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BibelkanonErgänzender Beleg

Die Schrift nennt ihre Bücher nicht vollständig

2 Tim 3,16 bezeugt die Inspiration der Schrift, enthält aber keine Liste aller inspirierten Bücher.

Kernaussage

2 Tim 3,16 bezeugt die Inspiration der Schrift, enthält aber keine Liste aller inspirierten Bücher.

Schlüsselfrage

Wer bestimmt den christlichen Kanon?

Katholische Auslegung

Die Frage nach dem Umfang der Bibel ist eine Frage der Autorität. Für Christen führt sie zur Christologie: Wer Jesus Christus ist und wem er seine apostolische Sendung anvertraut hat, bestimmt auch, welche Gemeinschaft den Kanon empfängt, unterscheidet und verbindlich bezeugt.

Im Zusammenhang

Aussage und Kontext

Der zweite Timotheusbrief sagt, dass alle Schrift von Gott inspiriert und nützlich ist, um zu lehren, zurechtzuweisen, zu bessern und zur Gerechtigkeit zu erziehen. Damit ist die Inspiration der Schrift bezeugt. Die Stelle beantwortet jedoch nicht selbst die Frage, welche einzelnen Schriften zum vollständigen Kanon gehören. Ein geschlossener Kanon setzt daher eine vorgängige Erkenntnis voraus: Jemand muss die überlieferten Schriften empfangen, unterscheiden und als verbindliche Schrift bezeugen. Die Kirche behauptet dabei nicht, ein Buch durch ihre Entscheidung inspiriert zu machen. Sie erkennt den Kanon, den sie in der apostolischen Überlieferung empfangen hat.

2 Tim 3,16

Die Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre und Formung.

Bibeltext in der EÜ 2016 öffnen

Einwand und Antwort

Den Einwand prüfen

Vielleicht scheint es naheliegend, den jüdischen Kanon als Maßstab für das Alte Testament zu nehmen. Schließlich stammen die Schriften Israels aus dem Volk Israel, und die Kirche verehrt den Gott Israels.

Katholische Antwort

Die Kirche empfängt Israels Schriften, aber sie empfängt sie im Licht Jesu Christi und innerhalb der apostolischen Überlieferung. Zu Beginn des Christentums waren die Tora und die Propheten vergleichsweise klar umrissen, während die Sammlung der übrigen Schriften noch keine scharf gezogene Grenze hatte. Griechischsprachige Christen verwendeten weiterhin Schriften, die sie aus dem hellenistischen Judentum empfangen hatten. Als sich das Judentum später stärker von einem geschlossenen hebräischen Kanon her bestimmte, war die Kirche bereits eigenständig genug, um ihren Schriftgebrauch aus der apostolischen Überlieferung fortzuführen.

Was die Kirche nicht meint

Inspiration und Kanonerkennung sind verschiedene Fragen. Die Kirche macht ein Buch nicht dadurch inspiriert, dass sie es anerkennt. Sie erkennt in der apostolischen Überlieferung, welche Schriften als inspiriert empfangen und in der Kirche gelesen werden sollen. Daraus folgt keine einfache Geschichte, nach der Juden aus einem einzigen Grund und auf einem einzigen Konzil Bücher aus der Bibel entfernt hätten. Die jüdische Kanonbildung entwickelte sich über längere Zeit. Die Päpstliche Bibelkommission spricht von einer späteren engeren hebräischen Grenze und davon, dass die Kirche ihre weitere Sammlung heiliger Schriften bereits empfangen hatte. Auch die Bibel allein liefert keine vollständige Inhaltsangabe ihrer eigenen Bücher. 2 Tim 3,16 bezeugt die Inspiration und den Nutzen der Schrift, nennt aber kein Inhaltsverzeichnis. Bevor die Schrift als abgeschlossene Regel dienen kann, muss bereits feststehen, welche Bücher als Schrift gelten.

Biblischer Zusammenhang

Die ganze Argumentation

Quellen und HinweiseKKK 74–1419, 1472–1553 · KKK 101–141

Katechismus

Konzilien und Lehramt

  • Dei VerbumDV 7–10, 21

    Lehramtliche Grundlage zu Schrift, Tradition und Lehramt.

  • Dei VerbumDV 7–10, 21

    Schrift in apostolischer Überlieferung und Kirche.

Kirchliche Fachdokumente