Mutter und Jünger unter dem Kreuz
Jesus vertraut seine Mutter dem geliebten Jünger an und den Jünger seiner Mutter.
Kernaussage
Jesus vertraut seine Mutter dem geliebten Jünger an und den Jünger seiner Mutter.
Schlüsselfrage
Warum nimmt Maria im katholischen Glauben einen so besonderen Platz ein?
Katholische Auslegung
Maria empfängt Gottes Gnade, trägt den menschgewordenen Sohn Gottes und steht in den Evangelien an entscheidenden Stationen seines Lebens. Die katholische Kirche ehrt sie als Mutter Gottes, als bleibendes Zeichen der Kirche und als Fürsprecherin. Die Lehren von ihrer immerwährenden Jungfräulichkeit, ihrer unbefleckten Empfängnis und ihrer Aufnahme in den Himmel werden als verbindliche katholische Dogmen verstanden. Ihre biblische Grundlage liegt in mehreren miteinander verbundenen biblischen Aussagen und Bezügen, nicht in einem einzelnen Beweisvers.
Im Zusammenhang
Aussage und Kontext
Die Szene spielt unter dem Kreuz. Zunächst geht es um eine konkrete gegenseitige Sorge in einer dramatischen Situation.
Die katholische Kirche liest diese Szene zusätzlich als Hinweis auf eine geistliche Mutterschaft Marias gegenüber den Jüngern. Der geliebte Jünger kann dabei stellvertretend für die Jünger Jesu stehen. Die konkrete familiäre Sorge bleibt Teil des unmittelbaren Sinns.
Joh 19,26–27
Jesus vertraut Maria und den geliebten Jünger einander an.
Bibeltext in der EÜ 2016 öffnenEinwand und Antwort
Den Einwand prüfen
Im Text geht es um die Versorgung zweier Menschen; eine kirchliche Symbolik wird nicht ausdrücklich genannt.
Katholische Antwort
Die konkrete Sorge wird dadurch nicht aufgehoben. Die katholische Deutung berücksichtigt den unmittelbaren Sinn und liest die Szene zugleich im Zusammenhang mit Jesu Jüngerschaft und der Rolle Marias im Johannesevangelium.
Was die Kirche nicht meint
Die geistliche Mutterschaft ist eine katholische kumulative Lesart. Der Vers formuliert sie nicht als technische Definition und beweist für sich allein keine umfassende Marienlehre.
Biblischer Zusammenhang
Die ganze Argumentation
Maria wird seliggepriesen
Lukas nennt Maria in besonderer Weise begnadet, gesegnet unter den Frauen und Mutter des Herrn. Maria selbst sagt: Alle Generationen werden sie seligpreisen.
Maria bringt die Not nach Kana
Maria weist Jesus auf den Mangel an Wein hin. Danach geschieht in Kana das erste Zeichen Jesu.
Mutter und Jünger unter dem Kreuz
Jesus vertraut seine Mutter dem geliebten Jünger an und den Jünger seiner Mutter.
Die biblischen Bezüge von Eva zu Maria
Die Frau aus Gen 3,15, Maria bei Kana und unter dem Kreuz sowie die Frau aus Offb 12 bilden eine typologische Folge.
Maria als neue Bundeslade
Zwischen der Bundeslade in 2 Sam 6 und Maria in Lk 1 bestehen mehrere erzählerische Parallelen.
Die immerwährende Jungfräulichkeit
Die katholische Kirche bekennt Maria als immerwährende Jungfrau. Die biblische Argumentation berücksichtigt die Verwandtschaftssprache der Bibel, weitere Angaben zu Jakobus und Josef sowie die Szene unter dem Kreuz.
Zwei verbindliche katholische Dogmen
Die unbefleckte Empfängnis und die Aufnahme Marias in den Himmel sind verbindliche katholische Dogmen. Die Bibel enthält keinen einzelnen Satz, der eines dieser Dogmen technisch vollständig definiert.
Quellen und HinweiseKKK 74–1419, 1472–1553 · EÜ 2016 · KKK 484–511, 963–975
Schrift
- Einheitsübersetzung 2016EÜ 2016
Verlinkte Schriftgrundlage; geschützte Langzitate werden nicht übernommen.
Katechismus
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 74–1419, 1472–1553
Offizieller Gesamttext; die verwendeten Themenbereiche sind mit konkreten Absatzangaben verknüpft.
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 484–511, 963–975
Maria im Christusgeheimnis und in der Kirche.
Konzilien und Lehramt
- Lumen gentiumLG 10, 18–29, 49–69
Lehramtliche Grundlage zu Kirche, Amt, Heiligen und Maria.
- Lumen gentiumLG 52–69
Maria im Geheimnis Christi und der Kirche.