Vollmacht zur Wiederherstellung
Wie Christus seiner Kirche Vollmacht zur Wiederherstellung anvertraut
Christus vertraut seiner Kirche einen wirklichen Dienst an Schuld und Gemeinschaft an. Die Schrift zeigt diese Vollmacht in der Vergebung und im Behalten von Sünden, in der verantworteten Entscheidung der Gemeinde und in der apostolischen Aufhebung einer auferlegten Strafe. Darauf gründet die Lehre der Kirche, dass die anvertrauten Schlüssel auch den Erlass zeitlicher Strafe umfassen können, die nach der Vergebung der Schuld verbleibt.
5 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die anvertrauten Schlüssel Bibel und Textverständnis
Christus verbindet kirchliche Vollmacht mit ihrer Bedeutung vor Gott
Matthäus 16 stellt die Schlüssel und das Binden und Lösen in den Zusammenhang der Kirche, die Christus selbst baut.
Auszug aus Mt 16,18–19 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 18: Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Vers 19: Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus verheißt Petrus die Schlüssel und die Vollmacht des Bindens und Lösens.
Jesus kündigt Simon den Bau seiner Kirche an und verheißt ihr Bestand. Danach spricht er von den Schlüsseln des Himmelreichs und von der Vollmacht, auf Erden zu binden und zu lösen. Diese Vollmacht ist eine von Christus übertragene Verantwortung.
Die Verheißung verbindet das Handeln auf Erden mit seiner Bedeutung im Himmel. Matthäus gibt damit den Grund dafür an, kirchliche Entscheidungen über Schuld und Gemeinschaft als Dienst unter Christi Auftrag zu verstehen. Die konkrete Ausübung dieser Verantwortung wird durch die weiteren Schriftzeugnisse sichtbar.
Schuld und Gemeinschaft Bibel und Textverständnis
Die Gemeinde urteilt über Schuld, damit ein Bruder zurückkehrt
Matthäus 18 beschreibt das Binden und Lösen im Zusammenhang mit Korrektur, Ausschluss und der Wiedergewinnung eines Bruders.
Auszug aus Mt 18,17–18 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 17: Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
Vers 18: Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus ordnet den Umgang mit Schuld in der kirchlichen Gemeinschaft und spricht den Jüngern Binde- und Lösevollmacht zu.
Jesus ordnet den Umgang mit einem sündigenden Bruder in mehreren Schritten. Auf die persönliche Zurechtweisung folgen das Zeugnis anderer und die Entscheidung der Kirche. Der Zusammenhang zielt auf die Gewinnung des Bruders; die beharrliche Weigerung berührt schließlich seine Gemeinschaft mit der Gemeinde.
Unmittelbar danach spricht Jesus vom Binden und Lösen in der Mehrzahl. Die Vollmacht betrifft damit eine verantwortete Entscheidung über Schuld und Gemeinschaft. Ihre Ausrichtung auf die Wiedergewinnung zeigt, dass kirchliche Ordnung hier dem Dienst der Versöhnung dient.
Die Sendung des Auferstandenen Bibel und Textverständnis
Jesus übergibt den Aposteln einen Dienst an der Schuld
Johannes 20 verbindet die österliche Sendung, den Heiligen Geist und die Vollmacht, Sünden zu vergeben oder zu behalten.
Auszug aus Joh 20,21–23 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 21: Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Vers 22: Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
Vers 23: Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus sendet die Apostel im Heiligen Geist und überträgt ihnen ausdrücklich das Vergeben und Behalten von Sünden.
Der Auferstandene sendet die Apostel, wie der Vater ihn gesandt hat, und gibt ihnen den Heiligen Geist. In derselben Sendung spricht er von Sünden, die sie vergeben oder behalten. Die Apostel empfangen damit einen von Christus stammenden Dienst, in dem die Versöhnung mit Gott und der Kirche geordnet wird.
Johannes 20 benennt ausdrücklich die Vollmacht an der Schuld. Zusammen mit Matthäus wird sichtbar, dass Christi Auftrag sowohl die Vergebung als auch eine verantwortete Entscheidung über die Gemeinschaft umfasst. Wie eine solche Vollmacht an einer konkreten kirchlichen Strafe ausgeübt wird, zeigt Paulus im zweiten Korintherbrief.
Apostolische Entscheidung Bibel und Textverständnis
Paulus kann eine kirchliche Strafe im Namen Christi beenden
2 Korinther 2 zeigt einen Apostel, der eine von der Mehrheit auferlegte Strafe für ausreichend erklärt und zur Vergebung und erneuerten Liebe anweist.
Wem ihr aber verzeiht, dem verzeihe auch ich. Denn auch ich habe, wenn hier etwas zu verzeihen war, im Angesicht Christi um euretwillen verziehen.
Auszug aus 2 Kor 2,10 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus verbindet kirchliche Zurechtweisung mit Vergebung und Wiederaufnahme eines reuigen Gemeindeglieds.
Paulus schreibt, dass die von der Mehrheit auferlegte Strafe für den Betroffenen ausreicht. Er fordert Vergebung, Trost und erneuerte Liebe. Danach erklärt er, dass auch er vergibt, wo es etwas zu vergeben gab, und dies im Angesicht Christi tut.
Der Abschnitt erzählt von einer apostolischen Entscheidung über eine konkrete kirchliche Strafe. Ein apostolischer Dienst kann eine auferlegte Maßnahme beenden, wenn die Wiederaufnahme in die Gemeinschaft ansteht. Diese Handlung liefert den konkreten biblischen Bezug für die Frage nach einer von Christus verliehenen Vollmacht, die eine Strafe im Dienst der Wiederherstellung lösen kann.
Die Lehre der Kirche Glaube und Überlieferung
Kirchliche Zucht ist anerkannt – warum soll daraus Erlass vor Gott folgen?
Die Kirche verbindet Christi Schlüsselgewalt, apostolische Wiederherstellung und die Anwendung seiner Heilsfrüchte auf die zeitliche Strafe.
Die Schrift bezeugt Sündenvergebung, Gemeindekorrektur und das Ende einer kirchlichen Strafe. Auch das Westminster-Bekenntnis erkennt eine von Christus eingesetzte Kirchenregierung und die Schlüssel an. Es verbindet die Diener mit der Verkündigung des Evangeliums und der kirchlichen Zucht; diese Zucht soll den Übertreter zurückgewinnen. Damit ist eine geistliche Funktion kirchlicher Leitung anerkannt. Strittig ist erst die weitere Folgerung: Wie kann die Aufhebung einer kirchlichen Strafe auch eine Zuständigkeit für zeitliche Strafe vor Gott tragen?
Die Kirche beantwortet diese Frage aus dem Zusammenhang des anvertrauten Dienstes. Christus übergibt seinen Aposteln Vollmacht an der Schuld; Matthäus verbindet das Binden und Lösen mit seiner Bedeutung im Himmel; Paulus zeigt eine apostolische Entscheidung, die eine auferlegte Strafe beendet. Die Kirche empfängt diese Vollmacht als Dienst an der Wiederherstellung des ganzen Menschen vor Gott. Der Katechismus beschreibt deshalb, wie sie ihre Bindungs- und Lösegewalt auf einzelne Gläubige ausübt und aus den Verdiensten Christi und der Heiligen beim Vater den Erlass zeitlicher Strafe erbittet. Diese Anwendung ist eine autoritative Ausübung der anvertrauten Schlüssel und reicht über die private Bitte eines einzelnen Christen hinaus.
Paul VI. beschreibt diese Verbindung in ihrer geschichtlichen Entfaltung. Die Apostolische Konstitution nennt die bischöfliche Bestimmung und Umwandlung kanonischer Bußen sowie die Fürsprache der Kirche in Einheit mit Christus. Sie ordnet die Entwicklung der Ablasspraxis über Jahrhunderte ein und erinnert an die bindende Bestätigung ihrer Lehre durch das Konzil von Trient. Damit bleiben die Ebenen unterscheidbar: Die Schrift erzählt den Auftrag und die apostolische Entscheidung; die frühe Bußpraxis ordnet kirchliche Strafen; die spätere Lehre klärt die Anwendung der anvertrauten Vollmacht; konkrete Bußformen gehören zur veränderlichen kirchlichen Ordnung.
Quellen zu dieser Frage 3
Weiterführende Erklärungen
Wie die Heiligkeit der Kirche dem reuigen Sünder hilftUnterstützender positiver Beleg