Priestertum und apostolische Sukzession
Christus sendet seine Jünger in seine Sendung
Beim letzten Mahl beauftragt Christus seine Apostel, die Eucharistie zu seinem Gedächtnis zu feiern; nach seiner Auferstehung sendet er sie, wie er selbst vom Vater gesandt ist, schenkt ihnen den Heiligen Geist und gibt ihnen die Vollmacht, Sünden zu vergeben. Beide Aufträge gehören zu dem Dienst, den die Apostel weitergeben. Was folgt aus den Sendungsworten für ein Amt, das bleibt?
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Gedächtnis und Sendung Bibel und Textverständnis
Beim letzten Mahl stiftet Christus das Gedächtnis, nach Ostern sendet und bevollmächtigt er seine Jünger
Christus stiftet das Gedächtnis seiner Hingabe und sendet die Apostel mit Vollmacht.
Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
Auszug aus Lk 22,19 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Jesus gibt seinen Jüngern beim Mahl den Auftrag: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“
Am Tisch des letzten Mahles stiftet Christus das Gedächtnis seiner Hingabe. Nach Ostern sendet er seine Jünger, wie er selbst vom Vater gesandt ist, und verbindet die Sendung mit Vollmacht. Beide Szenen bezeugen Christus als den, der stiftet und der sendet; das Handeln geht von ihm aus.
Auszug aus Joh 20,21–23 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 21: Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Vers 22: Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
Vers 23: Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.
Was der Text unmittelbar zeigt
Der Auferstandene sendet die Jünger, haucht ihnen den Geist ein und überträgt ihnen Vollmacht zur Vergebung und zum Behalten von Sünden.
Mit der Sendung ist Vollmacht verbunden. Christus gibt seinen Jüngern die Befugnis, Sünden zu vergeben. Angesprochen sind die Jünger selbst: die mit ihm das Mahl feierten und die ihm nach Ostern begegnet sind. Die Stellen bezeugen Christus als den, der sendet und bevollmächtigt.
Ursprung des apostolischen Dienstes Glaube und Überlieferung
Die Kirche versteht die Beauftragung als Ursprung des apostolischen Dienstes
Aus der Sendung der Apostel lebt das Amt der Kirche bis heute.
Die Kirche liest die Sendungsworte als den Anfang des apostolischen Dienstes. Christus beauftragt seine Jünger und sendet sie, wie er selbst vom Vater gesandt ist. Dass dieser Auftrag weitergegeben wurde, bezeugt das übrige apostolische Schrifttum; die Weitergabe geschieht durch Handauflegung und Nachbesetzung, und wer den Dienst übernimmt, empfängt ihn aus der Hand derer, die ihn schon tragen. Für diese Nachfolge im Amt ist das Wort Sukzession üblich.
Nach dem Katechismus vertraut Christus die Heilssendung, die er vom Vater empfangen hat, den Aposteln und durch sie ihren Nachfolgern an; sie erhalten seinen Geist, um in seinem Namen und in seiner Person zu handeln (KKK 1120). Das Amtspriestertum, das priesterliche Amt der Kirche, empfängt seine Sendung von Christus und steht in derselben Weitergabe, die durch Handauflegung und Nachbesetzung geschieht. In dieser Weitergabe dauert der Auftrag fort, den Christus seinen Jüngern gegeben hat.
Quellen zu dieser Frage 1
Sendungsworte und bleibendes Amt Glaube und Überlieferung
Folgt aus den Sendungsworten ein fortwirkendes kirchliches Amt?
Die Sendungsworte richten sich an die Apostel; folgt aus ihnen ein Amt, das bleibt?
Der Einwand lautet: Die Sendungsworte gelten den Jüngern. Sie sind an Menschen gerichtet, die mit Christus das Mahl feierten und denen er nach Ostern begegnet ist. Aus ihnen folgt kein fortwirkendes kirchliches Amt; sie bezeugen einen Auftrag, der an den Kreis der damals Angesprochenen erging.
Die Antwort hält an der Stelle selbst fest: Christus sendet die Jünger, wie der Vater ihn gesandt hat, und verbindet die Sendung mit der Vollmacht zur Vergebung. Die Kirche versteht diese Beauftragung als den Anfang ihres geordneten Dienstes. Christus verbindet die Sendung zudem mit einer Verheißung, die über das Leben der Apostel hinausreicht: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). Darum unterscheidet die Kirche im Auftrag der Apostel die unübertragbare Aufgabe, erwählte Zeugen der Auferstehung zu sein, von einer übertragbaren, die bis zum Ende der Zeiten fortdauert (KKK 860; LG 20). Dass Christus mit „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ die Apostel als Priester des Neuen Bundes einsetzte und ihnen mit Johannes 20,22–23 die Vollmacht gab, Sünden zu vergeben, hält die Kirche seit dem Konzil von Trient verbindlich fest (KKK 1337; 1461).