Bibelstelle · EÜ 2016
Apg 15,1–29
Apostel und Älteste beraten in Jerusalem einen Lehrstreit und teilen den Gemeinden ihren gemeinsamen Beschluss als Entscheidung des Heiligen Geistes mit. Die Kirche erkennt darin das biblische Muster einer verbindlichen apostolischen Lehrentscheidung.
Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Auszug
Auszug aus Apg 15,1–29
Bibeltext
Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!
Auszug aus Apg 15,28–29 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
In den Themen
Warum diese Stelle hier wichtig ist
Eine Stelle trägt oft mehr als eine Glaubensfrage. Bei jeder steht, was sie zum Argument beiträgt und wo das Argument weitergeht.
Wie die Kirche eine Glaubensfrage gemeinsam und verbindlich klärt
Die Stelle zeigt die konkrete Form einer apostolischen Lehrentscheidung in der Kirche.
Christus öffnet die Schrift; die apostolische Kirche legt sie aus und entscheidet
Stützt die apostolische Kirche als Ort gemeinsamer, verbindlicher Lehrentscheidung.
Das Apostelkonzil entscheidet verbindlich
Der Bericht zeigt eine sichtbare apostolische Versammlung, die einen Streit verbindlich für die Gemeinden entscheidet.
Der Kanon wird in der apostolischen Kirche empfangen
Baustein für die kirchliche Entscheidungsform; nächste Prämisse: 1 Tim 3,15.
Eine Kirche in Christus
Die Stelle zeigt, wie kirchliche Einheit durch gemeinsame Lehre und Entscheidung geordnet wird.
Petrus in der apostolischen Kirche
Die Stelle bezeugt die Stimme Petri im apostolischen Kollegium und seine Mitwirkung an einer verbindlichen Lehrentscheidung.
Eine Entscheidung der Apostel, die die Gemeinden erreicht
Die Stelle liefert ein direktes biblisches Muster verbindlicher kirchlicher Lehrentscheidung.
Verwandte Bibelstellen
Stellen, die mit dieser zusammen gelesen werden
Kirchliche Zeugen
Zeugnis der Kirche durch die Jahrhunderte
Die Zeugnisse von Kirchenvätern, Kirchenlehrern, Konzilien und dem Lehramt zeigen, wie die Kirche diese Stelle verstanden hat.
Irenäus von Lyon
Irenäus bezeugt die von den Aposteln herkommende Überlieferung und Verkündigung, die durch die Nachfolge der Bischöfe bis zu uns gelangt ist.
Es liegt in der Möglichkeit aller, die in jeder Kirche die Wahrheit sehen wollen, die in der ganzen Welt sichtbare Überlieferung der Apostel zu betrachten und die Bischöfe aufzuzählen, die von den Aposteln in den Kirchen eingesetzt wurden, ebenso ihre Nachfolger bis in unsere Zeit.
Gegen die Häresien, Buch III · Adversus haereses III,3,1–3 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Die Stelle nennt die apostolische Überlieferung und Verkündigung sowie ihre Weitergabe durch die Nachfolge der Bischöfe.
Die Grenze: Irenäus spricht noch nicht in der Begriffssprache des Ersten Vatikanischen Konzils; die Kirche zitiert die Stelle als frühes Zeugnis dafür, dass wegen des besonderen Vorrangs Roms jede Kirche mit der römischen Kirche übereinstimmen muss (KKK 834; Pastor aeternus, Kap. 2).
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Irenäus führt die öffentliche Nachfolge der Bischöfe in apostolischen Kirchen gegen geheime gnostische Lehren an. Rom nennt er als alte, von Petrus und Paulus gegründete Kirche und führt ihre Bischofsnachfolge an.
Historischer Text
Es liegt in der Möglichkeit aller, die in jeder Kirche die Wahrheit sehen wollen, die in der ganzen Welt sichtbare Überlieferung der Apostel zu betrachten und die Bischöfe aufzuzählen, die von den Aposteln in den Kirchen eingesetzt wurden, ebenso ihre Nachfolger bis in unsere Zeit. […] Die sehr große, sehr alte und allbekannte Kirche, die in Rom von den ruhmreichsten Aposteln Petrus und Paulus gegründet und eingerichtet wurde, besitzt die von den Aposteln herkommende Überlieferung und die Verkündigung, die durch die Nachfolge der Bischöfe bis zu uns gelangt ist. […] Mit dieser Kirche muss wegen ihrer herausragenden Stellung [potentiorem principalitatem] jede Kirche übereinstimmen [convenire], das heißt die Gläubigen von überall. In ihr ist die von den Aposteln stammende Überlieferung von denen, die von überall her sind, stets bewahrt worden. […] Nachdem die seligen Apostel die Kirche gegründet und eingerichtet hatten, übergaben sie Linus das Bischofsamt zur Leitung der Kirche; auf ihn folgte Anacletus, und an dritter Stelle nach den Aposteln wurde Clemens Bischof. Es folgten Evaristus, Alexander, Sixtus, Telesphorus, Hyginus, Pius, Anicetus, Soter und Eleutherius.
Vollständigen historischen Text öffnen: Irenäus von LyonWarum diese Stelle wichtig ist
Irenäus verbindet allgemeine apostolische Sukzession, öffentliche Bewahrung der Verkündigung und eine besondere Referenzstellung Roms. Die römische Bischofsliste macht die Nachfolge als sichtbare historische Ordnung greifbar.
Konzil von Sardica
Sardica regelt allgemein, dass ein verurteilter Bischof sich an den Bischof von Rom wenden kann, und begründet das mit dem Gedenken an den Apostel Petrus.
Zur Ehre des Gedenkens an den Apostel Petrus sollen diejenigen, die das Urteil gefällt haben, an Julius, den Bischof von Rom, schreiben, damit der Fall, wenn es nötig ist, von den Bischöfen der benachbarten Provinzen erneut verhandelt wird und er Schiedsrichter ernennt; wenn aber nicht gezeigt werden kann, dass sein Fall von solcher Art ist, dass er einen neuen Prozess erfordert, soll das einmal ergangene Urteil nicht aufgehoben werden, sondern wie zuvor bestehen bleiben.
Kanones von Sardica · Konzil von Sardica, Kanon 3 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Sardica bezeugt eine römische Appellationsrolle mit petrinischer Begründung.
Die Grenze: Sardica regelt die erneute Prüfung eines Bischofsurteils und verbindet sie mit dem Bischof von Rom; die volle Leitungsgewalt über die ganze Kirche hat das Erste Vatikanische Konzil später bestimmt.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Sardica regelt die erneute Prüfung eines Bischofsurteils und die Rolle des Bischofs von Rom.
Historischer Text
Wenn also ein Bischof in irgendeiner Sache verurteilt worden ist und seinen Fall nicht für schlecht, sondern für gut hält, soll die Frage, wenn es eurer Liebe gut erscheint, wieder aufgenommen werden. Zur Ehre des Gedenkens an den Apostel Petrus sollen diejenigen, die das Urteil gefällt haben, an Julius, den Bischof von Rom, schreiben, damit der Fall, wenn es nötig ist, von den Bischöfen der benachbarten Provinzen erneut verhandelt wird und er Schiedsrichter ernennt; wenn aber nicht gezeigt werden kann, dass sein Fall von solcher Art ist, dass er einen neuen Prozess erfordert, soll das einmal ergangene Urteil nicht aufgehoben werden, sondern wie zuvor bestehen bleiben.
Vollständigen historischen Text öffnen: Konzil von SardicaWarum diese Stelle wichtig ist
Der Text bezeugt eine mit Petrus begründete römische Berufungsfunktion, verbindet sie aber mit einem örtlichen Verfahren zur erneuten Verhandlung.
Weitere historische Zeugnisse (1)
Konzil von Chalcedon
Kanon 28 begründet die Vorrechte des alten Rom mit seiner kaiserlichen Stellung und gewährt dem Neuen Rom aus derselben Erwägung gleiche Vorrechte.
Denn die Väter gewährten dem Sitz des alten Rom mit Recht Vorrechte, weil es die kaiserliche Stadt war. Und die einhundertfünfzig frommsten Bischöfe gaben, von derselben Erwägung bewegt, dem heiligsten Sitz des Neuen Rom gleiche Vorrechte, da sie zu Recht urteilten, dass die Stadt, die durch die Herrschaft und den Senat geehrt wird und gleiche Vorrechte wie das alte kaiserliche Rom genießt, auch in kirchlichen Angelegenheiten ebenso verherrlicht werden und unmittelbar nach ihm rangieren soll.
Konzil von Chalcedon · Konzil von Chalcedon, Kanon 28 (451) · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Chalcedon führt die Vorrechte des alten Rom auf seine Stellung als Kaiserstadt zurück und gewährt dem Neuen Rom aus derselben Erwägung gleiche Vorrechte.
Die Grenze: Kanon 28 ordnet Konstantinopel unmittelbar nach Rom ein und begründet diese Rangfolge politisch; er bestreitet den Vorrang Roms nicht, gibt ihm aber einen anderen Grund als die Nachfolge Petri.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Kanon 28 behandelt die Vorrechte Roms und Konstantinopels innerhalb der kirchlichen Rangordnung.
Historischer Text
Indem wir in allem den Entscheidungen der heiligen Väter folgen und den Kanon anerkennen, der soeben verlesen wurde, nämlich den Kanon der einhundertfünfzig gottgeliebten Bischöfe, die sich in der kaiserlichen Stadt Konstantinopel, dem Neuen Rom, zur Zeit des Kaisers Theodosius seligen Andenkens versammelt hatten, bestimmen und beschließen auch wir dasselbe über die Vorrechte der heiligsten Kirche von Konstantinopel, dem Neuen Rom. Denn die Väter gewährten dem Sitz des alten Rom mit Recht Vorrechte, weil es die kaiserliche Stadt war. Und die einhundertfünfzig frommsten Bischöfe gaben, von derselben Erwägung bewegt, dem heiligsten Sitz des Neuen Rom gleiche Vorrechte, da sie zu Recht urteilten, dass die Stadt, die durch die Herrschaft und den Senat geehrt wird und gleiche Vorrechte wie das alte kaiserliche Rom genießt, auch in kirchlichen Angelegenheiten ebenso verherrlicht werden und unmittelbar nach ihm rangieren soll.
Vollständigen historischen Text öffnen: Konzil von ChalcedonWarum diese Stelle wichtig ist
Kanon 28 zeigt, dass im Osten der Rang der Bischofssitze auch mit der politischen Bedeutung der Städte begründet wurde. Rom hat diese Begründung nicht angenommen: Leo der Große verweigerte dem Kanon die Zustimmung und hielt an der Ordnung von Nizäa fest.
Quellen und HinweiseKKK 748–975 · KKK 74–100 · KKK 65–67, 84–95, 232–267, 464–469, 888–892
Katechismus
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 748–975Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Kirche und ihre Ämter.
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 74–100Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Apostolische Tradition, Schrift und Lehramt.
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 65–67, 84–95, 232–267, 464–469, 888–892Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Offenbarung, Glaubensgut, Dogma und Lehramt.
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 101–141Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Inspiration und Kanon der Schrift.
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 880–887Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Petrusdienst und Bischofskollegium.
Konzilien und Lehramt
- Lumen gentiumLG 18–29Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Apostolisches Amt und Bischöfe.
- Dei VerbumDV 10Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Lehramt als Diener des Wortes Gottes.
- Dei VerbumDV 7–10Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Gemeinsamer Ursprung und Überlieferung der Offenbarung.
- Dei VerbumDV 4, 7–10Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Offenbarung, apostolische Überlieferung und Lehramt.
- Lumen gentiumLG 25Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Grenzen und Träger der kirchlichen Unfehlbarkeit.
- Lehrmäßiger Kommentar zur Professio fideiNr. 5–11Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Unterscheidung der lehramtlichen Verbindlichkeitsstufen.
- Dei VerbumDV 7–10, 21Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Schrift in apostolischer Überlieferung und Kirche.
Fachdokumente und Studien
- Das jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen BibelNr. 16–18Sekundäranalyse · Offizielle kirchliche Quelle
Offizielle historische Studie zur Entwicklung jüdischer und christlicher Schriftensammlungen.
- Luther Bible 1534Apocrypha sectionSekundäranalyse · Wissenschaftliche Sekundärquelle
Die vollständige Lutherbibel von 1534 druckt die deuterokanonischen Bücher gesondert als Apokryphen und verweigert ihnen denselben kanonischen Rang.
Historische Primärquellen
- Konzil von Florenz, Cantate DominoDekret für die Jakobiten, 4. Februar 1442 (DH 1334–1336)Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Vor der Reformation bezeugte kirchliche Bestätigung des empfangenen Kanons.
- Konzil von Trient, Sitzung IV4. Sitzung, 8. April 1546: Dekret über die kanonischen Schriften (DH 1501–1504)Transkription bei Hanover Historical Texts Collection
Dogmatische Definition des empfangenen katholischen Kanons in der Reformationskontroverse.
Bekenntnisse und offizielle Lehrquellen
- Statement of Scriptural and Confessional PrinciplesThe Authority of Scripture; The Lutheran ConfessionsPrimärtext · Offizielle konfessionelle Quelle
Lutherische Position zur höchsten Norm der Schrift und zu Bekenntnissen.
- Westminster Confession of FaithWCF I.9–10Primärtext · Offizielle konfessionelle Quelle
Reformierte Position zur Auslegung der Schrift durch die Schrift.
- Westminster Confession of FaithWCF I.10; XI.1–3; XVI.2,5–6; XXV.1–6; XXXI.1–3Primärtext · Offizielle konfessionelle Quelle
Offizielle reformierte Bekenntnisquelle zu Rechtfertigung, guten Werken, Kirche, Schrift, Synoden und Konzilien.