Bibelstelle · EÜ 2016
1 Kor 3,12–15
Das Feuer prüft das Werk des Bauenden: Das Werk kann verbrennen, während der Mensch selbst gerettet wird. Die Kirche liest diese Läuterung im Zusammenhang ihrer Lehre von der Reinigung derer, die in Gottes Gnade sterben.
Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Auszug
Auszug aus 1 Kor 3,12–15
Bibeltext
Brennt es nieder, dann muss er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch.
Auszug aus 1 Kor 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Woran die Auslegung am Wort hängt
In den Themen
Warum diese Stelle hier wichtig ist
Eine Stelle trägt oft mehr als eine Glaubensfrage. Bei jeder steht, was sie zum Argument beiträgt und wo das Argument weitergeht.
Verdienst bleibt Geschenk der Gnade
Die Stelle unterscheidet zwischen der geretteten Person und der Prüfung des von ihr errichteten Werks.
Was ein Ablass erlässt und warum er niemals käufliche Erlösung sein kann
Der Text trägt zur Unterscheidung zwischen der Rettung der Person und der Prüfung beziehungsweise Reinigung des Werks bei.
Das Werk wird geprüft, die Person wird gerettet
Baustein für die Unterscheidung von Werk und Person; die Läuterungsdeutung ist kirchliche Rezeption. Nächste Prämisse: 2 Makk 12.
Verwandte Bibelstellen
Stellen, die mit dieser zusammen gelesen werden
Kirchliche Zeugen
Zeugnis der Kirche durch die Jahrhunderte
Die Zeugnisse von Kirchenvätern, Kirchenlehrern, Konzilien und dem Lehramt zeigen, wie die Kirche diese Stelle verstanden hat.
Tertullian
Tertullian bezeugt jährliche Opfergaben für Verstorbene am Jahrestag und verteidigt sie als kirchliche Überlieferung, nicht als Schriftgebot.
Die Opfer für die Verstorbenen bringen wir am Jahrestage als ihrem Geburtstage dar.
De corona (Der Kranz) · De corona 3–4 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Gebet und liturgisches Totengedenken sind früh bezeugt; die Praxis wird ausdrücklich als Überlieferung begründet.
Die Grenze: De corona 3 nennt die Opfer für die Verstorbenen, ohne ihre Wirkung zu erklären; davon spricht Tertullian in De monogamia 10, wo die Witwe für die Seele ihres verstorbenen Mannes betet und für ihn Erquickung in der Zwischenzeit erbittet.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Tertullian verteidigt in De corona nicht-schriftliche Traditionen der Kirche und nennt dabei unter anderem das Opfer für die Verstorbenen am Jahrestag.
Historischer Text
Die Opfer für die Verstorbenen bringen wir am Jahrestage als ihrem Geburtstage dar. […]
Wolltest du für diese und andere Punkte der Kirchenzucht eine ausdrückliche Vorschrift aus der Hl. Schrift verlangen, so würdest du keine auftreiben. Man wird dir die Tradition entgegenhalten als die Urheberin davon, die stete Übung als die Bestätigung dafür und den Glauben als den Befolger derselben.
Vollständigen historischen Text öffnen: TertullianWarum diese Stelle wichtig ist
Tertullian bezeugt jährliche Opfergaben für Verstorbene am Todestag als etablierte kirchliche Praxis und begründet sie ausdrücklich als Überlieferung.
Cyrill von Jerusalem
Cyrill bezeugt, dass das Gebet für Seelen, für die es dargebracht wird, während des heiligen und ehrfurchtgebietenden Opfers großen Nutzen bringt.
Denn wir glauben, dass dies den Seelen, für die das Gebet dargebracht wird, großen Nutzen bringt, während das heilige und ehrfurchtgebietende Opfer vorliegt.
Katechetische Vorträge · Mystagogische Katechese 5,9–10 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Für Seelen, für die das Gebet dargebracht wird, wird während des heiligen und ehrfurchtgebietenden Opfers großer Nutzen erwartet.
Die Grenze: Cyrill unterscheidet zwei Gruppen: die Heiligen, um deren Fürbitte die Gemeinde bittet, und die übrigen Verstorbenen, für die sie betet und denen das Gebet beim eucharistischen Opfer großen Nutzen bringt.
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Worum es hier geht
Cyrill erklärt in der fünften Mystagogischen Katechese das Gedenken der Verstorbenen im eucharistischen Gebet. Er verbindet die Bitte für die Entschlafenen mit der Darbringung Christi und erläutert anschließend den erwarteten Nutzen dieser Fürbitte. Die Mystagogischen Katechesen stammen aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts; einige Handschriften schreiben sie Cyrills Nachfolger Johannes von Jerusalem zu.
Historischer Text
Dann gedenken wir auch derer, die vor uns entschlafen sind, zuerst der Patriarchen, Propheten, Apostel und Märtyrer, damit Gott auf ihre Gebete und Fürbitten unser Anliegen annehme. Danach gedenken wir auch der heiligen Väter und Bischöfe, die vor uns entschlafen sind, und überhaupt aller, die in vergangenen Jahren unter uns entschlafen sind. Denn wir glauben, dass dies den Seelen, für die das Gebet dargebracht wird, großen Nutzen bringt, während das heilige und ehrfurchtgebietende Opfer vorliegt. […] Wenn wir unsere Bitten für die Entschlafenen darbringen, bringen wir nicht einen Kranz dar, sondern Christus, der für unsere Sünden geopfert wurde, und bitten den barmherzigen Gott für sie wie für uns.
Vollständigen historischen Text öffnen: Cyrill von JerusalemWarum diese Stelle wichtig ist
Cyrill bezeugt das Gebet für Verstorbene als Bestandteil des eucharistischen Gottesdienstes. Die Praxis ist ausdrücklich auf Christus und sein Opfer bezogen und wird nicht als zweite Erlösung verstanden.
Weitere historische Zeugnisse (2)
Augustinus
Augustinus verbindet Gnade und Lohn: Weil Gottes Gnade vorausgegangen ist, vergilt er nun, was geschuldet ist; die Verdienste des Menschen sind dabei Geschenke Gottes.
Die Gnade ist vorausgegangen; jetzt wird vergolten, was geschuldet ist ... Die Verdienste sind Geschenke Gottes
Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2009 (mit Augustinus über die Verdienste als Geschenke Gottes) · KKK 2009: Augustinus, Sermo 298,4–5 · Primärtext↗Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Augustinus predigt am Fest der Apostel Petrus und Paulus. Der Katechismus der Katholischen Kirche zitiert in Nr. 2009 seine Worte über den Lohn, um zu zeigen, dass das Verdienst des Gerechtfertigten ein Recht aus Gnade ist.
Historischer Text
Die Gnade ist vorausgegangen; jetzt wird vergolten, was geschuldet ist ... Die Verdienste sind Geschenke Gottes.
Vollständigen historischen Text öffnen: AugustinusWarum diese Stelle wichtig ist
Der Satz nennt den Lohn geschuldet und das Verdienst zugleich Gabe: Gott vergilt, was seine eigene Gnade im Menschen hervorgebracht hat. Darin liegt die Mitte der kirchlichen Lehre vom Verdienst.
Katharina von Genua
Katharina von Genua steht als später geistlicher Zeuge für die Läuterung auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft mit Gott. Das Bild vom Feuer, das den Rost verzehrt, macht anschaulich, wie die Kirche die endgültige Läuterung als Reinigung und Vollendung auf Gott hin versteht. Benedikt XVI. ordnet in seiner Generalaudienz vom 12. Januar 2011 zugleich ein, dass Katharina keine besonderen Offenbarungen über das Fegefeuer oder die dort geläuterten Seelen empfing.
Das Feuer verzehrt den Rost
Traktat vom Fegefeuer der hl. Katharina von Genua · Treatise on Purgatory, Kapitel II, S. 6–7 (Übersetzung 1858) · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Katharina beschreibt die Läuterung mit dem Bild „Das Feuer verzehrt den Rost“.
Die Grenze: Katharina spricht in einem geistlichen Bild; die Lehre von der Läuterung hat die Kirche im Anschluss an die Schrift und ihre Überlieferung vor allem auf den Konzilien von Florenz und Trient formuliert (KKK 1030–1032).
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Der kurze Auszug stammt aus Kapitel II der gemeinfreien englischen Ausgabe von 1858. Er gehört zu einer Überlieferung, deren endgültige Fassung 1551 in drei Teilen veröffentlicht wurde und bei der Cattaneo Marabotto als Verfasser oder Redaktor der endgültigen Fassung genannt wird. Die späteren Ausgaben machen die zusammengesetzte Überlieferung und die Zuschreibung an Marabotto und Vernazza sichtbar, entscheiden die Autorschaftsfrage aber nicht endgültig.
Historischer Text
Im englischen Quellauszug heißt es: the fire consumes the rust. Die eigene deutsche Übersetzung dieser gemeinfreien englischen Ausgabe von 1858 lautet: „Das Feuer verzehrt den Rost“.
Vollständigen historischen Text öffnen: Katharina von GenuaWarum diese Stelle wichtig ist
Der Rost steht für das, was der Reinigung bedarf; das Feuer verzehrt ihn. So macht das Bild die Läuterung durch die Liebe Gottes verständlich.
Quellen und HinweiseKKK 1987–2029 · KKK 1420–1498 · KKK 1030–1032, 1472–1473
Katechismus
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 1987–2029Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Gnade, Rechtfertigung und Verdienst.
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 1420–1498Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Buße, Versöhnung und kirchlicher Dienst.
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 1030–1032, 1472–1473Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Reinigung nach dem Tod und Gebet für Verstorbene.
Konzilien und Lehramt
- Konzil von Trient, Sitzung XIVSessio XIV, Kap. VIII–IXTranskription bei Konzil von Trient / Hanover Historical Texts Collection
Trient erläutert die kirchliche Lehre über Buße und Genugtuung.
- Indulgentiarum doctrina§§1–2, 5–10; Normen 1–3Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Paul VI. entfaltet biblische Grundlage, kirchliche Entwicklung, Schatz der Kirche und die Definition des Ablasses.
Fachdokumente und Studien
- Johann Tetzel, Sermon on IndulgencesSermon on Indulgences, ca. 1517Sekundäranalyse · Wissenschaftliche Sekundärquelle
Historische Quellenedition eines Tetzel zugeschriebenen Ablasssermons.
Historische Primärquellen
- Konzil von Trient, Sitzung VISessio VI, Kap. 5–7Transkription bei Hanover Historical Texts Collection
Rechtfertigung umfasst Heiligung und Erneuerung; Gottes Gnade geht jeder Mitwirkung voraus.
- Martin Luther, Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum95 Thesen, 1517Primärtext · Primärtext / Edition
Luthers Primärtext zur Kritik an Ablasspredigt und kirchlicher Praxis.
- Der GottesstaatXXI,13Übersetzung · Primärtext / Edition
Augustinus unterscheidet zeitliche postmortale Läuterung von ewiger Verdammnis.
- Konzil von Trient, Sitzung XXVDekret über das FegefeuerTranskription bei Hanover Historical Texts Collection
Trient präzisiert die Lehre über die Hilfe der Fürbitten für die dort festgehaltenen Seelen.
Bekenntnisse und offizielle Lehrquellen
- Westminster Confession of FaithWCF IIIPrimärtext · Offizielle konfessionelle Quelle
Eine reformierte Lehre der Erwählung, die sich von anderen protestantischen Traditionen unterscheidet.
- Articles of ReligionArticles VIII–XPrimärtext · Offizielle konfessionelle Quelle
Methodistische Quelle zur Gnade und menschlichen Antwort.
- Augsburger BekenntnisCA VI, XXPrimärtext · Offizielle konfessionelle Quelle
Lutherische Lehre zu guten Werken als Frucht des Glaubens.
- KonkordienbuchCA IV, VI, XXPrimärtext · Offizielle konfessionelle Quelle
Lutherische Bekenntnistexte zur Rechtfertigung aus Glauben und zu guten Werken als Frucht.
- Westminster Confession of FaithWCF XI.1–3; XVI.2,5–6Primärtext · Offizielle konfessionelle Quelle
Reformierte Bekenntnistexte zu Rechtfertigung, guten Werken und gnadenhaftem Lohn.
- Basis des GlaubensGlaubensbasis 2018Primärtext · Offizielle konfessionelle Quelle
Evangelikale gemeinsame Glaubensbasis; konkrete Gemeinden und Traditionen können abweichen.