Schrift und Überlieferung
Christus öffnet die Schrift; die apostolische Kirche legt sie aus und entscheidet
Zwei Szenen aus der frühen Kirche zeigen, wie dort mit der Schrift umgegangen wird: Philippus erklärt dem Kämmerer die Schrift im Licht der Verkündigung Jesu, und die Versammlung in Jerusalem entscheidet eine umstrittene Lehrfrage gemeinsam und verbindlich. Die Kirche liest darin ihre eigene Aufgabe und die Grenze ihrer Autorität.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Auslegung und Entscheidung Bibel und Textverständnis
Philippus verkündet Christus aus der Schrift; in Jerusalem entscheiden Apostel und Älteste
Beide Stellen bezeugen einen Vorgang aus der frühen Kirche: Eine Schrift wird ausgelegt, und eine Streitfrage wird entschieden.
Verstehst du auch, was du liest? Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet?
Auszug aus Apg 8,30–31 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Philippus legt dem äthiopischen Beamten die Schrift aus und führt von Jesaja zu Christus.
Philippus begegnet dem Kämmerer aus Äthiopien, der in der Schrift liest. Philippus geht auf ihn zu und legt ihm die Schrift aus, indem er von dieser Stelle aus Christus verkündet. Der Text bleibt dabei der Text, den der Mann vor sich hat; erschlossen wird er durch die Verkündigung Jesu. Christus steht im Zentrum dieser Erklärung, und das Hören führt zum Verstehen.
Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!
Auszug aus Apg 15,28–29 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Apostel und Ältesten beraten und treffen eine verbindliche Entscheidung für die Gemeinden.
In Jerusalem verhandeln Apostel und Älteste einen Streit der Gemeinden über eine Lehrfrage. Sie beraten gemeinsam und entscheiden; das Wirken des Heiligen Geistes gehört nach dem Zeugnis dieser Stelle zu dieser Entscheidung. Die Gemeinden erhalten ein verbindliches Wort. Beide Stellen zeigen denselben Grundzug: Die Schrift wird ausgelegt, und die Kirche entscheidet.
Dienst am Wort Gottes Glaube und Überlieferung
Das Lehramt dient dem Wort Gottes und steht unter ihm
Die Kirche beschreibt ihre Auslegungsaufgabe als Dienst am Wort Gottes.
Die Kirche liest diese Vorgänge als Auftrag, der ihr aufgegeben bleibt. Philippus legt die Schrift aus, indem er Christus verkündet; in Jerusalem entscheiden Apostel und Älteste gemeinsam und wissen sich vom Heiligen Geist geführt. Auslegung und Entscheidung gehören in der Kirche zusammen, und beide bleiben an das Wort Gottes gebunden. Christus bleibt der Schlüssel der Schrift.
Das Lehramt, also die Aufgabe der Kirche, das Wort Gottes verbindlich auszulegen, dient diesem Wort und steht unter ihm. Ihm ist aufgetragen, das geschriebene und überlieferte Wort Gottes zu erklären und den apostolischen Glauben zu bewahren. Schrift, Überlieferung und Lehramt sind nach Gottes Ratschluss so miteinander verbunden, dass keines ohne die anderen besteht; zusammen dienen sie durch das Wirken des einen Heiligen Geistes dem Heil der Menschen. Dei Verbum und der Katechismus der Katholischen Kirche halten diese Ordnung fest: Die Auslegung bleibt dem Wort unterstellt, dem sie dient.
Quellen zu dieser Frage 2
Menschliche Autorität neben Christus Glaube und Überlieferung
Setzt eine verbindliche Entscheidung der Kirche menschliche Autorität an die Stelle Christi?
Eine verbindliche Auslegung kann die Schrift einengen und menschliche Autorität an die Stelle Christi setzen.
Wer eine verbindliche Entscheidung der Kirche hört, kann fragen, ob damit Menschen über die Schrift bestimmen. Eine Auslegung, die festlegt, was der Text zu bedeuten hat, kann die Freiheit des Wortes Gottes einengen. Dann läge die Autorität bei Menschen, und der Gläubige hörte ein menschliches Wort, wo er das Wort Gottes erwartet.
Die apostolische Kirche entscheidet in Bindung an Christus und sein Wort. Philippus legt die Schrift auf Christus hin aus; Apostel und Älteste beraten unter dem Geist, der die Entscheidung trägt. Deshalb steht das Lehramt nicht über dem Wort Gottes, das in Schrift und Überlieferung weitergegeben wird, sondern dient ihm: Es lehrt nur, was überliefert ist. Seine Autorität ist auf das Wort Gottes bezogen, und ihr Ziel ist der apostolische Glaube, den sie bewahren soll. Christus bleibt der Schlüssel der Schrift; die Kirche legt sie in dieser Bindung aus und entscheidet Streitfragen verbindlich.