Ablass und Umkehr
Was ein Ablass erlässt und warum er niemals käufliche Erlösung sein kann
Die Kirche unterscheidet zwischen der Vergebung der Schuld und ihren zeitlichen Folgen. Ein Ablass betrifft diese Folgen einer bereits vergebenen Sünde. Er setzt Umkehr voraus, bleibt in Christi Erlösung gegründet und ordnet sich dem sakramentalen Leben und der Liebe unter. Gerade deshalb mussten finanzielle Versprechen und andere Missbräuche entschieden reformiert werden.
5 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Das Werk im Gericht Bibel und Textverständnis
Rettung und schmerzhafter Verlust können im Gericht zusammengehören
Paulus beschreibt ein Gericht, in dem das Werk geprüft wird und der Bauende trotz Verlust gerettet wird.
Brennt es nieder, dann muss er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch.
Auszug aus 1 Kor 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus beschreibt die Prüfung des Werks durch Feuer und unterscheidet dabei zwischen dem geretteten Menschen und dem, was sein Werk erleidet.
Paulus spricht vom Aufbau der Gemeinde auf dem einzigen Fundament Jesus Christus. Am Tag des Gerichts wird sichtbar, welche Arbeit Bestand hat. Was trägt, empfängt Lohn; was verbrennt, führt zum Verlust. Zugleich bleibt der Bauende gerettet, gleichsam durch Feuer hindurch.
Der Abschnitt eröffnet damit eine biblische Unterscheidung: Gottes Heil und ein schmerzhafter Verlust im Gericht schließen einander nicht aus. Andere Ausleger beziehen die Prüfung vor allem auf die Arbeit der Diener am Bau der Gemeinde und auf den Verlust ihres Lohns. Dieser konkrete Bezug auf den Dienst erklärt den Zusammenhang mit Paulus und Apollos. Die kirchliche Lehre vom reinigenden Gericht nimmt das Bild des Feuers in den größeren Zusammenhang der letzten Reinigung auf; auf diese Reinigung bezieht sich der Ablass, den die Kirche Verstorbenen fürbittweise zuwendet.
Die endgültige Reinigung Glaube und Überlieferung
Gottes Gnade führt den Geretteten zur vollständigen Heiligkeit
Der Katechismus nennt die letzte Reinigung derer, die in Gottes Gnade sterben, Fegefeuer.
Der Katechismus verbindet die biblische Feuerrede mit der Lehre von der letzten Reinigung. Wer in Gottes Gnade stirbt, aber noch nicht vollständig gereinigt ist, besitzt die Gewissheit des Heils und wird für die Herrlichkeit des Himmels geheiligt. Diese Reinigung unterscheidet sich vom endgültigen Verlust Gottes. Die Kirche nennt diese letzte Reinigung Fegefeuer: die Läuterung dessen, der in Gottes Gnade gestorben, aber noch nicht ganz gereinigt ist.
Gebete, eucharistische Fürsprache, Almosen und Buße können den Verstorbenen helfen. Darin zeigt sich eine Gemeinschaft, in der Christi Heil auch über den Tod hinaus wirkt: als Fürsprache und als Hilfe. Der kurze Abschnitt über das geprüfte Werk liefert hier die Unterscheidung von Rettung und Verlust. Die Kirche ordnet dieses biblische Bild in ihre empfangene Lehre von der endgültigen Reinigung ein.
Quellen zu dieser Frage 1
Die Lehre vom Ablass Glaube und Überlieferung
Ein Ablass erlässt zeitliche Sündenstrafe nach der Vergebung
Der Ablass betrifft vor Gott die zeitliche Strafe einer bereits vergebenen Schuld und setzt die Hinwendung zu Gott voraus.
Ein Ablass ist nach der Lehre der Kirche der Erlass zeitlicher Sündenstrafe vor Gott für eine Schuld, deren Vergebung bereits geschenkt ist. Die Schuld ist damit vergeben; der Ablass betrifft die zeitliche Strafe, die danach noch aussteht. Ein Teilablass erlässt einen Teil dieser Strafe, ein vollkommener Ablass die gesamte zeitliche Strafe, soweit die kirchlich geforderten Voraussetzungen erfüllt sind.
Für einen vollkommenen Ablass verlangt die Kirche die sakramentale Beichte, die eucharistische Kommunion, das Gebet in der Meinung des Papstes und die Abkehr von jeder Anhänglichkeit an die Sünde, auch an die lässliche; wer überhaupt einen Ablass gewinnen will, muss getauft sein, darf nicht exkommuniziert sein und muss wenigstens beim Abschluss des vorgeschriebenen Werkes im Stand der Gnade sein. Ohne Beichte, Kommunion und Abkehr von der Sünde gibt es darum keinen vollkommenen Ablass und durch Geld allein überhaupt keinen. Ein Ablass ist deshalb kein Freibrief für weiteres Sündigen und hebt die Pflicht zur Wiedergutmachung gegenüber einem geschädigten Nächsten nicht auf. Wer Unrecht verursacht hat, bleibt zur wirklichen Reparatur verpflichtet. Die Vergebung der Schuld, die Heilung ihrer Folgen und die konkrete Wiedergutmachung bilden unterscheidbare, zusammengehörige Wirklichkeiten.
Die Kirche gewährt den Ablass kraft der Binde- und Lösegewalt, die Christus ihr gegeben hat: Sie tritt für den Gläubigen ein und wendet ihm den Schatz der Verdienste Christi und der Heiligen zu. Paul VI. ordnet den Ablass ausdrücklich dem Leben aus Messe, Sakramenten und tätiger Liebe unter. Er ist kein zweites Sakrament, sondern eine kirchliche Hilfe zur Umkehr. Für Verstorbene wird ein Ablass als Fürsprache erbeten; die Kirche verfügt dabei nicht über deren Schicksal wie über einen eigenen Verwaltungsakt, sondern legt die Bitte in Gottes Hand.
Die historische Verwirrung Glaube und Überlieferung
Wenn Geldversprechen Erlösung zu kaufen scheinen, widerspricht das dem Ablass
Ein überlieferter Text, Johann Tetzel zugeschrieben, und Luthers Kritik zeigen einen realen Missbrauch: Geldgaben wurden mit weiten Versprechen des Straferlasses verbunden.
Die Frage nach käuflicher Erlösung entstand nicht bloß durch eine feindselige Darstellung. Ein Johann Tetzel zugeschriebener Sermon aus der Zeit um 1517, den die Quellensammlung „German History in Documents and Images“ veröffentlicht, verbindet Beichte und Almosen mit weitreichenden Versprechen des Straferlasses. Er ruft mit dem Leiden verstorbener Angehöriger zu Gaben auf und bedroht Gegner. Der Text ist ein konkretes Zeugnis dafür, wie finanzielle Ausbeutung, Druck und unklare Versprechen den Sinn des Ablasses verdunkeln konnten.
Luthers Disputation von 1517 greift genau diese Verwirrung auf. In den Thesen 27–28 stellt er die Zusicherung infrage, eine Zahlung löse eine Seele, und unterscheidet den finanziellen Gewinn von dem, was Gottes Macht durch Fürsprache bewirkt. In den Thesen 43–45 stellt er die Hilfe für Bedürftige über den Kauf von Ablässen. Diese Kritik trifft den Missbrauch der Geldlogik und macht sichtbar, warum eine kirchliche Reform die Verbindung von Geldgabe, Druck und Straferlass zurückweisen musste.
Das Konzil von Trient hielt deshalb beides fest: Die Kirche besitzt die Vollmacht, Ablässe zu gewähren, und der Ablasshandel mit schädlichen finanziellen Gewinnen muss beseitigt werden. Das Konzil verlangte Mäßigung und verpflichtete die Bischöfe, weitere Missbräuche zu erkennen und zu korrigieren. Die Reform war damit eine Konsequenz aus dem eigenen kirchlichen Maßstab. Sie änderte die kirchliche Lehre vom Ablass nicht in eine Geldleistung, sondern entfernte eine Praxis, die diesen Maßstab sichtbar verletzte.
Die rechte Ordnung Glaube und Überlieferung
Der Ablass bleibt eine Hilfe zur Umkehr innerhalb des Lebens der Kirche
Sein positiver Sinn liegt in der Reinigung der bereits versöhnten Beziehung zu Gott, getragen von Christus und geordnet durch Sakramente und Liebe.
Der Ablass setzt die Vergebung voraus und führt ihre Wirkung in der geheilten Lebensordnung weiter. Er nimmt dem Büßer die Verantwortung für das geschehene Unrecht nicht ab. Vielmehr geht es darum, dass Christi Erlösung die zeitlichen Folgen der Sünde wirklich erreicht und den Menschen zur geheiligten Liebe formt.
Darum steht die Ablasspraxis unter dem Vorrang von Messe, Sakramenten und tätiger Liebe. Die verbindliche Lehre der Kirche bewahrt die Vollmacht des Ablasses; ihre disziplinäre Ordnung muss jede Verbindung mit finanzieller Ausbeutung zurückweisen. So hat der Ablass seinen Ort: als Gnadengabe zur Umkehr innerhalb des einen Heils Christi, niemals als Preis für Vergebung oder als Ersatz für die Liebe zum verletzten Nächsten.