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Glaube und Lehre

Der Kirche anvertraut: Die Kirche und ihre verbindlichen Entscheidungen

Christus hat seiner Kirche die Wahrheit anvertraut: Kann sie in einer entscheidenden Glaubensfrage endgültig festlegen, was zu diesem Glauben gehört? Die Kirche antwortet mit Ja. Dieses Ja ruht auf der Sendung Christi und auf der Verheißung des Geistes der Wahrheit. In fünf Teilen führt diese Lektüre vom übergebenen Glauben, wie ihn die Schrift bezeugt, über die Weitergabe der Offenbarung und die verbindliche Lehrentscheidung bis zum Inhalt der Dogmen und zur Antwort auf den Einwand, die späteren Dogmen seien Zusätze.

Den Fragen nachgehen

5 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Zwei Paar Hände reichen ein versiegeltes zylindrisches Gefäß unter einem gebündelten Lichtstrahl von einer Seite zur anderen.
DogmaKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Unterthema 1 von 4

Was ist ein Dogma?

Dogma und Schrift Bibel und Textverständnis

Ein Dogma ist eine Glaubenswahrheit, die die Kirche als von Gott geoffenbart vorlegt. Die Schrift zeigt, worauf solche Aussagen ruhen.

Woher nimmt die Kirche, was sie verbindlich lehrt?

Kämpft für den Glauben, der den Heiligen ein für alle Mal übergeben ist!

Auszug aus Jud 3 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Judas beschreibt den Glauben als den Heiligen ein für alle Mal übergebenes Gut.

Jud 3: Zusammenhang und Übersetzung

Ein Dogma liegt vor, wenn das Lehramt eine Wahrheit, die im geschriebenen oder überlieferten Wort Gottes enthalten ist, ausdrücklich als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, sei es durch ein feierliches Urteil, sei es durch das ordentliche und allgemeine Lehramt (Erstes Vatikanisches Konzil, Dei Filius, Kap. 3, DH 3011; CIC c. 750 § 1). Ein solcher Satz verpflichtet zur unwiderruflichen Zustimmung des Glaubens (KKK 88). Der Glaube erreicht den Menschen als überkommenes Gut. Er ist den Heiligen, den Gläubigen, ein für alle Mal übergeben; wer ihn annimmt, tritt in eine Weitergabe ein, die älter ist als er selbst. Was verbindlich über den Glauben gesagt wird, gründet in dieser Weitergabe.

Vers 13: Als Vorbild gesunder Worte halte fest, was du von mir gehört hast in Glaube und Liebe in Christus Jesus!

Vers 14: Bewahre das dir anvertraute kostbare Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt!

Auszug aus 2 Tim 1,13–14 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Timotheus soll an der gesunden Lehre festhalten und das anvertraute Gut durch den Heiligen Geist bewahren.

2 Tim 1,13–14: Zusammenhang und Übersetzung

Timotheus soll die gesunde Lehre festhalten und das anvertraute Gut durch den Heiligen Geist bewahren. Festhalten heißt: im Gedächtnis behalten und gegen Verfälschung schützen; weitergegeben wird das Empfangene. Den Maßstab gibt das Empfangene vor; die Kraft zum Bewahren schenkt der Heilige Geist. Die Verbindlichkeit kirchlicher Lehraussagen ist abgestuft. Der Lehrmäßige Kommentar der Glaubenskongregation zur Schlussformel der Professio fidei (1998), des Glaubensbekenntnisses, das bestimmte Amtsträger persönlich ablegen (CIC c. 833), unterscheidet drei Stufen. Wahrheiten, die die Kirche als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, verlangen die Zustimmung des Glaubens; zu ihnen gehören die Dogmen (Nr. 5). Lehren, die die Kirche endgültig vorlegt, ohne sie als geoffenbart vorzulegen, sind fest anzunehmen und festzuhalten (Nr. 6). Lehren des authentischen Lehramts, die nicht endgültig vorgelegt werden, verlangen religiösen Gehorsam des Willens und des Verstandes (Nr. 10; vgl. CIC cc. 750–752).

Was die Kirche verbindlich festhält, hat sie als anvertrautes Gut empfangen; sie verwahrt es und gibt es weiter. So bewahrt das Dogma den Gläubigen davor, den Glauben der Apostel mit einer Meinung seiner eigenen Zeit zu verwechseln. Zugleich steht kein Dogma für sich allein. Die verbindlichen Sätze stehen in einer Ordnung zueinander: Einige gehören zur Mitte des Glaubens, andere entfalten, was aus dieser Mitte folgt. Je näher ein Satz an der Mitte steht, desto mehr trägt er das Ganze. So bleibt das Dogma dem Glauben zugeordnet, den es bewahrt.

Weiterführende Erklärungen

Der Glaube ist ein für alle Mal übergebenDirekter positiver Beleg

Der Glaube ist ein für alle Mal übergeben. Daraus erwächst die Frage, wie dieses eine Gut durch die Zeiten bewahrt wird und worin die Treue besteht, die es verlangt.

Das anvertraute Gut bewahrenDirekter positiver Beleg

Unterthema 2 von 4 · Offenbarung und Glaubensgut

Der Glaube der Apostel erreicht jede Zeit, weil die Kirche die Offenbarung weitergibt

Schrift und Überlieferung Glaube und Überlieferung

Wie bewahrt und lehrt die Kirche das von den Aposteln empfangene Glaubensgut?

Wie kommt der Glaube der Apostel zu Menschen, die ihn später annehmen, und woran erkennt die Kirche seine verbindliche Gestalt?

Wer den Glauben der Kirche verstehen will, kommt an einer Frage nicht vorbei: Woher weiß die Kirche, was sie glaubt? Christus hat den Glauben als Geschenk den Aposteln anvertraut. Von ihnen erreicht er die Gemeinden auf zwei Weisen: im gesprochenen Wort und im geschriebenen Brief. Beide Weisen haben denselben Ursprung und gehören zusammen. Der Glaube bleibt damit nicht an eine einzelne Form gebunden, sondern wird durch Verkündigung und Schrift in der Kirche weitergegeben.

Seid also standhaft, Brüder und Schwestern, und haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben, sei es mündlich, sei es durch einen Brief!

Auszug aus 2 Thess 2,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Paulus fordert dazu auf, an den mündlich und brieflich überlieferten Traditionen festzuhalten.

2 Thess 2,15: Zusammenhang und Übersetzung

Diese Weitergabe nimmt konkrete Gestalt an: Paulus vertraut seine Lehre dem Timotheus an, damit zuverlässige Menschen sie weiteren Lehrern übergeben. Der apostolische Glaube geht damit über mehrere Generationen hinweg durch Menschen. Die apostolische Überlieferung ist deshalb eine personale Weitergabe, die Treue und Zuverlässigkeit verlangt. Welche Überlieferung diesen apostolischen Ursprung tatsächlich bewahrt, entscheidet sich an ihrer Übereinstimmung mit dem einen empfangenen Glaubensgut; menschliche Zusätze erhalten durch ihre bloße spätere Weitergabe keinen apostolischen Rang.

Was du vor vielen Zeugen von mir gehört hast, das vertraue zuverlässigen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren!

Auszug aus 2 Tim 2,2 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Paulus vertraut Timotheus seine Lehre an, damit zuverlässige Menschen sie weiteren vermitteln.

2 Tim 2,2: Zusammenhang und Übersetzung

Das Glaubensgut umfasst alles, was Gott den Menschen kundgetan hat und was die Kirche aus diesem einen Ursprung mündlich und schriftlich empfängt. Die Kirche des lebendigen Gottes ist dabei Säule und Fundament der Wahrheit. Dieses Zeugnis weist der sichtbaren Kirche eine tragende Verantwortung zu: Sie hütet das anvertraute Gut und gibt ihm einen öffentlichen, verlässlichen Ort, an dem der Glaube verkündet und gelehrt wird. Darum ist die Kirche nicht bloß ein Ort, an dem Menschen ihre eigenen Gedanken über Gott austauschen. In ihr bleibt das Glaubensgut lebendig und erreicht die Menschen als übergebene Wahrheit.

Falls ich aber länger ausbleibe, sollst du wissen, wie man sich im Haus Gottes verhalten muss, welches die Kirche des lebendigen Gottes ist, Säule und Fundament der Wahrheit.

Auszug aus 1 Tim 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Die Kirche des lebendigen Gottes wird als Pfeiler und Fundament der Wahrheit bezeichnet.

1 Tim 3,15: Zusammenhang und Übersetzung

Aus dieser öffentlichen Verantwortung ergibt sich auch der Ort der Glaubensentscheidung. Wo Streitfragen den empfangenen Glauben berühren, braucht es die Kirche, die das anvertraute Gut in Treue zu Schrift und Überlieferung lehrt. Der Satz von der Kirche als Säule und Fundament der Wahrheit gibt der späteren Lehre vom kirchlichen Lehramt ein tragendes biblisches Bild: Die Kirche hält die empfangene Wahrheit sichtbar fest und bewahrt sie treu (KKK 171). Zusammen mit der Sendung der Apostel und den Verheißungen Christi (Lk 10,16; Mt 16,18–19; 28,18–20; Joh 16,13) begründet er das Lehramt der Kirche, das dem Wort Gottes dient und an das überlieferte Glaubensgut gebunden bleibt (DV 10). Die vollständige Lehre über Dogmen und die näheren Bedingungen verbindlicher Lehraussagen entfaltet sich im weiteren Verlauf, besonders am Bericht des Apostelkonzils in Jerusalem.

Damit wird sichtbar, welchen Ort dieses Thema im Ganzen des Glaubens einnimmt. Die Weitergabe der Offenbarung ist der Weg, auf dem der Glaube der Apostel die Kirche jeder Zeit erreicht; von ihr hängt ab, ob alles Weitere überhaupt ankommt. Die Hierarchie der Wahrheiten, die die Glaubensinhalte nach ihrer Verbindung zum Fundament des Glaubens ordnet (KKK 90), hat ihre Mitte dagegen im Geheimnis des dreifaltigen Gottes, das in Christus offenbart ist (KKK 234). Dass die Kirche des lebendigen Gottes Pfeiler und Fundament der Wahrheit ist, wird hier greifbar: In ihr bleibt das Glaubensgut lebendig, in Verkündigung und Schrift. Wer nach dem Glauben fragt, findet ein Gut, das über einzelne Lehrsätze hinausreicht und die ganze Gestalt des christlichen Lebens trägt. Es bleibt einer Kirche anvertraut, die nicht von sich selbst redet.

Weiterführende Erklärungen

Mündliche und schriftliche ÜberlieferungDirekter positiver Beleg

Die Offenbarung wird mündlich und schriftlich weitergegeben. Damit stellt sich die Frage, wo dieses überlieferte Gut öffentlich bewahrt und bezeugt wird.

Die Kirche als Säule und Fundament der WahrheitDirekter positiver Beleg

Unterthema 3 von 4 · Kirche und Lehrentscheidung

Verbindliche Lehrentscheidungen dienen dem Glauben an Christus und der Einheit der Kirche

Vollmacht der Kirche Glaube und Überlieferung

Wie Christus seiner Kirche Vollmacht gibt, Glaubensfragen verbindlich zu entscheiden

Wie wird in der Kirche eine strittige Glaubensfrage entschieden?

Wer glaubt, stößt früher oder später auf die Frage, wie eine Gemeinschaft von Menschen für alle gültig festlegen kann, was zum Glauben gehört. Christus sendet seine Gesandten und verbindet das Hören auf sie mit dem Hören auf ihn selbst: Wer sie hört, hört Christus. Lk 10,16 verankert damit die kirchliche Lehrverantwortung in der Autorität der apostolischen Sendung. Die Kirche bewahrt diese Sendung in bevollmächtigten Nachfolgern, den Bischöfen in Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri (LG 22–23), und übt sie verbindlich aus. Mit der Verheißung, seine Kirche auf dem Felsen zu bauen und Petrus die Schlüssel zu übergeben, verbindet Christus kirchliche Vollmacht, Petrusdienst und seine Kirche.

Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.

Auszug aus Lk 10,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Wer die von Christus Gesandten hört, hört Christus selbst.

Lk 10,16: Zusammenhang und Übersetzung

Vers 18: Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

Vers 19: Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.

Auszug aus Mt 16,18–19 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Jesus verheißt den Bau seiner Kirche auf dem Felsen und verheißt Petrus die Schlüssel.

Mt 16,18–19: Zusammenhang und Übersetzung

Bei einem schweren Konflikt verweist Jesus an die Gemeinde und sagt seinen Jüngern die Vollmacht zu, zu binden und zu lösen. Die sichtbare Kirche erhält damit einen Ort, an dem gemeinschaftliche Fragen verbindlich beurteilt werden. Der Geist der Wahrheit wird die Jünger in die ganze Wahrheit führen. Diese Verheißung begleitet die apostolische Kirche bei der Bewahrung des empfangenen Glaubens und wird in der kirchlichen Lehre mit apostolischer Nachfolge und verbindlichem Lehramt verbunden. Weil Christus diesen Beistand „für immer“ verheißt (Joh 14,16), gelten seine Zusagen auch der Kirche nach dem Tod der Apostel: Die Sendung, die er ihnen anvertraut hat, dauert bis zum Ende der Welt (LG 20).

Vers 17: Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.

Vers 18: Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Auszug aus Mt 18,17–18 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Jesus verweist bei einem schweren Konflikt auf eine ansprechbare Kirche und spricht von Binde- und Lösevollmacht.

Mt 18,17–18: Zusammenhang und Übersetzung

Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten.

Auszug aus Joh 16,13 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Der Geist der Wahrheit soll die Jünger in der ganzen Wahrheit leiten.

Joh 16,13: Zusammenhang und Übersetzung

Das Apostelkonzil in Jerusalem zeigt, wie diese Vollmacht ausgeübt wird. Apostel und Älteste versammeln sich, beraten öffentlich den Streit um die Aufnahme der Heiden, hören Zeugnisse, ziehen die Schrift heran und fassen eine Entscheidung für die Gemeinden. Sie schreiben ihren Beschluss dem Heiligen Geist und ihrer eigenen apostolischen Verantwortung zu: Der Heilige Geist und sie haben beschlossen, keine weitere Last aufzuerlegen als die notwendigen Dinge. Apostelgeschichte 15 ist damit das biblische Grundmuster verbindlicher kirchlicher Entscheidungen. Das Ereignis bleibt in seiner unmittelbaren Form einzigartig, weil die Apostel selbst anwesend sind; spätere Konzilien stehen deshalb in apostolischer Kontinuität, bleiben an das Glaubensgut gebunden und tragen Verantwortung für die ganze Kirche.

Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!

Auszug aus Apg 15,28–29 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Apostel und Älteste entscheiden die Frage, ob Heiden sich beschneiden lassen müssen, und übermitteln den Gemeinden verbindliche Regeln für das Zusammenleben.

Apg 15,1–29: Zusammenhang und Übersetzung

Die Entscheidung wird den Gemeinden nicht nur mitgeteilt, sondern zur Befolgung übergeben. Paulus und seine Begleiter überbringen die von den Aposteln und Ältesten in Jerusalem gefassten Beschlüsse und tragen den Gemeinden auf, sich daran zu halten. Die Gemeinden empfangen diese Beschlüsse und befolgen sie (Apg 16,4–5). Der Jerusalemer Beschluss enthält zweierlei: die Glaubensentscheidung, dass Heiden durch die Gnade Jesu gerettet werden, ohne sich beschneiden lassen zu müssen (Apg 15,1.11), und Regeln für das Zusammenleben, die den Heidenchristen auferlegt werden (Apg 15,28–29). Beides verpflichtet die Gemeinden; die Kirche unterscheidet aber bis heute zwischen Lehrurteilen und disziplinären Entscheidungen (KKK 553). Die Bedeutung dieses Vorgangs für spätere Dogmen liegt in der Struktur: Apostolische Entscheidungen werden verbindlich weitergegeben und bleiben an das empfangene apostolische Glaubensgut gebunden; sie eröffnen keine neue Offenbarung. Das griechische Wort δόγματα (dogmata, etwa: DOG-ma-ta) bezeichnet hier die übermittelten Beschlüsse.

Als sie nun durch die Städte zogen, überbrachten sie ihnen die von den Aposteln und den Ältesten in Jerusalem gefassten Beschlüsse und trugen ihnen auf, sich daran zu halten.

Auszug aus Apg 16,4–5 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Paulus und seine Begleiter überbringen den Gemeinden die Beschlüsse der Apostel und Ältesten zur Befolgung.

Apg 16,4–5: Zusammenhang und Übersetzung

In der Hierarchie der Wahrheiten, der Ordnung der Glaubensinhalte nach ihrer Verbindung zum Fundament des Glaubens, empfangen verbindliche Lehrentscheidungen ihr Gewicht von dem, was sie auslegen und schützen (KKK 90); diese Ordnung betrifft die Verbindung der Inhalte, während die Pflicht zum Glaubensgehorsam aus der Zusage Christi folgt (LG 25). Das kirchliche Lehramt dient dem Wort Gottes und steht nicht über ihm (DV 10). Wer einer endgültig vorgelegten Glaubenswahrheit folgt, verlässt sich daher auf die Zusage Christi, dass der Geist der Wahrheit seine Kirche begleitet. So bewahrt die Kirche den überlieferten Glauben vor der Beliebigkeit und hält die Gemeinden im gemeinsamen Hören auf diesen Geist verbunden. Die biblischen Zeugnisse begründen diesen Weg von Sendung, Vollmacht, Beratung, Entscheidung und Übermittlung. Später hat die Kirche genau bestimmt, wer in ihr unfehlbar lehrt: der Papst, wenn er als oberster Hirt und Lehrer aller Gläubigen eine Glaubens- oder Sittenlehre in einem endgültigen Akt verkündet, wie es das Erste Vatikanische Konzil 1870 definiert hat, und die Bischöfe in Gemeinschaft mit ihm, wenn sie auf einem ökumenischen Konzil oder über die Welt verstreut eine Lehre übereinstimmend als endgültig verpflichtend vortragen (LG 25; KKK 891; CIC c. 749). Diese Unfehlbarkeit reicht so weit wie die Hinterlage der göttlichen Offenbarung; eine neue öffentliche Offenbarung empfangen Papst und Bischöfe nicht (LG 25).

Mit den orthodoxen Kirchen teilt die Kirche die Grunddogmen über die Dreifaltigkeit und die Menschwerdung, die, wie das Zweite Vatikanische Konzil festhält, „auf ökumenischen Konzilien definiert worden sind, die im Orient stattgefunden haben“ (UR 14). Der Unterschied liegt beim Träger der höchsten Lehrvollmacht. Die Orthodoxe Kirche in Amerika lehrt keine Unfehlbarkeit des Papstes oder eines anderen Einzelnen; die Kirche werde, im Konzil unter der Eingebung des Heiligen Geistes versammelt, dazu geleitet, richtige Entscheidungen zu treffen und die Wahrheit auszusprechen. Darum übernehmen die orthodoxen Kirchen die Definitionen von 1854, 1870 und 1950 nicht als Dogmen. Die Kirche antwortet aus der Ordnung, die Christus mit dem Petrusdienst gegeben hat: „Ein Ökumenisches Konzil gibt es niemals, wenn es vom Nachfolger des Petrus nicht als solches bestätigt oder wenigstens angenommen worden ist“ (KKK 884; vgl. LG 22). Die endgültigen Definitionen des Nachfolgers Petri heißen darum „mit Recht aus sich und nicht erst aufgrund der Zustimmung der Kirche unanfechtbar“, und zugleich kann ihnen „die Beistimmung der Kirche niemals fehlen“ (LG 25). Nahe beieinander bleiben beide Kirchen auch hier: Bei der Aufnahme Marias zitiert der Katechismus das byzantinische Tropar zum Fest der Entschlafung am 15. August (KKK 966).

Quellen zu dieser Frage 4

Verbindliche Lehrentscheidungen dienen der Mitte des Glaubens: dem Glauben an Christus und der Einheit derer, die ihn hören.

Weiterführende Erklärungen

Christus sendet seine Kirche und verheißt ihr den GeistUnterstützender positiver Beleg

Christus verbindet das Hören seiner Gesandten mit dem Hören auf ihn und verheißt den Geist der Wahrheit. Das Apostelkonzil zeigt, wie eine solche Vollmacht ausgeübt wird: Es entscheidet einen Lehrstreit verbindlich.

Das Apostelkonzil entscheidet verbindlichDirekter positiver Beleg

Das Konzil entscheidet und schreibt seinen Beschluss dem Heiligen Geist zu. Damit diese Entscheidung die Gemeinden erreicht, wird sie ihnen überbracht und zur Befolgung übergeben.

Die Beschlüsse werden den Gemeinden überbrachtDirekter positiver Beleg

Unterthema 4 von 4 · Dogmen konkret

Jedes Dogma schützt das Bekenntnis zu Christus und das, was an seinem Werk hängt

Inhalt der Dogmen Glaube und Überlieferung

Wie Dogmen den apostolischen Glauben verbindlich bewahren und entfalten

Wie kommt die Kirche zu Sätzen, die den Glauben verbindlich aussprechen?

Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Auszug aus Mt 28,19–20 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Die Frage an diesen Text

Jesus nennt bei der Taufe den einen Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Mt 28,19: Zusammenhang und Übersetzung

Jesus nennt bei der Taufe den einen Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Ihre gemeinsame Nennung bezeugt die enge Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Die Kirche liest darin zusammen mit der Gottessohnschaft Christi den biblischen Grund der Dreifaltigkeitslehre. Die kirchliche Formel hält fest, dass der Sohn die göttliche Wirklichkeit mit dem Vater teilt, und weist eine bloß geschöpfliche Stellung des Sohnes zurück.

Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. … Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Auszug aus Joh 1,1.14 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Die Frage an diesen Text

Das Wort ist Gott und wird Fleisch.

Joh 1,1.14: Zusammenhang und Übersetzung

Der Prolog des Johannesevangeliums bezeugt zugleich die Gottheit und die Menschwerdung des Wortes: Das Wort war Gott und ist Fleisch geworden. Damit liefert er den christologischen Grund, auf dem die Kirche den Sohn mit dem Vater zusammenliest und die Einheit Christi bekennt. Nizäa fasst die vom Evangelium bezeugte Identität des göttlichen Wortes mit homoousios als Wesensgleichheit mit dem Vater und schützt sie gegen die arianische Reduktion, die im Sohn ein geschaffenes und dem Vater untergeordnetes Wesen sieht. So bewahrt der Begriff die wahre Gottheit, die Johannes dem Wort zuspricht: Der Sohn ist gezeugt, nicht geschaffen und eines Wesens mit dem Vater (KKK 465).

Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

Auszug aus Lk 1,43 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Die Frage an diesen Text

Elisabet nennt Maria die Mutter ihres Herrn.

Lk 1,43: Zusammenhang und Übersetzung

Wer Maria die Mutter des Herrn nennt, verbindet sie mit der Würde des Kindes. Im Zusammenhang mit der Einheit von Jesu göttlicher und menschlicher Wirklichkeit bildet diese Anrede den biblischen Grund für den Titel Gottesgebärerin. Der Ausdruck folgt der Frage, wer der von Maria Geborene ist: derselbe Sohn, den Johannes als das göttliche Wort bezeugt und der Fleisch geworden ist. „Herr“ kann als messianische Ehrbezeichnung gelesen werden; der Zusammenhang mit dem göttlichen Wort führt jedoch zur Einheit Christi. Der Titel Theotokos bekennt Maria als Mutter dessen, der Gott ist und Mensch geworden ist, und wahrt damit die Einheit des göttlichen Sohnes. Ephesus und Chalcedon haben diese Einheit Christi gegen die entsprechenden Missverständnisse begrifflich geschützt; Papst Leo der Große hat das Bekenntnis von Chalcedon in seinem Lehrbrief an Flavian vorbereitet, den das Konzil aufnahm. Die Kirche versteht die Menschwerdung daher als wahre Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur in der einen Person des Sohnes.

Christus ist für unsere Sünden gestorben … und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.

Auszug aus 1 Kor 15,3–5 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Paulus überliefert als empfangenes Glaubensgut den Tod, das Begräbnis und die Auferstehung Christi.

1 Kor 15,3–5: Zusammenhang und Übersetzung

Der apostolische Glaube wird als empfangenes Glaubensgut überliefert: Christus ist für unsere Sünden gestorben, begraben und am dritten Tag auferweckt worden; er erschien dem Kephas und den Zwölf. Dieser Zusammenhang gibt den einzelnen Dogmen ihren Bezugspunkt. Er bildet den Grund, von dem aus die Kirche spätere Einzeldefinitionen als legitime Entfaltung des empfangenen apostolischen Glaubensgutes ausweist. Das Dogma von der Auferstehung bewahrt dabei unmittelbar das Paschamysterium Christi.

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.

Auszug aus Joh 6,54 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Jesus bezeichnet sich als Brot des Lebens und spricht von seinem Fleisch und Blut.

Joh 6,25–71: Zusammenhang und Übersetzung

Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?

Auszug aus 1 Kor 10,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Paulus nennt Kelch und Brot Teilhabe am Blut und Leib Christi.

1 Kor 10,16–21: Zusammenhang und Übersetzung

Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn.

Auszug aus 1 Kor 11,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Paulus beschreibt die Feier des Herrenmahls und ihre Verkündigung des Todes Christi.

1 Kor 11,26–29: Zusammenhang und Übersetzung

Auch die Eucharistie gehört in diesen Zusammenhang. Jesus bezeichnet sich als Brot des Lebens und spricht davon, dass der, der sein Fleisch isst und sein Blut trinkt, das ewige Leben hat und am Jüngsten Tag auferweckt wird. Paulus nennt den Kelch des Segens Teilhabe am Blut Christi und das gebrochene Brot Teilhabe am Leib Christi. Damit trägt die Brotrede den eucharistischen Zusammenhang des apostolischen Glaubens bei, während die paulinische Überlieferung die eucharistische Teilhabe als überlieferte Wirklichkeit in der Feier der Kirche ausweist. Die Feier des Herrenmahls verkündet nach Paulus den Tod Christi; wer unwürdig vom Brot isst und aus dem Kelch trinkt, macht sich am Leib und am Blut des Herrn schuldig. So verbindet die apostolische Eucharistieüberlieferung die Feier der Kirche mit dem Paschamysterium Christi und wird in ihr bewahrt und dogmatisch entfaltet. Das Konzil von Trient hat diesen Glauben 1551 verbindlich ausgesprochen: Im Sakrament der Eucharistie sind „wahrhaft, wirklich und substanzhaft der Leib und das Blut zusammen mit der Seele und Gottheit unseres Herrn Jesus Christus“ enthalten, und durch die Konsekration wird die ganze Substanz von Brot und Wein in die Substanz von Leib und Blut Christi verwandelt, was die Kirche Wesensverwandlung (Transsubstantiation) nennt (KKK 1374; 1376). Im Jahr 1562 lehrte dasselbe Konzil, dass die Messe und das Kreuzesopfer ein einziges Opfer sind, denn „die Opfergabe ist ein und dieselbe; derselbe, der sich selbst damals am Kreuze opferte, opfert jetzt durch den Dienst der Priester; allein die Weise des Opferns ist verschieden“ (KKK 1367).

Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.

Auszug aus Gen 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Gott kündigt Feindschaft zwischen der Schlange und der Frau sowie deren Nachkommen an.

Gen 3,15: Zusammenhang und Übersetzung

Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.

Auszug aus Lk 1,28 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Der Engel begrüßt Maria als die Begnadete.

Lk 1,28: Zusammenhang und Übersetzung

Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.

Auszug aus Offb 12,1 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Eine mit der Sonne bekleidete Frau erscheint als Zeichen am Himmel und steht dem Drachen gegenüber.

Offb 12: Zusammenhang und Übersetzung

Über Maria bekennt die Kirche vier Dogmen, die alle an Christus hängen: ihre Gottesmutterschaft, die das Konzil von Ephesus 431 bekannt hat (KKK 466; 495), ihre immerwährende Jungfräulichkeit (KKK 499), ihre Unbefleckte Empfängnis, die Pius IX. am 8. Dezember 1854 verkündet hat (KKK 491), und ihre Aufnahme mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit, die Pius XII. am 1. November 1950 definiert hat (KKK 966). Die Schrift zeigt, woran die Kirche dabei anknüpft. Genesis 3,15 sagt die Feindschaft zwischen der Schlange und der Frau und ihren Nachkommen an; die Kirche nennt die Stelle Protoevangelium, und zahlreiche Kirchenväter sehen in der Frau Maria, die neue Eva (KKK 410–411). Lukas 1,28 grüßt Maria als die Begnadete; von dieser Anrede her wurde sich die Kirche im Laufe der Jahrhunderte bewusst, dass Maria schon bei ihrer Empfängnis erlöst worden ist (KKK 491). Offenbarung 12 zeigt die mit der Sonne bekleidete Frau im Kampf mit dem Drachen, ein typologisches Bild, in dem die Kirche sich selbst und Maria zugleich erkennt.

Die Kirche ordnet Auferstehung, Dreifaltigkeit, Menschwerdung, Eucharistie und marianische Mysterien nach ihrer Verbindung zum Fundament des Glaubens (KKK 90); ihre Nähe zum Fundament ist unterschiedlich. Jedes Dogma ist dennoch zu glauben, weil jedes eine Wahrheit des Geoffenbarten verbindlich vorlegt. Auch die Unbefleckte Empfängnis Marias, später definiert, ist im überlieferten Glaubensgut enthalten; die Kirche erfasst das Geoffenbarte in Schrift und Überlieferung tiefer, und die Dogmen bleiben darin (DV 8; KKK 88). Sie legen den überlieferten Glauben in verbindlicher Sprache aus und bleiben in Schrift und Überlieferung verwurzelt. Sie sichern das Geoffenbarte. So bleibt der Glaube konkret und trägt die Gewissheit, dass Gott so ist, wie er sich gezeigt hat, und nicht bloß eine ferne Idee.

Zusammen genommen bilden die Dogmen ein Ganzes: Nizäa sichert die Gottheit des Sohnes, Ephesus und Chalcedon die Einheit Christi, und die weiteren Dogmen schützen, was an seinem Werk hängt. Ein Satz trägt den anderen, und alle verweisen auf denselben Grund.

Weiterführende Erklärungen

Der Sohn ist wahrhaft Gott: was die Schriftstellen bezeugen und wie die Kirche es bekenntUmstrittene Auslegung

Nizäa schützt mit homoousios die wahre Gottheit des Sohnes. Derselbe Glaube wird an der Menschwerdung festgehalten, wenn Maria als Gottesgebärerin bekannt wird: Der von ihr Geborene ist der göttliche Sohn, der wirklich Mensch wurde.

Wahrer Gott und wahrer Mensch: GottesgebärerinUmstrittene Auslegung

Gottesgebärerin und homoousios sichern die Einheit Christi als wahrer Gott und wahrer Mensch. Weitere Dogmen, etwa über Auferstehung, Eucharistie und Maria, bewahren je ihren Teil desselben apostolischen Glaubens.

Dogmen bewahren den Zusammenhang des apostolischen GlaubensUnterstützender positiver Beleg

Die späteren Dogmen Glaube und Überlieferung

Sind die späteren Dogmen, besonders die über Maria, Zusätze zur Schrift?

Woran zeigt sich, dass die späteren Dogmen den Glauben der Anfänge bezeugen?

Viele evangelische Christen bekennen mit der alten Kirche Maria als Gottesgebärerin; strittig sind vor allem die Dogmen von 1854 und 1950. Die Kirche versteht sie als Frucht eines Wachstums im Verständnis des empfangenen Glaubens: Unter dem Beistand des Heiligen Geistes wächst das Verständnis der überlieferten Dinge und Worte (DV 8), und zwar, wie das Erste Vatikanische Konzil mit Vinzenz von Lérins festhält, in derselben Lehre, im selben Sinn und in derselben Bedeutung (Dei Filius, Kap. 4, DH 3020). Das Lehramt steht dabei nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, „indem es nichts lehrt, als was überliefert ist“ (DV 10). So bekennt das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis, dass Maria, die der Engel „Begnadete“ nennt (Lk 1,28), im ersten Augenblick ihrer Empfängnis „im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu“ von der Urschuld bewahrt wurde (KKK 491); sie wurde „auf erhabenere Weise erlöst“ (KKK 492). Ihre Aufnahme mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit ist eine einzigartige Teilhabe an der Auferstehung ihres Sohnes (KKK 966).

Gegen die Unbefleckte Empfängnis lässt sich ein gewichtiges geschichtliches Argument anführen: Große Lehrer des Mittelalters wie Bernhard von Clairvaux und Thomas von Aquin haben sie verneint. Thomas begründet das mit Christus selbst: Wäre Maria nie mit der Erbschuld befleckt gewesen, so widerspräche das der Würde Christi als des Erlösers aller (Summa theologiae III q. 27 a. 2 ad 2). Dazu kommt der Maßstab, den Vinzenz von Lérins aufgestellt hat: festzuhalten, „was überall, was immer und was von allen geglaubt wurde“ (Commonitorium 2). Eine Lehre, die angesehene Lehrer bestritten haben, scheint an diesem Maßstab zu scheitern. Doch Vinzenz selbst beschreibt im selben Werk den Fortschritt des Glaubens, der in derselben Lehre wächst, ohne sich zu verändern (Commonitorium 23). Was in einer Epoche noch strittig ist, kann im apostolischen Glaubensgut enthalten sein und später ausdrücklich erkannt werden; über die Zugehörigkeit urteilt das Lehramt, das an die Überlieferung gebunden bleibt, und nicht die Stimme eines einzelnen Theologen, so groß er ist. Die Definition von 1854 nimmt das Anliegen des Thomas sogar auf: Maria ist bewahrt worden „im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes“ (KKK 491); auch sie verdankt alles dem einen Erlöser. Vor der Definition von 1950 befragte Pius XII. 1946 mit dem Schreiben „Deiparae Virginis Mariae“ die Bischöfe der ganzen Welt, ob die Aufnahme Marias als Glaubenssatz definiert werden könne, und erhielt fast einmütige Zustimmung (Munificentissimus Deus).

Quellen zu dieser Frage 4

Haben Konzilien nicht auch geirrt?

Der Einwand

Die Schrift ist der höchste Richter in Glaubensfragen, Konzilien aber sind nachapostolische Versammlungen fehlbarer Menschen. Alle Synoden und Konzilien seit der Zeit der Apostel können irren, und viele haben geirrt; darum sind sie nicht Regel des Glaubens, sondern eine Hilfe (Westminster-Bekenntnis 31,3). Was ein allgemeines Konzil als heilsnotwendig festlegt, hat nach den 39 Artikeln der Kirche von England nur dann Kraft, wenn es aus der Schrift erwiesen werden kann (Art. 21).

Die Antwort der Kirche

Auch die Kirchen der Reformation lehren die Dreifaltigkeit ausdrücklich nach dem Beschluss des Konzils von Nizäa (Augsburger Bekenntnis, Art. 1) und bekennen damit das nichtbiblische Wort „wesensgleich“ als treue Auslegung der Schrift. Dass ein BegriffKonzilEin Konzil ist eine Versammlung von Bischöfen zu Fragen des Glaubens und der kirchlichen Ordnung, wobei ein ökumenisches Konzil nur gemeinsam mit dem Papst höchste Lehrautorität ausübt.Glossareintrag öffnen den Sinn der Schrift so verlässlich aussprechen kann, führt die BegriffKircheDie Kirche ist das von Christus gerufene Volk Gottes und sein Leib, zugleich sichtbare, hierarchisch geordnete Gemeinschaft und geistliche Wirklichkeit. Die eine Kirche Christi, die im Glaubensbekenntnis als eine, heilige, katholische und apostolische bekannt wird, ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird. Auch außerhalb ihres sichtbaren Gefüges finden sich vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit, die zur katholischen Einheit hindrängen (LG 8; KKK 816, 819).Glossareintrag öffnen auf die Zusage Christi an seine Gesandten zurück: „Wer euch hört, der hört mich“ (Lk 10,16), und: „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten“ (Joh 16,13). Darum lehrt das Bischofskollegium zusammen mit dem Nachfolger Petri, vor allem auf einem ökumenischen Konzil, in seinen endgültigen Definitionen über Glaube und Sitten unfehlbar; ihnen ist mit Glaubensgehorsam anzuhangen (LG 25; KKK 891).

Was andere Christen dazu glauben

Die christlichen Traditionen vergleichen

Katholisch

Offizielle Lehrposition
Die Kirche empfängt das eine Glaubensgut aus Schrift und Tradition. Das Lehramt legt es authentisch aus; ein Dogma ist eine in der göttlichen Offenbarung enthaltene Wahrheit, die als solche definitiv vorgelegt wird.
Offizielle Quelle: Katholisch

Lutherisch

Offizielle Lehrposition
Die Heilige Schrift ist alleiniger Richter, Maßstab und Norm. Die altkirchlichen Bekenntnisse und lutherischen Bekenntnisschriften gelten als treue Zeugnisse und Auslegungen der Schrift, nicht als gleichrangige unfehlbare Autorität.
Offizielle Quelle: Lutherisch

Reformiert / calvinistisch

Offizielle Lehrposition
Die Schrift ist der höchste Richter religiöser Streitfragen. Synoden und Konzilien können Streitfragen dienend entscheiden; ihre Urteile verdienen Achtung, bleiben aber der Schrift untergeordnet und können irren.
Offizielle Quelle: Reformiert / calvinistisch

Baptistisch

Offizielle Lehrposition
Bekenntnisse geben den Konsens einer baptistischen Körperschaft wieder und können der lehrmäßigen Rechenschaft dienen. Sie sind weder endgültig noch unfehlbar und binden das Gewissen nicht aus eigener Autorität.
Offizielle Quelle: Baptistisch

Evangelikal / freikirchlich

Offizielle Lehrposition
Die Bibel gilt als von Gott inspirierte, zuverlässige Offenbarung und als höchste Autorität für Glauben und Leben. Die gemeinsame Glaubensbasis bekennt zentrale Lehren, setzt aber kein gemeinsames Lehramt für unwiderrufliche Definitionen ein.
Offizielle Quelle: Evangelikal / freikirchlich

Pfingstlich / charismatisch

Offizielle Lehrposition
Für die Assemblies of God ist die Bibel die allgenügende Regel für Glauben und Leben. Ihr Glaubensbekenntnis, das Statement of Fundamental Truths, dient als Grundlage der Gemeinschaft; seine Formulierungen sind nicht inspiriert, die darin ausgedrückten Wahrheiten werden jedoch als wesentlich festgehalten.
Offizielle Quelle: Pfingstlich / charismatisch

Methodistisch / wesleyanisch

Offizielle Lehrposition
Die Lehrstandards der United Methodist Church sind durch ihre Kirchenverfassung vor Änderungen geschützt. Die Schrift bleibt Primärquelle und Prüfmaßstab; Tradition, Erfahrung und Vernunft dienen ihrer Auslegung, ohne ihren Vorrang aufzuheben.
Offizielle Quelle: Methodistisch / wesleyanisch

Anglikanisch

Offizielle Lehrposition
Die drei altkirchlichen Glaubensbekenntnisse werden angenommen, weil sie aus der Schrift begründbar sind. Die Kirche hat Autorität in Glaubensstreitigkeiten und ist Zeugin und Hüterin der Schrift, darf aber nichts gegen die Schrift festsetzen. Allgemeine Konzilien können irren.
Offizielle Quelle: Anglikanisch

Orthodox / byzantinisch

Offizielle Lehrposition
Nach der Orthodoxen Kirche in Amerika haben sieben Konzilien als Ökumenische Konzilien die Zustimmung der ganzen Kirche gefunden; ihre dogmatischen Definitionen und Kanones gelten als von Gott eingegeben und als Ausdruck seines Willens und sind darum wesentliche Quellen der orthodoxen Lehre. Auch Beschlüsse von Ortskonzilien, die alle orthodoxen Kirchen angenommen haben, gelten als echter Ausdruck des orthodoxen Glaubens.
Offizielle Quelle: Orthodox / byzantinisch
Lehrpositionen aus offiziellen Quellen sowie, wo gesondert belegt, heutige Praxis und innerkonfessionelle Unterschiede
TraditionOffizielle LehrpositionQuelle
KatholischDie Kirche empfängt das eine Glaubensgut aus Schrift und Tradition. Das Lehramt legt es authentisch aus; ein Dogma ist eine in der göttlichen Offenbarung enthaltene Wahrheit, die als solche definitiv vorgelegt wird.Offizielle Quelle: Katholisch
LutherischDie Heilige Schrift ist alleiniger Richter, Maßstab und Norm. Die altkirchlichen Bekenntnisse und lutherischen Bekenntnisschriften gelten als treue Zeugnisse und Auslegungen der Schrift, nicht als gleichrangige unfehlbare Autorität.Offizielle Quelle: Lutherisch
Reformiert / calvinistischDie Schrift ist der höchste Richter religiöser Streitfragen. Synoden und Konzilien können Streitfragen dienend entscheiden; ihre Urteile verdienen Achtung, bleiben aber der Schrift untergeordnet und können irren.Offizielle Quelle: Reformiert / calvinistisch
BaptistischBekenntnisse geben den Konsens einer baptistischen Körperschaft wieder und können der lehrmäßigen Rechenschaft dienen. Sie sind weder endgültig noch unfehlbar und binden das Gewissen nicht aus eigener Autorität.Offizielle Quelle: Baptistisch
Evangelikal / freikirchlichDie Bibel gilt als von Gott inspirierte, zuverlässige Offenbarung und als höchste Autorität für Glauben und Leben. Die gemeinsame Glaubensbasis bekennt zentrale Lehren, setzt aber kein gemeinsames Lehramt für unwiderrufliche Definitionen ein.Offizielle Quelle: Evangelikal / freikirchlich
Pfingstlich / charismatischFür die Assemblies of God ist die Bibel die allgenügende Regel für Glauben und Leben. Ihr Glaubensbekenntnis, das Statement of Fundamental Truths, dient als Grundlage der Gemeinschaft; seine Formulierungen sind nicht inspiriert, die darin ausgedrückten Wahrheiten werden jedoch als wesentlich festgehalten.Offizielle Quelle: Pfingstlich / charismatisch
Methodistisch / wesleyanischDie Lehrstandards der United Methodist Church sind durch ihre Kirchenverfassung vor Änderungen geschützt. Die Schrift bleibt Primärquelle und Prüfmaßstab; Tradition, Erfahrung und Vernunft dienen ihrer Auslegung, ohne ihren Vorrang aufzuheben.Offizielle Quelle: Methodistisch / wesleyanisch
AnglikanischDie drei altkirchlichen Glaubensbekenntnisse werden angenommen, weil sie aus der Schrift begründbar sind. Die Kirche hat Autorität in Glaubensstreitigkeiten und ist Zeugin und Hüterin der Schrift, darf aber nichts gegen die Schrift festsetzen. Allgemeine Konzilien können irren.Offizielle Quelle: Anglikanisch
Orthodox / byzantinischNach der Orthodoxen Kirche in Amerika haben sieben Konzilien als Ökumenische Konzilien die Zustimmung der ganzen Kirche gefunden; ihre dogmatischen Definitionen und Kanones gelten als von Gott eingegeben und als Ausdruck seines Willens und sind darum wesentliche Quellen der orthodoxen Lehre. Auch Beschlüsse von Ortskonzilien, die alle orthodoxen Kirchen angenommen haben, gelten als echter Ausdruck des orthodoxen Glaubens.Offizielle Quelle: Orthodox / byzantinisch
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21 Bibelstellen · Dogma

Was die Schrift selbst sagt

Alle Bibelstellen dieses Themas im Wortlaut, geordnet nach den Fragen, für die sie zeugen. Jede führt zu ihrer Erklärung.

Was ist ein Dogma?

Jud 3Der Glaube ist ein für alle Mal übergeben

Judas ruft dazu auf, für den Glauben einzutreten, der den Heiligen ein für alle Mal anvertraut wurde. Die Kirche versteht dieses Glaubensgut als apostolische Überlieferung in Schrift und Tradition, die bewahrt und verbindlich ausgelegt wird.

Bibeltext

Kämpft für den Glauben, der den Heiligen ein für alle Mal übergeben ist!

Auszug aus Jud 3 · EÜ 2016 · © KBA 2016
2 Tim 1,13–14Das anvertraute Gut bewahren

Timotheus soll an den gesunden Worten festhalten und das anvertraute Glaubensgut durch den Heiligen Geist bewahren. Die Kirche versteht den Dienst des Lehramts als treue Hut und Auslegung dieser apostolischen Lehre.

Bibeltext

Vers 13: Als Vorbild gesunder Worte halte fest, was du von mir gehört hast in Glaube und Liebe in Christus Jesus!

Vers 14: Bewahre das dir anvertraute kostbare Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt!

Auszug aus 2 Tim 1,13–14 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Offenbarung und Glaubensgut

2 Thess 2,15Mündliche und schriftliche Überlieferung

Paulus fordert die Gemeinde auf, an den mündlich und schriftlich überlieferten apostolischen Lehren festzuhalten. Die Kirche versteht darin die gemeinsame Bedeutung von Heiliger Schrift und lebendiger apostolischer Überlieferung.

Bibeltext

Seid also standhaft, Brüder und Schwestern, und haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben, sei es mündlich, sei es durch einen Brief!

Auszug aus 2 Thess 2,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016
2 Tim 2,2Mündliche und schriftliche Überlieferung

Paulus gibt die empfangene Lehre an Timotheus weiter, der sie zuverlässigen Lehrern anvertrauen soll. Die Kirche erkennt darin das biblische Grundmuster der Weitergabe, das sie in der apostolischen Nachfolge bewahrt sieht: Die Apostel haben Bischöfe als ihre Nachfolger zurückgelassen und ihnen ihr eigenes Lehramt übergeben (DV 7; KKK 77).

Bibeltext

Was du vor vielen Zeugen von mir gehört hast, das vertraue zuverlässigen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren!

Auszug aus 2 Tim 2,2 · EÜ 2016 · © KBA 2016
1 Tim 3,15Die Kirche als Säule und Fundament der Wahrheit

Paulus bezeichnet die Kirche als Säule und Fundament der Wahrheit und überträgt ihr damit öffentliche Verantwortung. Die Kirche versteht ihr Lehramt als Dienst am Wort Gottes, der die apostolische Lehre bewahrt und verbindlich auslegt.

Bibeltext

Falls ich aber länger ausbleibe, sollst du wissen, wie man sich im Haus Gottes verhalten muss, welches die Kirche des lebendigen Gottes ist, Säule und Fundament der Wahrheit.

Auszug aus 1 Tim 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Kirche und Lehrentscheidung

Lk 10,16Christus sendet seine Kirche und verheißt ihr den Geist

Jesus erklärt, dass derjenige, der seine Gesandten hört, ihn selbst hört, und wer sie verwirft, auch ihn verwirft. Die Kirche versteht darin die verbindliche Bedeutung des apostolischen Auftrags und seiner Weitergabe.

Bibeltext

Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.

Auszug aus Lk 10,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Mt 16,18–19Christus sendet seine Kirche und verheißt ihr den Geist

Auf das Bekenntnis des Simon antwortet Jesus mit der Verheißung: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“; er verspricht ihm die Schlüssel des Himmelreichs und die Vollmacht, zu binden und zu lösen. Die Kirche erkennt darin, dass Christus Petrus zum Felsen seiner Kirche bestimmt, und versteht von hier aus den bleibenden Petrusdienst für die Einheit der ganzen Kirche (KKK 881).

Bibeltext

Vers 18: Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

Vers 19: Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.

Auszug aus Mt 16,18–19 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Mt 18,17–18Christus sendet seine Kirche und verheißt ihr den Geist

Jesus weist einen ungelösten Konflikt an die Kirche und spricht ihr die Vollmacht des Bindens und Lösens zu. Die Kirche versteht diese sichtbare, ansprechbare Gemeinschaft als Trägerin verbindlicher Entscheidungen unter Christus.

Bibeltext

Vers 17: Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.

Vers 18: Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Auszug aus Mt 18,17–18 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Joh 16,13Christus sendet seine Kirche und verheißt ihr den Geist

Jesus verheißt den Aposteln, dass der Geist der Wahrheit sie in die ganze Wahrheit führen wird und ihnen das Kommende erschließt. Die Kirche versteht diese Verheißung als Beistand für die apostolische Bewahrung und Lehre des Glaubensgutes.

Bibeltext

Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten.

Auszug aus Joh 16,13 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Apg 15,1–29Das Apostelkonzil entscheidet verbindlich

Apostel und Älteste beraten in Jerusalem einen Lehrstreit und teilen den Gemeinden ihren gemeinsamen Beschluss als Entscheidung des Heiligen Geistes mit. Die Kirche erkennt darin das biblische Muster einer verbindlichen apostolischen Lehrentscheidung.

Bibeltext

Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!

Auszug aus Apg 15,28–29 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Apg 16,4–5Die Beschlüsse werden den Gemeinden überbracht

Paulus überbringt den Gemeinden die Beschlüsse der Apostel und Ältesten, die sie befolgen sollen; dadurch werden sie im Glauben gestärkt. Die Kirche sieht darin, wie eine apostolische Entscheidung verbindlich an die Gemeinden weitergegeben wird.

Bibeltext

Als sie nun durch die Städte zogen, überbrachten sie ihnen die von den Aposteln und den Ältesten in Jerusalem gefassten Beschlüsse und trugen ihnen auf, sich daran zu halten.

Auszug aus Apg 16,4–5 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Dogmen konkret

Mt 28,19Der Sohn ist wahrhaft Gott: was die Schriftstellen bezeugen und wie die Kirche es bekennt

Der auferstandene Jesus sendet seine Jünger zu allen Völkern und verbindet ihren Auftrag mit der Taufe auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Die Kirche erkennt darin ihren dreifaltigen Taufauftrag.

Bibeltext

Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Auszug aus Mt 28,19–20 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Joh 1,1.14Der Sohn ist wahrhaft Gott: was die Schriftstellen bezeugen und wie die Kirche es bekennt

Das ewige Wort ist Gott, bei Gott und wird Fleisch, um unter den Menschen zu wohnen. Die Kirche fasst diesen Befund in der Lehre von der Gottheit Christi und seiner wirklichen Menschwerdung zusammen.

Bibeltext

Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. … Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Auszug aus Joh 1,1.14 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Lk 1,43Wahrer Gott und wahrer Mensch: Gottesgebärerin

Elisabet fragt, warum die Mutter ihres Herrn zu ihr kommt, und bekennt damit die Würde des Kindes, das Maria trägt. Die Kirche sieht darin ein frühes biblisches Zeugnis für Maria als Gottesgebärerin.

Bibeltext

Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

Auszug aus Lk 1,43 · EÜ 2016 · © KBA 2016
1 Kor 15,3–5Dogmen bewahren den Zusammenhang des apostolischen Glaubens

Paulus überliefert den apostolischen Glauben an Christi Tod, Begräbnis, Auferweckung und Erscheinungen. Die Kirche bekennt darin die leibliche Auferstehung Christi als Wahrheit des einen, auf Christus bezogenen Glaubens.

Bibeltext

Christus ist für unsere Sünden gestorben … und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.

Auszug aus 1 Kor 15,3–5 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Joh 6,25–71Dogmen bewahren den Zusammenhang des apostolischen Glaubens

Jesus führt seine Brotrede bis zur Verbindung von ewigem Leben mit seinem Fleisch und Blut; viele Jünger wenden sich ab, während Petrus bei ihm bleibt. Die Kirche versteht diese Rede als Zeugnis für die Eucharistie.

Bibeltext

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.

Auszug aus Joh 6,54 · EÜ 2016 · © KBA 2016
1 Kor 10,16–21Dogmen bewahren den Zusammenhang des apostolischen Glaubens

Paulus nennt Kelch und Brot eine wirkliche Teilhabe am Blut und Leib Christi und stellt den Tisch des Herrn anderen Opfermahlzeiten gegenüber. Die Kirche sieht darin die biblische Grundlage für die Eucharistie als Gemeinschaft mit Christus und seinem Opfer.

Bibeltext

Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?

Auszug aus 1 Kor 10,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016
1 Kor 11,26–29Dogmen bewahren den Zusammenhang des apostolischen Glaubens

Paulus erinnert die Gemeinde in Korinth an die Feier des Herrenmahls: Sooft sie von diesem Brot isst und aus dem Kelch trinkt, verkündet sie den Tod des Herrn, bis er kommt; wer unwürdig isst und trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn, und wer isst und trinkt, ohne den Leib zu unterscheiden, zieht sich das Gericht zu. Die Kirche lehrt, dass Christi Leib und Blut im Sakrament wirklich gegenwärtig sind und ein unwürdiger Empfang den Menschen schuldig macht.

Bibeltext

Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn.

Auszug aus 1 Kor 11,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Gen 3,15Dogmen bewahren den Zusammenhang des apostolischen Glaubens

Gott setzt Feindschaft zwischen der Schlange und der Frau sowie zwischen ihren Nachkommen; der Nachkomme der Frau wird der Schlange den Kopf zertreten. Die Kirche liest diese Verheißung typologisch als Ausgangspunkt der neuen Eva in Maria.

Bibeltext

Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.

Auszug aus Gen 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Lk 1,28Dogmen bewahren den Zusammenhang des apostolischen Glaubens

Der Engel begrüßt Maria als die Begnadete und bezeugt, dass der Herr mit ihr ist. Die Kirche versteht diese Anrede als Zeugnis für Marias einzigartige Gnade und ehrt sie als Mutter des menschgewordenen Sohnes Gottes.

Bibeltext

Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.

Auszug aus Lk 1,28 · EÜ 2016 · © KBA 2016
Offb 12Dogmen bewahren den Zusammenhang des apostolischen Glaubens

Das Zeichen der Frau, des Kindes und des Drachen verbindet in einer typologischen Folge Bezüge zu Israel, zum Messias und zu Maria. Die Kirche liest diese Bilder im Zusammenhang der Heilsgeschichte und der Menschwerdung Christi.

Bibeltext

Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.

Auszug aus Offb 12,1 · EÜ 2016 · © KBA 2016
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Wie die Kirche diese Frage durch die Jahrhunderte bezeugt

Kirchenväter, Konzilien und Kirchenlehrer zeigen, wie Christen die Schrift zu dieser Frage gelesen und gelebt haben. Ihr Wortlaut steht jeweils bei der Frage, die er stützt.

Jede Frage zu Dogma einzeln geprüft

Jeder Schritt prüft eine Bibelstelle genau: was sie sagt, was sie zum Argument beiträgt und welcher Einwand sich an ihr festmacht.

Die Begriffe dieses Themas kurz erklärt

Betrachten und beten

Was bedeutet es für den eigenen Glauben, dass die Apostel und Ältesten in Jerusalem im Vertrauen auf den Heiligen Geist entschieden und die Gemeinden ihre Entscheidung als Stärkung im Glauben empfingen (Apg 15,28; 16,5)?

Gott, der du dich in Jesus Christus offenbart und deiner Kirche das BegriffGlaubensgutDas Glaubensgut ist die in Schrift und Tradition überlieferte Offenbarung, die Christus den Aposteln anvertraut und die Kirche bewahrt.Glossareintrag öffnen anvertraut hast, schenke ihr Treue zur apostolischen BegriffTraditionTradition oder Überlieferung ist nach der Lehre der Kirche die lebendige Weitergabe des Wortes Gottes, das Christus und der Heilige Geist den Aposteln anvertraut haben, an deren Nachfolger. Schrift und Tradition entspringen demselben göttlichen Quell; darum schöpft die Kirche ihre Gewissheit über das Geoffenbarte nicht aus der Schrift allein, und beide sind mit gleicher Liebe und Achtung anzunehmen (DV 9; KKK 80–82). Davon zu unterscheiden sind die vielen kirchlichen Traditionen, etwa liturgische oder disziplinäre, die die Kirche beibehalten, ändern oder aufgeben kann (KKK 83).Glossareintrag öffnen , Klarheit in ihrem Lehren und Demut unter dem Beistand deines Geistes. Stärke den Glauben deiner Kirche an die Wahrheit, die sie empfangen hat.