Lk 1,43 — "Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?" · Joh 1,1.14 — "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. … Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt."
Wahrer Gott und wahrer Mensch: Gottesgebärerin
Wer ist der, den Maria geboren hat? Johannes 1,1 nennt das Wort Gott, Johannes 1,14 bezeugt, dass dieses Wort Fleisch geworden ist, und bei Lukas nennt Elisabet Maria die Mutter des Herrn. Aus diesen Zeugnissen folgt, wer der von Maria Geborene ist — und der Titel Gottesgebärerin hält diese Antwort fest.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Das Wort und Maria Bibel und Textverständnis
Das Wort war Gott, und Maria ist die Mutter des Herrn
Johannes und Lukas bezeugen zusammen, wer der von Maria Geborene ist.
Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
Auszug aus Lk 1,43 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Die Frage an diesen Text
Elisabet nennt Maria die Mutter ihres Herrn.
Der, von dem das Evangelium spricht, ist Gott und ist Mensch geworden. Elisabet redet Maria als die Mutter des Herrn an (Lk 1,43). Sie spricht „vom Heiligen Geist erfüllt“ (Lk 1,41), und im selben Abschnitt bezeichnet „Herr“ Gott selbst: Maria hat geglaubt, „was der Herr ihr sagen ließ“ (Lk 1,45), und sie antwortet: „Meine Seele preist die Größe des Herrn“ (Lk 1,46). Ergänzend klingt in Elisabets Frage Davids Frage vor der Bundeslade an: „Wie soll die Lade des HERRN jemals zu mir kommen?“ (2 Sam 6,9); wie die Lade drei Monate im Haus Obed-Edoms blieb, bleibt Maria etwa drei Monate bei Elisabet (2 Sam 6,11; Lk 1,56).
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. … Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.
Auszug aus Joh 1,1.14 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Die Frage an diesen Text
Das Wort ist Gott und wird Fleisch.
Liest man diese Zeugnisse zusammen, tritt die Folgerung hervor: Der von Maria Geborene ist der göttliche Sohn, der wirklich Mensch geworden ist. Maria hat den einen Sohn geboren, der Gott ist und als Mensch geboren wurde. Was die Stellen bezeugen, ist die Einheit Christi als wahrer Gott und wahrer Mensch. Von hier aus richtet sich der Blick auf den Titel „Mutter Gottes“: Er benennt die Person des Sohnes, und an dieser Person entscheidet sich die Frage, worauf der Titel sich bezieht.
Ein Sohn, zwei Naturen Glaube und Überlieferung
Göttliche und menschliche Natur sind in der einen Person des Sohnes vereint
Die Kirche liest die Stellen des Johannes und des Lukas als ein zusammenhängendes Zeugnis von dem einen Sohn.
Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) erklärt die Menschwerdung — dass Gott Mensch geworden ist — als wahre Vereinigung der göttlichen und der menschlichen Natur in der einen Person des Sohnes (KKK 464). In dieser Lehre über Christus hat der Titel Gottesgebärerin seinen Ort. Theotokos ist die griechische Bezeichnung und bedeutet „Gottesgebärerin“: die, die Gott geboren hat. Der Titel schützt die Einheit Christi (KKK 466; 495).
Der Begriff Theotokos ist später als das Neue Testament; er schützt die bereits apostolisch bezeugte Christologie. Das Konzil von Ephesus hat 431 den Titel als Bezeichnung Marias bestätigt, das Konzil von Chalcedon hat 451 die Einheit der einen Person des Sohnes festgehalten, in der die göttliche und die menschliche Natur vereint sind (KKK 466; 467). Das Zweite Vatikanische Konzil nennt Maria in seiner Konstitution über die Kirche, Lumen gentium, „wahre Mutter Gottes und des Erlösers“ (LG 53).
Konzil von Ephesus
Wenn jemand nicht bekennt, dass Emmanuel wahrhaft Gott ist und dass deshalb die heilige Jungfrau Gottesgebärerin [Θεοτόκος; Theotokos, etwa: te-o-TO-kos] ist, weil sie dem Fleisch nach das Wort Gottes, das Fleisch geworden ist, geboren hat, so sei er mit dem Anathema belegt.
Konzil von Ephesus · Kyrill von Alexandrien, Dritter Brief an Nestorius, Anathematismen 1–2; auf dem Konzil von Ephesus (431) verlesen · Primärtext↗Das Konzil von Ephesus präzisiert 431 den christologischen Glauben mit dem Titel Theotokos für Maria. Der Titel schützt die Einheit der Person Jesu Christi: Der von Maria geborene Jesus Christus ist derselbe Sohn Gottes. Die Aussage richtet sich damit auf die Identität Christi und nicht auf einen Ursprung der Gottheit in Maria.
Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Ephesus bezeugt Theotokos als christologische Präzisierung der einen Person des Sohnes.
Die Grenze: Ephesus bekennt die Gottesmutterschaft als Aussage über die eine Person des Sohnes; die späteren Mariendogmen definiert es nicht. Darin gründet die einzigartige Würde Marias, die ganz von Christus herkommt und auf ihn hinführt (LG 53).
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Das Konzil von Ephesus entscheidet in der Auseinandersetzung mit Nestorius eine christologische Frage: Ist der aus Maria Geborene eine mit dem Logos nur verbundene menschliche Person oder der eine göttliche Sohn im Fleisch? Kyrills an das Konzil übergebene Anathemen beantworten diese Frage.
Historischer Text
Wenn jemand nicht bekennt, dass Emmanuel wahrhaft Gott ist und dass deshalb die heilige Jungfrau Gottesgebärerin [Θεοτόκος; Theotokos, etwa: te-o-TO-kos] ist, weil sie dem Fleisch nach das Wort Gottes, das Fleisch geworden ist, geboren hat, so sei er mit dem Anathema belegt. Wenn jemand nicht bekennt, dass das Wort Gottes des Vaters hypostatisch mit dem Fleisch vereint ist und dass er mit seinem eigenen Fleisch ein einziger Christus, zugleich Gott und Mensch, ist, so sei er mit dem Anathema belegt.
Vollständigen historischen Text öffnen: Konzil von EphesusWarum diese Stelle wichtig ist
Theotokos ist hier vor allem eine Aussage über Jesus Christus: Der aus Maria geborene ist nicht ein bloßer Mensch neben dem Logos, sondern der eine göttliche Sohn, der Fleisch geworden ist. Das Konzil schützt damit die Einheit der Person Christi.
Quellen zu dieser Frage 2
Die Mutterschaft Marias Glaube und Überlieferung
Bedeutet „Mutter Gottes“, dass Maria die göttliche Natur hervorgebracht hat?
Zwei Auffassungen stehen einander gegenüber: dass Maria die göttliche Natur hervorgebracht habe, und dass Jesus nur ein Mensch war, der später mit dem göttlichen Sohn verbunden wurde.
Beide Fassungen fragen nach demselben Punkt: Wie verhält sich der von Maria Geborene zum göttlichen Sohn?
Der Titel benennt die Person des Sohnes. Der, der von Maria geboren wird, ist derselbe, der Gott ist und Fleisch geworden ist; in dieser Einheit liegt die Antwort auf beide Fassungen des Einwands. Die Konzilien von Ephesus und Chalcedon — Versammlungen der Bischöfe, die für die ganze Kirche lehren — haben diese Einheit Christi gegen solche Missverständnisse begrifflich geschützt (KKK 466; 467). Von der Person des Sohnes aus führt der Weg zu weiteren Dogmen: zur Auferstehung Christi, zur Eucharistie und zu den Dogmen über Maria. Diese schützen Wahrheiten, die am Werk ihres Sohnes hängen: Maria wurde im Hinblick auf die Verdienste Christi von der Erbsünde bewahrt (KKK 491–492), und ihre Aufnahme in die Herrlichkeit ist eine einzigartige Teilhabe an seiner Auferstehung (KKK 966).