Bibelstelle · EÜ 2016
Mt 16,18–19
Auf das Bekenntnis des Simon antwortet Jesus mit der Verheißung: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“; er verspricht ihm die Schlüssel des Himmelreichs und die Vollmacht, zu binden und zu lösen. Die Kirche erkennt darin, dass Christus Petrus zum Felsen seiner Kirche bestimmt, und versteht von hier aus den bleibenden Petrusdienst für die Einheit der ganzen Kirche (KKK 881).
Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Auszug
Auszug aus Mt 16,18–19
Bibeltext
Auszug aus Mt 16,18–19 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 18: Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Vers 19: Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.
Wer hier spricht und in welcher Lage
Im Gebiet von Cäsarea Philippi fragt Jesus seine Jünger zuerst, für wen die Menschen den Menschensohn halten, und dann, für wen sie selbst ihn halten; Simon Petrus antwortet: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16,13–16). Jesus preist ihn selig, weil der Vater im Himmel ihm das offenbart hat, und antwortet mit einer Verheißung, die er in der zweiten Person Singular an Simon richtet (16,17–19). Unmittelbar danach kündigt Jesus zum ersten Mal sein Leiden an und weist den Widerspruch des Petrus scharf zurück (16,21–23).
In den Themen
Warum diese Stelle hier wichtig ist
Eine Stelle trägt oft mehr als eine Glaubensfrage. Bei jeder steht, was sie zum Argument beiträgt und wo das Argument weitergeht.
Der Fels und die Schlüssel des Himmelreichs
Die Stelle bezeugt eine herausgehobene, mit Schlüsselgewalt verbundene Sendung des Petrus im Dienst an der Kirche.
Der Schlüssel des Hauses David
Die neutestamentliche Schlüsselverheißung nimmt das Motiv des davidischen Hausverwalters auf und führt es auf den Dienst an Christi Kirche hin.
Christus sendet seine Kirche und verheißt ihr den Geist
Der Text trägt den Zusammenhang von kirchlicher Vollmacht, Petrusdienst und der von Christus gestifteten Kirche bei.
Wie Christus seiner Kirche das Binden und Lösen anvertraut
Die Stelle begründet die besondere Verantwortung des Petrus und der Kirche für verbindliche Ordnung und Zugehörigkeit.
Wie Christus seiner Kirche Vollmacht zur Wiederherstellung anvertraut
Die Stelle fügt sich in das biblische Gesamtzeugnis einer von Christus verliehenen kirchlichen Vollmacht ein.
Das Dogma der Unfehlbarkeit ist eine spätere Präzisierung
Die Stelle bildet den biblischen Grund des petrinischen Dienstes, den die spätere kirchliche Lehre hinsichtlich seines Schutzes und seiner Ausübung präzisiert.
Der Petrusdienst markiert die spezifisch katholische Frage
Die Stelle trägt die besondere Stellung und Vollmacht des Petrus im Apostelkreis.
Christus betet um die Einheit aller, die durch das apostolische Wort glauben
In dieser Route zeigt die Stelle die Gestalt, die Christus der Einheit seiner Kirche selbst gibt: die Bitte um Einheit und die Übertragung der Schlüssel kommen aus einem Auftrag desselben Herrn, und darum liest die Route das Einheitsgebet und das Amt an Petrus als zwei Seiten dieses Auftrags.
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Stellen, die mit dieser zusammen gelesen werden
Kirchliche Zeugen
Zeugnis der Kirche durch die Jahrhunderte
Die Zeugnisse von Kirchenvätern, Kirchenlehrern, Konzilien und dem Lehramt zeigen, wie die Kirche diese Stelle verstanden hat.
Didache
Die Didache verbindet das Sündenbekenntnis mit der kirchlichen Versammlung und mit dem Gebet in reinem Gewissen.
In der Kirche sollst du deine Übertretungen bekennen, und du sollst nicht zum Gebet mit einem schlechten Gewissen herantreten. Dies ist der Weg des Lebens.
Didache · Didache 4,14; 14,1 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Gemeinsames Sündenbekenntnis in der Gemeinde vor dem Gebet als frühe Buß- und Bekenntnispraxis.
Die Grenze: Wer der Versammlung vorsteht und die Versöhnung zuspricht, sagt die Didache an diesen Stellen nicht; die spätere Einzelbeichte beschreibt sie noch nicht.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Die Didache führt am Ende des Zwei-Wege-Traktats das Bekenntnis der Übertretungen in der Gemeinde als Voraussetzung reinen Gebets an; Kapitel 14 verbindet es mit der sonntäglichen Eucharistiefeier. Die Didache wird meist um das Jahr 100 datiert; der genaue Zeitpunkt ist umstritten.
Historischer Text
In der Kirche sollst du deine Übertretungen bekennen, und du sollst nicht zum Gebet mit einem schlechten Gewissen herantreten. Dies ist der Weg des Lebens. ... Am Herrentag aber versammelt euch, brecht Brot und sagt Dank, nachdem ihr zuvor eure Übertretungen bekannt habt, damit euer Opfer rein sei.
Vollständigen historischen Text öffnen: DidacheWarum diese Stelle wichtig ist
Die Didache bezeugt das Sündenbekenntnis als festen Bestandteil der kirchlichen Versammlung und Eucharistie und ist damit einer der frühesten Zeugen kirchlicher Bußpraxis.
Irenäus von Lyon
Irenäus von Lyon bezeugt um 180 in Adversus haereses III,3,2–3 die von Petrus und Paulus gegründete und eingerichtete Kirche in Rom, die durch die Nachfolge der Bischöfe bis in seine Zeit gelangte apostolische Überlieferung und Roms herausragende Stellung als Bezugspunkt kirchlicher Übereinstimmung.
Die sehr große, sehr alte und allbekannte Kirche, die in Rom von den ruhmreichsten Aposteln Petrus und Paulus gegründet und eingerichtet wurde, besitzt die von den Aposteln herkommende Überlieferung und die Verkündigung, die durch die Nachfolge der Bischöfe bis zu uns gelangt ist. […] Mit dieser Kirche muss wegen ihrer herausragenden Stellung [potentiorem principalitatem] jede Kirche übereinstimmen [convenire], das heißt die Gläubigen von überall.
Gegen die Häresien, Buch III · Adversus haereses III,3,2–3 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Irenäus bezeugt die von den Aposteln Petrus und Paulus in Rom gegründete und eingerichtete Kirche, die von den Aposteln herkommende Überlieferung, ihre Weitergabe durch die Nachfolge der Bischöfe (Linus, Anacletus, Clemens) und Roms herausragende Stellung als Bezugspunkt der Übereinstimmung aller Kirchen.
Die Grenze: Irenäus bezeugt den Vorrang Roms als Maßstab der apostolischen Überlieferung; die rechtliche Gestalt dieses Vorrangs hat das Erste Vatikanische Konzil später bestimmt und dabei gerade dieses Wort aufgenommen (DS 3057; KKK 834).
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Irenäus argumentiert gegen geheime Lehren mit der öffentlichen apostolischen Überlieferung und der Bischofsnachfolge. In diesem kurzen Ausschnitt tritt die römische Kirche als besonderer Bezugspunkt seines Sukzessionsarguments hervor.
Historischer Text
Die sehr große, sehr alte und allbekannte Kirche, die in Rom von den ruhmreichsten Aposteln Petrus und Paulus gegründet und eingerichtet wurde, besitzt die von den Aposteln herkommende Überlieferung und die Verkündigung, die durch die Nachfolge der Bischöfe bis zu uns gelangt ist. […] Mit dieser Kirche muss wegen ihrer herausragenden Stellung [potentiorem principalitatem] jede Kirche übereinstimmen [convenire], das heißt die Gläubigen von überall. In ihr ist die von den Aposteln stammende Überlieferung von denen, die von überall her sind, stets bewahrt worden. […] Nachdem die seligen Apostel die Kirche gegründet und eingerichtet hatten, übergaben sie Linus das Bischofsamt zur Leitung der Kirche; auf ihn folgte Anacletus, und an dritter Stelle nach den Aposteln wurde Clemens Bischof.
Vollständigen historischen Text öffnen: Irenäus von LyonWarum diese Stelle wichtig ist
Der Abschnitt nennt die von den Aposteln Petrus und Paulus gegründete und eingerichtete Kirche in Rom, die von den Aposteln herkommende Überlieferung, die Bischofsfolge Linus, Anacletus und Clemens und weist Rom innerhalb des öffentlichen Sukzessionsarguments eine herausgehobene Referenzstellung zu. Er zeigt damit, wie Rom im zweiten Jahrhundert als Bezugspunkt der einen apostolischen Verkündigung galt.
Weitere historische Zeugnisse (6)
Tertullian
Tertullian beschreibt die kirchliche Exomologesis als öffentliche Bußhandlung mit Sündenbekenntnis, Genugtuung und Fürbitte der Brüder.
Diese Handlung, die gewöhnlich mit einem griechischen Namen bezeichnet und ausgesprochen wird, ist die Exomologesis, durch die wir dem Herrn unsere Sünden bekennen — nicht als ob er sie nicht kennte, sondern weil durch das Bekenntnis die Genugtuung geregelt wird, aus dem Bekenntnis die Buße geboren wird, durch die Buße Gott versöhnt wird.
Über die Buße · De paenitentia 9,2–4 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Eine zweite, nur einmal mögliche Buße nach der Taufe, die öffentlich vor den Presbytern geleistet wird und die Tertullian bereits mit dem Begriff der Genugtuung (satisfactio) verbindet.
Die Grenze: Tertullian beschreibt noch nicht die spätere, wiederholbare Einzelbeichte mit Lossprechungsformel; die von ihm bezeugte Buße ist öffentlich und nur einmal möglich.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Tertullian behandelt in De paenitentia die zweite Bußmöglichkeit nach der Taufe und beschreibt in Kapitel 9 die kirchliche Exomologesis als öffentliche Bußhandlung.
Historischer Text
Diese Handlung, die gewöhnlich mit einem griechischen Namen bezeichnet und ausgesprochen wird, ist die Exomologesis, durch die wir dem Herrn unsere Sünden bekennen — nicht als ob er sie nicht kennte, sondern weil durch das Bekenntnis die Genugtuung geregelt wird, aus dem Bekenntnis die Buße geboren wird, durch die Buße Gott versöhnt wird. ... Sie gebietet, das Gebet häufig durch Fasten zu stärken, zu seufzen, zu weinen und Tag und Nacht zum Herrn zu rufen, vor den Presbytern niederzufallen, vor den Lieblingen Gottes die Knie zu beugen und alle Brüder um ihre Fürbitte zu bitten.
Vollständigen historischen Text öffnen: TertullianWarum diese Stelle wichtig ist
Tertullian bezeugt die kirchliche Vermittlung der Vergebung zwischen Taufe und Tod als geordneten Prozess mit Bekenntnis, Genugtuung und Fürbitte der Brüder.
Cyprian von Karthago
Cyprian verbindet den Ursprung der Einheit bei einem Einzigen mit der Gleichheit der Apostel in Ehre und Vollmacht.
Auf einen baut er die Kirche. Und obwohl er allen Aposteln nach seiner Auferstehung eine gleiche Vollmacht gibt und sagt: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende auch ich euch: Empfangt den Heiligen Geist: Wem immer ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; und wem immer ihr sie behaltet, dem sind sie behalten; so ordnete er doch, um die Einheit darzustellen, durch seine Vollmacht den Ursprung dieser Einheit an, die bei einem Einzigen beginnt. Gewiss, die übrigen Apostel waren auch dasselbe, was Petrus war, ausgestattet mit einer gleichartigen Teilhabe sowohl an Ehre als auch an Macht; aber der Anfang geht von der Einheit aus, damit die Kirche Christi als eine erwiesen werde.
Über die Einheit der Kirche (De unitate ecclesiae) · De unitate ecclesiae 4 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Cyprian bezeugt den Ursprung der Einheit bei einem Einzigen und die Gleichheit der Apostel in Ehre und Vollmacht.
Die Grenze: Cyprian denkt die Einheit vom einen Bischofsamt her, an dem alle Bischöfe teilhaben. Zugleich heißt es in einer zweiten überlieferten Fassung dieses Kapitels ausdrücklich, Petrus werde der Primat gegeben, damit eine Kirche und ein Lehrstuhl gezeigt würden, und in Brief 59,14 nennt Cyprian Rom „den Stuhl Petri und die Hauptkirche, von der die Einheit des Priestertums ausgegangen ist“. Wie weit eine Entscheidung des Bischofs von Rom die anderen Bischöfe bindet, hat er im Streit um die von Häretikern gespendete Taufe bestritten.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Cyprian verbindet Petrus, die Einheit der Kirche und die Gleichheit der Apostel.
Historischer Text
Der Herr spricht zu Petrus und sagt: Ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Und ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; und was immer du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein, und was immer du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein. Und wiederum sagt er nach seiner Auferstehung zu demselben: Weide meine Schafe. Auf einen baut er die Kirche. Und obwohl er allen Aposteln nach seiner Auferstehung eine gleiche Vollmacht gibt und sagt: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende auch ich euch: Empfangt den Heiligen Geist: Wem immer ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; und wem immer ihr sie behaltet, dem sind sie behalten; so ordnete er doch, um die Einheit darzustellen, durch seine Vollmacht den Ursprung dieser Einheit an, die bei einem Einzigen beginnt. Gewiss, die übrigen Apostel waren auch dasselbe, was Petrus war, ausgestattet mit einer gleichartigen Teilhabe sowohl an Ehre als auch an Macht; aber der Anfang geht von der Einheit aus, damit die Kirche Christi als eine erwiesen werde.
Vollständigen historischen Text öffnen: Cyprian von KarthagoWarum diese Stelle wichtig ist
Cyprian lässt die Einheit bei einem Einzigen beginnen, obwohl alle Apostel gleiche Ehre und Vollmacht empfangen. Wie beides zusammengehört, sagt Leo der Große: Unter den Aposteln war „bei der Ähnlichkeit ihrer Würde dennoch eine gewisse Verschiedenheit der Gewalt“, und nur einem war gegeben, „dass er über die Übrigen hervorragte“ (Brief 14,11).
Konzil von Sardica
Sardica regelt allgemein, dass ein verurteilter Bischof sich an den Bischof von Rom wenden kann, und begründet das mit dem Gedenken an den Apostel Petrus.
Zur Ehre des Gedenkens an den Apostel Petrus sollen diejenigen, die das Urteil gefällt haben, an Julius, den Bischof von Rom, schreiben, damit der Fall, wenn es nötig ist, von den Bischöfen der benachbarten Provinzen erneut verhandelt wird und er Schiedsrichter ernennt; wenn aber nicht gezeigt werden kann, dass sein Fall von solcher Art ist, dass er einen neuen Prozess erfordert, soll das einmal ergangene Urteil nicht aufgehoben werden, sondern wie zuvor bestehen bleiben.
Kanones von Sardica · Konzil von Sardica, Kanon 3 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Sardica bezeugt eine römische Appellationsrolle mit petrinischer Begründung.
Die Grenze: Sardica regelt die erneute Prüfung eines Bischofsurteils und verbindet sie mit dem Bischof von Rom; die volle Leitungsgewalt über die ganze Kirche hat das Erste Vatikanische Konzil später bestimmt.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Sardica regelt die erneute Prüfung eines Bischofsurteils und die Rolle des Bischofs von Rom.
Historischer Text
Wenn also ein Bischof in irgendeiner Sache verurteilt worden ist und seinen Fall nicht für schlecht, sondern für gut hält, soll die Frage, wenn es eurer Liebe gut erscheint, wieder aufgenommen werden. Zur Ehre des Gedenkens an den Apostel Petrus sollen diejenigen, die das Urteil gefällt haben, an Julius, den Bischof von Rom, schreiben, damit der Fall, wenn es nötig ist, von den Bischöfen der benachbarten Provinzen erneut verhandelt wird und er Schiedsrichter ernennt; wenn aber nicht gezeigt werden kann, dass sein Fall von solcher Art ist, dass er einen neuen Prozess erfordert, soll das einmal ergangene Urteil nicht aufgehoben werden, sondern wie zuvor bestehen bleiben.
Vollständigen historischen Text öffnen: Konzil von SardicaWarum diese Stelle wichtig ist
Der Text bezeugt eine mit Petrus begründete römische Berufungsfunktion, verbindet sie aber mit einem örtlichen Verfahren zur erneuten Verhandlung.
Augustinus
Augustinus verbindet weltweite Übereinstimmung, Alter, Sukzession vom Sitz Petri und kirchliche Autorität mit dem Zugang zum Evangelium.
Die Zustimmung der Völker und Nationen hält mich in der Kirche; so auch ihre Autorität, begründet durch Wunder, genährt durch Hoffnung, erweitert durch Liebe, gefestigt durch Alter. Die Sukzession der Priester hält mich, beginnend vom Stuhle des Apostels Petrus, dem der Herr nach seiner Auferstehung auftrug, seine Schafe zu weiden, bis zum gegenwärtigen Episkopat. ... Ich sollte das Evangelium nicht glauben, wenn mich nicht die Autorität der katholischen Kirche dazu bewegt hätte.
Gegen den „Fundament-Brief“ der Manichäer · Contra epistulam Manichaei 4,5; 5,6 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Augustinus nennt, was ihn in der katholischen Kirche hält: die Zustimmung der Völker, ihre durch das Alter gefestigte Autorität und die Bischofsfolge seit dem Stuhl Petri. Diese Autorität der Kirche hat ihn zum Glauben an das Evangelium bewogen; der Katechismus zitiert diesen Satz (KKK 119).
Die Grenze: Dass das Evangelium nur gelte, weil die Kirche es sage, behauptet Augustinus damit nicht; die Sukzession vom Sitz Petri dient ihm als historisches Argument gegen die Neuheit Manis.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Augustinus schreibt um 396/397 gegen die Manichäer, die sich mit Manis „Fundament-Epistel“ als wahre Kirche Christi ausgeben. Er zählt die Gründe, die ihn in der katholischen Kirche halten, und wendet sie argumentativ gegen den Neuheitsanspruch Manis.
Historischer Text
Die Zustimmung der Völker und Nationen hält mich in der Kirche; so auch ihre Autorität, begründet durch Wunder, genährt durch Hoffnung, erweitert durch Liebe, gefestigt durch Alter. Die Sukzession der Priester hält mich, beginnend vom Stuhle des Apostels Petrus, dem der Herr nach seiner Auferstehung auftrug, seine Schafe zu weiden, bis zum gegenwärtigen Episkopat. ... Ich sollte das Evangelium nicht glauben, wenn mich nicht die Autorität der katholischen Kirche dazu bewegt hätte.
Vollständigen historischen Text öffnen: AugustinusWarum diese Stelle wichtig ist
Augustinus verbindet weltweite katholische Übereinstimmung, Alter, Sukzession vom Sitz Petri und kirchliche Autorität mit dem Zugang zum Evangelium — Evangelium und Kirche erscheinen nicht isoliert.
Leo der Große
Leo beschreibt einen Anspruch universaler Sorge kraft göttlicher Einsetzung und überträgt Vollmacht in einem Stellvertretungsverhältnis.
Denn da meine Vorgänger gegenüber den euren so handelten, habe auch ich, Geliebter, ihrem Beispiel folgend, meine Vollmacht an dich übertragen, damit du, indem du unsere Milde nachahmst, uns bei der Sorge hilfst, die wir kraft göttlicher Einsetzung vor allem allen Kirchen schulden, und damit du bis zu einem gewissen Grad unsere persönliche Gegenwart ersetzt, indem du jene Provinzen besuchst, die von uns weit entfernt sind.
Brief 14 an Anastasius von Thessaloniki · Leo der Große, Epistula 14, 1 (um 446) · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Leo bezeugt übertragene Vollmacht zur Unterstützung der Sorge, die kraft göttlicher Einsetzung allen Kirchen geschuldet wird.
Die Grenze: Leo begründet die Sorge für alle Kirchen mit göttlicher Einsetzung und übt sie in einem Stellvertretungsverhältnis aus; die rechtliche Fassung dieser Vollmacht für die ganze Kirche hat das Erste Vatikanische Konzil später bestimmt.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Leo beschreibt die von ihm delegierte Vollmacht des Anastasios von Thessaloniki im Rahmen einer Sorge für die Kirchen.
Historischer Text
Denn da meine Vorgänger gegenüber den euren so handelten, habe auch ich, Geliebter, ihrem Beispiel folgend, meine Vollmacht an dich übertragen, damit du, indem du unsere Milde nachahmst, uns bei der Sorge hilfst, die wir kraft göttlicher Einsetzung vor allem allen Kirchen schulden, und damit du bis zu einem gewissen Grad unsere persönliche Gegenwart ersetzt, indem du jene Provinzen besuchst, die von uns weit entfernt sind.
Vollständigen historischen Text öffnen: Leo der GroßeWarum diese Stelle wichtig ist
Der Text zeigt die Entwicklung eines römischen Anspruchs auf eine universale kirchliche Sorge, die durch delegierte Stellvertretung ausgeübt wird.
Konzil von Chalcedon
Kanon 28 begründet die Vorrechte des alten Rom mit seiner kaiserlichen Stellung und gewährt dem Neuen Rom aus derselben Erwägung gleiche Vorrechte.
Denn die Väter gewährten dem Sitz des alten Rom mit Recht Vorrechte, weil es die kaiserliche Stadt war. Und die einhundertfünfzig frommsten Bischöfe gaben, von derselben Erwägung bewegt, dem heiligsten Sitz des Neuen Rom gleiche Vorrechte, da sie zu Recht urteilten, dass die Stadt, die durch die Herrschaft und den Senat geehrt wird und gleiche Vorrechte wie das alte kaiserliche Rom genießt, auch in kirchlichen Angelegenheiten ebenso verherrlicht werden und unmittelbar nach ihm rangieren soll.
Konzil von Chalcedon · Konzil von Chalcedon, Kanon 28 (451) · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Chalcedon führt die Vorrechte des alten Rom auf seine Stellung als Kaiserstadt zurück und gewährt dem Neuen Rom aus derselben Erwägung gleiche Vorrechte.
Die Grenze: Kanon 28 ordnet Konstantinopel unmittelbar nach Rom ein und begründet diese Rangfolge politisch; er bestreitet den Vorrang Roms nicht, gibt ihm aber einen anderen Grund als die Nachfolge Petri.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Kanon 28 behandelt die Vorrechte Roms und Konstantinopels innerhalb der kirchlichen Rangordnung.
Historischer Text
Indem wir in allem den Entscheidungen der heiligen Väter folgen und den Kanon anerkennen, der soeben verlesen wurde, nämlich den Kanon der einhundertfünfzig gottgeliebten Bischöfe, die sich in der kaiserlichen Stadt Konstantinopel, dem Neuen Rom, zur Zeit des Kaisers Theodosius seligen Andenkens versammelt hatten, bestimmen und beschließen auch wir dasselbe über die Vorrechte der heiligsten Kirche von Konstantinopel, dem Neuen Rom. Denn die Väter gewährten dem Sitz des alten Rom mit Recht Vorrechte, weil es die kaiserliche Stadt war. Und die einhundertfünfzig frommsten Bischöfe gaben, von derselben Erwägung bewegt, dem heiligsten Sitz des Neuen Rom gleiche Vorrechte, da sie zu Recht urteilten, dass die Stadt, die durch die Herrschaft und den Senat geehrt wird und gleiche Vorrechte wie das alte kaiserliche Rom genießt, auch in kirchlichen Angelegenheiten ebenso verherrlicht werden und unmittelbar nach ihm rangieren soll.
Vollständigen historischen Text öffnen: Konzil von ChalcedonWarum diese Stelle wichtig ist
Kanon 28 zeigt, dass im Osten der Rang der Bischofssitze auch mit der politischen Bedeutung der Städte begründet wurde. Rom hat diese Begründung nicht angenommen: Leo der Große verweigerte dem Kanon die Zustimmung und hielt an der Ordnung von Nizäa fest.
Quellen und HinweiseKKK 880–887 · KKK 65–67, 84–95, 232–267, 464–469, 888–892 · KKK 1420–1498
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