Bibelstelle · EÜ 2016
Joh 20,21–23
Der Auferstandene sendet die Apostel, haucht ihnen den Heiligen Geist ein und überträgt ihnen die Vollmacht, Sünden zu vergeben oder zu behalten. Die Kirche erkennt darin die biblische Grundlage des Bußsakraments.
Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Auszug
Auszug aus Joh 20,21–23
Bibeltext
Auszug aus Joh 20,21–23 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 21: Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Vers 22: Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
Vers 23: Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.
In den Themen
Warum diese Stelle hier wichtig ist
Eine Stelle trägt oft mehr als eine Glaubensfrage. Bei jeder steht, was sie zum Argument beiträgt und wo das Argument weitergeht.
Warum Christus der Kirche Vollmacht zur Vergebung gibt
Der Text trägt den unmittelbaren biblischen Grund für die kirchliche Vollmacht zur Sündenvergebung und zur Unterscheidung im Umgang mit Sünde.
Wie Christus seiner Kirche Vollmacht zur Wiederherstellung anvertraut
Der Text liefert den direkten Bezug der kirchlichen Vollmacht zur Sündenvergebung.
Der Dienst der Versöhnung
Die Stelle trägt unmittelbar die von Christus verliehene kirchliche Vollmacht zur Sündenvergebung.
Aus der Sendung der Apostel
Die Stelle begründet den apostolischen Ursprung von Sendung und kirchlicher Vollmacht.
Eine gemeinsame Bekenntnisformel
Die Stelle trägt das Kennzeichen der Apostolizität.
Gnadenverlust, Reue und Wiederherstellung
Baustein für kirchliche Vollmacht zur Wiederherstellung; nächste Prämisse: 1 Joh 1,8–9.
Christus sendet seine Jünger in seine Sendung
Die Stelle trägt die apostolische Sendung als von Christus verliehenen Dienst.
Verwandte Bibelstellen
Stellen, die mit dieser zusammen gelesen werden
Kirchliche Zeugen
Zeugnis der Kirche durch die Jahrhunderte
Die Zeugnisse von Kirchenvätern, Kirchenlehrern, Konzilien und dem Lehramt zeigen, wie die Kirche diese Stelle verstanden hat.
Didache
Die Didache verbindet das Sündenbekenntnis mit der kirchlichen Versammlung und mit dem Gebet in reinem Gewissen.
In der Kirche sollst du deine Übertretungen bekennen, und du sollst nicht zum Gebet mit einem schlechten Gewissen herantreten. Dies ist der Weg des Lebens.
Didache · Didache 4,14; 14,1 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Gemeinsames Sündenbekenntnis in der Gemeinde vor dem Gebet als frühe Buß- und Bekenntnispraxis.
Die Grenze: Wer der Versammlung vorsteht und die Versöhnung zuspricht, sagt die Didache an diesen Stellen nicht; die spätere Einzelbeichte beschreibt sie noch nicht.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Die Didache führt am Ende des Zwei-Wege-Traktats das Bekenntnis der Übertretungen in der Gemeinde als Voraussetzung reinen Gebets an; Kapitel 14 verbindet es mit der sonntäglichen Eucharistiefeier. Die Didache wird meist um das Jahr 100 datiert; der genaue Zeitpunkt ist umstritten.
Historischer Text
In der Kirche sollst du deine Übertretungen bekennen, und du sollst nicht zum Gebet mit einem schlechten Gewissen herantreten. Dies ist der Weg des Lebens. ... Am Herrentag aber versammelt euch, brecht Brot und sagt Dank, nachdem ihr zuvor eure Übertretungen bekannt habt, damit euer Opfer rein sei.
Vollständigen historischen Text öffnen: DidacheWarum diese Stelle wichtig ist
Die Didache bezeugt das Sündenbekenntnis als festen Bestandteil der kirchlichen Versammlung und Eucharistie und ist damit einer der frühesten Zeugen kirchlicher Bußpraxis.
Ignatius von Antiochien
Ignatius verbindet die Einheit der Gemeinde mit dem Bischof und bezeugt: Wo Jesus Christus ist, dort ist die katholische, also die allumfassende Kirche. Das Zeugnis zeigt die frühe Verbindung von Christusgegenwart, kirchlicher Einheit und geordnetem Dienst.
Wo immer der Bischof erscheint, dort soll auch die Gemeinde sein; ebenso ist dort, wo Jesus Christus ist, die katholische Kirche.
Brief an die Smyrnäer · Brief an die Smyrnäer 8,1–2 · Primärtext↗Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Ignatius von Antiochien bindet die Eucharistie und das Leben der Gemeinde an den Bischof und verbindet dessen Gegenwart mit der Gegenwart Jesu Christi und der katholischen Kirche.
Historischer Text
Folgt alle dem Bischof wie Jesus Christus dem Vater und den Presbytern wie den Aposteln; die Diakone aber achtet wie Gottes Gebot. Niemand tue ohne den Bischof etwas, was die Kirche betrifft. Als gültige Eucharistie gelte die, die unter dem Bischof stattfindet oder unter dem, dem er sie überträgt. Wo immer der Bischof erscheint, dort soll auch die Gemeinde sein; ebenso ist dort, wo Jesus Christus ist, die katholische Kirche. Ohne den Bischof ist es nicht erlaubt zu taufen oder ein Liebesmahl zu feiern. Was immer er billigt, das ist auch Gott wohlgefällig, damit alles, was geschieht, sicher und gültig sei.
Vollständigen historischen Text öffnen: Ignatius von AntiochienWarum diese Stelle wichtig ist
Ignatius bezeugt früh den Zusammenhang von Bischof, versammeltem Volk, der Gegenwart Christi, der katholischen Kirche und geordnetem sakramentalem Dienst: Als gültig gilt ihm die Eucharistie, die unter dem Bischof oder durch seinen Beauftragten gefeiert wird.
Weitere historische Zeugnisse (1)
Tertullian
Tertullian beschreibt die kirchliche Exomologesis als öffentliche Bußhandlung mit Sündenbekenntnis, Genugtuung und Fürbitte der Brüder.
Diese Handlung, die gewöhnlich mit einem griechischen Namen bezeichnet und ausgesprochen wird, ist die Exomologesis, durch die wir dem Herrn unsere Sünden bekennen — nicht als ob er sie nicht kennte, sondern weil durch das Bekenntnis die Genugtuung geregelt wird, aus dem Bekenntnis die Buße geboren wird, durch die Buße Gott versöhnt wird.
Über die Buße · De paenitentia 9,2–4 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Eine zweite, nur einmal mögliche Buße nach der Taufe, die öffentlich vor den Presbytern geleistet wird und die Tertullian bereits mit dem Begriff der Genugtuung (satisfactio) verbindet.
Die Grenze: Tertullian beschreibt noch nicht die spätere, wiederholbare Einzelbeichte mit Lossprechungsformel; die von ihm bezeugte Buße ist öffentlich und nur einmal möglich.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Tertullian behandelt in De paenitentia die zweite Bußmöglichkeit nach der Taufe und beschreibt in Kapitel 9 die kirchliche Exomologesis als öffentliche Bußhandlung.
Historischer Text
Diese Handlung, die gewöhnlich mit einem griechischen Namen bezeichnet und ausgesprochen wird, ist die Exomologesis, durch die wir dem Herrn unsere Sünden bekennen — nicht als ob er sie nicht kennte, sondern weil durch das Bekenntnis die Genugtuung geregelt wird, aus dem Bekenntnis die Buße geboren wird, durch die Buße Gott versöhnt wird. ... Sie gebietet, das Gebet häufig durch Fasten zu stärken, zu seufzen, zu weinen und Tag und Nacht zum Herrn zu rufen, vor den Presbytern niederzufallen, vor den Lieblingen Gottes die Knie zu beugen und alle Brüder um ihre Fürbitte zu bitten.
Vollständigen historischen Text öffnen: TertullianWarum diese Stelle wichtig ist
Tertullian bezeugt die kirchliche Vermittlung der Vergebung zwischen Taufe und Tod als geordneten Prozess mit Bekenntnis, Genugtuung und Fürbitte der Brüder.
Quellen und HinweiseKKK 1420–1498 · KKK 1113–1211 · KKK 748–975
Katechismus
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 1420–1498Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Buße, Versöhnung und kirchlicher Dienst.
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 1113–1211Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Allgemeine Sakramentenlehre und Siebenzahl.
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 748–975Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Kirche und ihre Ämter.
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 1854–1876Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Todsünde und lässliche Sünde.
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 1536–1600Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Der Katechismus behandelt Weihe, Priestertum und in KKK 1579–1580 die lateinische sowie die rechtmäßige ostkirchliche Ordnung des Zölibats.
Konzilien und Lehramt
- Konzil von Trient, Sitzung XIVSessio XIV, Kap. VIII–IXTranskription bei Konzil von Trient / Hanover Historical Texts Collection
Trient erläutert die kirchliche Lehre über Buße und Genugtuung.
- Indulgentiarum doctrina§§1–2, 5–10; Normen 1–3Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Paul VI. entfaltet biblische Grundlage, kirchliche Entwicklung, Schatz der Kirche und die Definition des Ablasses.
- Sacrosanctum ConciliumSC 59–78Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Sakramente und Sakramentalien.
- Nizäno-Konstantinopolitanisches GlaubensbekenntnisKKK 195Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Der Katechismus ordnet das Bekenntnis den ersten beiden ökumenischen Konzilien von 325 und 381 zu.
Fachdokumente und Studien
- Johann Tetzel, Sermon on IndulgencesSermon on Indulgences, ca. 1517Sekundäranalyse · Wissenschaftliche Sekundärquelle
Historische Quellenedition eines Tetzel zugeschriebenen Ablasssermons.
Historische Primärquellen
- Martin Luther, Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum95 Thesen, 1517Primärtext · Primärtext / Edition
Luthers Primärtext zur Kritik an Ablasspredigt und kirchlicher Praxis.
- Über die Buße7–10Übersetzung · Primärtext / Edition
Tertullian beschreibt reale kirchliche Buße und Sündenbekenntnis.
- Konzil von Trient, Sitzung VIKap. VII–VIII, XIV, XVI; Kanones IX–XXXIIITranskription bei Hanover Historical Texts Collection
Trient unterscheidet erste Gnade, Rechtfertigung, Erneuerung, Verdienst, Verlust und Wiederherstellung.
- Didache4; 7; 8; 14Übersetzung · Primärtext / Edition
Frühchristliche Tauf-, Gebets- und Bußpraxis.
- Cyprian von Karthago: Über die GefallenenDe lapsis 28–29Übersetzung · Primärtext / Edition
Cyprian bezeugt um 251 das Bekenntnis selbst sündiger Absichten vor den Priestern Gottes und die durch die Priester gewährte Vergebung; deutsche Übersetzung der Bibliothek der Kirchenväter.
Bekenntnisse und offizielle Lehrquellen
- KonkordienbuchCA IV, VI, XXPrimärtext · Offizielle konfessionelle Quelle
Lutherische Bekenntnistexte zur Rechtfertigung aus Glauben und zu guten Werken als Frucht.
- Westminster Confession of FaithWCF XI.1–3; XVI.2,5–6Primärtext · Offizielle konfessionelle Quelle
Reformierte Bekenntnistexte zu Rechtfertigung, guten Werken und gnadenhaftem Lohn.
- Basis des GlaubensGlaubensbasis 2018Primärtext · Offizielle konfessionelle Quelle
Evangelikale gemeinsame Glaubensbasis; konkrete Gemeinden und Traditionen können abweichen.
- Westminster Confession of FaithWCF I.10; XI.1–3; XVI.2,5–6; XXV.1–6; XXXI.1–3Primärtext · Offizielle konfessionelle Quelle
Offizielle reformierte Bekenntnisquelle zu Rechtfertigung, guten Werken, Kirche, Schrift, Synoden und Konzilien.
Kirchenväter
- Der heilige Irenäus von LyonGeneralaudienz vom 28. März 2007Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Benedikt XVI. erläutert Irenäus über apostolische Überlieferung und die Nachfolge der Bischöfe.