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Rechtfertigung und Gnade

Gottes Gericht nimmt die Taten ernst

Wenn Gott jedem nach seinen Werken vergilt, stellt sich die Frage, wie das mit der unverdienten Gnade zusammengeht. Der Römerbrief, der zweite Korintherbrief und der Hebräerbrief nennen die Taten der Menschen im Zusammenhang des göttlichen Gerichts. Die Kirche bezeugt, dass diese Werke aus der Gnade leben und Gott sie anerkennt.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Ein fruchttragender Baum empfängt Licht von oben; Wasser erreicht seine Wurzeln, während sich kleine Gestalten unter den Ästen sammeln.
RechtfertigungKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Die Taten im Gericht Bibel und Textverständnis

Gott vergilt nach den Werken und erkennt den gelebten Glauben

Drei Stellen nennen die Taten der Menschen dort, wo von Gottes Gericht die Rede ist.

Er wird jedem vergelten, wie es seine Taten verdienen: Denen, die beharrlich Gutes tun und Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit erstreben, gibt er ewiges Leben.

Auszug aus Röm 2,6–7 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Gott vergilt jedem nach seinen Werken und nennt beharrliches gutes Tun im Blick auf Herrlichkeit.

Röm 2,6–7: Zusammenhang und Übersetzung

Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden.

Auszug aus 2 Kor 5,10 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden und empfangen, was sie im Leib getan haben.

2 Kor 5,10: Zusammenhang und Übersetzung

Denn Gott ist nicht so ungerecht, euer Tun zu vergessen und die Liebe, die ihr seinem Namen bewiesen habt, indem ihr den Heiligen gedient habt und noch dient.

Auszug aus Hebr 6,10 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Gott ist nicht ungerecht, den Dienst und die Liebe zu seinem Namen zu übersehen.

Hebr 6,10: Zusammenhang und Übersetzung

Im Römerbrief heißt es, dass Gott jedem nach seinen Werken vergilt und denen ewiges Leben gibt, die beharrlich Gutes tun. Im zweiten Korintherbrief werden alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar, und jeder empfängt, was er im Leib getan hat. Der Hebräerbrief versichert, dass Gott die Liebe und den Dienst der Glaubenden nicht vergisst.

Die Stellen verbinden Gottes Gericht mit den Taten der Menschen und mit seiner Gerechtigkeit gegenüber dem geleisteten Dienst. Dadurch haben gelebte Werke im Gericht wirkliches Gewicht.

Werke der Gnade Glaube und Überlieferung

Die Kirche bezeugt, dass Gott die Werke der Gnade anerkennt

Die Werke, von denen die Schrift spricht, haben ihr Leben aus der Gnade.

Das Konzil von Trient und der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) bezeugen, dass Gott die Werke der Gnade anerkennt. In diesen Werken kommt der Glaube zusammen mit der empfangenen Gnade im Leben des Menschen zum Ausdruck, und Gott vergilt sie mit dem ewigen Leben, das nach dem Konzil von Trient Gnade und Lohn zugleich ist (6. Sitzung, Kap. 16).

Gott erkennt an, was seine Gnade im Menschen hervorbringt. Weil Gott den Menschen innerlich erneuert, kann er dessen freie Antwort im Gericht anerkennen.

Quellen zu dieser Frage 2

Früchte und Zeichen Glaube und Überlieferung

Sind die Werke im Gericht nur Früchte und Zeichen des Glaubens?

Das reformierte Bekenntnis versteht die guten Werke als Früchte und Beweise des Glaubens. Das Gericht nach Werken macht dann sichtbar, ob der Glaube lebendig war; zur Gerechtigkeit vor Gott tragen die Werke nach dieser Sicht nichts bei.

Nach dem Westminster-Bekenntnis sind die guten Werke, im Gehorsam gegen Gottes Gebote getan, Früchte und Beweise eines wahren und lebendigen Glaubens (XVI.2). Auch mit den besten Werken kann der Mensch weder die Vergebung der Sünden noch das ewige Leben verdienen; weil aber die Person des Glaubenden durch Christus angenommen ist, nimmt Gott auch ihre Werke in ihm an und belohnt, was aufrichtig ist (XVI.5–6). Gerecht vor Gott ist der Mensch nach diesem Bekenntnis allein um Christi willen (XI.1). Die Rechtfertigung selbst wächst darum durch die Werke nicht; sie zeigen, dass sie geschehen ist.

Die Kirche teilt die Überzeugung, dass gute Werke Früchte des Glaubens sind und dass niemand die Rechtfertigung durch sie verdient. Sie widerspricht dem Wort „nur“: Das Konzil von Trient hat die Lehre verworfen, die Werke seien bloß Früchte und Zeichen der erlangten Rechtfertigung und nicht auch Ursache ihres Wachstums; die empfangene Gerechtigkeit wird durch gute Werke vor Gott bewahrt und gemehrt (6. Sitzung, Kanon 24). Die Gerichtsworte der Schrift nennen die Taten selbst: „Er wird jedem vergelten, wie es seine Taten verdienen“ (Röm 2,6), und alle werden vor dem Richterstuhl Christi offenbar, „damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat“ (2 Kor 5,10). Gott beurteilt die Taten, weil er den Menschen in der Rechtfertigung wirklich erneuert hat und die in seiner Gnade getanen Werke als dessen eigene annimmt: Sie sind Gaben Gottes und zugleich wirkliche Verdienste des Gerechtfertigten (6. Sitzung, Kanon 32).

Quellen zu dieser Frage 3
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