Der Kanon der Schrift
Wer bestimmt den christlichen Kanon?
Wer bestimmt den christlichen Kanon, den verbindlichen Bestand der heiligen Bücher? Die Kirche antwortet: Sie empfängt den Kanon aus der apostolischen Überlieferung und erkennt ihn öffentlich an. Empfang meint: anerkennen, was in Überlieferung, Liturgie und Lehre als Wort Gottes vorliegt. Die Lese-Reise führt in sechs Schritten von der Inspiration der Schrift und ihrer apostolischen Weitergabe über den Einwand aus Tempelsammlung und Matthäus 23,35, den neutestamentlichen Gebrauch deuterokanonischer Bücher und die Kanongeschichte bis zur öffentlichen Anerkennung durch die Kirche.
6 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Unterthema 1 von 1 · Kanonfrage
Die Kirche hat den Umfang der Schrift in der apostolischen Überlieferung erkannt und verbindlich festgestellt
Die Schrift Bibel und Textverständnis
Was sagt 2 Timotheus 3,16 über Inspiration und den Umfang der Schrift?
2 Timotheus 3,16 bezeugt die göttliche Inspiration und den Nutzen der Schrift; der Vers nennt den vollständigen Bestand ihrer Bücher nicht.
Die Heilige Schrift bezeugt in 2 Timotheus 3,16 ihren göttlichen Ursprung und ihren Nutzen. Weil sie von Gott eingegeben ist, dient sie der Belehrung, der Widerlegung, der Besserung und der Erziehung in der Gerechtigkeit. So wird der Mensch Gottes für jedes gute Werk ausgerüstet. Der Vers beschreibt damit Ursprung, Aufgabe und Ziel der Schrift.
Jede Schrift ist, als von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes gerüstet ist, ausgerüstet zu jedem guten Werk.
Auszug aus 2 Tim 3,16–17 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre; der Vers enthält keine Bücherliste.
Dieses Zeugnis gilt der Schrift als ganzer. Die Frage, welche Bücher im Einzelnen zu ihr gehören, bleibt dabei bestehen. Der Vers trägt die Unterscheidung zwischen der Inspiration der Schrift und der Erkenntnis ihres Umfangs: Er bezeugt, dass die Schrift von Gott eingegeben und für das Leben des Glaubens nützlich ist; die Bestimmung der inspirierten Schriften führt zur kirchlichen Rezeption.
Die göttliche Inspiration gründet in Gott; in der apostolischen Überlieferung empfängt die Kirche den Umfang der inspirierten Schriften und erkennt ihn öffentlich an. Die kirchliche Rezeption bezeugt, welche Schriften zum Kanon gehören.
Der Empfang Glaube und Überlieferung
Wie empfängt die apostolische Kirche den Kanon der Heiligen Schrift?
Der Kanon ist der verbindliche Bestand der heiligen Bücher. Die apostolische Kirche empfängt ihn aus der Überlieferung, erkennt ihn öffentlich an und bewahrt ihn unter dem Beistand des Heiligen Geistes. Die Schrift selbst zeigt dafür die Gestalt apostolischer Weitergabe und kirchlicher Entscheidung.
Wer die Heilige Schrift liest, begegnet Gottes eingegebenem Wort und erfährt seinen heilbringenden Nutzen. Zugleich gehört zur Frage nach dem Kanon die Unterscheidung zwischen der Inspiration der Bücher und der öffentlichen Erkenntnis ihres vollständigen Bestands. Die Kirche empfängt den Kanon in der apostolischen Überlieferung; sie macht die Bücher dadurch nicht zu Gottes Wort, sondern hält sie für heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben, Gott zum Urheber haben und als solche der Kirche übergeben sind (DV 11). Die Anerkennung hatte unterschiedliche Zeugen und verlief nicht überall gleichförmig.
2 Tim 3,16: Zusammenhang und ÜbersetzungJede Schrift ist, als von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes gerüstet ist, ausgerüstet zu jedem guten Werk.
Auszug aus 2 Tim 3,16–17 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Die apostolische Überlieferung umfasst nach dem Zeugnis des Paulus sowohl das mündlich als auch das schriftlich Überlieferte. Die Gemeinde soll an den Überlieferungen festhalten, in denen sie unterwiesen worden ist. Damit erscheint die Lehre als ein anvertrautes Gut, das die Kirche empfängt und bewahrt. Diese Weitergabe ist geordnet und gelangt an zuverlässige Lehrer.
Seid also standhaft, Brüder und Schwestern, und haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben, sei es mündlich, sei es durch einen Brief!
Auszug aus 2 Thess 2,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus fordert dazu auf, an mündlich und schriftlich überlieferten Traditionen festzuhalten.
Paulus beauftragt Timotheus, das vor vielen Zeugen Gehörte zuverlässigen Menschen anzuvertrauen, die wiederum andere lehren können. Apostolische Lehre wird damit öffentlich weitergegeben, durch beauftragte und fähige Lehrer bewahrt und an die nächste Generation vermittelt. Diese geordnete Weitergabe führt zur Kirche, die die Wahrheit öffentlich bewahrt.
Was du vor vielen Zeugen von mir gehört hast, das vertraue zuverlässigen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren!
Auszug aus 2 Tim 2,2 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus vertraut Timotheus die Lehre an, die zuverlässige Menschen weiteren vermitteln sollen.
Die Kirche des lebendigen Gottes wird als Säule und Fundament der Wahrheit bezeichnet. Ihre Aufgabe besteht darin, das anvertraute apostolische Zeugnis sichtbar zu tragen und in ihrem gemeinsamen Leben zu bewahren. Diese öffentliche Verantwortung wird in der Entscheidung der Apostel und Ältesten über einen Lehrstreit konkret greifbar.
Falls ich aber länger ausbleibe, sollst du wissen, wie man sich im Haus Gottes verhalten muss, welches die Kirche des lebendigen Gottes ist, Säule und Fundament der Wahrheit.
Auszug aus 1 Tim 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Kirche wird Säule und Fundament der Wahrheit genannt.
In Jerusalem legen Apostel und Älteste eine verbindliche Entscheidung vor und schreiben: Der Heilige Geist und sie haben beschlossen, der Gemeinde nur die notwendigen Weisungen aufzuerlegen. Die Kirche entscheidet hier gemeinsam, öffentlich und unter dem Beistand des Heiligen Geistes. So zeigt das Neue Testament, wie apostolische Lehre empfangen, weitergegeben und für die ganze Kirche verbindlich vorgelegt wird.
Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!
Auszug aus Apg 15,28–29 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Apostel und Älteste entscheiden einen Lehrstreit verbindlich.
Diese Zeugnisse sind keine verborgene Bücherliste. Ihr Beitrag liegt in der öffentlichen Ordnung, in der die Kirche das apostolische Erbe bewahrt und Streitfragen verbindlich entscheidet; in dieser Ordnung empfängt sie auch die heiligen Schriften.
Quellen zu dieser Frage 2
Der Einwand Bibel und Textverständnis
Begrenzt Matthäus 23,35 den Kanon auf die hebräischen Schriften?
Der Einwand verbindet verehrte Schriften Israels mit Jesu Worten von Abel bis Zacharias.
Die Verbindung von Abel bis Zacharias kann als Hinweis auf eine Ordnung der hebräischen Schriften gelesen werden. Im Zusammenhang von Matthäus 23,35 steht sie in Jesu Anklage gegen die Verfolgung der Boten Gottes.
So wird all das unschuldige Blut über euch kommen, das auf Erden vergossen worden ist, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut des Zacharias, Barachias Sohn, den ihr zwischen dem Tempelgebäude und dem Altar ermordet habt.
Auszug aus Mt 23,35 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Die Frage an diesen Text
Jesus spannt seine Anklage über vergossenes unschuldiges Blut von Abel bis Zacharias; eine Bücherzahl nennt er dabei nicht.
Das Gleiche wird auch in den Urkunden und in den Erinnerungen des Nehemia erzählt; dort steht auch, wie er eine Bibliothek gründete und die Bücher über die Könige und die der Propheten, Davids sowie königliche Briefe über Weihegaben sammelte.
Auszug aus 2 Makk 2,13–15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Welche Folgerung der Text begrenzt
Ein deuterokanonisches Buch bezeugt Nehemias und Judas’ Sammlung; eine Tempel-Bücherliste nennt der Text nicht.
2 Makkabäer 2,13–15 berichtet von der Sammlung und Wiedergewinnung von Büchern. Was die Sammlung und Jesu Wort für den christlichen Kanon tragen, wird im folgenden Beweisschritt am Text und an den historischen Zeugen geprüft.
Im Neuen Testament Bibel und Textverständnis
Wie wirken deuterokanonische Schriften im Neuen Testament weiter?
Die Passion und der Glaubenskatalog des Hebräerbriefs berühren Texte aus Weisheit und 2 Makkabäer.
Matthäus 27,43 verbindet die Rettungssprache von Psalm 22 mit einem Echo aus Weisheit 2 über den leidenden Gerechten. Hebräer 11,35 erinnert an die Märtyrer von 2 Makkabäer 6–7, an die Folterbank, die ausgeschlagene Rettung und ihre Hoffnung auf Auferstehung; Hebräer 1,3 nennt den Sohn mit dem Wort, mit dem Weisheit 7,26 die Weisheit als Widerschein des ewigen Lichts beschreibt.
Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner.
Auszug aus Weish 2,12–20 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Weisheit zeichnet den verspotteten Gerechten als Sohn Gottes: Dieses Bild klingt in der Passion Jesu an.
Er hat auf Gott vertraut, der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat; er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn.
Auszug aus Mt 27,43 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Spott verbindet Psalm 22 direkt mit der Gottessohnschaft des leidenden Gerechten, die an Weisheit 2 erinnert.
Gott hat uns die Hoffnung gegeben, dass er uns auferstehen lässt.
Auszug aus 2 Makk 7,1–42 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Brüder und ihre Mutter hoffen unter Folter auf die Auferstehung zu einem neuen, ewigen Leben; diese Hoffnung nennt Hebräer 11,35.
Andere wurden gefoltert, da sie den Loskauf nicht annahmen, um eine bessere Auferstehung zu erlangen.
Auszug aus Hebr 11,35–37 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Vers 35 erinnert an die Makkabäermärtyrer, an Folterbank, ausgeschlagene Rettung und Auferstehungshoffnung; Vers 37 bündelt weitere Leiden.
Die neutestamentlichen Verfasser greifen damit auf Bilder aus diesen Büchern zurück, wenn sie vom Leiden Christi und von der Treue der Märtyrer erzählen; welche Bücher zum Kanon gehören, erkennt die Kirche in der Überlieferung, in der sie diese Schriften empfangen hat.
Der Weg Glaube und Überlieferung
Wie die Geschichte des Kanons zu Christus und seiner Kirche führt
Die Geschichte des Kanons führt zurück zu Christus und zu der Kirche, die sein apostolisches Erbe empfangen und bewahrt hat.
Die Anerkennung der heiligen Bücher gehört in diese Geschichte hinein: Sie setzt die apostolische Weitergabe voraus und führt auf deren Ursprung zurück. Der Kanon ist der Bestand der Bücher, die die Kirche als Heilige Schrift liest. Seine Geschichte beginnt bei den Schriften Israels und führt über die frühen Christen, die sie empfangen haben, bis zu den verbindlichen Entscheidungen der Kirche.
Was bei der Kanonfrage auf dem Spiel steht, zeigen vier Stellen aus Büchern, deren Zugehörigkeit zum Kanon später bestritten wurde: In 2 Makkabäer 15 erscheint der Prophet Jeremia als Fürsprecher für das Volk und die heilige Stadt; in Tobit 12,12 trägt der Engel Rafaël das Gebet Tobits und Saras vor die Herrlichkeit des Herrn; Sirach 3,30 sagt, dass eine Liebestat Sünden sühnt; in 2 Makkabäer 12,43–45 lässt Judas für gefallene Gefährten ein Sündopfer darbringen und betet im Blick auf die Auferstehung für die Toten. Ihre Zugehörigkeit zur Schrift erkennt die Kirche in der Überlieferung, die sie empfangen hat; ihr Inhalt zeigt, welche Aussagen über die Fürbitte, das Gebet für die Verstorbenen und die Werke der Liebe davon abhängen, ob diese Bücher als Gottes Wort gelesen werden.
Onias begann zu reden und sagte: Das ist der Freund seiner Brüder, der viel für das Volk und die heilige Stadt betet, Jeremia, der Prophet Gottes.
Auszug aus 2 Makk 15,12–16 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jeremia erscheint als Fürsprecher für das Volk und die heilige Stadt.
Als ihr gebetet habt, du und Sara, war ich es, der euer Gebet vor die Herrlichkeit des Herrn getragen hat.
Auszug aus Tob 12,12 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Rafaël trägt das Gebet Tobits und Saras vor die Herrlichkeit des Herrn.
Wasser löscht loderndes Feuer und eine Liebestat sühnt Sünden.
Auszug aus Sir 3,30 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Wie Wasser loderndes Feuer löscht, so sühnt eine Liebestat Sünden.
Auszug aus 2 Makk 12,43–45 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 43: Er veranstaltete eine Sammlung, an der sich alle beteiligten, und schickte etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem, damit man dort ein Sündopfer darbringe. Damit handelte er sehr schön und edel; denn er dachte an die Auferstehung.
Vers 44: Denn hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden, wäre es überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten.
Vers 45: Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen, der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit entschlafen. Ein heiliger und frommer Gedanke! Darum ließ er die Toten entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Judas lässt Sühnopfer darbringen und betet für die Gefallenen im Blick auf die Auferstehung.
Am Anfang stehen die Schriften Israels. Als das Christentum entstand, lagen die Bücher des Gesetzes und der Propheten im Wesentlichen vor; die Sammlung der übrigen Schriften war weder in Palästina noch in der Diaspora abgeschlossen (PBK Nr. 16). Josephus zählt zwischen 93 und 95 zweiundzwanzig Bücher (Contra Apionem I,37–42); in fester Form lag der jüdische Kanon nach dem Urteil der Päpstlichen Bibelkommission aber erst gegen Ende des zweiten Jahrhunderts vor (PBK Nr. 16, Anm. 34–35). Die Kommission folgert daraus: „Was die Kirche übernommen zu haben scheint, ist ein Kanon heiliger Schriften, die im Judentum auf dem Wege waren, kanonisch zu werden.“ (PBK Nr. 17)
Die frühen christlichen Listen zeigen diese offene Lage. Melito von Sardes um 170 und Origenes richten sich nach dem hebräischen Bestand, während die Kirchen weitere Bücher lesen (Eusebius, Kirchengeschichte IV,26; VI,25). Athanasius nennt 367 die siebenundzwanzig Bücher des Neuen Testaments; das Alte Testament ordnet er nach zweiundzwanzig Büchern, rechnet aber Baruch und den Brief des Jeremia dazu und stellt Ester zu den Büchern, die zur Lesung bestimmt sind. Augustinus zählt um 397 die deuterokanonischen Bücher mit und nennt als Maßstab das Ansehen der katholischen Kirchen (De doctrina christiana II,8,12). Auch beim Neuen Testament führt Eusebius den Jakobusbrief, den Judasbrief, den zweiten Petrusbrief und den zweiten und dritten Johannesbrief noch als bestrittene Schriften (Kirchengeschichte III,25).
Im Westen legten um 400 die Synoden von Hippo (393) und Karthago (397 und 419) die Liste der heiligen Bücher vor (Karthago, Kanon 24). Es waren Regionalsynoden; die Übereinstimmung ihrer Listen lässt sie nach dem Urteil der Päpstlichen Bibelkommission aber als repräsentativ für den kirchlichen Gebrauch des Westens erscheinen (PBK Nr. 18).
Für die ganze Kirche stellten später ökumenische Konzilien den Bestand fest: Das Konzil von Florenz legte 1442 im Dekret für die Jakobiten die vollständige Liste der heiligen Bücher vor; das Konzil von Trient hat sie am 8. April 1546 feierlich definiert und mit dem Anathem, dem feierlichen Ausschluss aus der Kirche, belegt, wer diese Bücher nicht vollständig als heilig und kanonisch annimmt (DH 1334–1336; 1501–1504; vgl. KKK 120). Der Kanon der 46 Bücher des Alten und der 27 Bücher des Neuen Testaments ist damit verbindliche Glaubenslehre der Kirche (KKK 138); die Definition schuf keinen neuen Bestand, sie stellte fest, was die Kirche empfangen hatte.
Quellen zu dieser Frage 10
- Nr. 16–18 mit Anm. 34–35Das jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen Bibel ↗
- Contra Apionem I,37–42Josephus, Contra Apionem I,37–42 ↗
- Eusebius, HE IV,26,13–14Melito von Sardes bei Eusebius, Kirchengeschichte IV,26 ↗
- Eusebius, HE VI,25Origenes bei Eusebius, Kirchengeschichte VI,25 ↗
- Festbrief 39 (367)Athanasius, 39. Festbrief ↗
- De doctrina christiana II,8,12Augustinus, De doctrina christiana II ↗
- HE III,25Eusebius, Kirchengeschichte III,25 ↗
- Kanon 24Karthago, Konzil von 419 ↗
- Cantate Domino, 4. Februar 1442Konzil von Florenz, Cantate Domino ↗
- Sitzung IV, 8. April 1546Konzil von Trient, Sitzung IV ↗
Die Anerkennung Glaube und Überlieferung
Wie erkennt die Kirche den Kanon als Gabe Gottes?
Die Kirche erkennt die inspirierten Schriften in der apostolischen Überlieferung und bezeugt ihren gemeinsamen Bestand öffentlich.
Die Kanonerkenntnis betrifft die ganze Kirche. Eine private Gewissheit kann den gemeinsamen Schriftbestand nicht für alle Gläubigen festlegen; die Kirche muss öffentlich anerkennen, welche Bücher sie als heilig empfängt und in Liturgie, Lehre und ihrem ganzen Leben gebraucht. Dabei bleibt das innere Zeugnis des Heiligen Geistes wirksam: Die öffentliche Anerkennung ersetzt weder die göttliche Inspiration noch das Wirken des Geistes, sondern klärt den gemeinsamen Bestand der Kirche.
Jede Schrift ist, als von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.
Auszug aus 2 Tim 3,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Schrift ist von Gott eingegeben; der Vers nennt keine vollständige Inhaltsübersicht des Kanons.
Falls ich aber länger ausbleibe, sollst du wissen, wie man sich im Haus Gottes verhalten muss, welches die Kirche des lebendigen Gottes ist, Säule und Fundament der Wahrheit.
Auszug aus 1 Tim 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Kirche wird Säule und Fundament der Wahrheit genannt.
Quellen zu dieser Frage 2
Die Schrift ist Gottes Wort, und die Kirche hat ihren Umfang in der apostolischen Überlieferung erkannt und verbindlich festgestellt. In den Worten der Propheten und Apostel lässt die Schrift die Stimme des Heiligen Geistes vernehmen (DV 21). Zusammen mit der Heiligen Überlieferung bildet sie den einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes, und mit ihr zusammen ist sie die höchste Richtschnur des Glaubens (DV 10; 21). Beide dienen dem Größeren, das sie bezeugen: der Selbstmitteilung Gottes in Christus. Wer die Schrift liest, liest sie deshalb in der Kirche, die den Kanon bewahrt und weitergibt.
Weiterführende Erklärungen
Die Schrift nennt ihre Bücher nicht vollständigGrenze einer Gegenfolgerung2 Timotheus 3,16 bezeugt Inspiration und Nutzen der Schrift, nennt aber keine vollständige Bücherliste. Das Neue Testament zeigt zugleich, wie apostolische Lehre öffentlich weitergegeben und in der Kirche entschieden wird.
Der Kanon wird in der apostolischen Kirche empfangenUnterstützender positiver BelegDie Kirche empfängt die Schriften in apostolischer Überlieferung. Nun wird der Einwand geprüft, ein Tempelbestand und Jesu Wort von Abel bis Zacharias hätten bereits den engeren Kanon bestimmt.
Bestätigt Jesus mit Abel und Zacharias 66 Bücher?Umstrittene AuslegungJesu Wort beschreibt die Verfolgung der Gerechten; die Büchersammlung nennt keine Kanongrenze. Wie wirken deuterokanonische Schriften im Neuen Testament selbst weiter?
Deuterokanonische Schriften im Neuen TestamentUnterstützender positiver BelegDie neutestamentlichen Anspielungen und Märtyrerbezüge gehören zur biblischen Vorgeschichte. Die Geschichte des Kanons zeigt anschließend, wie die Kirche den Schriftbestand empfing und klärte.
Die Geschichte des Kanons führt zurück zu Christus und seiner KircheUmstrittene AuslegungDie Kanongeschichte macht eine öffentliche Anerkennung nötig. Weil eine private Gewissheit den Schriftbestand der ganzen Kirche nicht festlegen kann, gehört die Erkenntnis des Kanons zur kirchlichen Anerkennung.
Wie die Kirche den Kanon erkenntUmstrittene AuslegungMuss das Alte Testament nach dem hebräischen Kanon bestimmt werden?
Der Einwand
Den Juden sind „die Worte Gottes anvertraut“ (Röm 3,2); Jesus spricht von dem, was „im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen“ über ihn geschrieben steht (Lk 24,44). Darum gilt für das Alte Testament der hebräische Bestand. Schon Hieronymus unterschied die übrigen Bücher davon, und die anglikanischen Artikel folgen ihm ausdrücklich: Die Kirche liest diese Bücher zur Belehrung, gründet aber keine Lehre auf sie (Art. 6).
Die Antwort der Kirche
Die Kirche empfängt die deuterokanonischen Bücher in den geerbten Schriften Israels, bevor sich die spätere engere rabbinische Grenze als maßgebliche jüdische Abgrenzung herausbildete. Diese rabbinische Grenze kann für Christen nicht die letzte Autorität sein, weil das rabbinische Judentum Jesus nicht als Messias bekennt und die apostolische Autorität seiner Kirche nicht empfängt; das ist eine christologische Unterscheidung der Autorität und kein Urteil über das jüdische Volk. Lk 24,44 nennt neben Gesetz und Propheten „die Psalmen“, denn der dritte Teil der jüdischen Schriften lag zur Zeit Jesu noch nicht endgültig vor (Päpstliche Bibelkommission, Nr. 16); Röm 3,2 spricht von den Israel anvertrauten Worten Gottes, ohne ihre Bücher aufzuzählen.
Die Reformation klassifizierte später Bücher, die in der Kirche lange empfangen und gelesen worden waren, neu und berief sich dafür auf Hieronymus, der den hebräischen Text zur Grundlage seiner Übersetzung machte. Die Kirche folgte dem Urteil, das Augustinus auf ihre durchgängige Praxis stützte und das sich Konzilien zu Beginn des 5. Jahrhunderts zu eigen machten (Päpstliche Bibelkommission, Nr. 18). Auf diesem Weg der apostolischen BegriffTraditionTradition oder Überlieferung ist nach der Lehre der Kirche die lebendige Weitergabe des Wortes Gottes, das Christus und der Heilige Geist den Aposteln anvertraut haben, an deren Nachfolger. Schrift und Tradition entspringen demselben göttlichen Quell; darum schöpft die Kirche ihre Gewissheit über das Geoffenbarte nicht aus der Schrift allein, und beide sind mit gleicher Liebe und Achtung anzunehmen (DV 9; KKK 80–82). Davon zu unterscheiden sind die vielen kirchlichen Traditionen, etwa liturgische oder disziplinäre, die die Kirche beibehalten, ändern oder aufgeben kann (KKK 83).Glossareintrag öffnen erkennt sie beide Testamente: Wer die 27 Bücher des Neuen Testaments annimmt, folgt ihm bereits, denn durch dieselbe Überlieferung „wird der Kirche der vollständige Kanon der Heiligen Bücher bekannt“ (DV 8). Die Konzilien von Florenz (1442) und Trient (1546) haben diesen Kanon mit den deuterokanonischen Büchern verbindlich festgestellt (KKK 120); die Kirche verursacht dadurch nicht die BegriffInspirationInspiration ist die göttliche Eingebung der Heiligen Schrift, durch die Gott die menschlichen Verfasser als wahre Autoren gebraucht.Glossareintrag öffnen der Bücher, sie bezeugt, was sie empfangen hat.
Was andere Christen dazu glauben
Die christlichen Traditionen vergleichen
Katholisch
- Offizielle Lehrposition
- 46 Bücher des Alten und 27 des Neuen Testaments, einschließlich der deuterokanonischen Bücher; das Konzil von Trient hat diesen Kanon 1546 feierlich definiert (Sitzung IV, DH 1501–1504; KKK 120; 138).
Orthodox / byzantinisch
- Offizielle Lehrposition
- Die orthodoxen Kirchen empfangen einen erweiterten alttestamentlichen Kanon aus der kirchlichen und septuagintischen Überlieferung; die Synode von Jerusalem (1672, Bekenntnis des Dositheus) bekennt Weisheit, Judit, Tobit, die griechischen Danielstücke, die Makkabäer und Sirach als Heilige Schrift.
Lutherisch
- Offizielle Lehrposition
- Die lutherischen Bekenntnisschriften legen kein Verzeichnis der biblischen Bücher fest. In lutherischen Bibelausgaben stehen die deuterokanonischen Bücher seit Luther gesondert als „Apokryphen“; als kanonisch gelten in lutherischen Kirchen heute in der Regel 66 Bücher.
Reformiert / calvinistisch
- Offizielle Lehrposition
- Das Westminster-Bekenntnis zählt 66 Bücher auf und erklärt die Apokryphen für nicht inspiriert und ohne Autorität in der Kirche (I,2–3). Die Confessio Belgica (Art. 6) erlaubt ihre Lektüre, soweit sie mit den kanonischen Büchern übereinstimmen, spricht ihnen aber die Kraft ab, einen Glaubenssatz zu begründen.
Baptistisch
- Offizielle Lehrposition
- Die Baptist Faith and Message 2000 bekennt die Schrift als höchsten Maßstab, ohne die Bücher aufzuzählen; das Zweite Londoner Baptistische Bekenntnis von 1689 nennt 66 Bücher und erklärt die Apokryphen für nicht inspiriert.
Methodistisch / wesleyanisch
- Offizielle Lehrposition
- Artikel V der methodistischen Articles of Religion rechnet zur Heiligen Schrift die kanonischen Bücher, an deren Autorität in der Kirche nie gezweifelt wurde, und zählt die Bücher des Alten Testaments ohne die deuterokanonischen Schriften auf; zusammen mit den allgemein angenommenen Büchern des Neuen Testaments sind das 66 Bücher.
Anglikanisch
- Offizielle Lehrposition
- Artikel VI der 39 Artikel der Kirche von England nennt als kanonisch die Bücher, an deren Autorität in der Kirche nie gezweifelt wurde, und zählt dazu die Bücher der hebräischen Bibel. Die übrigen Bücher, darunter Tobit, Judit, Weisheit, Jesus Sirach, Baruch und die Makkabäerbücher, liest die Kirche nach einem Wort des Hieronymus als Vorbild für das Leben und zur Unterweisung in den Sitten, gründet auf sie aber keine Lehre.
| Tradition | Offizielle Lehrposition | Quelle |
|---|---|---|
| Katholisch | 46 Bücher des Alten und 27 des Neuen Testaments, einschließlich der deuterokanonischen Bücher; das Konzil von Trient hat diesen Kanon 1546 feierlich definiert (Sitzung IV, DH 1501–1504; KKK 120; 138). | Offizielle Quelle: Katholisch |
| Orthodox / byzantinisch | Die orthodoxen Kirchen empfangen einen erweiterten alttestamentlichen Kanon aus der kirchlichen und septuagintischen Überlieferung; die Synode von Jerusalem (1672, Bekenntnis des Dositheus) bekennt Weisheit, Judit, Tobit, die griechischen Danielstücke, die Makkabäer und Sirach als Heilige Schrift. | Offizielle Quelle: Orthodox / byzantinisch |
| Lutherisch | Die lutherischen Bekenntnisschriften legen kein Verzeichnis der biblischen Bücher fest. In lutherischen Bibelausgaben stehen die deuterokanonischen Bücher seit Luther gesondert als „Apokryphen“; als kanonisch gelten in lutherischen Kirchen heute in der Regel 66 Bücher. | Offizielle Quelle: Lutherisch |
| Reformiert / calvinistisch | Das Westminster-Bekenntnis zählt 66 Bücher auf und erklärt die Apokryphen für nicht inspiriert und ohne Autorität in der Kirche (I,2–3). Die Confessio Belgica (Art. 6) erlaubt ihre Lektüre, soweit sie mit den kanonischen Büchern übereinstimmen, spricht ihnen aber die Kraft ab, einen Glaubenssatz zu begründen. | Offizielle Quelle: Reformiert / calvinistisch |
| Baptistisch | Die Baptist Faith and Message 2000 bekennt die Schrift als höchsten Maßstab, ohne die Bücher aufzuzählen; das Zweite Londoner Baptistische Bekenntnis von 1689 nennt 66 Bücher und erklärt die Apokryphen für nicht inspiriert. | Offizielle Quelle: Baptistisch |
| Methodistisch / wesleyanisch | Artikel V der methodistischen Articles of Religion rechnet zur Heiligen Schrift die kanonischen Bücher, an deren Autorität in der Kirche nie gezweifelt wurde, und zählt die Bücher des Alten Testaments ohne die deuterokanonischen Schriften auf; zusammen mit den allgemein angenommenen Büchern des Neuen Testaments sind das 66 Bücher. | Offizielle Quelle: Methodistisch / wesleyanisch |
| Anglikanisch | Artikel VI der 39 Artikel der Kirche von England nennt als kanonisch die Bücher, an deren Autorität in der Kirche nie gezweifelt wurde, und zählt dazu die Bücher der hebräischen Bibel. Die übrigen Bücher, darunter Tobit, Judit, Weisheit, Jesus Sirach, Baruch und die Makkabäerbücher, liest die Kirche nach einem Wort des Hieronymus als Vorbild für das Leben und zur Unterweisung in den Sitten, gründet auf sie aber keine Lehre. | Offizielle Quelle: Anglikanisch |
27 Bibelstellen · Bibelkanon
Was die Schrift selbst sagt
Alle Bibelstellen dieses Themas im Wortlaut, geordnet nach den Fragen, für die sie zeugen. Jede führt zu ihrer Erklärung.
Kanonfrage
2 Tim 3,16Die Schrift nennt ihre Bücher nicht vollständig
Die Schrift ist von Gott eingegeben und dient der Lehre, Korrektur, Besserung und Erziehung zu einem gerechten Leben. Durch die apostolische Überlieferung erkennt die Kirche, welche Bücher zur Heiligen Schrift gehören (DV 8; KKK 120).
Bibeltext
Jede Schrift ist, als von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes gerüstet ist, ausgerüstet zu jedem guten Werk.
Auszug aus 2 Tim 3,16–17 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
2 Thess 2,15Der Kanon wird in der apostolischen Kirche empfangen
Paulus fordert die Gemeinde auf, an den mündlich und schriftlich überlieferten apostolischen Lehren festzuhalten. Die Kirche versteht darin die gemeinsame Bedeutung von Heiliger Schrift und lebendiger apostolischer Überlieferung.
Bibeltext
Seid also standhaft, Brüder und Schwestern, und haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben, sei es mündlich, sei es durch einen Brief!
Auszug aus 2 Thess 2,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
2 Tim 2,2Der Kanon wird in der apostolischen Kirche empfangen
Paulus gibt die empfangene Lehre an Timotheus weiter, der sie zuverlässigen Lehrern anvertrauen soll. Die Kirche erkennt darin das biblische Grundmuster der Weitergabe, das sie in der apostolischen Nachfolge bewahrt sieht: Die Apostel haben Bischöfe als ihre Nachfolger zurückgelassen und ihnen ihr eigenes Lehramt übergeben (DV 7; KKK 77).
Bibeltext
Was du vor vielen Zeugen von mir gehört hast, das vertraue zuverlässigen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren!
Auszug aus 2 Tim 2,2 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
1 Tim 3,15Der Kanon wird in der apostolischen Kirche empfangen
Paulus bezeichnet die Kirche als Säule und Fundament der Wahrheit und überträgt ihr damit öffentliche Verantwortung. Die Kirche versteht ihr Lehramt als Dienst am Wort Gottes, der die apostolische Lehre bewahrt und verbindlich auslegt.
Bibeltext
Falls ich aber länger ausbleibe, sollst du wissen, wie man sich im Haus Gottes verhalten muss, welches die Kirche des lebendigen Gottes ist, Säule und Fundament der Wahrheit.
Auszug aus 1 Tim 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Apg 15,1–29Der Kanon wird in der apostolischen Kirche empfangen
Apostel und Älteste beraten in Jerusalem einen Lehrstreit und teilen den Gemeinden ihren gemeinsamen Beschluss als Entscheidung des Heiligen Geistes mit. Die Kirche erkennt darin das biblische Muster einer verbindlichen apostolischen Lehrentscheidung.
Bibeltext
Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!
Auszug aus Apg 15,28–29 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Kol 4,16Der Kanon wird in der apostolischen Kirche empfangen
Paulus ordnet an, seinen Brief in der Gemeinde vorzulesen und ihn mit der Gemeinde von Laodizea auszutauschen. Die Kirche bewahrt diese öffentliche Lesung der apostolischen Schriften in ihrem Gottesdienst.
Bibeltext
Und wenn der Brief bei euch vorgelesen worden ist, sorgt dafür, dass er auch in der Gemeinde von Laodizea vorgelesen wird und dass ihr auch den aus Laodizea lest!
Auszug aus Kol 4,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
2 Petr 3,15–16Der Kanon wird in der apostolischen Kirche empfangen
Petrus warnt davor, schwierige apostolische Schriften zu verdrehen. Die Kirche lehrt, dass das Lehramt der Schrift und der apostolischen Überlieferung dient, indem es ihren verbindlichen Sinn bewahrt und auslegt.
Bibeltext
In ihnen ist einiges schwer zu verstehen und die Unwissenden, die noch nicht gefestigt sind, werden diese Stellen ebenso verdrehen wie die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben.
Auszug aus 2 Petr 3,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
1 Tim 5,18Der Kanon wird in der apostolischen Kirche empfangen
Der Brief begründet die Anerkennung der Ältesten, die gut vorstehen, mit zwei Sätzen, die er als Schrift anführt: dem Gebot vom dreschenden Ochsen (Dtn 25,4) und dem Wort Jesu vom Lohn des Arbeiters (vgl. Lk 10,7). Die Kirche sieht darin, wie früh das Wort des Herrn neben dem Gesetz als Schrift gelesen wurde.
Bibeltext
Denn die Schrift sagt: Du sollst dem Ochsen zum Dreschen keinen Maulkorb anlegen, und: Wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn.
Auszug aus 1 Tim 5,18 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Gen 4,8Bestätigt Jesus mit Abel und Zacharias 66 Bücher?
Kain tötet Abel auf dem Feld; mit Abels Blut beginnt Jesus seine Reihe der unschuldig getöteten Gerechten (Mt 23,35).
Bibeltext
Als sie auf dem Feld waren, erhob sich Kain gegen Abel, seinen Bruder, und tötete ihn.
Auszug aus Gen 4,8 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Mt 23,35Bestätigt Jesus mit Abel und Zacharias 66 Bücher?
Jesus nennt Abel und Zacharias im Gerichtswort über das unschuldige Blut der verfolgten Gerechten.
Bibeltext
So wird all das unschuldige Blut über euch kommen, das auf Erden vergossen worden ist, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut des Zacharias, Barachias Sohn, den ihr zwischen dem Tempelgebäude und dem Altar ermordet habt.
Auszug aus Mt 23,35 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Mt 23,34Bestätigt Jesus mit Abel und Zacharias 66 Bücher?
Jesus kündigt an, dass einige der von ihm gesandten Boten getötet und gekreuzigt werden.
Bibeltext
ihr aber werdet einige von ihnen töten und kreuzigen, andere in euren Synagogen auspeitschen und von Stadt zu Stadt verfolgen.
Auszug aus Mt 23,34 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Lk 11,51Bestätigt Jesus mit Abel und Zacharias 66 Bücher?
Lukas überliefert den Bogen von Abel bis Zacharias ohne Angabe von dessen Vater.
Bibeltext
vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der zwischen Altar und Tempelhaus umgebracht wurde.
Auszug aus Lk 11,51 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
2 Chr 24,20–22Bestätigt Jesus mit Abel und Zacharias 66 Bücher?
Secharja, der Sohn Jojadas, wird im Hof des Hauses des HERRN gesteinigt.
Bibeltext
Sie aber taten sich gegen ihn zusammen und steinigten ihn auf Befehl des Königs im Hof des Hauses des HERRN.
Auszug aus 2 Chr 24,20–22 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Sach 1,1Bestätigt Jesus mit Abel und Zacharias 66 Bücher?
Der Prophet Sacharja wird als Sohn Berechjas und Enkel Iddos vorgestellt.
Bibeltext
Im zweiten Jahr des Darius erging im achten Monat das Wort des HERRN an den Propheten Sacharja, den Sohn Berechjas, des Sohnes Iddos: Schwer hat der HERR euren Vätern gezürnt.
Auszug aus Sach 1,1–2 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
2 Makk 7,1–42Bestätigt Jesus mit Abel und Zacharias 66 Bücher?
Die sieben Brüder und ihre Mutter ertragen Folter in Hoffnung auf Auferstehung.
Bibeltext
Gott hat uns die Hoffnung gegeben, dass er uns auferstehen lässt.
Auszug aus 2 Makk 7,1–42 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
2 Makk 2,13–15Bestätigt Jesus mit Abel und Zacharias 66 Bücher?
Der Brief berichtet von Nehemias Bibliothek und von Judas’ Sammlung zerstreuter Bücher.
Bibeltext
Das Gleiche wird auch in den Urkunden und in den Erinnerungen des Nehemia erzählt; dort steht auch, wie er eine Bibliothek gründete und die Bücher über die Könige und die der Propheten, Davids sowie königliche Briefe über Weihegaben sammelte.
Auszug aus 2 Makk 2,13–15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Weish 2,12–20Deuterokanonische Schriften im Neuen Testament
Die Frevler verspotten den Gerechten als Sohn Gottes und erwarten, dass Gott ihn rettet.
Bibeltext
Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner.
Auszug aus Weish 2,12–20 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Ps 22,8–9Deuterokanonische Schriften im Neuen Testament
Der verspottete Beter wird mit dem Ruf herausgefordert, Gott solle ihn retten.
Bibeltext
Wälze die Last auf den HERRN! Er soll ihn befreien, er reiße ihn heraus, wenn er an ihm Gefallen hat!
Auszug aus Ps 22,8–9 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Mt 27,43Deuterokanonische Schriften im Neuen Testament
Die Spötter am Kreuz verbinden Jesu Gottvertrauen, erhoffte Rettung und Gottessohnschaft.
Bibeltext
Er hat auf Gott vertraut, der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat; er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn.
Auszug aus Mt 27,43 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
2 Makk 6,18–31Deuterokanonische Schriften im Neuen Testament
Eleasar nimmt Folter und Tod in Treue zum Gesetz in Kauf.
Bibeltext
Darum will ich jetzt wie ein Mann sterben und mich so meines Alters würdig zeigen.
Auszug aus 2 Makk 6,18–31 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Hebr 11,35–37Deuterokanonische Schriften im Neuen Testament
Der Glaubenskatalog erinnert an Gefolterte, die für die bessere Auferstehung ihre Freilassung ablehnten.
Bibeltext
Andere wurden gefoltert, da sie den Loskauf nicht annahmen, um eine bessere Auferstehung zu erlangen.
Auszug aus Hebr 11,35–37 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Sir 24,23Deuterokanonische Schriften im Neuen Testament
Sirach verbindet die personifizierte Weisheit mit dem Bundesbuch, dem Gesetz des Mose.
Bibeltext
Dies alles ist das Buch des Bundes des höchsten Gottes, das Gesetz, das uns Mose aufgetragen hat, Erbteil für die Gemeinden Jakobs.
Auszug aus Sir 24,23 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
1 Makk 9,27Deuterokanonische Schriften im Neuen Testament
Die Erzählung erinnert an eine Zeit, in der Propheten nicht mehr auftraten.
Bibeltext
Große Bedrängnis herrschte in Israel, wie noch keine geherrscht hatte seit den Tagen, da die Propheten nicht mehr auftraten.
Auszug aus 1 Makk 9,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
2 Makk 12,43–45Die Geschichte des Kanons führt zurück zu Christus und seiner Kirche
Judas lässt für gefallene Soldaten ein Sühnopfer darbringen und betet für ihre Sünden im Blick auf die Auferstehung. Die Kirche erkennt darin ein Zeugnis für Gebet und Sühne zugunsten der Verstorbenen.
Bibeltext
Auszug aus 2 Makk 12,43–45 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 43: Er veranstaltete eine Sammlung, an der sich alle beteiligten, und schickte etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem, damit man dort ein Sündopfer darbringe. Damit handelte er sehr schön und edel; denn er dachte an die Auferstehung.
Vers 44: Denn hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden, wäre es überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten.
Vers 45: Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen, der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit entschlafen. Ein heiliger und frommer Gedanke! Darum ließ er die Toten entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden.
2 Makk 15,12–16Die Geschichte des Kanons führt zurück zu Christus und seiner Kirche
Judas erzählt seinen Kämpfern einen Traum: Der frühere, bereits getötete Hohepriester Onias breitet seine Hände aus und betet für das ganze jüdische Volk; dann stellt er den Propheten Jeremia vor als den, „der viel für das Volk und die heilige Stadt betet“. Die Kirche sieht darin ein Zeugnis für die Fürsprache der Heiligen im Himmel.
Bibeltext
Onias begann zu reden und sagte: Das ist der Freund seiner Brüder, der viel für das Volk und die heilige Stadt betet, Jeremia, der Prophet Gottes.
Auszug aus 2 Makk 15,12–16 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Tob 12,12Die Geschichte des Kanons führt zurück zu Christus und seiner Kirche
Der Engel Raphael erklärt, dass er die Gebete von Tobit und Sara vor Gottes Herrlichkeit getragen hat. Die Kirche sieht darin ein Zeugnis für die Fürsprache der Engel und Heiligen, deren Wirken von Christus herkommt.
Bibeltext
Als ihr gebetet habt, du und Sara, war ich es, der euer Gebet vor die Herrlichkeit des Herrn getragen hat.
Auszug aus Tob 12,12 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Sir 3,30Die Geschichte des Kanons führt zurück zu Christus und seiner Kirche
Sirach vergleicht die Wirkung einer Liebestat mit Wasser, das loderndes Feuer löscht, und verbindet Barmherzigkeit mit der Sühne für Sünden. Die Kirche liest solche Werke als Frucht der Gnade und tätiger Liebe.
Bibeltext
Wasser löscht loderndes Feuer und eine Liebestat sühnt Sünden.
Auszug aus Sir 3,30 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Wie die Kirche diese Frage durch die Jahrhunderte bezeugt
Kirchenväter, Konzilien und Kirchenlehrer zeigen, wie Christen die Schrift zu dieser Frage gelesen und gelebt haben. Ihr Wortlaut steht jeweils bei der Frage, die er stützt.
Jede Frage zu Bibelkanon einzeln geprüft
Jeder Schritt prüft eine Bibelstelle genau: was sie sagt, was sie zum Argument beiträgt und welcher Einwand sich an ihr festmacht.
Kanonfrage
- Zusammenhang: Kanonfrage
- Die Schrift nennt ihre Bücher nicht vollständig
- Der Kanon wird in der apostolischen Kirche empfangen
- Bestätigt Jesus mit Abel und Zacharias 66 Bücher?
- Deuterokanonische Schriften im Neuen Testament
- Die Geschichte des Kanons führt zurück zu Christus und seiner Kirche
- Wie die Kirche den Kanon erkennt
Die Begriffe dieses Themas kurz erklärt
Wo das Argument weiterführt
Betrachten und beten
Die Kanonfrage beginnt bei Jesus Christus. Ist er der Messias, den die Schriften Israels erwarten? Hat er den Aposteln eine bleibende Sendung gegeben? Wenn die Antwort darauf im christlichen Glauben bejaht wird, gehört die Frage nach der Bibel in den Zusammenhang der apostolischen Kirche. Ihre Autorität steht nicht über dem Wort Gottes. Sie dient ihm, indem sie das überlieferte Wort empfängt, prüft und bezeugt. Daraus ergibt sich eine ernste Frage: Die Reformatoren beriefen sich für ihre Einordnung der deuterokanonischen Bücher auf den hebräischen Kanon und auf Hieronymus; die Kirche hielt an den Büchern fest, die sie in ihrer durchgängigen Praxis und seit dem Beginn des 5. Jahrhunderts auch in Konzilsbeschlüssen als Heilige Schrift las. Wem ist es anvertraut, den Umfang der Schrift für alle Christen festzustellen: dem Urteil einzelner Gelehrter oder dem Lehramt, das die Apostel ihren Nachfolgern überliefert haben (DV 7)?
Herr Jesus Christus, schenke deiner Kirche Treue zu deinem Wort und Demut vor dem Geheimnis seiner Überlieferung. Lass uns erkennen, wie Schrift, apostolische Überlieferung und die sichtbare Gemeinschaft der Kirche zusammengehören. Bewahre uns vor jeder Verachtung des jüdischen Volkes und führe uns zur ganzen Wahrheit über dich, den Messias und Herrn.