Bibelstelle · EÜ 2016
2 Makk 12,43–45
Judas lässt für gefallene Soldaten ein Sühnopfer darbringen und betet für ihre Sünden im Blick auf die Auferstehung. Die Kirche erkennt darin ein Zeugnis für Gebet und Sühne zugunsten der Verstorbenen.
Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Auszug
Auszug aus 2 Makk 12,43–45
Bibeltext
Auszug aus 2 Makk 12,43–45 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 43: Er veranstaltete eine Sammlung, an der sich alle beteiligten, und schickte etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem, damit man dort ein Sündopfer darbringe. Damit handelte er sehr schön und edel; denn er dachte an die Auferstehung.
Vers 44: Denn hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden, wäre es überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten.
Vers 45: Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen, der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit entschlafen. Ein heiliger und frommer Gedanke! Darum ließ er die Toten entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden.
In den Themen
Warum diese Stelle hier wichtig ist
Eine Stelle trägt oft mehr als eine Glaubensfrage. Bei jeder steht, was sie zum Argument beiträgt und wo das Argument weitergeht.
Gebet und Sühne für die Verstorbenen: was 2 Makkabäer bezeugt
Direkter Beleg im katholischen Kanon für Gebet und Sühne zugunsten Verstorbener.
Die Geschichte des Kanons führt zurück zu Christus und seiner Kirche
Baustein für deuterokanonischen Inhalt als Rezeptionszeugnis; nächste Prämisse: die historische Entwicklung der Sammlungen.
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Stellen, die mit dieser zusammen gelesen werden
Kirchliche Zeugen
Zeugnis der Kirche durch die Jahrhunderte
Die Zeugnisse von Kirchenvätern, Kirchenlehrern, Konzilien und dem Lehramt zeigen, wie die Kirche diese Stelle verstanden hat.
Tertullian
Tertullian bezeugt jährliche Opfergaben für Verstorbene am Jahrestag und verteidigt sie als kirchliche Überlieferung, nicht als Schriftgebot.
Die Opfer für die Verstorbenen bringen wir am Jahrestage als ihrem Geburtstage dar.
De corona (Der Kranz) · De corona 3–4 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Gebet und liturgisches Totengedenken sind früh bezeugt; die Praxis wird ausdrücklich als Überlieferung begründet.
Die Grenze: De corona 3 nennt die Opfer für die Verstorbenen, ohne ihre Wirkung zu erklären; davon spricht Tertullian in De monogamia 10, wo die Witwe für die Seele ihres verstorbenen Mannes betet und für ihn Erquickung in der Zwischenzeit erbittet.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Tertullian verteidigt in De corona nicht-schriftliche Traditionen der Kirche und nennt dabei unter anderem das Opfer für die Verstorbenen am Jahrestag.
Historischer Text
Die Opfer für die Verstorbenen bringen wir am Jahrestage als ihrem Geburtstage dar. […]
Wolltest du für diese und andere Punkte der Kirchenzucht eine ausdrückliche Vorschrift aus der Hl. Schrift verlangen, so würdest du keine auftreiben. Man wird dir die Tradition entgegenhalten als die Urheberin davon, die stete Übung als die Bestätigung dafür und den Glauben als den Befolger derselben.
Vollständigen historischen Text öffnen: TertullianWarum diese Stelle wichtig ist
Tertullian bezeugt jährliche Opfergaben für Verstorbene am Todestag als etablierte kirchliche Praxis und begründet sie ausdrücklich als Überlieferung.
Cyrill von Jerusalem
Cyrill bezeugt, dass das Gebet für Seelen, für die es dargebracht wird, während des heiligen und ehrfurchtgebietenden Opfers großen Nutzen bringt.
Denn wir glauben, dass dies den Seelen, für die das Gebet dargebracht wird, großen Nutzen bringt, während das heilige und ehrfurchtgebietende Opfer vorliegt.
Katechetische Vorträge · Mystagogische Katechese 5,9–10 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Für Seelen, für die das Gebet dargebracht wird, wird während des heiligen und ehrfurchtgebietenden Opfers großer Nutzen erwartet.
Die Grenze: Cyrill unterscheidet zwei Gruppen: die Heiligen, um deren Fürbitte die Gemeinde bittet, und die übrigen Verstorbenen, für die sie betet und denen das Gebet beim eucharistischen Opfer großen Nutzen bringt.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Cyrill erklärt in der fünften Mystagogischen Katechese das Gedenken der Verstorbenen im eucharistischen Gebet. Er verbindet die Bitte für die Entschlafenen mit der Darbringung Christi und erläutert anschließend den erwarteten Nutzen dieser Fürbitte. Die Mystagogischen Katechesen stammen aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts; einige Handschriften schreiben sie Cyrills Nachfolger Johannes von Jerusalem zu.
Historischer Text
Dann gedenken wir auch derer, die vor uns entschlafen sind, zuerst der Patriarchen, Propheten, Apostel und Märtyrer, damit Gott auf ihre Gebete und Fürbitten unser Anliegen annehme. Danach gedenken wir auch der heiligen Väter und Bischöfe, die vor uns entschlafen sind, und überhaupt aller, die in vergangenen Jahren unter uns entschlafen sind. Denn wir glauben, dass dies den Seelen, für die das Gebet dargebracht wird, großen Nutzen bringt, während das heilige und ehrfurchtgebietende Opfer vorliegt. […] Wenn wir unsere Bitten für die Entschlafenen darbringen, bringen wir nicht einen Kranz dar, sondern Christus, der für unsere Sünden geopfert wurde, und bitten den barmherzigen Gott für sie wie für uns.
Vollständigen historischen Text öffnen: Cyrill von JerusalemWarum diese Stelle wichtig ist
Cyrill bezeugt das Gebet für Verstorbene als Bestandteil des eucharistischen Gottesdienstes. Die Praxis ist ausdrücklich auf Christus und sein Opfer bezogen und wird nicht als zweite Erlösung verstanden.
Weitere historische Zeugnisse (1)
Katharina von Genua
Katharina von Genua steht als später geistlicher Zeuge für die Läuterung auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft mit Gott. Das Bild vom Feuer, das den Rost verzehrt, macht anschaulich, wie die Kirche die endgültige Läuterung als Reinigung und Vollendung auf Gott hin versteht. Benedikt XVI. ordnet in seiner Generalaudienz vom 12. Januar 2011 zugleich ein, dass Katharina keine besonderen Offenbarungen über das Fegefeuer oder die dort geläuterten Seelen empfing.
Das Feuer verzehrt den Rost
Traktat vom Fegefeuer der hl. Katharina von Genua · Treatise on Purgatory, Kapitel II, S. 6–7 (Übersetzung 1858) · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Katharina beschreibt die Läuterung mit dem Bild „Das Feuer verzehrt den Rost“.
Die Grenze: Katharina spricht in einem geistlichen Bild; die Lehre von der Läuterung hat die Kirche im Anschluss an die Schrift und ihre Überlieferung vor allem auf den Konzilien von Florenz und Trient formuliert (KKK 1030–1032).
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Der kurze Auszug stammt aus Kapitel II der gemeinfreien englischen Ausgabe von 1858. Er gehört zu einer Überlieferung, deren endgültige Fassung 1551 in drei Teilen veröffentlicht wurde und bei der Cattaneo Marabotto als Verfasser oder Redaktor der endgültigen Fassung genannt wird. Die späteren Ausgaben machen die zusammengesetzte Überlieferung und die Zuschreibung an Marabotto und Vernazza sichtbar, entscheiden die Autorschaftsfrage aber nicht endgültig.
Historischer Text
Im englischen Quellauszug heißt es: the fire consumes the rust. Die eigene deutsche Übersetzung dieser gemeinfreien englischen Ausgabe von 1858 lautet: „Das Feuer verzehrt den Rost“.
Vollständigen historischen Text öffnen: Katharina von GenuaWarum diese Stelle wichtig ist
Der Rost steht für das, was der Reinigung bedarf; das Feuer verzehrt ihn. So macht das Bild die Läuterung durch die Liebe Gottes verständlich.
Quellen und HinweiseKKK 1030–1032, 1472–1473 · KKK 101–141
Katechismus
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 1030–1032, 1472–1473Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Reinigung nach dem Tod und Gebet für Verstorbene.
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 101–141Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Inspiration und Kanon der Schrift.
Konzilien und Lehramt
- Dei VerbumDV 7–10, 21Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Schrift in apostolischer Überlieferung und Kirche.
Fachdokumente und Studien
- Das jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen BibelNr. 16–18Sekundäranalyse · Offizielle kirchliche Quelle
Offizielle historische Studie zur Entwicklung jüdischer und christlicher Schriftensammlungen.
- Luther Bible 1534Apocrypha sectionSekundäranalyse · Wissenschaftliche Sekundärquelle
Die vollständige Lutherbibel von 1534 druckt die deuterokanonischen Bücher gesondert als Apokryphen und verweigert ihnen denselben kanonischen Rang.
Historische Primärquellen
- Konzil von Florenz, Cantate DominoDekret für die Jakobiten, 4. Februar 1442 (DH 1334–1336)Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Vor der Reformation bezeugte kirchliche Bestätigung des empfangenen Kanons.
- Konzil von Trient, Sitzung IV4. Sitzung, 8. April 1546: Dekret über die kanonischen Schriften (DH 1501–1504)Transkription bei Hanover Historical Texts Collection
Dogmatische Definition des empfangenen katholischen Kanons in der Reformationskontroverse.