Rechtfertigung · Gnade · Verdienst
Verdienst bleibt Geschenk der Gnade
Verdienst ist ein Wort, das misstrauisch macht. Es klingt, als könne ein Mensch Gott etwas leisten und dafür Vergeltung verlangen. Zwei Schriftstellen und die Lehre der Kirche zeigen, was der Begriff benennt: ein Recht aus Gnade, das Gott selbst dem guten Handeln verleiht, das er schenkt.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die Pflicht des Dieners Bibel und Textverständnis
Der Diener tut nur seine Pflicht, das Werk wird geprüft
Zwei Stellen begrenzen den Anspruch des Menschen und zeigen zugleich, dass sein Werk gewogen wird.
So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte.
Auszug aus Lk 17,10 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Knecht erfüllt seinen Auftrag und soll sich dennoch als unnützer Knecht verstehen, der nur seine Pflicht getan hat.
In Lk 17,7–10 erinnert Jesus den Diener daran, dass er nur getan hat, was ihm aufgetragen war. Der Diener verrichtet seine Arbeit und tritt danach ohne Anspruch vor seinen Herrn. Damit ist jeder Gedanke an eine selbständige Forderung des Menschen begrenzt: Der Mensch kann Gott nicht in die Rolle eines Schuldners bringen.
Brennt es nieder, dann muss er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch.
Auszug aus 1 Kor 3,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Das Werk jedes Menschen wird geprüft; die Person kann gerettet werden, auch wenn ihr Werk Schaden nimmt.
Paulus beschreibt in 1 Kor 3,12–15 Werke der Bauenden am Bau der Gemeinde, deren Wert im Feuer geprüft wird: „Hält das Werk stand, das er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn“ (1 Kor 3,14); manches Werk verbrennt dagegen, während der Mensch selbst gerettet wird. Gott prüft also das Werk und sagt dem, das standhält, Lohn zu.
Verdienst und erste Gnade Glaube und Überlieferung
Die erste Gnade bleibt unverdient
Die erste Gnade kann niemand verdienen; das Verdienst des Gerechtfertigten ist selbst Gottes Geschenk.
Die erste Gnade, die jedem Verdienst vorausgeht, bleibt unverdient. Niemand kann sie erarbeiten, und niemand zwingt Gott zu einer Belohnung. Auch das gute Werk und seine Vollendung hängen von Gottes Geschenk ab. Der Mensch bleibt in allem auf Gott angewiesen, auch dort, wo er selbst handelt.
Weil Gott in Freiheit verfügt hat, den Menschen mit seiner Gnade mitwirken zu lassen, verleiht die Annahme an Kindes Statt dennoch „ein wirkliches Verdienst“; der Katechismus nennt es „ein Recht aus Gnade“ (KKK 2008–2009). Wer gerechtfertigt ist, kann so, vom Heiligen Geist und von der Liebe angetrieben, die Gnaden verdienen, die zu seiner Heiligung und zum Erlangen des ewigen Lebens beitragen (KKK 2010).
Augustinus
Die Gnade ist vorausgegangen; jetzt wird vergolten, was geschuldet ist ... Die Verdienste sind Geschenke Gottes
Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2009 (mit Augustinus über die Verdienste als Geschenke Gottes) · KKK 2009: Augustinus, Sermo 298,4–5 · Primärtext↗Augustinus verbindet Gnade und Lohn: Weil Gottes Gnade vorausgegangen ist, vergilt er nun, was geschuldet ist; die Verdienste des Menschen sind dabei Geschenke Gottes.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Augustinus predigt am Fest der Apostel Petrus und Paulus. Der Katechismus der Katholischen Kirche zitiert in Nr. 2009 seine Worte über den Lohn, um zu zeigen, dass das Verdienst des Gerechtfertigten ein Recht aus Gnade ist.
Historischer Text
Die Gnade ist vorausgegangen; jetzt wird vergolten, was geschuldet ist ... Die Verdienste sind Geschenke Gottes.
Vollständigen historischen Text öffnen: AugustinusWarum diese Stelle wichtig ist
Der Satz nennt den Lohn geschuldet und das Verdienst zugleich Gabe: Gott vergilt, was seine eigene Gnade im Menschen hervorgebracht hat. Darin liegt die Mitte der kirchlichen Lehre vom Verdienst.
Anspruch auf Vergeltung Glaube und Überlieferung
Kann der Mensch Gott etwas leisten und Vergeltung beanspruchen?
Das Augsburger Bekenntnis hält dem Verdienst gerade Lk 17,10 entgegen: Man dürfe nicht auf Werke vertrauen, um dadurch Gnade vor Gott zu verdienen, denn Christus sagt: „Wir sind untüchtige Knechte“ (Art. 6).
Die Kirche teilt den Kern dieses Einwands: Lk 17,10 schließt jeden Anspruch aus eigener Leistung aus, und auch sie lehrt: „Gegenüber Gott gibt es von seiten des Menschen kein Verdienst im eigentlichen Sinn“ (KKK 2007). Zugleich sagt Gott selbst Lohn zu und verleiht dem in seiner Gnade getanen Werk ein Recht aus Gnade; er schenkt die Gnade, die Fähigkeit zum Guten und dessen Vollendung.
Darum verheißt die Schrift dem Werk, das standhält, Lohn (1 Kor 3,14), und Jesus sagt den Lohn des Vaters für verborgenes Tun und für einen Becher frisches Wasser zu (Mt 6,4; 10,42). So bleiben menschliche Verantwortung und göttliche Freigebigkeit zugleich bestehen.