Maria im Geheimnis Christi
Maria: Mutter des Herrn
Mutter Jesu, Vorbild des Glaubens, Fürsprecherin: Warum hat Maria für Katholiken diesen besonderen Platz? Alles, was Maria ist und wirkt, hat sie von Christus; darum ehrt die Kirche sie und bittet sie um ihr Gebet. Von der Schrift führt der Weg über die Verehrung und die Vorausbilder zu den Lehren der Kirche.
8 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Unterthema 1 von 6 · Seligpreisung und Fürbitte
Alle Generationen preisen Maria selig, und wer sie um ihr Gebet bittet, wird zu Christus geführt
Mutter des Herrn Bibel und Textverständnis
Warum nennt die Kirche Maria selig und bittet sie um ihre Fürsprache?
Maria ist die Mutter des Herrn, weil sie den ewigen Sohn Gottes empfängt und als Menschen zur Welt bringt. Darum nennt die Kirche sie selig und erkennt in ihrer Nähe zu Jesus eine Fürsprecherin für die Menschen.
Der Engel spricht Maria als Begnadete an: Der Herr ist mit ihr. Elisabet preist sie als die Gesegnete unter den Frauen. Diese beiden Worte bezeugen Marias besondere Gnadenstellung und eröffnen den Lobpreis Marias.
Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
Auszug aus Lk 1,28 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Der Engel spricht Maria als Begnadete an; der Herr ist mit ihr.
Auszug aus Lk 1,41b–42 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 41b: Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
Vers 42: und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Was der Text unmittelbar zeigt
Elisabet preist Maria als die Gesegnete unter den Frauen.
Elisabet nennt Maria die Mutter ihres Herrn. Maria empfängt Jesus durch das Wirken des Heiligen Geistes; seine göttliche Sohnschaft kommt ihm von Ewigkeit als dem Sohn des Vaters zu, während sie den ewigen Sohn als Menschen zur Welt bringt. Deshalb bekennt die Kirche Maria als Gottesgebärerin (griechisch Theotokos); das Konzil von Ephesus hat diesen Titel 431 verbindlich bekannt. Er sagt nicht, dass die Gottheit ihren Ursprung in Maria hätte, sondern dass der Sohn, den sie geboren hat, Gott ist: Der aus Maria geborene Jesus Christus ist eine einzige, göttliche Person.
Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
Auszug aus Lk 1,43 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Elisabet nennt Maria die Mutter ihres Herrn.
Maria selbst sagt voraus: Von nun an werden sie alle Geschlechter seligpreisen. Ihr Magnificat gilt Gott: Er hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut und an ihr Großes getan. Sie nennt ihn ihren Retter. Die bleibende biblische Seligpreisung Marias gründet deshalb in Gottes Gnade an ihr. Die Kirche empfängt diese Worte als Auftrag zum Lobpreis und unterscheidet die besondere Verehrung Marias klar von der Anbetung, die allein Gott gebührt. Aus diesen lukanischen Zeugnissen hat die Kirche zuerst das Bekenntnis zur Gottesmutter gewonnen; die späteren Mariendogmen entfaltet sie aus dem ganzen Zeugnis der Schrift, wie die Überlieferung es bewahrt hat.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Auszug aus Lk 1,48 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Maria sagt voraus, dass alle Geschlechter sie seligpreisen werden.
Marias Stellung bleibt ganz aus ihrer Beziehung zu Jesus verständlich. Er war ihr untertan, und am Kreuz vertraut er sie dem Jünger als Mutter an; der Jünger wird ihr und sie wird ihm gegeben. In Kana bringt Maria eine konkrete Not zu Jesus und weist die Diener auf sein Wort hin. So tritt sie als Fürsprecherin hervor: Sie bittet für andere, führt sie zu Christus und führt sie in die Familie des Glaubens. Wer Maria um ihre Fürbitte bittet, findet in ihr eine Fürsprecherin, die den Weg zu ihrem Sohn kennt.
Ehre und Fürsprache Glaube und Überlieferung
Ehre und Fürsprache — Warum ehrt die Kirche Maria und bittet um ihr Gebet?
Die Kirche ehrt Maria als Mutter des Herrn und bittet um ihre Fürsprache, weil ihre Fürbitte von Christus lebt und zu ihm führt.
Anbetung gilt dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Maria ist ein Geschöpf und eine von Christus erlöste Jüngerin; deshalb ehrt die Kirche sie als erste der Erlösten. Ihr besonderer Platz gründet in dem, was Gott an ihr getan hat, und in ihrer Aufgabe im Geheimnis Christi. Diese Verehrung ist nach dem Konzil „durchaus einzigartig, unterscheidet sich aber wesentlich vom Kult der Anbetung“ (LG 66; KKK 971).
Katechismus der Katholischen Kirche
KKK 970
Maria im Christusgeheimnis und in der Kirche.
Marias mütterliche Aufgabe aber gegenüber den Menschen verdunkelt oder vermindert die einzige Mittlerschaft Christi in keiner Weise.
Originalquelle öffnen↗
Maria selbst spricht aus, dass alle Generationen sie seligpreisen werden. Seligpreisen heißt, einen Menschen glücklich zu nennen, weil Gott Großes an ihm getan hat. Darum ist die Verehrung Marias die Antwort auf Gottes Gnade; die Anbetung bleibt Gott vorbehalten.
Bei der Hochzeit in Kana fehlt der Wein. Maria bemerkt den Mangel und bringt diese konkrete Not zu Jesus. Damit zeigt sich, was die Kirche Fürsprache nennt: eine Not wahrnehmen und sie zu Gott tragen.
Auszug aus Joh 2,3–5.11 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 3: Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.
Vers 4: Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Vers 5: Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!
Auslassung im Bibeltext.
Vers 11: So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Maria weist Jesus auf den fehlenden Wein hin, weist die Diener auf sein Wort und steht in der Szene des ersten Zeichens Jesu.
Maria weist die Diener auf Jesu Wort. Jesus wirkt das Zeichen, und sein Handeln führt zum Glauben. Die Szene zeigt Marias Fürsprache als Weg zu Christus: Sie bringt die Not vor ihn, während Christus als einziger Mittler handelt. Auch die Fürsprache der Jünger lebt aus Christi einziger Mittlerschaft.
Unter dem Kreuz vertraut Jesus seine Mutter dem geliebten Jünger an und den Jünger seiner Mutter. Zu ihr sagt er: „Frau, siehe, dein Sohn!“ Dann sagt er zu dem Jünger: „Siehe, deine Mutter!“ Der Jünger nimmt Maria bei sich auf. Zunächst sorgt Jesus damit konkret für seine Mutter. Zugleich stehen Maria und der geliebte Jünger am Höhepunkt der Sendung Jesu füreinander ein; als Repräsentant des Jüngerkreises empfängt der Jünger sie. Die Kirche liest in dieser Anvertrauung ein Zeichen der geistlichen Mutterschaft Marias gegenüber den Jüngern.
Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Auszug aus Joh 19,26–27 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus stellt seine Mutter und den geliebten Jünger unter dem Kreuz einander anheim; der Jünger nimmt sie bei sich auf.
Die Kirche liest das Geschehen unter dem Kreuz zusammen mit Marias Aufgabe im Geheimnis Christi und der Kirche. Lumen gentium 58 ordnet Maria unter dem Kreuz der heilsgeschichtlichen Sendung ihres Sohnes zu; Lumen gentium 61–62 und der Katechismus der Katholischen Kirche 964 entfalten daraus ihre Mutterschaft in der Ordnung der Gnade. So verbindet die Kirche die konkrete Szene, ihre heilsgeschichtliche Bedeutung und die kirchliche Rezeption Marias.
Quellen zu dieser Frage 2
Maria, von allen Generationen seliggepriesen, tritt für die Menschen ein, und aus dieser Gabe wächst eine Familie des Glaubens. Ihre Verehrung hat in der Ordnung der Glaubenswahrheiten einen festen, Christus nachgeordneten Ort: Sie lebt ganz aus ihm und führt zu ihm hin. Darum lädt die Kirche dazu ein, Maria um ihre Fürbitte zu bitten; wer es tut, wird von ihr zu Christus geführt und weiß sich mit allen verbunden, die mit ihr beten.
Weiterführende Erklärungen
Maria wird seliggepriesen: Die Schriftstellen und die Lehre der KircheDirekter positiver BelegMaria wird von allen Geschlechtern seliggepriesen, weil Gott Großes an ihr getan hat. In Kana zeigt sich, was diese Nähe für die Menschen bedeutet: Sie bringt eine konkrete Not zu Jesus und weist die Diener auf sein Wort hin.
In Kana trägt Maria die Not zu Christus, und Christus handeltUnterstützender positiver BelegIn Kana tritt Maria als Fürsprecherin hervor. Unter dem Kreuz schenkt Jesus sie dem Jünger zur Mutter und den Jünger ihr; ihre Nähe zu den Menschen reicht bis dorthin.
Mutter und Jünger unter dem KreuzUnterstützender positiver BelegUnterthema 2 von 6 · Neue Eva
Wo Eva ungehorsam war, glaubt und gehorcht Maria
Neue Eva Bibel und Textverständnis
Warum nennen Christen Maria die neue Eva?
Wer den Anfang der Bibel neben ihre letzten Seiten legt, entdeckt eine Folge von Frauenbildern: die Frau aus Genesis, Maria bei der Hochzeit zu Kana und unter dem Kreuz sowie die Frau aus der Offenbarung des Johannes. Typologie bedeutet, dass eine frühere Gestalt auf eine spätere hin angelegt ist und in ihr zu ihrer Fülle kommt. Eva steht am Anfang der Menschheit, Maria am Anfang des neuen Lebens. So wird sichtbar, wie Gott die Geschichte von ihrem ersten Tag an auf die Erlösung hin führt.
Genesis eröffnet diese Folge mit der Frau und ihrer Nachkommenschaft. Zwischen der Schlange und der Frau, zwischen dem Nachkommen der Schlange und dem der Frau, steht ein heilsgeschichtlicher Konflikt: Der Nachkomme trifft die Schlange am Kopf, diese trifft ihn an der Ferse. Damit beginnt die typologische Gestalt der Frau in der Heilsgeschichte. Die Zuordnung des Nachkommen zu Christus und Marias zu dieser Frau wird im weiteren Zeugnis der Schrift und im Verständnis der Kirche sichtbar.
Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.
Auszug aus Gen 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Frau und ihre Nachkommenschaft stehen im heilsgeschichtlichen Konflikt mit der Schlange und ihrer Nachkommenschaft.
Bei der Hochzeit zu Kana spricht Jesus seine Mutter als „Frau“ an: „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Diese Anrede verbindet Maria mit der Frauengestalt aus der Heilsgeschichte. Ihre Bedeutung erschließt sich im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme derselben Anrede unter dem Kreuz und mit der Verbindung zu Genesis; die Stunde Jesu erfüllt sich im Pascha, in Leiden, Tod und Auferstehung.
Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Auszug aus Joh 2,4 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus spricht seine Mutter bei der Hochzeit von Kana als „Frau“ an.
Unter dem Kreuz sagt Jesus zu seiner Mutter: „Frau, siehe, dein Sohn!“ und zum geliebten Jünger: „Siehe, deine Mutter!“ Maria wird dem Jünger anvertraut, und der Jünger steht dabei für die Jünger. So kommt zu ihrer Beziehung zum Messias ihre Beziehung zu den Jüngern hinzu. Die Anrede „Frau“ nimmt den Anfang der typologischen Folge wieder auf; dass der geliebte Jünger für alle Jünger steht, öffnet zugleich den Blick auf Marias geistliche Mutterschaft.
Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Auszug aus Joh 19,26–27 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus stellt seine Mutter und den geliebten Jünger unter dem Kreuz einander anheim.
Die Offenbarung führt die Frauengestalt als großes Zeichen am Himmel weiter: Eine Frau ist mit der Sonne bekleidet, der Mond liegt unter ihren Füßen, und ein Kranz von zwölf Sternen steht auf ihrem Haupt. Sie bringt ein männliches Kind zur Welt und steht im Konflikt mit dem Drachen. Die Kirche liest diese Frau als Gottesvolk und als Kirche und erkennt in ihr zugleich Maria, die Mutter des Messias. Der weite symbolische Horizont gehört zu diesem Verständnis: Maria ist die konkrete Mutter Christi, während die Frau zugleich die Gemeinschaft des Gottesvolkes umfasst.
Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.
Auszug aus Offb 12,1 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Eine Frau erscheint als großes Zeichen; sie bringt ein männliches Kind zur Welt und steht im Konflikt mit dem Drachen.
Diese typologische Zusammenschau entfaltet die Kirche in ihrer Lehre. Das Zweite Vatikanische Konzil beschreibt Marias Aufgabe in der Heilsgeschichte, nimmt die Eva-Maria-Typologie im Zusammenhang mit ihrem Glauben und Gehorsam auf und nennt Maria den Typus, das Urbild der Kirche. Der Katechismus verbindet die Frau der Offenbarung mit der Gottesmutter und der neuen Eva. Auch die Liturgie des Hochfestes Mariä Aufnahme liest die Frau der Offenbarung in diesem mehrschichtigen Sinn. Dabei bewahrt die Kirche die Eigenart der biblischen Bilder: Genesis 3,15 und Offenbarung 12 werden als typologische Zeugnisse gelesen, während die späteren dogmatischen Aussagen in der Sprache der Kirche genauer formuliert sind.
Maria, die neue Eva: Im Ganzen des Glaubens hat diese Aussage ihren festen und wohlbestimmten Platz. Die Schriftzeugnisse von der Frau aus der Genesis, von Maria in Kana und unter dem Kreuz und von der Frau aus der Offenbarung greifen ineinander und tragen gemeinsam ein Bild: Gott beginnt sein Werk mit einer Frau und lässt es in ihr aufleuchten; zur Vollendung kommt es in dem einen Christus, der Mensch geworden, gestorben und auferstanden ist. Dieses Zusammenspiel hat Gewicht, weil es seinen Sinn von Christus empfängt, der Mitte des Glaubens. Wer Maria als neue Eva ehrt, wird zu Christus geführt — darin erfüllt sich, was diese Folge von Anfang an zeigte.
Unterthema 3 von 6 · Neue Bundeslade: Von der Lade zu Christus
Marias Größe liegt darin, dass sie den gegenwärtigen Herrn trägt
Neue Bundeslade: Von der Lade zu Christus Bibel und Textverständnis
Wie wird Maria zur Bundeslade des neuen Bundes, und warum führt dieses Bild zu Christus?
Warum nennt die Kirche Maria die Bundeslade des neuen Bundes? Die Bundeslade war das Zeichen der nahen Gegenwart Gottes mitten in Israel; über ihr ruhte die überschattende Herrlichkeit, und dieselbe Lade begegnet im Himmel. Die Kirche erkennt in Maria die Erfüllung dieses Bildes: Sie trägt den Herrn, den Sohn, der Gottes Wort, das Brot des Lebens und der ewige Hohepriester ist; in ihm erfüllt sich, worauf Bundestafeln, Manna und Aarons Stab hinwiesen. Typologie nennt man diese Weise, die Schrift zu lesen: Ältere Zeichen Gottes weisen auf Christus hin. An Maria wird dieses Bild greifbar. Sie lebt aus Christus und führt zu Christus. Die Frage führt darauf, wie Gott seinem Volk nahekommt und wem er sich anvertraut.
Der Besuch Marias bei Elisabet führt ins Bergland von Judäa. Lukas verbindet ihn mit freudiger Bewegung, mit Elisabets Frage nach dem Herrn und einem Aufenthalt von etwa drei Monaten. Diese Züge erinnern an die Überführung der Bundeslade in den Bergort und eröffnen die typologische Verbindung zwischen der Lade und Maria.
An jenem Tag bekam David Angst vor dem HERRN und er sagte: Wie soll die Lade des HERRN jemals zu mir kommen?
Auszug aus 2 Sam 6,1–15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
David bringt die Bundeslade ins Bergland; ihre Ankunft wird von Jubel begleitet, und die Lade bleibt drei Monate im Haus Obed-Edoms.
Auszug aus Lk 1,39; 41; 43–44; 56 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 39: In diesen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 41: Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 43: Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
Vers 44: Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 56: Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Maria besucht Elisabet im Bergland; das Kind hüpft, Elisabet fragt nach der Mutter ihres Herrn, und Maria bleibt etwa drei Monate.
David bringt die Bundeslade ins Bergland; ihre Ankunft wird von Jubel begleitet, und die Lade bleibt drei Monate im Haus Obed-Edoms. Damit bildet die Schrift den alttestamentlichen Hintergrund für Marias Besuch im Bergland, die Freude in Elisabets Haus und die Gegenwart des Herrn bei ihr. Die lukanische Szene nimmt diese Muster auf und richtet sie auf Christus als den gegenwärtigen Herrn aus.
Maria besucht Elisabet im Bergland. Das Kind hüpft vor Freude, Elisabet fragt nach der Mutter ihres Herrn, und Maria bleibt etwa drei Monate. Die Szene übernimmt die Züge der Ladeüberführung und führt sie zu ihrer christologischen Mitte: Maria ist nicht das Ziel der Geschichte, sondern trägt den gegenwärtigen Herrn. So wird sichtbar, dass ihre Größe in ihrer Beziehung zu Christus liegt.
Ich werde dir dort begegnen und dir über der Sühneplatte zwischen den beiden Kerubim, die auf der Lade des Bundeszeugnisses sind, alles sagen, was ich dir für die Israeliten auftragen werde.
Auszug aus Ex 25,22 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Gott lässt die Lade für das Bundeszeugnis anfertigen und will Mose über ihrer Sühneplatte zwischen den Kerubim begegnen.
Die Bundeslade sammelt die heiligen Zeichen des Bundes. Gott ordnet an, die Tafeln in ihr aufzubewahren; aus diesem Heiligtum heraus verheißt er seine Gegenwart und sein Reden. Die Lade bildet damit den typologischen Rahmen für Gottes Wort, das Lebensbrot und den priesterlichen Dienst, die in Christus erfüllt sind und von Maria getragen werden.
Zu Aaron sagte Mose: Nimm ein Gefäß, schütte ein volles Gomer Manna hinein und stell es vor den HERRN! Es soll für die nachkommenden Generationen aufbewahrt werden. Wie der HERR dem Mose befohlen hatte, stellte Aaron es vor das Bundeszeugnis, damit es dort aufbewahrt würde.
Auszug aus Ex 16,33–34 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Mose lässt ein Gefäß mit Manna vor dem Bundeszeugnis aufbewahren.
Das Manna wird als lebensspendende Gabe für die kommenden Generationen bewahrt. Es weist typologisch auf Christus als das Brot des Lebens voraus und führt die Verbindung von Lade und Christus weiter. Die konkrete Frage nach dem Ort des Manna im Heiligtum bleibt dabei von der christologischen Typologie unterschieden.
Der Mann, den ich erwähle, dessen Stab wird sprossen.
Auszug aus Num 17,16–26 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Aarons Stab ergrünt als Zeichen der von Gott bestätigten priesterlichen Sendung.
Aarons Stab ergrünt als Zeichen der von Gott bestätigten priesterlichen Sendung. Damit weist er auf Christi priesterlichen Dienst voraus. Die drei Zeichen laufen auf den Sohn und sein Werk zu.
darin waren ein goldener Krug mit dem Manna, der Stab Aarons, der Triebe angesetzt hatte, und die Bundestafeln.
Auszug aus Hebr 9,4 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Hebräerbrief verbindet Bundestafeln, Manna und Aarons Stab mit dem innersten Heiligtum und der Bundeslade.
Der Hebräerbrief verbindet Bundestafeln, Manna und Aarons Stab mit dem innersten Heiligtum und der Bundeslade. So bündelt er die drei Zeichen in einer Zusammenschau des Heiligtums und eröffnet ihre christologische Zuordnung: Christus ist das Wort, das Lebensbrot und der Hohepriester, auf den die Zeichen zulaufen.
In der Lade befanden sich nur die zwei steinernen Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit den Israeliten beim Auszug aus Ägypten geschlossen hatte.
Auszug aus 1 Kön 8,9 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Bei der Tempelweihe befinden sich nur die Bundestafeln in der Lade.
In der Tempelweihe heißt es, in der Lade befänden sich nur die zwei steinernen Tafeln. Diese Überlieferung präzisiert die konkrete Frage nach dem Ladeinhalt. Für die Typologie zählt die Bedeutung der Zeichen und ihre Erfüllung in Christus, nicht der Verbleib der drei Gegenstände in der Lade.
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. … Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.
Auszug aus Joh 1,1.14 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Das Wort ist Gott und wird Fleisch.
Im Anfang ist das Wort bei Gott und selbst Gott; dann wird das Wort Fleisch und wohnt unter den Menschen. Die Menschwerdung ist der Bezugspunkt aller dieser Zeichen: Christus ist das fleischgewordene Wort, in dem die Ladezeichen ihre Erfüllung finden. Maria trägt in einzigartiger Weise den, in dem Gottes Gegenwart menschliche Gestalt annimmt.
Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
Auszug aus Joh 6,48–49 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus nennt sich das Brot des Lebens und stellt sich dem Manna der Väter gegenüber.
Jesus bezeichnet sich als das Brot des Lebens und ordnet das Manna auf diese Weise sich selbst zu. Die Passage führt die typologische Verbindung von Manna, Lade und Christus weiter: Das Lebensbrot ist nicht nur ein vergangenes Zeichen, sondern findet in Christus seine lebendige Erfüllung. So gewinnt auch Marias Bild als Trägerin Christi seine Richtung.
Auszug aus Hebr 5,4.6b · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 4: Und keiner nimmt sich selbst diese Würde, sondern er wird von Gott berufen, so wie Aaron.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 6b: Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Hebräerbrief bezeugt Christus als den von Gott berufenen Priester auf ewig, berufen wie Aaron.
Der Hebräerbrief bezeugt, dass niemand sich die Würde des Hohepriesters selbst nimmt; er wird von Gott berufen, „so wie Aaron“ (Hebr 5,4). Von Christus sagt Gott: „Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks“ (Hebr 5,6). Damit wird Aarons priesterliches Zeichen auf Christus bezogen; gemeinsam mit Wort und Lebensbrot zeigt es, wen Maria trägt.
Dann bedeckte die Wolke das Offenbarungszelt und die Herrlichkeit des HERRN erfüllte die Wohnung.
Auszug aus Ex 40,34–35 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Wolke bedeckt das Offenbarungszelt, und die Herrlichkeit des Herrn erfüllt die Wohnung.
Die Wolke bedeckt das Offenbarungszelt, und die Herrlichkeit des Herrn erfüllt die Wohnung. Diese Szene liefert den alttestamentlichen Hintergrund für die Verbindung von Gottes Gegenwart und Überschattung. Sie berichtet von der Herrlichkeit im Heiligtum und gibt damit die Bilder vor, mit denen die Menschwerdung beschrieben wird.
Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben.
Auszug aus Lk 1,26–38 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Engel verkündet Maria die Geburt Jesu; der Heilige Geist wird über sie kommen.
Der Engel verkündet Maria die Geburt Jesu: Sie wird einen Sohn gebären, und der Heilige Geist wird über sie kommen. Die Kraft des Höchsten wird sie überschatten. Die Verkündigung ist der neutestamentliche Bezugspunkt zur von Gottes Herrlichkeit erfüllten Wohnung. Lukas gebraucht dafür dasselbe griechische Verb, mit dem die griechische Übersetzung von Exodus 40,35 die Wolke über dem Offenbarungszelt beschreibt: ἐπισκιάζω (episkiázō, ungefähr „e-pi-ski-a-dso“), „überschatten“. Die Kirche erkennt darin einen Hinweis auf die Bundeslade.
Das gemeinsame Wort gehört in den Zusammenhang von Heiligtum, göttlicher Herrlichkeit, Überschattung und der Menschwerdung des Sohnes. Die Kirche gibt dieser Verbindung ihren Ort, ohne Lukas 1,35 als formales Zitat aus Exodus 40 oder als wörtliche Wiederholung des Exodus-Ereignisses auszugeben. Der gemeinsame Ausdruck führt zu Christus: Die Lade verweist auf Gottes Gegenwart, und Maria trägt den menschgewordenen Herrn.
Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar: Da begann es zu blitzen, zu dröhnen und zu donnern, es gab ein Beben und schweren Hagel.
Auszug aus Offb 11,19 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Nach dem Erscheinen der Lade im Himmel erscheint die Frau mit dem männlichen Kind und wird vom Drachen verfolgt.
Die Offenbarung zeigt den geöffneten himmlischen Tempel und die sichtbare Lade des Bundes. Unmittelbar darauf erscheint die Frau mit dem männlichen Kind; der Drache verfolgt sie, und sie flieht in die Wüste. Diese Abfolge verbindet die Lade, Maria und die Kirche; die Mitte ist das messianische Kind.
Die Frau kann als Bild Israels, des Gottesvolkes und der Kirche verstanden werden. Zugleich ist sie als Mutter des Messiaskindes auf Maria bezogen. Die Kirche hält beides fest: Die Frau steht für das Gottesvolk und die Kirche, und in ihr ist Maria gegenwärtig. Die himmlische Lade steht neben dieser Zusammenschau, ohne dass Frau und Lade gleichgesetzt werden.
Liturgie, Katechismus und die Lehre der Kirche über Maria bezeugen dieses Verständnis. Die Verbindung mit der neuen Eva und der Gottesmutter hält die Mehrschichtigkeit des Bildes fest. Offenbarung 12 berichtet nicht von der Aufnahme Mariens; die spätere Lehre von ihrer Aufnahme in die Herrlichkeit wird aber im Licht dieses Bildes betrachtet.
Die Lade, Zeichen der nahen Gegenwart Gottes, die überschattende Herrlichkeit über ihr und die Lade im Himmel weisen in dieselbe Richtung: auf Christus, den gegenwärtigen Herrn, den Maria trägt. Ihre Größe liegt in diesem Tragen; von ihm empfängt ihr Bild seinen Glanz. Die Schrift fügt sich so zu einem Bogen, der bei ihm ankommt. Wer Maria so anschaut, erkennt den Herrn klarer.
Weiterführende Erklärungen
Maria als Bundeslade des neuen BundesUnterstützender positiver BelegDie Parallelen zwischen 2 Samuel 6 und Lukas 1 lassen Maria als Bundeslade des neuen Bundes erkennen, weil sie den gegenwärtigen Herrn trägt. Die Zeichen des Heiligtums weisen auf denselben Christus: auf Gottes Wort, das Lebensbrot und den ewigen Hohenpriester.
Lade, Zeichen und Christus: Die Bundeszeichen weisen auf den, den Maria trägtUnterstützender positiver BelegDie Bundeszeichen finden in Christus ihre Erfüllung. Die Sprache der Gegenwart Gottes verbindet beide Szenen: Die Herrlichkeit überschattet das Heiligtum, und der Heilige Geist überschattet Maria.
Das Überschatten verbindet Heiligtum und MenschwerdungUnterstützender positiver BelegDie Wolke über dem Heiligtum und der Geist über Maria gehören zusammen. Die Offenbarung führt das Bild weiter: Auf die himmlische Lade folgt die Frau mit dem messianischen Kind.
Vom geöffneten Himmel zur Frau mit dem KindUnterstützender positiver BelegUnterthema 4 von 6 · Tochter Zion und neue Eva
Maria steht für Israel, das seinen König empfängt, und für jeden Menschen, der Gottes Ruf glaubend annimmt
Tochter Zion und neue Eva Bibel und Textverständnis
Wie wird Maria zur Tochter Zion und zur neuen Eva?
Maria steht in der Heilsgeschichte Israels und antwortet als Mensch im Glauben auf Gottes Ruf. Als Tochter Zion empfängt sie den verheißenen König; als neue Eva wird sie im Anschluss an die frühe Kirche zum Bild des gehorsamen Glaubens, der dem Werk Christi dient. So führt der Weg von der messianischen Erwartung Israels zu einem Menschen, der Gottes Wort Raum gibt. Marias besondere Würde versteht sich ganz aus der Gegenwart und Sendung ihres Sohnes.
Die Propheten rufen die Tochter Zion zum Jubel, weil der Herr in ihrer Mitte ist. Zefanja spricht Israel und Jerusalem diese Freude zu: „Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!“ Damit wächst die Erwartung, dass Gott seinem Volk nahekommt.
Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!
Auszug aus Zef 3,14–17 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Tochter Zion wird zum Jubel gerufen; der Herr ist in ihrer Mitte.
Sacharja verbindet denselben Ruf mit dem Kommen des Königs: „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir.“ Die Tochter Zion empfängt in dieser prophetischen Sprache den kommenden Messias. Die Verkündigung an Maria nimmt diese Bewegung auf: Der Engel grüßt sie als die Begnadete und spricht ihr die Gegenwart des Herrn zu.
Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir.
Auszug aus Sach 9,9 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Tochter Zion soll jubeln, weil ihr König zu ihr kommt.
In der Verkündigung erfüllt sich die messianische Erwartung in der Menschwerdung. Der Engel sagt Maria: „Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben.“ Maria empfängt den Sohn Gottes und bringt ihn als Menschen zur Welt. Der Gruß des Engels „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir“ beginnt im Griechischen mit χαῖρε (chaíre, ungefähr „chai-re“), wörtlich „Freue dich“ (KKK 2676); mit diesem Ruf ist auch die Tochter Zion angesprochen (Zef 3,14). In der Zusage „der Herr ist mit dir“ klingt die Verheißung an Zion neu an: Der Herr ist bei ihr, und der König kommt durch sie zu seinem Volk.
Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
Auszug aus Lk 1,28 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Engel spricht Maria als Begnadete an und verkündet, dass der Herr mit ihr ist.
Elisabet bestätigt diese Stellung, indem sie Maria als die Gesegnete unter den Frauen preist. Ihr Lob ergänzt den prophetischen Jubel um die Seligpreisung der Frau, die den Messias empfängt. Die Kirche verbindet diese Zeugnisse und nennt Maria Tochter Zion und Bundeslade. Diese Namen benennen die heilsgeschichtliche Bedeutung dessen, was Lukas bezeugt: Der Herr nimmt in Maria Wohnung, und sie steht als Mutter des Herrn in Gottes Heilswerk. Darum fügt die kirchliche Sprache dem Evangelium keine fremde Gestalt hinzu, sondern entfaltet seinen biblischen Zusammenhang typologisch.
Auszug aus Lk 1,41b–42 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 41b: Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
Vers 42: und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Elisabet preist Maria als die Gesegnete unter den Frauen.
Mit dem Bild der neuen Eva führt die Kirche den Blick an den Anfang der Menschheit zurück. Gott kündigt Feindschaft zwischen der Schlange und der Frau sowie zwischen deren Nachkommen an: „Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.“ Diese Verheißung eröffnet die typologische Verbindung von Eva und der Frau im heilsgeschichtlichen Konflikt. Maria wird hier nicht genannt; ihre Zuordnung zu dieser Frau zeigt sich erst im Zusammenhang der weiteren Schriftzeugnisse.
Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.
Auszug aus Gen 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Gott kündigt Feindschaft zwischen der Schlange und der Frau sowie deren Nachkommen an.
Paulus gibt dafür den christologischen Rahmen. Adam ist für ihn „ein Urbild des Kommenden“, während Jesus Christus als der eine Mensch der Gnade gegenübertritt. In Christus werden die Menschen lebendig gemacht, und Christus ist „der Erste der Entschlafenen“. Paulus nennt ihn ausdrücklich den letzten Adam: „Adam, der erste Mensch, wurde ein irdisches Lebewesen. Der letzte Adam wurde lebendig machender Geist.“ Christus bleibt damit der Ursprung der Auferstehung, der neue und letzte Adam und der einzige Erlöser. Die Eva-Maria-Typologie erhält ihren Sinn aus dieser Vorrangstellung Christi.
Adam, der ein Urbild des Kommenden ist. Doch anders als mit der Übertretung verhält es sich mit der Gnade.
Auszug aus Röm 5,14b–15a · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus stellt den einen Menschen Adam dem einen Menschen Jesus Christus gegenüber.
Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
Auszug aus 1 Kor 15,20.22 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Christus wird als Erstling der Auferstandenen genannt.
Adam, der erste Mensch, wurde ein irdisches Lebewesen. Der letzte Adam wurde lebendig machender Geist.
Auszug aus 1 Kor 15,45 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus nennt Christus den letzten Adam.
Die Verkündigung zeigt die Antwort auf Evas Ungehorsam. Maria hört Gottes Ruf und antwortet mit gläubigem Gehorsam. In ihr wird sichtbar, wie ein Mensch dem Wort Gottes Raum gibt und dadurch dem Kommen des Erlösers dient. Ihre Zustimmung ist ein wirklicher Glaube und Gehorsam, aber das Erlösungswerk bleibt das einzigartige Werk Christi.
Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben.
Auszug aus Lk 1,26–38 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Maria antwortet auf die Verkündigung mit gläubigem Gehorsam.
Johannes führt diese Spur mit der Anrede „Frau“ weiter. In Kana sagt Jesus zu Maria: „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Am Kreuz nimmt er dieselbe Anrede wieder auf und sagt zu seiner Mutter: „Frau, siehe, dein Sohn!“ So verbindet die johanneische Darstellung Kana und das Kreuz. Maria steht in Beziehung zur Jüngergemeinschaft, während die Stunde Christi auf sein Erlösungswerk weist. Die Anrede ergänzt die Eva-Maria-Typologie durch eine sprachliche Verbindung zwischen der heilsgeschichtlichen Frau und Marias Stellung beim Weg ihres Sohnes.
Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Auszug aus Joh 2,4 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus redet Maria als „Frau“ an.
Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Auszug aus Joh 19,26–27 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus redet Maria am Kreuz als „Frau“ an und vertraut sie dem Jünger an.
Die frühe Kirche hat diese Verbindung als Typologie empfangen: Eine Gestalt der Schrift wird als Vorausbild auf eine spätere Gestalt hin gelesen. Den Titel „neue Eva“ haben die Kirchenväter des 2. Jahrhunderts, Justin und Irenäus, aus der paulinischen Gegenüberstellung von Adam und Christus entwickelt; sie verbinden Marias Glaubensgehorsam mit dieser Gegenüberstellung und lesen sie im Licht der apostolischen Überlieferung. So bleiben das unmittelbare Schriftzeugnis und die spätere kirchliche Entfaltung sichtbar unterschieden.
Zusammengenommen zeigen beide Namen dasselbe Gesicht: Maria steht für Israel, das seinen König empfängt, und für den Menschen, dessen Glaube Gottes Ruf Raum gibt. Damit ist Marias Ort dem Geheimnis Christi nachgeordnet, und dieser Ort ist ein dienender. Das Heil kommt von Christus; Maria empfängt es, trägt es und gibt es weiter, und die Kirche verehrt sie, weil sie Anteil hat an dem, was Gott an ihr getan hat. Wer Tochter Zion und neue Eva kennt, versteht darum etwas über Gott und über den Menschen: Gott spricht, ein Mensch antwortet, und aus diesem Antworten wächst Heil.
Unterthema 5 von 6 · Königsmutter und gesegnete Frauen
Maria ist die Mutter des Königs, dem Gott den Thron Davids gibt
Königsmutter und gesegnete Frauen Bibel und Textverständnis
Warum nennt die Kirche Maria die Mutter des Herrn und die Gesegnete unter den Frauen?
Die Sprache für Marias besondere Stellung wächst aus der Schrift selbst: Sie verbindet die Nähe der Königsmutter zum König mit dem Segen, der einer Frau in der Heilsgeschichte zugesprochen wird. Lukas führt diese Zeugnisse auf Maria und auf die Frucht ihres Leibes hin und eröffnet damit einen Weg, der von den biblischen Vorausbildern zur kirchlichen Lehre führt.
Die Schrift kennt am Königshof eine eigene Stellung der Mutter des Königs. Batseba kommt zu Salomo, und der König lässt für seine Mutter einen Thron zu seiner Rechten aufstellen. Lukas verbindet Marias Mutterschaft mit dem Thron Davids, den ihr Sohn erhält (Lk 1,32–33); vor diesem Hintergrund liest die Kirche Batseba als Vorausbild der Mutter des messianischen Königs. Die typologische Entsprechung weist von Batseba auf die königliche Würde Christi und auf Marias Nähe zu ihm.
Dann setzte er sich auf seinen Thron und ließ auch für die Königinmutter einen Thron hinstellen.
Auszug aus 1 Kön 2,19–25 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Batseba kommt als Königsmutter zum König; Salomo lässt ihr einen Sitz zu seiner Rechten geben.
Auch die Sprache des Segens bereitet die Anrede Marias vor. Im Lied der Debora wird Jaël „unter den Frauen“ gepriesen, und Judit wird „von Gott, dem Allerhöchsten, mehr gesegnet als alle anderen Frauen auf der Erde“ genannt. Beide Frauen behalten ihre eigene Geschichte und ihre eigene heilsgeschichtliche Aufgabe. Zugleich entsteht aus solchen Zeugnissen eine biblische Sprache, in der der besondere Segen einer Frau sichtbar wird.
Gepriesen sei Jaël unter den Frauen, die Frau des Keniters Heber, gepriesen unter den Frauen im Zelt.
Auszug aus Ri 5,24 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jaël wird „unter den Frauen“ gepriesen.
Usija aber sagte: Meine Tochter, du bist von Gott, dem Allerhöchsten, mehr gesegnet als alle anderen Frauen auf der Erde.
Auszug aus Jdt 13,18 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Usija nennt Judit von Gott mehr gesegnet als alle anderen Frauen auf der Erde.
Elisabet führt diese Sprache auf Maria und Christus hin: Sie nennt Maria gesegnet unter den Frauen und preist die Frucht ihres Leibes. Damit verbindet Lukas Marias Würde unmittelbar mit dem Sohn, den sie trägt. Die Kirche liest diese Geschichten als vorbereitende Zeugnisse innerhalb der biblischen Gesamtbewegung. Das Bild der Königsmutter und das Wort von der gesegneten Frau weisen auf Marias Ort in der Heilsgeschichte. Lukas führt beide Motive auf Maria und Christus zusammen.
Auszug aus Lk 1,41b–42 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 41b: Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
Vers 42: und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Elisabet nennt Maria gesegnet unter den Frauen und preist die Frucht ihres Leibes.
Die Kirche entfaltet diese biblische Bewegung in ihrer Lehre. Lumen gentium 56 begründet Marias Stellung aus ihrem Glauben und ihrer Mitwirkung im Heilswerk Christi; Lumen gentium 59 bekennt, dass sie „als Königin des Alls vom Herrn erhöht“ wurde, „um vollkommener ihrem Sohn gleichgestaltet zu sein“, und Lumen gentium 63 nennt sie den Typus der Kirche. Den Grund ihres Königtums nennt Pius XII. in Ad caeli reginam (1954): Maria ist die Mutter des Königs, dem Gott „den Thron seines Vaters David“ gibt und dessen Herrschaft „kein Ende haben“ wird (Lk 1,32–33), und sie ist mit ihm im Erlösungswerk verbunden; darum hat sie in begrenzter und analoger Weise Anteil an seiner Herrschaft. Die Königsmutter am Hof Davids ist dafür ein Vorausbild, das diese Würde veranschaulicht.
Die Sprache des Hofes und das Wort von den gesegneten Frauen kommen bei Maria zusammen: Sie ist die Mutter des Königs, dem Gott den Thron Davids gibt, und die Gesegnete unter den Frauen. Dieser Hintergrund nährt die Verehrung Marias aus dem Wort Gottes, und ihr Segen führt zu dem, den sie geboren hat.
Weiterführende Erklärungen
Königsmutter und gesegnete Frau: die Sprache, in der Elisabet Maria grüßtUnterstützender positiver BelegUnterthema 6 von 6 · Von der Schrift zum Bekenntnis der Kirche
Die Lehre der Kirche über Maria zeigt Marias Vorrang als reine Gnade und gibt Christus die Ehre
Von der Schrift zum Bekenntnis der Kirche Glaube und Überlieferung
Wie ist aus dem Zeugnis der Schrift das Bekenntnis der Kirche gewachsen?
Neben der Gottesmutterschaft bekennt die Kirche drei weitere Dogmen über Maria. Sie sprechen von Gottes Gnade an ihr und gründen darin, dass Gott sie zur Mutter seines Sohnes erwählt hat: Die immerwährende Jungfräulichkeit besagt, dass Maria vor, bei und nach der Geburt Jesu wirklich Jungfrau geblieben ist; die Unbefleckte Empfängnis besagt, dass sie vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an im Hinblick auf die Verdienste Christi von der Erbsünde bewahrt wurde; die Aufnahme in den Himmel bekennt, dass sie nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde, als Vollendung des ganzen Menschen. Typologie liest frühere Gestalten und Ereignisse als Vorausbilder dessen, was Gott später wirkt. Die dogmatische Entfaltung spricht den von Schrift und apostolischer Überlieferung bewahrten Glauben im Lauf der Zeit immer genauer aus. In Maria wird sichtbar, wozu Christus einen Menschen führt.
Die Verkündigung steht am Anfang. Maria ist bereits mit Josef verbunden und fragt den Engel: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ Im Zusammenhang mit der Wirksamkeit des Heiligen Geistes ist ihre Frage ein Zeichen ihrer jungfräulichen Berufung. Sie stimmt der angekündigten Mutterschaft zu: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Die göttliche Herkunft Jesu und Marias glaubende Zustimmung bilden den biblischen Ausgangspunkt ihrer einzigartigen Mutterschaft im Geheimnis der Menschwerdung.
Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
Auszug aus Lk 1,34 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Maria ist bereits an Josef gebunden und fragt, wie die angekündigte Geburt geschehen soll, da sie keinen Mann erkennt.
Da sagte Maria: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.
Auszug aus Lk 1,38 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Maria stimmt der angekündigten Mutterschaft zu. Ihr Ja antwortet auf die Zusage des Engels, dass der Heilige Geist an ihr wirken wird.
Die Kirche empfängt daraus das Bekenntnis, dass Maria wahrhaft Jungfrau blieb: vor der Geburt Christi, bei seiner Geburt und danach. Lk 1,34 bezeugt ihre besondere Berufung; die kirchliche Rezeption liest darin den Hinweis auf Marias Willen, Jungfrau zu bleiben. Daraus folgt die Rede von ihrer ganzen Hingabe an Gottes Ruf. Ihre Jungfräulichkeit gehört zur göttlichen Mutterschaft und zur einzigartigen Berufung im Heilswerk Christi. Sie bewahrt die Wahrheit, dass der Sohn Gottes aus Maria Mensch wird und dass Jesus ihr einziger Sohn ist (KKK 501).
Ausdrücklich bezeugt ist dieser Glaube seit dem 4. Jahrhundert. Epiphanius von Salamis bekennt 374, der Sohn Gottes sei „aus der heiligen, allzeit jungfräulichen Maria durch den Heiligen Geist“ geboren (Ancoratus 119,5). Das Zweite Konzil von Konstantinopel bekennt 553 das Wort Gottes, das „fleischgeworden ist aus der heiligen, glorreichen Gottesgebärerin und immerwährenden Jungfrau Maria“ (DS 422; vgl. Kan. 6, DS 427). Die Lateransynode von 649 unter Papst Martin I. spricht die drei Zeiten aus: Jungfräulichkeit vor, bei und nach der Geburt (Kan. 3, DS 503). Johannes Paul II. nennt als weitere Bestätigungen das IV. Laterankonzil 1215 und das II. Konzil von Lyon 1274. Der Katechismus fasst zusammen, dass Maria „stets wirklich Jungfrau geblieben ist …, auch bei der Geburt des menschgewordenen Gottessohnes“ (KKK 499).
Josef und Maria führten eine wirkliche Ehe. Redemptoris custos beschreibt ihre eheliche Liebe und ihre gemeinsame besondere Berufung, in der die Jungfräulichkeit gewahrt blieb (Nr. 7; 18–20); die Liturgie feiert Maria als die, „die durch ein Band ehelicher und jungfräulicher Liebe mit Josef, einem gerechten Mann, verbunden ist“ (Nr. 20). Die Kirche hält beides fest: die Ehe Josefs und Marias und die immerwährende Jungfräulichkeit der Mutter des Herrn.
Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.
Auszug aus Gen 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Frau und ihre Nachkommenschaft stehen in bleibender Feindschaft zur Schlange.
Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
Auszug aus Lk 1,28 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Engel nennt Maria die Begnadete und gebraucht das Wort an der Stelle ihres Namens; die Form sagt, dass die Gnade an ihr schon gewirkt hat und fortwirkt.
Weil Maria zur Mutter des Erlösers erwählt war, ist sie „von Gott mit den einer solchen Aufgabe entsprechenden Gaben beschenkt worden“ (LG 56; KKK 490). Offen ist noch, von wann an diese Gnade ihr Leben trägt. Gen 3,15 nennt die Feindschaft zwischen der Frau und der Schlange und den Sieg ihrer Nachkommenschaft. Die Kirche liest die Frau als Maria und den Sieg als den Sieg Christi. Lk 1,28 nennt Maria die Begnadete und bezeugt, dass der Herr mit ihr ist. Darin erkennt die Kirche ihre einzigartige Gnadenstellung bei der Menschwerdung Christi. Maria bleibt dabei selbst erlösungsbedürftig: Gerade ihre Bewahrung ist eine vorausgehende Erlösung durch Christus.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Auszug aus Lk 1,48 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Maria verkündet, dass alle Geschlechter sie seligpreisen werden.
Marias Magnificat verbindet ihre besondere Gnadenstellung mit der bleibenden Würdigung durch die Kirche: „Von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“ Die Kirche liest diese Seligpreisung zusammen mit dem heilsgeschichtlichen Handeln Gottes und der durch Christus geschenkten Gnade. Daraus erwächst das Bekenntnis, dass Maria vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an durch eine einzigartige Gnade und ein besonderes Vorrecht des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi von jedem Makel der Erbsünde bewahrt wurde. Erbsünde meint dabei keine persönliche Schuld, sondern den Mangel an ursprünglicher Heiligkeit und Gerechtigkeit, den jeder Mensch von Adam her empfängt (KKK 404–405); Maria war von Anfang an von Gottes Gnade erfüllt. Pius IX. definierte diese Wahrheit 1854 in Ineffabilis Deus als von Gott geoffenbart; bewusst geworden war sie der Kirche „im Laufe der Jahrhunderte“ (KKK 491). Die technische Formulierung ist eine spätere dogmatische Klärung des in Schrift und apostolischer Überlieferung bewahrten Glaubens.
Auszug aus Lk 1,39; 41; 43–44; 56 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 39: In diesen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 41: Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 43: Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
Vers 44: Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 56: Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Maria besucht Elisabet; sie wird seliggepriesen und verkündet im Magnificat Gottes großes Handeln.
Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
Auszug aus 1 Kor 15,20.22 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Christus ist der Erstling der Entschlafenen; die Auferstehung folgt in einer geordneten Folge.
Die biblischen Texte sprechen dabei ihre je eigene Sprache. Gen 3,15 eröffnet das Bild von Frau, Nachkommenschaft und Feindschaft zur Schlange; Lk 1,28 bezeugt Marias einzigartige Gnade; Lk 1,48 verbindet ihre Seligpreisung mit Gottes großem Handeln. Die Kirche liest diese Stellen im Zusammenhang der gesamten Heilsgeschichte und empfängt ihre Verbindung in der apostolischen Tradition. So bleibt die Lehre christusbezogen: Maria wird durch die Gnade Christi bewahrt, die ihr zuvorkommt.
Die Toten werden als Unverwesliche auferweckt, wir aber werden verwandelt werden.
Auszug aus 1 Kor 15,52b · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Toten werden auferweckt und die Lebenden verwandelt; das Vergängliche zieht Unvergänglichkeit an.
Der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes.
Auszug aus Phil 3,21 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Christus wird den Leib der Erniedrigung umgestalten und seinem verherrlichten Leib gleichförmig machen.
Auch wir seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.
Auszug aus Röm 8,23 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Glaubenden erwarten als Kinder die Erlösung ihres Leibes.
Die er aber vorausbestimmt hat, die hat er auch berufen, und die er berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.
Auszug aus Röm 8,30 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Gott bestimmt die Berufenen dazu, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu werden, und verherrlicht sie.
Dieselbe Gnade führt den ganzen Menschen zum Ziel. Maria sagt voraus, dass alle Geschlechter sie seligpreisen werden; ihr Besuch bei Elisabet verbindet diese Seligpreisung mit Gottes heilsgeschichtlichem Handeln. Diese Seligpreisung bezeugt Gottes Handeln an Maria. 1 Kor 15 bezeugt Christus als den Erstling der Entschlafenen und beschreibt die Auferstehung der Erlösten in einer geordneten Folge. Die Auferstehung der Glaubenden steht damit im Zusammenhang der Auferstehung Christi; Marias einzigartige, vorweggenommene Teilnahme an dieser Vollendung tritt durch die kirchliche Überlieferung und Lehre hinzu.
An jenem Tag bekam David Angst vor dem HERRN und er sagte: Wie soll die Lade des HERRN jemals zu mir kommen?
Auszug aus 2 Sam 6,1–15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
David bringt die Bundeslade, das Zeichen der Gegenwart Gottes, unter Jubel in die Stadt Davids hinauf.
Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.
Auszug aus Offb 12,1 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Eine Frau erscheint als Zeichen und steht mit ihrem Kind im Konflikt mit dem Drachen.
Die Hoffnung auf die leibliche Vollendung wird weiter entfaltet: Die Toten werden als Unverwesliche auferweckt, die Lebenden verwandelt, und das Vergängliche zieht Unvergänglichkeit an. Christus wird den Leib der Erniedrigung in die Gestalt seines verherrlichten Leibes umgestalten. Die Glaubenden warten als Kinder Gottes auf die Erlösung ihres Leibes. Röm 8 verbindet diese Hoffnung mit dem Handeln Gottes: Die Berufenen werden dem Bild seines Sohnes gleichförmig, gerecht gemacht und verherrlicht. Diese Texte begründen die Hoffnung auf die Verherrlichung des Leibes und zeigen den Zusammenhang von Berufung, Gleichförmigkeit mit Christus und Vollendung. Die Kirche erkennt in Maria die besondere, bereits vollendete Gestalt dieser Hoffnung. Sie erkennt darin eine Würdigung, die in der Lehre von Marias Verherrlichung ihren Höhepunkt findet.
Die Typologie vertieft diese biblische Hoffnung. Die Lade des Herrn, das Zeichen seiner Gegenwart, wird unter Jubel in die Stadt Davids hinaufgebracht (2 Sam 6). In Maria, die den menschgewordenen Sohn Gottes trägt, erkennt die Kirche die Bundeslade des neuen Bundes. Psalm 132 bittet: „Steh auf, HERR, zum Ort deiner Ruhe, du und deine machtvolle Lade!“ (Ps 132,8). Theologen und Prediger haben, den Vätern folgend, in diesem Lade-Wort ein Bild dafür gesehen, dass Maria, die den Herrn getragen hat, mit Leib und Seele in die Herrlichkeit eingeht; Pius XII. erinnert in Munificentissimus Deus (Nr. 26) daran. Die Frau, mit der Sonne bekleidet, dem Mond unter ihren Füßen und einem Kranz von zwölf Sternen auf dem Haupt, erscheint als großes Zeichen am Himmel und steht mit ihrem Kind im Konflikt mit dem Drachen. Die Bildsprache der Offenbarung ist mehrschichtig auf Maria und die Kirche bezogen; sie trägt die heilsgeschichtliche Hoffnung auf Verherrlichung und Sieg.
1 Kor 15, Phil 3 und Röm 8 bezeugen Auferstehung und Verherrlichung des Leibes; die Frau und die Lade bilden typologische Bezüge im Zusammenhang von Gottes Gegenwart und Christi Sieg. Die kirchliche Überlieferung nimmt diese Beiträge auf und bekennt, dass Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde. Lumen gentium 59 und 68 bezeugen diese Aufnahme im Zusammenhang mit Christus und der Kirche. Pius XII. definierte die Lehre 1950 in Munificentissimus Deus verbindlich; KKK 966 formuliert das Bekenntnis der Kirche. Die historische Klärung bewahrt und präzisiert die apostolische Glaubensüberlieferung.
Die immerwährende Jungfräulichkeit, die vorbeugende Erlösung und die Aufnahme in die Herrlichkeit bezeichnen je eigene Gnadenakte und bilden gemeinsam einen Weg von Marias Berufung über ihre Bewahrung bis zur Vollendung des ganzen Menschen.
Quellen zu dieser Frage 8
- Definition der Unbefleckten Empfängnis, 1854Ineffabilis Deus ↗
- 59; 68Lumen gentium ↗
- Definition der Aufnahme Mariens, 1950Munificentissimus Deus ↗
- Abschnitt 1: Epiphanius, Ancoratus 119,5; DS 422; Laterankonzil IV und Lyon IIGeneralaudienz vom 28. August 1996 ↗
- Anathema 2 und 6Zweites Konzil von Konstantinopel ↗
- DS 503, Kanon 3Denzinger-Schönmetzer 503: Römische Synode von 649 ↗
- KKK 499Katechismus der Katholischen Kirche ↗
- Nr. 7, 18–20Redemptoris custos ↗
Die Brüder Jesu Glaube und Überlieferung
Hatte Maria weitere Kinder?
Die „Brüder“ Jesu, das „bis“ in Mt 1,25 und der „Erstgeborene“ in Lk 2,7 scheinen weitere Kinder Marias nahezulegen. Jede dieser Beobachtungen findet im Text selbst ihre Antwort: Die Schrift zeigt Maria als Mutter des einen Sohnes, den Gott sendet.
Der Einwand ist alt und wird bis heute mit Gründen aus der Schrift vorgetragen. Helvidius hielt die „Brüder“ Jesu im 4. Jahrhundert für weitere Söhne Marias; Hieronymus antwortete ihm um 383, und viele evangelische Ausleger kommen heute zum selben Ergebnis wie Helvidius. Matthäus nennt Jakobus, Josef, Simon und Judas die Brüder Jesu, Markus führt in Mk 6,3 dieselben Männer an. Das „bis“ in Mt 1,25 klingt nach einer ehelichen Gemeinschaft, die auf die Geburt folgt, und der „Erstgeborene“ in Lk 2,7 nach Kindern, die nach ihm kommen.
Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder?
Auszug aus Mt 13,55 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Die Frage an diesen Text
Die Leute nennen mehrere Männer „Brüder“ Jesu.
Die Schrift nennt die Mutter zweier dieser Männer. Unter dem Kreuz steht „Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef“ (Mt 27,56; vgl. Mk 15,40), die Matthäus am Ostermorgen „die andere Maria“ nennt (Mt 28,1). Jakobus und Josef, die Matthäus Brüder Jesu nennt, sind also Söhne einer anderen Maria. Das Wort „Bruder“ ist im biblischen Sprachgebrauch weiter als im heutigen Deutschen: Lot, der Neffe Abrams (Gen 12,5), heißt in Gen 13,8 und 14,14.16 dessen „Bruder“. Darum sagt der Katechismus: „Gemäß einer bekannten Ausdrucksweise des Alten Testamentes … handelt es sich dabei um nahe Verwandte Jesu“ (KKK 500). Welchen Grad diese Verwandtschaft hat, lässt die Kirche offen; in der Ostkirche gelten die Brüder weithin als Kinder Josefs aus einer früheren Ehe.
Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus.
Auszug aus Mt 1,25 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Die Frage an diesen Text
Matthäus nennt den Zeitraum bis zur Geburt Jesu; Josef erkennt Maria bis dahin nicht.
und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.
Auszug aus Lk 2,7 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Welche Folgerung der Text begrenzt
Lukas nennt Jesus bei seiner Geburt den Erstgeborenen.
Das „bis“ in Mt 1,25 grenzt den erzählten Zeitraum ab: Matthäus bezeugt, dass Josef nicht der leibliche Vater Jesu ist. Auch in 2 Sam 6,23 und Mt 28,20 kündigt „bis“ keinen späteren Umschwung an. Der „Erstgeborene“ in Lk 2,7 ist ein Rechtstitel, den Lukas bei der Darstellung im Tempel entfaltet: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn heilig genannt werden (Lk 2,22–23). Der Titel benennt die Stellung dieses Kindes vor Gott und setzt keinen späteren Sohn voraus.
Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Auszug aus Joh 19,26–27 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus stellt seine Mutter und den geliebten Jünger unter dem Kreuz einander anheim; der Jünger nimmt sie bei sich auf.
Am Kreuz vertraut Jesus seine Mutter dem Jünger an, den er liebte (Joh 19,26–27). Hätte Maria weitere Söhne gehabt, hätte die Sorge für sie bei ihnen gelegen; Jesus überträgt sie einem Jünger und nennt ihn ihren Sohn. So stellt die Schrift Maria als Mutter des einen Sohnes vor, den Gott sendet. Die Kirche bekennt ihre immerwährende Jungfräulichkeit als Gnade, die ganz auf diesen Sohn bezogen ist: Jesus ist der einzige Sohn Marias (KKK 501).
So antwortet das Bekenntnis der Kirche auf das Zeugnis der Schrift: Es nimmt die Vorausbilder auf, entfaltet, was die Überlieferung bewahrt hat, lässt Christus die Ehre und zeigt Marias Vorrang als reine Gnade. In Maria schaut die Kirche, was Christus an einem Menschen wirkt, und bekennt darin die endgültige Verherrlichung eines ganzen Menschen durch ihn. Diese Lehre hat ihren Platz in der Rangordnung des Glaubens, der Mitte nachgeordnet, aus der sie lebt: Das Geheimnis Christi und der Dreifaltigkeit trägt sie, und jede Aussage über Maria gewinnt ihr Maß und ihre Größe daran, dass sie auf Christus hinweist und zu ihm führt.
Weiterführende Erklärungen
Ist Maria immer Jungfrau geblieben?Umstrittene AuslegungDie Kirche bekennt Maria als immerwährende Jungfrau. Weil Gott sie zur Mutter des Erlösers erwählt hat, reicht seine Gnade in ihrem Leben noch weiter zurück: Vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an ist sie durch Christus vorbeugend erlöst.
Maria, durch Christus vorbeugend erlöstUnterstützender positiver BelegDie Bewahrung vor der Erbsünde ist ganz Gnade Christi. Dieselbe Gnade führt den ganzen Menschen zum Ziel: Maria wird mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen.
Mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommenUnterstützender positiver BelegWie kann die Kirche Lehren über Maria als Glaubenssätze vorlegen, die nicht ausdrücklich in der Schrift stehen?
Der Einwand
Maria ist die Mutter des Herrn; das bekennen auch die Kirchen der Reformation. Die Unbefleckte Empfängnis und die leibliche Aufnahme Mariens stehen aber nicht in der Schrift und sind in den ersten Jahrhunderten nicht ausdrücklich bezeugt. Wie kann die Kirche sie als Glaubenssätze vorlegen?
Die Antwort der Kirche
Die Kirche schöpft „ihre Gewißheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift allein“ (DV 9); Schrift und Überlieferung entspringen demselben göttlichen Quell. Sie legt beide Lehren als von Gott geoffenbart vor: Maria wurde im Hinblick auf die Verdienste Christi vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an von der BegriffErbsündeDie Erbsünde ist der Zustand des Mangels an der ursprünglichen Heiligkeit und Gerechtigkeit, in dem die Menschen seit der Sünde Adams geboren werden. Sie ist eine Sünde, die man „miterhalten“, nicht aber „begangen“ hat; bei keinem Nachkommen Adams hat sie den Charakter einer persönlichen Schuld (Kompendium 76; KKK 404–405). Die menschliche Natur ist durch sie nicht durch und durch verdorben, aber verletzt und zur Sünde geneigt; die Taufe tilgt die Erbsünde, die Neigung zur Sünde bleibt als Aufgabe des geistlichen Kampfes (KKK 405).Glossareintrag öffnen bewahrt (KKK 491) und nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen, als „einzigartige Teilhabe an der Auferstehung ihres Sohnes“ (KKK 966). Ihre Grundlage in der Schrift sind die Begnadete (Lk 1,28), die neue Eva und die Lade des Bundes; „im Laufe der Jahrhunderte“ ist sich die Kirche bewusst geworden, was darin enthalten ist (KKK 491).
Was andere Christen dazu glauben
Die christlichen Traditionen vergleichen
Katholisch
- Offizielle Lehrposition
- Die katholische Kirche bekennt vier Mariendogmen: Maria ist wahrhaft Gottesgebärerin (Konzil von Ephesus 431), sie blieb immerwährend Jungfrau, sie wurde vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an von der Erbsünde bewahrt (Unbefleckte Empfängnis, 1854) und nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen (1950). Ihre Verehrung und ihre Fürbitte bleiben von der Anbetung, die Gott allein gebührt, und von Christi einzigartiger Erlösung unterschieden.
Orthodox / byzantinisch
- Offizielle Lehrposition
- Die orthodoxen Kirchen (hier nach der Orthodoxen Kirche in Amerika, OCA) verehren Maria als Gottesgebärerin und allzeit Jungfrau. Am 15. August feiern sie ihre Entschlafung: Die Gottesmutter ist gestorben, und ihr Leib wurde in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen. Diesen Glauben bezeugt die Liturgie, ohne ihn als Dogma zu definieren. Die römische Definition der Unbefleckten Empfängnis übernehmen die orthodoxen Kirchen nicht.
Lutherisch
- Offizielle Lehrposition
- Das Augsburger Bekenntnis bekennt Christus als „geboren aus der reinen Jungfrau Maria“ (Art. III) und erinnert an die Heiligen als Vorbilder des Glaubens; nach Artikel XXI lehrt die Schrift aber weder die Anrufung der Heiligen noch die Bitte um ihre Hilfe, weil Christus der einzige Mittler ist. Die Unbefleckte Empfängnis und die Aufnahme Mariens lehrt es nicht.
Reformiert / calvinistisch
- Offizielle Lehrposition
- Der Heidelberger Katechismus bekennt, dass der ewige Sohn Gottes „wahre menschliche Natur aus dem Fleisch und Blut der Jungfrau Maria angenommen“ hat (Frage 35), und lehnt es ab, Heil und Seligkeit bei den Heiligen zu suchen (Frage 30). Die Unbefleckte Empfängnis und die Aufnahme Mariens lehrt er nicht.
Methodistisch / wesleyanisch
- Offizielle Lehrposition
- Die methodistischen Articles of Religion bekennen, dass der Sohn Gottes im Schoß der seligen Jungfrau die menschliche Natur angenommen hat (Artikel II). Artikel XIV verwirft die Anrufung der Heiligen sowie die dort beschriebene Verehrung oder Anbetung von Bildern und Reliquien.
Anglikanisch
- Offizielle Lehrposition
- Die 39 Artikel der Kirche von England bekennen, dass der Sohn Gottes im Schoß der seligen Jungfrau aus ihrem Wesen die menschliche Natur angenommen hat (Artikel II). Artikel XXII verwirft die dort beschriebene Anrufung der Heiligen sowie die Verehrung oder Anbetung von Bildern und Reliquien.
| Tradition | Offizielle Lehrposition | Quelle |
|---|---|---|
| Katholisch | Die katholische Kirche bekennt vier Mariendogmen: Maria ist wahrhaft Gottesgebärerin (Konzil von Ephesus 431), sie blieb immerwährend Jungfrau, sie wurde vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an von der Erbsünde bewahrt (Unbefleckte Empfängnis, 1854) und nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen (1950). Ihre Verehrung und ihre Fürbitte bleiben von der Anbetung, die Gott allein gebührt, und von Christi einzigartiger Erlösung unterschieden. | Offizielle Quelle: Katholisch |
| Orthodox / byzantinisch | Die orthodoxen Kirchen (hier nach der Orthodoxen Kirche in Amerika, OCA) verehren Maria als Gottesgebärerin und allzeit Jungfrau. Am 15. August feiern sie ihre Entschlafung: Die Gottesmutter ist gestorben, und ihr Leib wurde in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen. Diesen Glauben bezeugt die Liturgie, ohne ihn als Dogma zu definieren. Die römische Definition der Unbefleckten Empfängnis übernehmen die orthodoxen Kirchen nicht. | Offizielle Quelle: Orthodox / byzantinisch |
| Lutherisch | Das Augsburger Bekenntnis bekennt Christus als „geboren aus der reinen Jungfrau Maria“ (Art. III) und erinnert an die Heiligen als Vorbilder des Glaubens; nach Artikel XXI lehrt die Schrift aber weder die Anrufung der Heiligen noch die Bitte um ihre Hilfe, weil Christus der einzige Mittler ist. Die Unbefleckte Empfängnis und die Aufnahme Mariens lehrt es nicht. | Offizielle Quelle: Lutherisch |
| Reformiert / calvinistisch | Der Heidelberger Katechismus bekennt, dass der ewige Sohn Gottes „wahre menschliche Natur aus dem Fleisch und Blut der Jungfrau Maria angenommen“ hat (Frage 35), und lehnt es ab, Heil und Seligkeit bei den Heiligen zu suchen (Frage 30). Die Unbefleckte Empfängnis und die Aufnahme Mariens lehrt er nicht. | Offizielle Quelle: Reformiert / calvinistisch |
| Methodistisch / wesleyanisch | Die methodistischen Articles of Religion bekennen, dass der Sohn Gottes im Schoß der seligen Jungfrau die menschliche Natur angenommen hat (Artikel II). Artikel XIV verwirft die Anrufung der Heiligen sowie die dort beschriebene Verehrung oder Anbetung von Bildern und Reliquien. | Offizielle Quelle: Methodistisch / wesleyanisch |
| Anglikanisch | Die 39 Artikel der Kirche von England bekennen, dass der Sohn Gottes im Schoß der seligen Jungfrau aus ihrem Wesen die menschliche Natur angenommen hat (Artikel II). Artikel XXII verwirft die dort beschriebene Anrufung der Heiligen sowie die Verehrung oder Anbetung von Bildern und Reliquien. | Offizielle Quelle: Anglikanisch |
38 Bibelstellen · Maria
Was die Schrift selbst sagt
Alle Bibelstellen dieses Themas im Wortlaut, geordnet nach den Fragen, für die sie zeugen. Jede führt zu ihrer Erklärung.
Seligpreisung und Fürbitte
Lk 1,28Maria wird seliggepriesen: Die Schriftstellen und die Lehre der Kirche
Der Engel begrüßt Maria als die Begnadete und bezeugt, dass der Herr mit ihr ist. Die Kirche versteht diese Anrede als Zeugnis für Marias einzigartige Gnade und ehrt sie als Mutter des menschgewordenen Sohnes Gottes.
Bibeltext
Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
Auszug aus Lk 1,28 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Lk 1,42Maria wird seliggepriesen: Die Schriftstellen und die Lehre der Kirche
Elisabet nennt Maria gesegnet unter den Frauen und preist die Frucht ihres Leibes. Die Kirche nimmt dieses biblische Lob auf und versteht Marias Seligpreisung aus ihrer einzigartigen Beziehung zu Christus.
Bibeltext
Auszug aus Lk 1,41b–42 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 41b: Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
Vers 42: und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Lk 1,43Maria wird seliggepriesen: Die Schriftstellen und die Lehre der Kirche
Elisabet fragt, warum die Mutter ihres Herrn zu ihr kommt, und bekennt damit die Würde des Kindes, das Maria trägt. Die Kirche sieht darin ein frühes biblisches Zeugnis für Maria als Gottesgebärerin.
Bibeltext
Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
Auszug aus Lk 1,43 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Lk 1,48Maria wird seliggepriesen: Die Schriftstellen und die Lehre der Kirche
Maria kündigt an, dass sie von allen Geschlechtern seliggepriesen werden wird, und verbindet diese Zukunft mit Gottes großen Taten an ihr. Die Kirche erfüllt dieses biblische Wort in ihrer dauernden Verehrung Marias.
Bibeltext
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Auszug aus Lk 1,48 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Joh 2,1–11In Kana trägt Maria die Not zu Christus, und Christus handelt
Bei der Hochzeit zu Kana weist Maria Jesus auf den Weinmangel hin; Jesus wirkt daraufhin sein erstes Zeichen und verwandelt Wasser in Wein. Die Kirche erkennt in Marias Hinweis ihre fürbittende Nähe zu Christus.
Bibeltext
Auszug aus Joh 2,3–5.11 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 3: Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.
Vers 4: Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Vers 5: Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!
Auslassung im Bibeltext.
Vers 11: So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.
Joh 19,26–27Mutter und Jünger unter dem Kreuz
Unter dem Kreuz vertraut Jesus seine Mutter dem geliebten Jünger und den Jünger seiner Mutter an. Die Kirche erkennt darin neben der konkreten Sorge Jesu eine typologische Darstellung Marias als Mutter der Glaubenden.
Bibeltext
Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Auszug aus Joh 19,26–27 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Neue Eva
Gen 3,15Von Eva zu Maria: die Frau in Genesis, unter dem Kreuz und in der Offenbarung
Gott setzt Feindschaft zwischen der Schlange und der Frau sowie zwischen ihren Nachkommen; der Nachkomme der Frau wird der Schlange den Kopf zertreten. Die Kirche liest diese Verheißung typologisch als Ausgangspunkt der neuen Eva in Maria.
Bibeltext
Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.
Auszug aus Gen 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Joh 2,4Von Eva zu Maria: die Frau in Genesis, unter dem Kreuz und in der Offenbarung
Jesus spricht Maria in Kana als „Frau“ an und verweist auf seine noch nicht gekommene Stunde. Die Kirche liest diese Anrede im Zusammenhang mit dem Kreuz und der typologischen Verbindung von Eva zu Maria.
Bibeltext
Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Auszug aus Joh 2,4 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Offb 12Von Eva zu Maria: die Frau in Genesis, unter dem Kreuz und in der Offenbarung
Das Zeichen der Frau, des Kindes und des Drachen verbindet in einer typologischen Folge Bezüge zu Israel, zum Messias und zu Maria. Die Kirche liest diese Bilder im Zusammenhang der Heilsgeschichte und der Menschwerdung Christi.
Bibeltext
Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.
Auszug aus Offb 12,1 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Neue Bundeslade: Von der Lade zu Christus
2 Sam 6,1–15Maria als Bundeslade des neuen Bundes
David will die Bundeslade nach Jerusalem holen; nach dem Tod Usas bekommt er Angst und fragt: „Wie soll die Lade des HERRN jemals zu mir kommen?“ Drei Monate bleibt sie im Haus Obed-Edoms, das um ihretwillen gesegnet wird; dann bringt David sie voll Freude in die Davidstadt hinauf und tanzt vor dem HERRN. Die Kirche erkennt in diesen Motiven einen typologischen Hintergrund für Maria als neue Bundeslade.
Bibeltext
An jenem Tag bekam David Angst vor dem HERRN und er sagte: Wie soll die Lade des HERRN jemals zu mir kommen?
Auszug aus 2 Sam 6,1–15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Lk 1,39–56Maria als Bundeslade des neuen Bundes
Maria besucht Elisabet, die beim Gruß die Bewegung des Kindes und die Gegenwart des Herrn erkennt; anschließend preist Maria Gottes große Taten. Die Kirche versteht die Szene typologisch als Begegnung der neuen Bundeslade mit Gottes Volk.
Bibeltext
Auszug aus Lk 1,39; 41; 43–44; 56 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 39: In diesen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 41: Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 43: Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
Vers 44: Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 56: Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.
Ex 25,10–22Lade, Zeichen und Christus: Die Bundeszeichen weisen auf den, den Maria trägt
Die Bundeslade bewahrt die Zeichen des Bundes und ist der Ort, an dem Gott Mose begegnet und zu ihm spricht. In typologischer Verbindung mit Hebr 9,4 erkennt die Kirche darin eine Vorausdeutung auf Christus und Maria als seine Trägerin.
Bibeltext
Ich werde dir dort begegnen und dir über der Sühneplatte zwischen den beiden Kerubim, die auf der Lade des Bundeszeugnisses sind, alles sagen, was ich dir für die Israeliten auftragen werde.
Auszug aus Ex 25,22 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Ex 16,32–36Lade, Zeichen und Christus: Die Bundeszeichen weisen auf den, den Maria trägt
Ein Gefäß mit Manna wird vor dem Bundeszeugnis als Erinnerung an Gottes Speisung für kommende Generationen aufbewahrt. Die Kirche sieht im Manna ein Bundeszeichen, dessen Erfüllung in Christus, dem Lebensbrot, liegt; Maria wird typologisch als seine Trägerin verstanden.
Bibeltext
Zu Aaron sagte Mose: Nimm ein Gefäß, schütte ein volles Gomer Manna hinein und stell es vor den HERRN! Es soll für die nachkommenden Generationen aufbewahrt werden. Wie der HERR dem Mose befohlen hatte, stellte Aaron es vor das Bundeszeugnis, damit es dort aufbewahrt würde.
Auszug aus Ex 16,33–34 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Num 17,16–26Lade, Zeichen und Christus: Die Bundeszeichen weisen auf den, den Maria trägt
Aarons Stab sprosst als Zeichen dafür, wen Gott für den Dienst erwählt hat. Die Kirche ordnet dieses Zeichen zusammen mit den anderen Ladezeichen typologisch Christus als dem wahren Hohenpriester zu und erkennt Maria als seine Trägerin.
Bibeltext
Der Mann, den ich erwähle, dessen Stab wird sprossen.
Auszug aus Num 17,16–26 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Hebr 9,4Lade, Zeichen und Christus: Die Bundeszeichen weisen auf den, den Maria trägt
Der Hebräerbrief nennt in der Bundeslade den goldenen Mannakrug, Aarons sprossenden Stab und die Bundestafeln. Die Kirche versteht diese Bundeszeichen als Hinweise auf Christus, das Wort, Lebensbrot und den ewigen Hohenpriester, und auf Maria als seine Trägerin.
Bibeltext
darin waren ein goldener Krug mit dem Manna, der Stab Aarons, der Triebe angesetzt hatte, und die Bundestafeln.
Auszug aus Hebr 9,4 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
1 Kön 8,9Lade, Zeichen und Christus: Die Bundeszeichen weisen auf den, den Maria trägt
Bei der Überführung der Bundeslade in den Tempel befinden sich darin nur die beiden steinernen Bundestafeln. Die Kirche liest die Lade im Zusammenhang der gesamten Schrift typologisch auf Christus hin, dessen Gegenwart Maria trägt.
Bibeltext
In der Lade befanden sich nur die zwei steinernen Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit den Israeliten beim Auszug aus Ägypten geschlossen hatte.
Auszug aus 1 Kön 8,9 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Joh 1,1.14Lade, Zeichen und Christus: Die Bundeszeichen weisen auf den, den Maria trägt
Das ewige Wort ist Gott, bei Gott und wird Fleisch, um unter den Menschen zu wohnen. Die Kirche fasst diesen Befund in der Lehre von der Gottheit Christi und seiner wirklichen Menschwerdung zusammen.
Bibeltext
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. … Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.
Auszug aus Joh 1,1.14 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Joh 6,25–71Lade, Zeichen und Christus: Die Bundeszeichen weisen auf den, den Maria trägt
Jesus führt seine Brotrede bis zur Verbindung von ewigem Leben mit seinem Fleisch und Blut; viele Jünger wenden sich ab, während Petrus bei ihm bleibt. Die Kirche versteht diese Rede als Zeugnis für die Eucharistie.
Bibeltext
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.
Auszug aus Joh 6,54 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Hebr 5–7Lade, Zeichen und Christus: Die Bundeszeichen weisen auf den, den Maria trägt
Der Hebräerbrief bezieht das Priestertum nach der Ordnung Melchisedeks ausdrücklich auf Christus, den ewigen Hohenpriester (Hebr 5,6.10; 6,20). Die Kirche sieht in Melchisedek ein Vorausbild des Priestertums Christi.
Bibeltext
Jeder Hohepriester wird aus den Menschen genommen und für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott, um Gaben und Opfer für die Sünden darzubringen.
Auszug aus Hebr 5,1 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Ex 40,34–35Das Überschatten verbindet Heiligtum und Menschwerdung
Die Wolke bedeckt das Offenbarungszelt, und Gottes Herrlichkeit erfüllt die Wohnstätte so stark, dass Mose nicht eintreten kann. Die Kirche erkennt in dieser Sprache vom Überschatten eine typologische Verbindung zur Menschwerdung Christi in Maria.
Bibeltext
Dann bedeckte die Wolke das Offenbarungszelt und die Herrlichkeit des HERRN erfüllte die Wohnung.
Auszug aus Ex 40,34–35 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Lk 1,26–38Das Überschatten verbindet Heiligtum und Menschwerdung
Der Engel Gabriel verkündet Maria die Geburt Jesu, des Sohnes Gottes, und Maria antwortet mit ihrer Zustimmung zu Gottes Wort. Die Kirche erkennt darin Marias glaubenden Gehorsam und ihre Rolle in der Menschwerdung Christi.
Bibeltext
Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben.
Auszug aus Lk 1,26–38 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Offb 11,19–12,6Vom geöffneten Himmel zur Frau mit dem Kind
Nach der geöffneten himmlischen Tempelvision erscheint die Lade des Bundes, unmittelbar gefolgt von der Frau und ihrem Kind. Die Kirche versteht die Frau auch als Maria, die Mutter des Messias, im umfassenden Bild von Gottesvolk und Kirche.
Bibeltext
Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar: Da begann es zu blitzen, zu dröhnen und zu donnern, es gab ein Beben und schweren Hagel.
Auszug aus Offb 11,19 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Tochter Zion und neue Eva
Zef 3,14–17Tochter Zion empfängt den Messias
Der Prophet ruft die Tochter Zion zur Freude, weil der Herr in ihrer Mitte ist und sein Heil bringt. Die Kirche hört darin einen Anklang an die Verkündigung und versteht Maria als personale Tochter Zion, die Christus im Glauben empfängt.
Bibeltext
Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!
Auszug aus Zef 3,14–17 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Sach 9,9Tochter Zion empfängt den Messias
Sacharja ruft die Tochter Zion zur Freude, weil ihr König zu ihr kommt. Die Kirche verbindet diesen Freudenruf mit der Verkündigung an Maria und versteht sie als Tochter Zion, in der Israels messianische Hoffnung auf Christus zuläuft.
Bibeltext
Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir.
Auszug aus Sach 9,9 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Röm 5,12–21Maria, die neue Eva: Glaube und Gehorsam als Antwort auf Gottes Wort
Paulus stellt Adam und Christus gegenüber: Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod zu allen Menschen; durch den Gehorsam des einen, Jesus Christus, werden die vielen zu Gerechten gemacht, und wo die Sünde mächtig wurde, ist die Gnade übergroß geworden. Die Kirche begründet mit dieser Stelle ihre Lehre von der Erbsünde und bekennt Christus als den neuen Adam (KKK 402–404); die Kirchenväter stellen in diesem Zusammenhang Maria als neue Eva neben ihn (KKK 411).
Bibeltext
Adam, der ein Urbild des Kommenden ist. Doch anders als mit der Übertretung verhält es sich mit der Gnade.
Auszug aus Röm 5,14b–15a · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
1 Kor 15,20–23Mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen
Paulus nennt Christus den Ersten der Entschlafenen: Wie durch Adam der Tod kam, so kommt durch Christus die Auferstehung. Die Kirche bekennt den auferstandenen Christus als Ursache und Urgrund der künftigen Auferstehung aller, die zu ihm gehören (KKK 655); Marias Aufnahme mit Leib und Seele versteht sie als einzigartige Teilhabe an der Auferstehung ihres Sohnes und als Vorwegnahme der Auferstehung der anderen Christen (KKK 966).
Bibeltext
Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
Auszug aus 1 Kor 15,20.22 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
1 Kor 15,45–49Maria, die neue Eva: Glaube und Gehorsam als Antwort auf Gottes Wort
Paulus stellt den ersten Adam als irdisches Lebewesen dem letzten Adam gegenüber, der lebendig machender Geist ist. Die Kirche bekennt mit dieser Stelle Christus als den neuen Adam, der vom Himmel stammt und die neue Schöpfung eröffnet (KKK 504); die Rede der Kirchenväter von Maria als neuer Eva setzt diesen Vorrang Christi voraus (KKK 411).
Bibeltext
Adam, der erste Mensch, wurde ein irdisches Lebewesen. Der letzte Adam wurde lebendig machender Geist.
Auszug aus 1 Kor 15,45 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Königsmutter und gesegnete Frauen
1 Kön 2,19–25Königsmutter und gesegnete Frau: die Sprache, in der Elisabet Maria grüßt
Batseba erhält als Königsmutter einen Thron zur Rechten Salomos und tritt mit einer Bitte vor ihn. Die Kirche sieht in dieser Königsmutter-Tradition eine Vorbereitung auf Marias Stellung an der Seite Christi, dessen Herrschaft und Heil die Mitte bleiben.
Bibeltext
Dann setzte er sich auf seinen Thron und ließ auch für die Königinmutter einen Thron hinstellen.
Auszug aus 1 Kön 2,19–25 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Ri 5,24Königsmutter und gesegnete Frau: die Sprache, in der Elisabet Maria grüßt
Im Siegeslied der Debora wird Jaël unter den Frauen gepriesen. Die Kirche erkennt in solchen biblischen Lob- und Segensworten eine Vorbereitung auf die Sprache, mit der Lukas Maria als gesegnete Mutter des Herrn verkündet.
Bibeltext
Gepriesen sei Jaël unter den Frauen, die Frau des Keniters Heber, gepriesen unter den Frauen im Zelt.
Auszug aus Ri 5,24 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Jdt 13,18Königsmutter und gesegnete Frau: die Sprache, in der Elisabet Maria grüßt
Nach ihrem Sieg nennt Usija Judit von Gott mehr gesegnet als alle anderen Frauen auf der Erde. Die Kirche versteht diese Segensformel als Teil der biblischen Vorbereitung auf Marias einzigartige Beziehung zu Christus und ihre Anrede als gesegnete Frau.
Bibeltext
Usija aber sagte: Meine Tochter, du bist von Gott, dem Allerhöchsten, mehr gesegnet als alle anderen Frauen auf der Erde.
Auszug aus Jdt 13,18 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Von der Schrift zum Bekenntnis der Kirche
Lk 1,34Ist Maria immer Jungfrau geblieben?
Maria fragt bei der Ankündigung der Geburt, wie sie geschehen soll, da sie keinen Mann erkennt. Die Kirche liest diese Frage im Zusammenhang ihrer Bindung an Josef als positiven Hinweis auf ihre jungfräuliche Berufung.
Bibeltext
Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
Auszug aus Lk 1,34 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Lk 2,7Ist Maria immer Jungfrau geblieben?
Lukas nennt Jesus bei seiner Geburt den Erstgeborenen. Der Titel bezeichnet den ersten Sohn in der rechtlichen Ordnung Israels und setzt als solcher keine späteren Geschwister voraus.
Bibeltext
und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.
Auszug aus Lk 2,7 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Mt 1,25Ist Maria immer Jungfrau geblieben?
Matthäus 1,25 sagt zunächst schlicht: Josef lebte mit Maria bis zur Geburt Jesu nicht als Ehemann mit ihr zusammen. Die Formulierung beschreibt den Zeitraum bis zur Geburt. Daraus folgt allein noch keine Aussage über die Zeit danach. Das Wort „bis“ kann eine Grenze nennen, ohne eine spätere Änderung zu behaupten. In 2 Sam 6,23 heißt es in der griechischen Bibel, Michal habe bis zum Tag ihres Todes kein Kind gehabt. Matthäus 28,20 sagt, Christus sei bei seinen Jüngern bis zum Ende der Welt. Das „bis“ verspricht Michal nicht, dass sie nach ihrem Tod doch noch ein Kind bekommt, und es kündigt nicht an, dass Christus seine Jünger nach dem Ende der Welt verlässt. Mt 1,25 kann daher nicht als Einzelbeweis für eine spätere eheliche Gemeinschaft verstanden werden. Zusammen mit den übrigen biblischen Hinweisen und der frühen Überlieferung steht die Stelle mit der Lehre der Kirche in Einklang: Maria blieb immerwährend Jungfrau.
Bibeltext
Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus.
Auszug aus Mt 1,25 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Mt 13,55Ist Maria immer Jungfrau geblieben?
Matthäus 13,55 nennt vier Männer: Jakobus, Josef, Simon und Judas. Beim Lesen entsteht zunächst der moderne Eindruck, diese Männer seien weitere leibliche Söhne Marias und damit Brüder Jesu im heutigen engen Sinn. Der biblische Sprachgebrauch ist weiter. Abraham nennt Lot seinen „Bruder“, obwohl Lot sein Neffe ist (Gen 13,8; 14,12.14 in der griechischen Bibel). Das bedeutet nicht, dass jedes „Bruder“ im biblischen Text „Cousin“ heißt. Es zeigt aber: Die Bezeichnung kann auch einen nahen Verwandten meinen. „Brüder Jesu“ zwingt deshalb sprachlich nicht zu der Annahme, Maria habe nach Jesus weitere Kinder bekommen. Die Kirche liest diese Stelle zusammen mit Mt 1,25, Joh 19,26–27 und ihrer frühen Überlieferung. In diesem Zusammenhang lehrt sie die immerwährende Jungfräulichkeit Marias.
Bibeltext
Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder?
Auszug aus Mt 13,55 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
1 Kor 15,51–54Mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen
Paulus enthüllt ein Geheimnis: Beim letzten Posaunenschall werden die Toten als Unverwesliche auferweckt und die Lebenden verwandelt, denn das Verwesliche muss sich mit Unverweslichkeit bekleiden und das Sterbliche mit Unsterblichkeit. Die Kirche lehrt mit dieser Stelle, dass alle mit ihrem eigenen Leib auferstehen, der in einen verherrlichten Leib verwandelt wird (KKK 999); in Marias Aufnahme mit Leib und Seele sieht sie ein Zeichen dieser Vollendung.
Bibeltext
Die Toten werden als Unverwesliche auferweckt, wir aber werden verwandelt werden.
Auszug aus 1 Kor 15,52b · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Phil 3,20–21Mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen
Paulus erinnert daran, dass die Heimat der Glaubenden im Himmel ist, von wo sie Jesus Christus als Retter erwarten; er wird ihren armseligen Leib in die Gestalt seines verherrlichten Leibes verwandeln. Die Kirche beschreibt mit diesem Wort die Gestalt des auferweckten Leibes (KKK 999) und versteht Marias Aufnahme mit Leib und Seele als Zeichen dieser Hoffnung.
Bibeltext
Der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes.
Auszug aus Phil 3,21 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Röm 8,23Mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen
Paulus schreibt, dass die ganze Schöpfung seufzt und mit ihr auch die Glaubenden, die schon den Geist als Erstlingsgabe haben: Sie warten darauf, mit der Erlösung ihres Leibes als Söhne offenbar zu werden. Die Kirche liest die Stelle im Zusammenhang ihres Bekenntnisses zur Auferstehung des Leibes und zur Erneuerung der ganzen Schöpfung (KKK 1046); in Marias Aufnahme mit Leib und Seele sieht sie diese Hoffnung schon vorweggenommen (KKK 966).
Bibeltext
Auch wir seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.
Auszug aus Röm 8,23 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Röm 8,29–30Mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen
Gott hat die, die er im Voraus erkannt hat, dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben; er beruft sie, macht sie gerecht und verherrlicht sie. Die Kirche führt die Stelle an, wenn sie die Berufung aller Glaubenden zur Heiligkeit darlegt (KKK 2012–2013); Marias Aufnahme mit Leib und Seele versteht sie als besondere Verwirklichung dieser Verherrlichung.
Bibeltext
Die er aber vorausbestimmt hat, die hat er auch berufen, und die er berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.
Auszug aus Röm 8,30 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Wie die Kirche diese Frage durch die Jahrhunderte bezeugt
Kirchenväter, Konzilien und Kirchenlehrer zeigen, wie Christen die Schrift zu dieser Frage gelesen und gelebt haben. Ihr Wortlaut steht jeweils bei der Frage, die er stützt.
Jede Frage zu Maria einzeln geprüft
Jeder Schritt prüft eine Bibelstelle genau: was sie sagt, was sie zum Argument beiträgt und welcher Einwand sich an ihr festmacht.
Seligpreisung und Fürbitte
Neue Eva
Neue Bundeslade: Von der Lade zu Christus
Tochter Zion und neue Eva
Königsmutter und gesegnete Frauen
Die Begriffe dieses Themas kurz erklärt
Wo das Argument weiterführt
Betrachten und beten
Maria führt aus sich heraus zu Christus. In ihr zeigt die Kirche, was Gottes Gnade an einem Menschen wirkt: eine empfangene Berufung, treuer Gehorsam und die Hoffnung auf die Verherrlichung des ganzen Menschen. Ihre Bedeutung wächst nicht auf Kosten Christi. Sie macht sichtbar, was Christus schenkt.
Herr Jesus Christus, Sohn Gottes und Sohn Marias, schenke deiner Kirche einen Glauben, der deine Menschwerdung bekennt und die Gnade in Maria erkennt. Führe uns auf dem Weg des Gehorsams zu deiner Herrlichkeit.