese Mitte ist Christus. So gelesen, erschließt sich die Schrift dem, der sie mit der Kirche liest, und wird zum Grund, auf dem er stehen kann.

Weiterführende Erklärungen

Die Schrift kann verdreht werdenUnterstützender positiver Beleg

Apostolische Schriften können verdreht werden; ihre Auslegung muss deshalb dem apostolischen Glauben dienen. Christus selbst öffnet die Schrift, und die apostolische Kirche entscheidet Streitfragen unter der Leitung des Heiligen Geistes.

Christus öffnet die Schrift; die apostolische Kirche legt sie aus und entscheidetUnterstützender positiver Beleg

Christus und die apostolische Kirche legen die Schrift aus. Diese Auslegung bleibt nicht privat: Die apostolische Lehre wird öffentlich weitergegeben und in der Kirche bewahrt.

Die Lehre wird öffentlich weitergegebenUnterstützender positiver Beleg

Unterthema 3 von 3

Die Liturgie ehrt Gottes Wort

Liturgie und Gottes Wort Glaube und Überlieferung

Wie ehrt die Liturgie Gottes Wort und empfängt Christus in Wort und Sakrament?

In der Liturgie, dem öffentlichen Gottesdienst der Kirche, hört und ehrt die Gemeinde das Wort Gottes. Sie empfängt es gemeinsam, lässt sich von ihm belehren und antwortet darauf in dem einen Gottesdienst aus Wort und Sakrament.

Die Gemeinde kommt zusammen, um Gottes Wort zu hören und seine Auslegung zu empfangen. Darin liegt die Grundgestalt jeder christlichen Liturgie: Gottes Volk versammelt sich um das gelesene und ausgelegte Wort.

Das ganze Volk lauschte auf das Buch der Weisung.

Auszug aus Neh 8,3 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Das Volk versammelt sich, hört die Lesung des Gesetzes und erhält dessen Auslegung.

Neh 8,1–12: Zusammenhang und Übersetzung

Schon die Versammlung Israels empfängt Gottes Weisung auf diese Weise. Das ganze Volk lauscht auf das Buch der Weisung; die Lesung wird ausgelegt, sodass die Gemeinde versteht und ihr Leben danach richtet.

Ich beschwöre euch beim Herrn, diesen Brief allen Brüdern und Schwestern in der Gemeinde vorzulesen.

Auszug aus 1 Thess 5,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Paulus ordnet an, dass sein Brief allen Brüdern vorgelesen wird.

1 Thess 5,27: Zusammenhang und Übersetzung

Diese öffentliche Weitergabe des apostolischen Wortes gehört auch zur christlichen Gemeinde. Paulus ordnet an, seinen Brief allen Brüdern vorlesen zu lassen. So wird das apostolische Zeugnis zum gemeinsamen Vollzug der versammelten Kirche. Die katholische Liturgie führt diese biblische Gestalt weiter: Sie bewahrt die öffentliche Lesung, verbindet sie mit Verkündigung und macht sie zum Anfang der gemeinsamen Antwort des Volkes Gottes.

Lies ihnen eifrig aus der Schrift vor, ermahne und belehre sie, bis ich komme!

Auszug aus 1 Tim 4,13 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Timotheus soll sich dem Vorlesen, Ermahnen und Lehren widmen.

1 Tim 4,13: Zusammenhang und Übersetzung

Zur öffentlichen Lesung gehören Vorlesen, Ermahnen und Lehren. Timotheus soll sich diesen Aufgaben im kirchlichen Dienst widmen. Damit verbindet die Schrift die Verkündigung des Wortes mit seiner Auslegung und der geistlichen Unterweisung der Gemeinde.

Selig, wer die Worte der Prophetie vorliest, und jene, die sie hören und das halten, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.

Auszug aus Offb 1,3 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Selig ist, wer die Worte der prophetischen Schrift vorliest und wer sie hört und bewahrt.

Offb 1,3: Zusammenhang und Übersetzung

Auch die Offenbarung beschreibt das Empfangen des prophetischen Wortes als gemeinsamen Weg: Selig ist, wer die Worte der Prophetie vorliest, und selig sind jene, die sie hören und bewahren. Die Gemeinde hört Gottes Wort deshalb nicht als bloße Information. Sie nimmt es als heilige Anrede auf und antwortet mit einem Leben, das sich an ihm ausrichtet.

Als er aufstand, um vorzulesen, reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja.

Auszug aus Lk 4,16–17 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Jesus liest in der Synagoge aus Jesaja und erklärt, dass sich die Schrift in ihm erfüllt.

Lk 4,16–21: Zusammenhang und Übersetzung

Jesus selbst nimmt diese Gestalt der öffentlichen Schriftlesung auf. In der Synagoge steht er auf, erhält die Buchrolle des Propheten Jesaja, liest daraus vor und erklärt, dass sich dieses Schriftwort in seiner Person erfüllt. Christus ist der Mittelpunkt der christlichen Schriftverkündigung: Er liest die Schrift, legt sie aus und vollendet sie in seiner Sendung. Die Kirche liest die Heilige Schrift deshalb in dem Geist, in dem sie geschrieben wurde, und mit Blick auf ihre Einheit, deren Mitte Christus ist. Damit ist der theologische Grund jeder christlichen Schriftverkündigung genannt; ihre liturgische Ausgestaltung empfängt die Kirche aus der fortdauernden Ordnung ihrer Überlieferung.

Die Liturgie macht diese Ehre des Evangeliums sichtbar. In der römischen Liturgie wird das Evangeliar, das Buch der Evangelien, in einer Prozession zum Ambo getragen. Leuchter und Weihrauch begleiten seinen Weg, die Gemeinde steht auf, antwortet mit einer Akklamation und verehrt das Buch mit einem Kuss. Diese Zeichen richten die ganze Gemeinde auf die Verkündigung aus. Sie treten an die Seite des Wortes und machen öffentlich erkennbar, dass die Kirche das Evangelium als heiliges Wort Christi empfängt. Weihrauch bringt Verehrung und Gebet zum Ausdruck; Licht, Stehen, Akklamation und Kuss bezeugen gemeinsam die Würde der Verkündigung. Die konkrete Prozession ist eine kirchliche liturgische Entfaltung. Die Offenbarung des Johannes verbindet im himmlischen Gottesdienst den Weihrauch mit den Gebeten der Heiligen (Offb 8,3–4); die heutige Evangelienprozession nimmt diese Sprache der Verehrung in der kirchlichen Feier auf.

Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn.

Auszug aus 1 Kor 11,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Die Gemeinde verkündet in der Eucharistie den Tod des Herrn und empfängt seinen Leib und sein Blut in einer gebotenen Feier.

1 Kor 11,26–29: Zusammenhang und Übersetzung

Wortgottesdienst und Eucharistie gehören in der Messe zu einem einzigen Kultakt. In der Eucharistie verkündet die Gemeinde den Tod des Herrn und empfängt seinen Leib und sein Blut in der gebotenen Feier. Die eucharistische Feier nimmt die Verkündigung des Wortes und das Gedächtnis des Heilshandelns Christi in die gemeinsame sakramentale Feier auf. So verbindet die Messe das Hören des apostolischen Wortes mit dem Empfang des Leibes und Blutes Christi. Was die Messe ist und wie sie gefeiert wird, ergibt sich aus dem Zusammenhang von Schrift und kirchlicher Überlieferung.

Diese Verbindung steht in der frühen kirchlichen Feierpraxis sichtbar vor Augen: Justin bezeugt die sonntägliche Versammlung mit Schriftlesung, Predigt, Gebet und eucharistischer Danksagung. Sein Zeugnis beschreibt die frühe Verbindung dieser Elemente und trägt damit zur überlieferten Struktur der Feier bei. Das Zweite Vatikanische Konzil und der Katechismus formulieren diese Struktur präzise: Wortgottesdienst und Eucharistische Liturgie bilden einen einzigen Kultakt. Die Liturgie des Wortes ist deshalb ein wesentlicher Teil der Feier Christi, in der er seine Gemeinde sammelt, belehrt und zur Danksagung führt.

Falls ich aber länger ausbleibe, sollst du wissen, wie man sich im Haus Gottes verhalten muss, welches die Kirche des lebendigen Gottes ist, Säule und Fundament der Wahrheit.

Auszug aus 1 Tim 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Die Kirche des lebendigen Gottes ist Säule und Fundament der Wahrheit.

1 Tim 3,15: Zusammenhang und Übersetzung

Damit dieses Wort die Zeiten erreicht, hat Christus der Kirche das Glaubensgut anvertraut. Die Kirche des lebendigen Gottes ist Säule und Fundament der Wahrheit. Sie bewahrt das Wort öffentlich und trägt es in geordnetem Dienst weiter. Ihr Lehr- und Verkündigungsdienst verbindet öffentliche Lesung, Ermahnung und Lehre und dient der treuen Weitergabe des anvertrauten Glaubensgutes. Die Kirche steht dabei unter dem Wort Gottes: Unter dem Beistand des Heiligen Geistes bewahrt, erforscht, verkündet und legt sie die Offenbarung aus. Ihre Autorität dient der Bewahrung der Offenbarung in der Gemeinschaft der Kirche.

Doch alles soll in Anstand und Ordnung geschehen.

Auszug aus 1 Kor 14,40 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Alles soll in Anstand und Ordnung geschehen.

1 Kor 14,40: Zusammenhang und Übersetzung

Zu diesem geordneten kirchlichen Dienst gehört das apostolische Ordnungsprinzip: Alles soll in Anstand und Ordnung geschehen. Daraus empfängt die Kirche den Grund für einen geordneten öffentlichen Gottesdienst. Die konkrete kirchliche Praxis wird aus dem größeren Zusammenhang von Schrift, apostolischer Überlieferung, kirchlichem Amt und liturgischem Leben bestimmt.

Prozession, Kerzen und Weihrauch weisen auf das Wort hin; das Wort selbst führt zum Evangelium und zu Christus, den es bezeugt. Wortgottesdienst und Eucharistie sind ein einziger gottesdienstlicher Vollzug aus Wort und Sakrament: Darin spricht Gott zu seinem Volk, Christus sammelt und nährt seine Gemeinde, und sein Volk antwortet ihm im Glauben und in der Danksagung.

Quellen zu dieser Frage 2

Die Liturgie ehrt Gottes Wort, weil die Gemeinde es hört, bevor sie antwortet. Prozession, Kerzen und Weihrauch sind Zeichen, die auf das Wort hinweisen. Das Wort selbst wiegt schwerer als die Ehrung des Buches, und schwerer als das Wort wiegt der, den es bezeugt: Christus. Wortgottesdienst und Eucharistie sind ein einziger gottesdienstlicher Vollzug aus Wort und Sakrament — darin kommt Gott zu Wort und darin antwortet ihm sein Volk.

Weiterführende Erklärungen

Die Gemeinde versammelt sich um das WortDirekter positiver Beleg

Die öffentliche Verlesung der Schrift gehört zur Versammlung des Gottesvolkes. Jesus selbst nimmt diese Gestalt auf: Er steht in der Synagoge auf, liest aus Jesaja und erklärt die Erfüllung in seiner Person.

Christus liest und erfüllt die SchriftDirekter positiver Beleg

Christus liest und erfüllt die Schrift. Die Liturgie macht diese Ehre sichtbar: Prozession, Leuchter, Weihrauch und Stehen begleiten das Evangelium.

Die Kirche ehrt das Evangelium sichtbarUnterstützender positiver Beleg

Die Kirche ehrt das Evangelium in Zeichen. Wortgottesdienst und Eucharistie gehören dabei zu einem einzigen Kultakt und nicht zu zwei getrennten Feiern.

Wortgottesdienst und Eucharistie bilden einen KultaktUnterstützender positiver Beleg

Wort und Eucharistie bilden einen Kultakt. Damit dieses Wort die Zeiten erreicht, hat Christus der Kirche das Glaubensgut anvertraut, das sie in geordnetem Dienst bewahrt und auslegt.

Die Kirche trägt das Wort amtlich weiterUnterstützender positiver Beleg

Ist die Schrift allein die Regel des Glaubens?

Der Einwand

Jesus verwirft Überlieferungen, die neben das Gebot Gottes treten: „Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen“ (Mk 7,8; vgl. 7,13). Die reformatorischen Bekenntnisse folgern daraus, dass der Schrift nichts hinzugefügt werden darf, weder durch neue Offenbarungen noch durch menschliche Überlieferungen (Westminster-Bekenntnis I,6). Konzilien und Synoden seit der Zeit der Apostel können irren; sie sind darum nicht Regel des Glaubens, sondern eine Hilfe (Westminster-Bekenntnis XXXI,3). Auch die lutherische Konkordienformel nennt die prophetischen und apostolischen Schriften die einzige Regel und Richtschnur aller Lehre und die Schriften der alten und neuen Lehrer Zeugen, die der Schrift untergeordnet bleiben.

Die Antwort der Kirche

Was Jesus verwirft, sind Menschensatzungen, die Gottes Wort außer Kraft setzen (Mk 7,13). Die Kirche unterscheidet sie von der apostolischen BegriffTraditionTradition oder Überlieferung ist nach der Lehre der Kirche die lebendige Weitergabe des Wortes Gottes, das Christus und der Heilige Geist den Aposteln anvertraut haben, an deren Nachfolger. Schrift und Tradition entspringen demselben göttlichen Quell; darum schöpft die Kirche ihre Gewissheit über das Geoffenbarte nicht aus der Schrift allein, und beide sind mit gleicher Liebe und Achtung anzunehmen (DV 9; KKK 80–82). Davon zu unterscheiden sind die vielen kirchlichen Traditionen, etwa liturgische oder disziplinäre, die die Kirche beibehalten, ändern oder aufgeben kann (KKK 83).Glossareintrag öffnen , die weitergibt, was die Apostel von Christus empfangen haben; Traditionen, die später in den Ortskirchen entstanden sind, können dagegen beibehalten, abgeändert oder aufgegeben werden (KKK 83). An der apostolischen Überlieferung festzuhalten, verlangt Paulus selbst, ob sie mündlich oder brieflich empfangen wurde (2 Thess 2,15).

Schrift und Überlieferung entspringen demselben göttlichen Quell (DV 9; KKK 80). Auch welche Bücher zur Schrift gehören, empfängt die Kirche aus der Überlieferung: „Durch dieselbe Überlieferung wird der Kirche der vollständige Kanon der Heiligen Bücher bekannt“ (DV 8). Wer die Schrift als einzige Norm nennt, setzt dieses Urteil bereits voraus. Darum schöpft die Kirche ihre Gewissheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift allein (DV 9). Das BegriffLehramtDas Lehramt ist der Auftrag, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes verbindlich auszulegen. Christus hat ihn den Bischöfen in Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri, dem Bischof von Rom, anvertraut; sie üben ihn in seinem Namen aus (DV 10; KKK 85). Das Lehramt steht nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nur lehrt, was überliefert ist.Glossareintrag öffnen ist dabei „nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm“ (DV 10): Es lehrt nur, was überliefert ist.

Macht 2 Tim 3,16–17 die Schrift zur einzigen Glaubensregel?

Der Einwand

Paulus nennt jede Schrift von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit, „damit der Mensch Gottes gerüstet ist, ausgerüstet zu jedem guten Werk“ (2 Tim 3,16–17). Was den Menschen Gottes zu jedem guten Werk ausrüstet, genügt; eine weitere verbindliche Glaubensregel neben der Schrift scheint überflüssig.

Die Antwort der Kirche

Der Vers bezeugt, dass die Schrift von Gott eingegeben ist und den Menschen Gottes umfassend zurüstet; das bejaht die Kirche ohne Abstrich. Mit den heiligen Schriften, die Timotheus „von Kindheit an“ kennt, sind dem Zusammenhang nach die Schriften Israels gemeint (2 Tim 3,15); folgte aus dem Vers eine Genügsamkeit der Schrift allein, so gälte sie für das Alte Testament allein. Dieselbe Zurüstung der Heiligen schreibt Paulus auch den Aposteln, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrern zu, die Christus eingesetzt hat (Eph 4,11–12), und derselbe Brief verlangt, das Gehörte zuverlässigen Menschen anzuvertrauen, die andere lehren (2 Tim 2,2). Schrift und lebendige apostolische Weitergabe wirken also zusammen; darum schöpft die Kirche ihre Gewissheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift allein (DV 9).

Was andere Christen dazu glauben

Die christlichen Traditionen vergleichen

Katholisch

Offizielle Lehrposition
Schrift und apostolische Überlieferung entspringen demselben göttlichen Quell; darum schöpft die Kirche ihre Gewissheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift allein. Das Lehramt legt das geschriebene und überlieferte Wort Gottes authentisch aus; es steht nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm (DV 9–10).
Offizielle Quelle: Katholisch

Lutherisch

Offizielle Lehrposition
Nach der Konkordienformel sind allein die prophetischen und apostolischen Schriften des Alten und Neuen Testaments Regel und Richtschnur, nach der alle Lehren und Lehrer zu beurteilen sind. Die Glaubensbekenntnisse und übrigen Schriften der Kirche sind nicht Richter wie die Schrift, sondern Zeugnis und Erklärung, wie die Schrift in den Streitfragen verstanden und ausgelegt wurde.
Offizielle Quelle: Lutherisch

Reformiert / calvinistisch

Offizielle Lehrposition
Nach dem Westminster-Bekenntnis ist der ganze Ratschluss Gottes über alles, was für seine Ehre, das Heil des Menschen, den Glauben und das Leben notwendig ist, in der Schrift ausdrücklich niedergelegt oder durch gute und notwendige Folgerung aus ihr abzuleiten; nichts darf hinzugefügt werden, weder durch neue Offenbarungen des Geistes noch durch Überlieferungen von Menschen (I,6). Die unfehlbare Regel der Schriftauslegung ist die Schrift selbst (I,9).
Offizielle Quelle: Reformiert / calvinistisch

Baptistisch

Offizielle Lehrposition
Nach der Baptist Faith and Message (2000) ist die Bibel von Gott inspiriert und ohne jede Beimischung von Irrtum; sie bleibt der wahre Mittelpunkt christlicher Einheit und der höchste Maßstab, an dem alles menschliche Verhalten, alle Bekenntnisse und religiösen Meinungen zu prüfen sind (Artikel I).
Offizielle Quelle: Baptistisch

Pfingstlich / charismatisch

Offizielle Lehrposition
Nach Artikel 1 des Statement of Fundamental Truths der Assemblies of God sind die Schriften des Alten und Neuen Testaments wörtlich von Gott eingegeben; sie sind Gottes Offenbarung an den Menschen und die unfehlbare, maßgebliche Regel für Glauben und Lebensführung.
Offizielle Quelle: Pfingstlich / charismatisch

Methodistisch / wesleyanisch

Offizielle Lehrposition
Nach Artikel V der methodistischen Articles of Religion enthält die Heilige Schrift alles, was zum Heil notwendig ist; was in ihr nicht steht und sich aus ihr nicht beweisen lässt, darf niemandem als Glaubensartikel oder als heilsnotwendig auferlegt werden. Kirchliche Riten und Zeremonien dürfen sich nach Zeit und Ort unterscheiden, solange nichts gegen Gottes Wort angeordnet wird (Artikel XXII).
Offizielle Quelle: Methodistisch / wesleyanisch

Anglikanisch

Offizielle Lehrposition
Nach Artikel VI der 39 Artikel der Kirche von England enthält die Heilige Schrift alles, was zum Heil notwendig ist; was in ihr nicht steht und sich aus ihr nicht beweisen lässt, darf niemandem als Glaubensartikel auferlegt werden. Kirchliche Traditionen und Zeremonien dürfen sich nach Zeit und Ort unterscheiden, solange nichts gegen Gottes Wort angeordnet wird (Artikel XXXIV).
Offizielle Quelle: Anglikanisch

Orthodox / byzantinisch

Offizielle Lehrposition
Nach der Orthodoxen Kirche in Amerika ist die Heilige Tradition das, was in der Kirche von der Zeit der Apostel bis heute weitergegeben wird; sie ist nicht auf Geschriebenes begrenzt, sondern das ganze vom Heiligen Geist geleitete Leben der Kirche. Unter ihren Elementen hat die Bibel den ersten Platz; es folgen Liturgie und Gebet, die dogmatischen Entscheidungen der anerkannten Konzilien, die Schriften der Kirchenväter, das Leben der Heiligen, die Kanones und die Ikonographie.
Offizielle Quelle: Orthodox / byzantinisch
Lehrpositionen aus offiziellen Quellen sowie, wo gesondert belegt, heutige Praxis und innerkonfessionelle Unterschiede
TraditionOffizielle LehrpositionQuelle
KatholischSchrift und apostolische Überlieferung entspringen demselben göttlichen Quell; darum schöpft die Kirche ihre Gewissheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift allein. Das Lehramt legt das geschriebene und überlieferte Wort Gottes authentisch aus; es steht nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm (DV 9–10).Offizielle Quelle: Katholisch
LutherischNach der Konkordienformel sind allein die prophetischen und apostolischen Schriften des Alten und Neuen Testaments Regel und Richtschnur, nach der alle Lehren und Lehrer zu beurteilen sind. Die Glaubensbekenntnisse und übrigen Schriften der Kirche sind nicht Richter wie die Schrift, sondern Zeugnis und Erklärung, wie die Schrift in den Streitfragen verstanden und ausgelegt wurde.Offizielle Quelle: Lutherisch
Reformiert / calvinistischNach dem Westminster-Bekenntnis ist der ganze Ratschluss Gottes über alles, was für seine Ehre, das Heil des Menschen, den Glauben und das Leben notwendig ist, in der Schrift ausdrücklich niedergelegt oder durch gute und notwendige Folgerung aus ihr abzuleiten; nichts darf hinzugefügt werden, weder durch neue Offenbarungen des Geistes noch durch Überlieferungen von Menschen (I,6). Die unfehlbare Regel der Schriftauslegung ist die Schrift selbst (I,9).Offizielle Quelle: Reformiert / calvinistisch
BaptistischNach der Baptist Faith and Message (2000) ist die Bibel von Gott inspiriert und ohne jede Beimischung von Irrtum; sie bleibt der wahre Mittelpunkt christlicher Einheit und der höchste Maßstab, an dem alles menschliche Verhalten, alle Bekenntnisse und religiösen Meinungen zu prüfen sind (Artikel I).Offizielle Quelle: Baptistisch
Pfingstlich / charismatischNach Artikel 1 des Statement of Fundamental Truths der Assemblies of God sind die Schriften des Alten und Neuen Testaments wörtlich von Gott eingegeben; sie sind Gottes Offenbarung an den Menschen und die unfehlbare, maßgebliche Regel für Glauben und Lebensführung.Offizielle Quelle: Pfingstlich / charismatisch
Methodistisch / wesleyanischNach Artikel V der methodistischen Articles of Religion enthält die Heilige Schrift alles, was zum Heil notwendig ist; was in ihr nicht steht und sich aus ihr nicht beweisen lässt, darf niemandem als Glaubensartikel oder als heilsnotwendig auferlegt werden. Kirchliche Riten und Zeremonien dürfen sich nach Zeit und Ort unterscheiden, solange nichts gegen Gottes Wort angeordnet wird (Artikel XXII).Offizielle Quelle: Methodistisch / wesleyanisch
AnglikanischNach Artikel VI der 39 Artikel der Kirche von England enthält die Heilige Schrift alles, was zum Heil notwendig ist; was in ihr nicht steht und sich aus ihr nicht beweisen lässt, darf niemandem als Glaubensartikel auferlegt werden. Kirchliche Traditionen und Zeremonien dürfen sich nach Zeit und Ort unterscheiden, solange nichts gegen Gottes Wort angeordnet wird (Artikel XXXIV).Offizielle Quelle: Anglikanisch
Orthodox / byzantinischNach der Orthodoxen Kirche in Amerika ist die Heilige Tradition das, was in der Kirche von der Zeit der Apostel bis heute weitergegeben wird; sie ist nicht auf Geschriebenes begrenzt, sondern das ganze vom Heiligen Geist geleitete Leben der Kirche. Unter ihren Elementen hat die Bibel den ersten Platz; es folgen Liturgie und Gebet, die dogmatischen Entscheidungen der anerkannten Konzilien, die Schriften der Kirchenväter, das Leben der Heiligen, die Kanones und die Ikonographie.Offizielle Quelle: Orthodox / byzantinisch
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18 Bibelstellen · Schrift & Tradition

Was die Schrift selbst sagt

Alle Bibelstellen dieses Themas im Wortlaut, geordnet nach den Fragen, für die sie zeugen. Jede führt zu ihrer Erklärung.

Apostolische Überlieferung

2 Thess 2,15Mündlich und brieflich: Paulus ruft zum Festhalten an der Überlieferung auf

Paulus fordert die Gemeinde auf, an den mündlich und schriftlich überlieferten apostolischen Lehren festzuhalten. Die Kirche versteht darin die gemeinsame Bedeutung von Heiliger Schrift und lebendiger apostolischer Überlieferung.

Bibeltext

Seid also standhaft, Brüder und Schwestern, und haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben, sei es mündlich, sei es durch einen Brief!

Auszug aus 2 Thess 2,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016
1 Kor 11,2Paulus lobt das Festhalten an der Überlieferung, die er übergeben hat

Paulus lobt die Gemeinde, weil sie an den Überlieferungen festhält, die er ihr anvertraut hat. Die Kirche sieht darin den Auftrag, den apostolischen Glauben als empfangene Gabe treu zu bewahren und weiterzugeben.

Bibeltext

Ich lobe euch, dass ihr in allem an mich denkt und an den Überlieferungen festhaltet, wie ich sie euch übergeben habe.

Auszug aus 1 Kor 11,2 · EÜ 2016 · © KBA 2016
2 Tim 2,2Weitergabe über zuverlässige Menschen an weitere Lehrer

Paulus gibt die empfangene Lehre an Timotheus weiter, der sie zuverlässigen Lehrern anvertrauen soll. Die Kirche erkennt darin das biblische Grundmuster der Weitergabe, das sie in der apostolischen Nachfolge bewahrt sieht: Die Apostel haben Bischöfe als ihre Nachfolger zurückgelassen und ihnen ihr eigenes Lehramt übergeben (DV 7; KKK 77).

Bibeltext

Was du vor vielen Zeugen von mir gehört hast, das vertraue zuverlässigen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren!

Auszug aus 2 Tim 2,2 · EÜ 2016 · © KBA 2016
2 Tim 3,16Die Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich für Lehre und Leben

Die Schrift ist von Gott eingegeben und dient der Lehre, Korrektur, Besserung und Erziehung zu einem gerechten Leben. Durch die apostolische Überlieferung erkennt die Kirche, welche Bücher zur Heiligen Schrift gehören (DV 8; KKK 120).

Bibeltext

Jede Schrift ist, als von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes gerüstet ist, ausgerüstet zu jedem guten Werk.

Auszug aus 2 Tim 3,16–17 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Die Schrift auslegen

2 Petr 3,15–16Die Schrift kann verdreht werden

Petrus warnt davor, schwierige apostolische Schriften zu verdrehen. Die Kirche lehrt, dass das Lehramt der Schrift und der apostolischen Überlieferung dient, indem es ihren verbindlichen Sinn bewahrt und auslegt.

Bibeltext

In ihnen ist einiges schwer zu verstehen und die Unwissenden, die noch nicht gefestigt sind, werden diese Stellen ebenso verdrehen wie die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben.

Auszug aus 2 Petr 3,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Apg 8,26–35Christus öffnet die Schrift; die apostolische Kirche legt sie aus und entscheidet

Vom Geist geführt, hört Philippus den äthiopischen Kämmerer den Propheten Jesaja lesen und fragt: „Verstehst du auch, was du liest?“ Der Kämmerer antwortet: „Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet?“, und Philippus verkündet ihm, ausgehend von diesem Schriftwort, das Evangelium von Jesus. Die Stelle zeigt, dass sich die Schrift durch einen gesandten Verkünder erschließt; die Kirche lehrt, dass das Lehramt dem Wort Gottes dient und es zusammen mit der Überlieferung authentisch auslegt (DV 10).

Bibeltext

Verstehst du auch, was du liest? Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet?

Auszug aus Apg 8,30–31 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Apg 15,1–29Christus öffnet die Schrift; die apostolische Kirche legt sie aus und entscheidet

Apostel und Älteste beraten in Jerusalem einen Lehrstreit und teilen den Gemeinden ihren gemeinsamen Beschluss als Entscheidung des Heiligen Geistes mit. Die Kirche erkennt darin das biblische Muster einer verbindlichen apostolischen Lehrentscheidung.

Bibeltext

Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!

Auszug aus Apg 15,28–29 · EÜ 2016 · © KBA 2016
1 Tim 3,15Die Lehre wird öffentlich weitergegeben

Paulus bezeichnet die Kirche als Säule und Fundament der Wahrheit und überträgt ihr damit öffentliche Verantwortung. Die Kirche versteht ihr Lehramt als Dienst am Wort Gottes, der die apostolische Lehre bewahrt und verbindlich auslegt.

Bibeltext

Falls ich aber länger ausbleibe, sollst du wissen, wie man sich im Haus Gottes verhalten muss, welches die Kirche des lebendigen Gottes ist, Säule und Fundament der Wahrheit.

Auszug aus 1 Tim 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Lk 10,16Die Lehre wird öffentlich weitergegeben

Jesus erklärt, dass derjenige, der seine Gesandten hört, ihn selbst hört, und wer sie verwirft, auch ihn verwirft. Die Kirche versteht darin die verbindliche Bedeutung des apostolischen Auftrags und seiner Weitergabe.

Bibeltext

Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.

Auszug aus Lk 10,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Die Liturgie ehrt Gottes Wort

Neh 8,1–12Die Gemeinde versammelt sich um das Wort

Das versammelte Volk hört öffentlich aus dem Buch der Weisung, während die Schriftlesung erklärt und verständlich gemacht wird. Die Kirche feiert die Heilige Schrift als öffentliche Anrede Gottes an seine Gemeinde.

Bibeltext

Das ganze Volk lauschte auf das Buch der Weisung.

Auszug aus Neh 8,3 · EÜ 2016 · © KBA 2016
1 Thess 5,27Die Gemeinde versammelt sich um das Wort

Paulus beschwört die Gemeinde, seinen Brief allen Brüdern in der Versammlung vorlesen zu lassen. Die Kirche bewahrt diese öffentliche Schriftlesung als Teil des Gottesdienstes, in dem Christus seine Gemeinde sammelt und belehrt.

Bibeltext

Ich beschwöre euch beim Herrn, diesen Brief allen Brüdern und Schwestern in der Gemeinde vorzulesen.

Auszug aus 1 Thess 5,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016
1 Tim 4,13Die Gemeinde versammelt sich um das Wort

Paulus beauftragt Timotheus mit öffentlicher Schriftlesung, Ermahnung und Belehrung. Die Kirche sieht darin den Auftrag, Gottes Wort in der versammelten Gemeinde zu verkünden, auszulegen und gemeinsam zu empfangen.

Bibeltext

Lies ihnen eifrig aus der Schrift vor, ermahne und belehre sie, bis ich komme!

Auszug aus 1 Tim 4,13 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Offb 1,3Die Gemeinde versammelt sich um das Wort

Die Offenbarung preist den selig, der die prophetischen Worte vorliest, und jene, die sie hören und bewahren. Die Kirche versteht die öffentliche Schriftlesung als gemeinsame Aufnahme des Wortes Gottes und als Ruf zum gehorsamen Leben.

Bibeltext

Selig, wer die Worte der Prophetie vorliest, und jene, die sie hören und das halten, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.

Auszug aus Offb 1,3 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Lk 4,16–21Christus liest und erfüllt die Schrift

Jesus liest in der Synagoge aus Jesaja und erklärt, dass sich das Schriftwort in seiner Person erfüllt. Die Kirche empfängt in der Schrift Christus selbst und versteht die liturgische Lesung als wirksame Anrede Gottes an sein Volk.

Bibeltext

Als er aufstand, um vorzulesen, reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja.

Auszug aus Lk 4,16–17 · EÜ 2016 · © KBA 2016
1 Kor 11,26–29Wortgottesdienst und Eucharistie bilden einen Kultakt

Paulus erinnert die Gemeinde in Korinth an die Feier des Herrenmahls: Sooft sie von diesem Brot isst und aus dem Kelch trinkt, verkündet sie den Tod des Herrn, bis er kommt; wer unwürdig isst und trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn, und wer isst und trinkt, ohne den Leib zu unterscheiden, zieht sich das Gericht zu. Die Kirche lehrt, dass Christi Leib und Blut im Sakrament wirklich gegenwärtig sind und ein unwürdiger Empfang den Menschen schuldig macht.

Bibeltext

Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn.

Auszug aus 1 Kor 11,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Lk 24,27.30Wortgottesdienst und Eucharistie bilden einen Kultakt

Auf dem Weg nach Emmaus legt der auferstandene Jesus den Jüngern aus, was in der ganzen Schrift über ihn geschrieben steht; am Tisch nimmt er das Brot, spricht den Lobpreis, bricht es und gibt es ihnen. Die Kirche erkennt in dieser Abfolge den Ablauf ihrer Eucharistiefeier (KKK 1347).

Bibeltext

Vers 27: Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

Auslassung im Bibeltext.

Vers 30: Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen.

Auszug aus Lk 24,27.30 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Apg 20,7.11Wortgottesdienst und Eucharistie bilden einen Kultakt

In Troas versammelt sich die Gemeinde am ersten Tag der Woche, um das Brot zu brechen; Paulus redet bis Mitternacht, bricht dann das Brot und spricht weiter bis zum Morgengrauen. Die Stelle zeigt Wort und Brotbrechen in der Versammlung der Gemeinde am ersten Tag der Woche.

Bibeltext

Vers 7: Als wir am ersten Tag der Woche versammelt waren, um das Brot zu brechen, redete Paulus zu ihnen, denn er wollte am folgenden Tag abreisen; und er dehnte seine Rede bis Mitternacht aus.

Auslassung im Bibeltext.

Vers 11: Dann stieg er wieder hinauf, brach das Brot und aß und redete mit ihnen bis zum Morgengrauen.

Auszug aus Apg 20,7.11 · EÜ 2016 · © KBA 2016
1 Kor 14,40Die Kirche trägt das Wort amtlich weiter

Paulus verlangt, dass alles im Gottesdienst anständig und geordnet geschieht. Die Kirche ordnet deshalb die gemeinsame Feier der Liturgie.

Bibeltext

Doch alles soll in Anstand und Ordnung geschehen.

Auszug aus 1 Kor 14,40 · EÜ 2016 · © KBA 2016
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Wie die Kirche diese Frage durch die Jahrhunderte bezeugt

Kirchenväter, Konzilien und Kirchenlehrer zeigen, wie Christen die Schrift zu dieser Frage gelesen und gelebt haben. Ihr Wortlaut steht jeweils bei der Frage, die er stützt.

Jede Frage zu Schrift & Tradition einzeln geprüft

Jeder Schritt prüft eine Bibelstelle genau: was sie sagt, was sie zum Argument beiträgt und welcher Einwand sich an ihr festmacht.

Die Begriffe dieses Themas kurz erklärt

Betrachten und beten

Welche Autorität entscheidet, wenn unterschiedliche Bibelauslegungen einander widersprechen?

Gott des Wortes, bewahre die Kirche in der Treue zur Schrift und zur apostolischen Überlieferung. Schenke Einsicht, Demut und Mut zur Wahrheit. Amen.