Glaube und Lehre
Dogmen bewahren den Zusammenhang des apostolischen Glaubens
Der Glaube der Kirche ist ein zusammenhängendes Ganzes. Dogmen – die von der Kirche als von Gott geoffenbart vorgelegten Glaubenswahrheiten – bewahren je einen Teil davon, und die Kirche ordnet sie nach ihrer Nähe zum Fundament des Glaubens.
4 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Auferstehung und Eucharistie Bibel und Textverständnis
Auferstehung, Eucharistie und der Hintergrund der marianischen Mysterien
Jede der angeführten Stellen trägt einen eigenen Teil des apostolischen Glaubens.
Christus ist für unsere Sünden gestorben … und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
Auszug aus 1 Kor 15,3–5 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus überliefert als empfangenes Glaubensgut den Tod, das Begräbnis und die Auferstehung Christi.
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.
Auszug aus Joh 6,54 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus bezeichnet sich als Brot des Lebens und spricht von seinem Fleisch und Blut.
Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?
Auszug aus 1 Kor 10,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus nennt Kelch und Brot Teilhabe am Blut und Leib Christi.
Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn.
Auszug aus 1 Kor 11,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus beschreibt die Feier des Herrenmahls und ihre Verkündigung des Todes Christi.
1 Korinther 15,3–5 überliefert in fester Abfolge Tod, Begräbnis, Auferstehung und Erscheinungen Christi. Johannes 6 sowie 1 Korinther 10 und 11 bezeugen, dass die Gemeinde in der Eucharistie, dem Mahl aus Brot und Kelch, Anteil an Leib und Blut Christi erhält. Beides gehört zusammen: Der Auferstandene ist der, dessen Leib und Blut die Gemeinde empfängt.
Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.
Auszug aus Gen 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Gott kündigt Feindschaft zwischen der Schlange und der Frau sowie deren Nachkommen an.
Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
Auszug aus Lk 1,28 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Engel begrüßt Maria als die Begnadete.
Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.
Auszug aus Offb 12,1 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Eine mit der Sonne bekleidete Frau erscheint als Zeichen am Himmel und steht dem Drachen gegenüber.
Genesis 3,15 setzt Feindschaft zwischen die Schlange und die Frau und zwischen ihre Nachkommen; der Nachkomme der Frau trifft die Schlange am Kopf. Lukas 1,28 überliefert den Gruß des Engels: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“ Das griechische Wort κεχαριτωμένη (kecharitōmenē, gesprochen etwa „ke-cha-ri-to-ME-nä“) ist ein Partizip Perfekt Passiv: Die Begnadung ist Maria schon zuteilgeworden, ehe der Engel sie anspricht, und er nennt sie mit diesem Wort an der Stelle ihres Namens. Offenbarung 12 zeigt eine Frau, mit der Sonne bekleidet, die einen Sohn gebiert, der alle Völker weiden wird, und dem Drachen gegenübersteht; das Bild ist typologisch und vielschichtig: Es zeigt Gottes Volk im Kampf und lässt zugleich an die Mutter des Messias denken.
Die Hierarchie der Wahrheiten Glaube und Überlieferung
Die Kirche ordnet die Dogmen nach ihrer Verbindung zum Fundament des Glaubens
Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) nennt diese Ordnung die Hierarchie der Wahrheiten.
Die Hierarchie der Wahrheiten ist die Ordnung der Glaubenswahrheiten nach ihrer Verbindung zum Fundament des christlichen Glaubens (UR 11; KKK 90). Die grundlegendste dieser Wahrheiten ist das Geheimnis der Dreifaltigkeit, der Urgrund aller anderen Glaubensgeheimnisse (KKK 234). Offenbart ist es in Christus, dem menschgewordenen Sohn. In seiner Auferstehung gipfelt der Glaube an ihn, und von ihr lebt die apostolische Verkündigung (1 Kor 15,14.17; KKK 638; 651). Eucharistische und marianische Dogmen schützen Wahrheiten, die mit diesem Geheimnis Christi verbunden sind.
Zu den eucharistischen Dogmen gehört, was das Konzil von Trient 1551 gelehrt hat: Im Sakrament der Eucharistie sind Leib und Blut Christi mit seiner Seele und Gottheit wahrhaft, wirklich und substanzhaft gegenwärtig (KKK 1374; 1376). Über Maria bekennt die Kirche vier Dogmen. Das Konzil von Ephesus hat 431 ihre Gottesmutterschaft bekannt (KKK 466; 495), und Lumen gentium nennt sie die wahre Mutter Gottes (LG 53). Ihre immerwährende Jungfräulichkeit hat die Kirche aus dem Glauben an die jungfräuliche Mutterschaft erkannt: „Ein vertieftes Verständnis ihres Glaubens an die jungfräuliche Mutterschaft Marias führte die Kirche zum Bekenntnis, daß Maria stets wirklich Jungfrau geblieben ist“ (KKK 499). Pius IX. hat 1854 die Unbefleckte Empfängnis verkündet: Maria wurde im ersten Augenblick ihrer Empfängnis „im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von jeglichem Makel der Urschuld unversehrt bewahrt“ (DH 2803; KKK 491). Pius XII. hat am 1. November 1950 in der Apostolischen Konstitution Munificentissimus Deus ihre Aufnahme mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit definiert (DH 3903); sie ist „eine einzigartige Teilhabe an der Auferstehung ihres Sohnes und eine Vorwegnahme der Auferstehung der anderen Christen“ (KKK 966). Lumen gentium ordnet Marias Dienst dem Werk Christi zu (LG 62) und zeichnet ihre Stellung im Ganzen des Glaubens (LG 52–69).
Den Weg von der Schrift zu diesen Sätzen zeigt die Kirche selbst. Genesis 3,15 nennt sie „Protoevangelium“, die erste Ankündigung des erlösenden Messias und des Endsieges eines Nachkommens der Frau (KKK 410); zahlreiche Kirchenväter und -lehrer sehen in der angekündigten Frau Maria, die neue Eva (KKK 411). Pius XII. greift diese Väterlesung bei der Definition der Aufnahme auf: Die Väter stellen Maria als neue Eva dem neuen Adam zur Seite, eng mit ihm verbunden in dem Kampf, der nach dem Protoevangelium im vollen Sieg über Sünde und Tod enden sollte (Munificentissimus Deus). Bei der Anrede des Engels setzt die Kirche an, wenn sie bekennt: „Im Laufe der Jahrhunderte wurde sich die Kirche bewußt, daß Maria, von Gott ‚mit Gnade erfüllt‘ (Lk 1,28), schon bei ihrer Empfängnis erlöst worden ist“ (KKK 491). Offenbarung 12 stützt als typologisches Bild diese Zusammenschau, in der die Kirche sich selbst und Maria zugleich erkennt. Die Dogmen sprechen diese in Schrift und Überlieferung bewahrte Wahrheit in verbindlicher Lehrsprache aus; ihre Begriffe sind später geprägt, ihr Inhalt ist empfangen.
Die Kirche bewahrt diese Ordnung in Kontinuität mit der Schrift und der apostolischen Überlieferung. Das Dokument Dei Verbum über die göttliche Offenbarung beschreibt, wie die eine Offenbarung in Schrift und Überlieferung weitergegeben wird (DV 8). Konkrete Dogmen bewahren dabei je einen Teil des zusammenhängenden apostolischen Glaubens. Ein Dogma erwächst aus dem Ganzen des Glaubensgutes und schützt dessen inneren Zusammenhang.
Die Verbindlichkeit der Dogmen Glaube und Überlieferung
Sind marianische und eucharistische Dogmen weniger verpflichtend?
Die Ordnung der Glaubenswahrheiten nach ihrer Nähe zum Fundament kann so gelesen werden, als seien eucharistische und marianische Dogmen weniger verpflichtend.
Wer die Hierarchie der Wahrheiten als Abstufung der Verbindlichkeit versteht, kommt zu dem Schluss, ein marianisches oder eucharistisches Dogma sei weniger zu glauben als die Lehre von der Dreifaltigkeit. Der Einwand fragt damit nach dem Unterschied zwischen der Nähe zum Fundament und dem Maß der Verpflichtung.
Die Ordnung betrifft die Nähe zum Fundament des Glaubens; das Maß der Verpflichtung rührt nicht daher. Jedes Dogma ist mit demselben göttlichen Glauben zu glauben, ob es die Auferstehung, die Eucharistie oder ein marianisches Mysterium betrifft, denn alle Dogmen sind geoffenbart (Kongregation für die Glaubenslehre, Mysterium Ecclesiae, 1973, Nr. 4). Die Hierarchie der Wahrheiten ordnet die Glaubenswahrheiten zueinander; sie setzt keine von ihnen herab (UR 11; KKK 90).
Quellen zu dieser Frage 2
Maria und ihr Retter Glaube und Überlieferung
Wenn Maria Gott ihren Retter nennt, war sie dann nicht Sünderin wie alle Menschen?
Maria braucht den Erlöser wie jeder Mensch. Die Kirche lehrt, dass sie auf erhabenere Weise erlöst ist: durch Bewahrung vor der Erbschuld, allein durch das Verdienst Christi.
Maria sagt in ihrem Lobgesang: „und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter“ (Lk 1,47). Wer einen Retter hat, war in einer Lage, aus der er gerettet werden musste, und Paulus schreibt: „Alle haben ja gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren“ (Röm 3,23). Auch die Anrede des Engels scheint keinen Sonderfall zu begründen: Das Verb, das in Lk 1,28 als κεχαριτωμένη steht, gebraucht der Epheserbrief für alle Gläubigen; Gottes herrliche Gnade, „Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn“ (Eph 1,6), griechisch ἐχαρίτωσεν (echarítōsen, gesprochen etwa „e-cha-RI-to-sen“). Was allen gilt, so der Einwand, lässt bei Maria keine Ausnahme zu.
Die Lehre der Kirche nimmt auf, was der Einwand sagt: Maria braucht den Erlöser wie jeder Mensch. Sie wurde, wie der Katechismus mit dem Konzil sagt, „im ‚Hinblick auf die Verdienste ihres Sohnes auf erhabenere Weise erlöst‘“ (KKK 492): nicht durch Reinigung von der Erbschuld, sondern durch Bewahrung vor ihr, allein durch das Verdienst Christi. Darum widerspricht ihr Lobpreis dem Dogma nicht; er bestätigt es. Wer bewahrt wird, verdankt alles dem, der ihn bewahrt, und Maria nennt Gott ihren Retter, weil ihre Rettung am Anfang ihres Lebens ganz Gnade ist.
Auch das Verb allein trägt die Lehre nicht. Dieselbe Gnade, die Eph 1,6 allen Gläubigen zuspricht, nennt der Engel in Lk 1,28 als Anrede an eine Einzelne, an der Stelle ihres Namens. Auf dieser Anrede, zusammen mit der Überlieferung, die sie gelesen hat, ruht das Bekenntnis der Kirche, dass Maria schon bei ihrer Empfängnis erlöst wurde (KKK 490–491). So spricht das Dogma von dem einen Erlöser und zeigt an Maria, dass niemand die Rettung aus sich hat.