Schrift und Tradition
Die Kirche ehrt das Evangelium sichtbar
In der römischen Liturgie wird das Evangelium mit sichtbaren Zeichen geehrt. Die Gemeinde erhebt sich, das Evangeliar wird zum Ambo getragen, Licht und Weihrauch begleiten den Weg, die Verkündigung wird mit einer Akklamation beantwortet und das Buch mit einem Kuss verehrt. Diese Zeichen machen sichtbar, wie die Kirche das Wort Gottes empfängt.
2 Fragen · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Prozession, Licht und Weihrauch Glaube und Überlieferung
Die Kirche ehrt das Evangelium mit Prozession, Licht, Weihrauch und Kuss
Der Katechismus der Katholischen Kirche und die Grundordnung beschreiben, wie die Gemeinde das Wort Christi mit Leib und Stimme ehrt.
Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) nennt in der Nummer 1154 Prozession, Weihrauch, Licht, Ambo, Akklamationen und aufmerksames Hören als Zeichen der Verehrung des Wortes. Die Grundordnung beschreibt denselben Vorgang als Ablauf: Alle erheben sich; der Diakon oder Priester nimmt das Evangeliar und geht zum Ambo, dem eigenen Ort der Verkündigung; vor ihm können Weihrauch und brennende Kerzen getragen werden; das Buch wird inzensiert, also mit Weihrauch geehrt; das Evangelium wird verkündet und anschließend durch einen Kuss verehrt.
Diese Handlungen haben ihren Sinn in der kirchlichen Überzeugung, dass Christus in seinem Wort gegenwärtig ist. Die Kirche verehrt die Heilige Schrift wie den Leib des Herrn selbst. Weihrauch drückt Verehrung und Gebet aus; Licht, Stehen, Akklamation und Kuss ordnen den ganzen Leib der Gemeinde auf die Verkündigung hin. Die Zeichen verleihen der Schrift keine zusätzliche Offenbarung; sie bekennen mit dem Körper, was die Kirche im Glauben empfängt: Gottes Wort ist heilig, Christus spricht, und die Gemeinde hört in Verehrung. Offen ist noch, wie sich diese Zeichen zum biblischen Zeugnis verhalten.
Unbiblische Zusätze Glaube und Überlieferung
Sind Prozession, Leuchter und Weihrauch unbiblische Zusätze?
Die Bibel schreibt keine Evangelienprozession mit Leuchtern und Weihrauch vor; die römische Liturgie entfaltet die Verehrung des Wortes in geordneten Zeichen.
Die Prozession mit Evangeliar, Leuchtern, Weihrauch und Kuss gehört zur liturgischen Gestalt der Kirche. Die reformierte Tradition sieht in solchen Zeichen unbiblische Zusätze: Nach dem Westminster-Bekenntnis ist die annehmbare Weise, den wahren Gott zu verehren, von ihm selbst eingesetzt und durch seinen geoffenbarten Willen begrenzt; er darf auf keine Weise verehrt werden, die in der Heiligen Schrift nicht vorgeschrieben ist (XXI,1). Die lutherischen Bekenntnisse urteilen anders: Sie behalten kirchliche Ordnungen bei, die ohne Sünde gehalten werden können und dem Frieden und der guten Ordnung in der Kirche dienen (Augsburger Bekenntnis, Artikel 15).
Die konkrete Prozession ist eine kirchliche liturgische Entfaltung, und ihre Bedeutung liegt in dem, was sie sichtbar bekennt: Die Kirche empfängt das Evangelium als heiliges Wort Christi und antwortet ihm mit Verehrung. Die Zeichen treten an die Seite der Verkündigung und machen ihre Würde öffentlich erkennbar. Die Schrift selbst kennt diese Sprache: Die Offenbarung des Johannes verbindet im himmlischen Gottesdienst den Weihrauch mit den Gebeten der Heiligen (Offb 8,3–4), und aus der Schrift empfangen nach dem Konzil auch die liturgischen Handlungen und Zeichen ihren Sinn (SC 24).
Quellen zu dieser Frage 6
- KKK 1154Katechismus der Katholischen Kirche ↗
- GIRM 131–134; 273; 276Grundordnung des Römischen Messbuchs, dritte Editio typica (englische Fassung) ↗
- GRM 131–134, 273, 276Grundordnung des Römischen Messbuchs ↗
- SC 24Sacrosanctum Concilium ↗
- WCF XXI.1Westminster Confession of Faith ↗
- CA XVAugsburger Bekenntnis ↗