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Der Kanon wird in der apostolischen Kirche empfangen

Das Neue Testament verbindet schriftliche Offenbarung mit apostolischer Überlieferung und einer sichtbaren Kirche, die verbindliche Lehre unterscheidet und bezeugt.

Kernaussage

Das Neue Testament verbindet schriftliche Offenbarung mit apostolischer Überlieferung und einer sichtbaren Kirche, die verbindliche Lehre unterscheidet und bezeugt.

Schlüsselfrage

Wer bestimmt den christlichen Kanon?

Katholische Auslegung

Die Frage nach dem Umfang der Bibel ist eine Frage der Autorität. Für Christen führt sie zur Christologie: Wer Jesus Christus ist und wem er seine apostolische Sendung anvertraut hat, bestimmt auch, welche Gemeinschaft den Kanon empfängt, unterscheidet und verbindlich bezeugt.

Im Zusammenhang

Aussage und Kontext

2 Thess 2,15 fordert dazu auf, an den Überlieferungen festzuhalten, die apostolisch mündlich oder schriftlich empfangen wurden. 2 Tim 2,2 beschreibt, wie die von Paulus empfangene Lehre durch zuverlässige Menschen an weitere Menschen weitergegeben wird. 1 Tim 3,15 nennt die Kirche Säule und Fundament der Wahrheit. In Apostelgeschichte 15 lösen die Apostel und die Ältesten einen Lehrstreit gemeinsam und übermitteln ihre Entscheidung mit den Worten: „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen“. Zusammen bezeugen diese Stellen: Die christliche Wahrheit wird schriftlich und mündlich überliefert, durch apostolische Amtsträger weitergegeben und in einer sichtbaren Kirche verbindlich bezeugt. Auch die Erkenntnis des Kanons steht in diesem Zusammenhang. Nach katholischem Verständnis hat die apostolische Tradition der Kirche ermöglicht, zu unterscheiden, welche Schriften zum Kanon gehören. Das Lehramt steht dabei nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm.

2 Thess 2,15

Die Gemeinde soll an mündlich und schriftlich überlieferten Traditionen festhalten.

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2 Tim 2,2

Paulus gibt die apostolische Lehre an Timotheus weiter, der sie zuverlässigen Lehrern anvertrauen soll.

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1 Tim 3,15

Die Kirche wird Pfeiler und Fundament der Wahrheit genannt.

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Apg 15,1–29

Apostel und Älteste beraten einen Streit und formulieren eine verbindliche Entscheidung mit dem Heiligen Geist.

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Einwand und Antwort

Den Einwand prüfen

Vielleicht scheint es naheliegend, den jüdischen Kanon als Maßstab für das Alte Testament zu nehmen. Schließlich stammen die Schriften Israels aus dem Volk Israel, und die Kirche verehrt den Gott Israels.

Katholische Antwort

Die Kirche empfängt Israels Schriften, aber sie empfängt sie im Licht Jesu Christi und innerhalb der apostolischen Überlieferung. Zu Beginn des Christentums waren die Tora und die Propheten vergleichsweise klar umrissen, während die Sammlung der übrigen Schriften noch keine scharf gezogene Grenze hatte. Griechischsprachige Christen verwendeten weiterhin Schriften, die sie aus dem hellenistischen Judentum empfangen hatten. Als sich das Judentum später stärker von einem geschlossenen hebräischen Kanon her bestimmte, war die Kirche bereits eigenständig genug, um ihren Schriftgebrauch aus der apostolischen Überlieferung fortzuführen.

Was die Kirche nicht meint

Inspiration und Kanonerkennung sind verschiedene Fragen. Die Kirche macht ein Buch nicht dadurch inspiriert, dass sie es anerkennt. Sie erkennt in der apostolischen Überlieferung, welche Schriften als inspiriert empfangen und in der Kirche gelesen werden sollen. Daraus folgt keine einfache Geschichte, nach der Juden aus einem einzigen Grund und auf einem einzigen Konzil Bücher aus der Bibel entfernt hätten. Die jüdische Kanonbildung entwickelte sich über längere Zeit. Die Päpstliche Bibelkommission spricht von einer späteren engeren hebräischen Grenze und davon, dass die Kirche ihre weitere Sammlung heiliger Schriften bereits empfangen hatte. Auch die Bibel allein liefert keine vollständige Inhaltsangabe ihrer eigenen Bücher. 2 Tim 3,16 bezeugt die Inspiration und den Nutzen der Schrift, nennt aber kein Inhaltsverzeichnis. Bevor die Schrift als abgeschlossene Regel dienen kann, muss bereits feststehen, welche Bücher als Schrift gelten.

Biblischer Zusammenhang

Die ganze Argumentation

Quellen und HinweiseKKK 74–1419, 1472–1553 · KKK 101–141

Katechismus

Konzilien und Lehramt

  • Dei VerbumDV 7–10, 21

    Lehramtliche Grundlage zu Schrift, Tradition und Lehramt.

  • Dei VerbumDV 7–10, 21

    Schrift in apostolischer Überlieferung und Kirche.

Kirchliche Fachdokumente