Kirche und Lehramt
Eine gemeinsame Bekenntnisformel
Das Glaubensbekenntnis von 381 bekennt die Kirche als eine, heilige, katholische und apostolische. „Katholisch“ meint dabei das Ganze, die auf alle Völker gerichtete Sendung; „apostolisch“ meint die Herkunft von den Aposteln und die Weitergabe ihres Dienstes. Die vier Worte sammeln biblische Bezüge, die das Neue Testament in Christi Gebet, in der Lehre der Apostel und in ihrer Sendung bezeugt. Der Weg führt von den Schriftstellen über die Lehre der Kirche zu der Frage, wie sich die Verbindlichkeit der später entstandenen Formel verhält.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Kennzeichen aus dem Schriftzeugnis Bibel und Textverständnis
Vier Kennzeichen wachsen aus dem Zeugnis der Schrift
Was die angeführten Stellen bezeugen: Christi Gebet um Einheit, die Lehre vom einen Leib, die Heiligkeit der Glaubenden und die Sendung zu allen Völkern.
Ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.
Auszug aus Joh 17,20 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus betet für die Einheit der Glaubenden.
Auszug aus 1 Kor 1,10.12–13 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 10: Ich ermahne euch aber, Brüder und Schwestern, im Namen unseres Herrn Jesus Christus: Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch; seid vielmehr eines Sinnes und einer Meinung!
Auslassung im Bibeltext.
Vers 12: Ich meine damit, dass jeder von euch etwas anderes sagt: Ich halte zu Paulus - ich zu Apollos - ich zu Kephas - ich zu Christus.
Vers 13: Ist denn Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus weist Parteiungen zurück und ruft zu einmütigem Reden.
Auszug aus Eph 4,3–6 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 3: und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens!
Vers 4: Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung:
Vers 5: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe,
Vers 6: ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Ein Leib, ein Glaube und eine Taufe gehören zusammen.
Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, da er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort!
Auszug aus Eph 5,25–26 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Christus heiligt die Kirche und stellt sie heilig vor sich hin.
Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde.
Auszug aus 1 Petr 2,9 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Glaubenden bilden ein heiliges Volk und Gottes Eigentum.
Das Neue Testament beschreibt die Gemeinschaft der Glaubenden von ihrem Ursprung her als eine. Im Gebet Jesu vor seinem Leiden bittet er darum, dass seine Jünger eins seien, wie er und der Vater eins sind (Johannes 17,20–23). Paulus ermahnt die Gemeinde in Korinth, in einem Sinn und in einer Rede verbunden zu bleiben, und verweist sie auf den einen Christus, auf den sie getauft ist (1 Korinther 1,10–13). Derselbe Apostel nennt den einen Leib, den einen Herrn, den einen Glauben und die eine Taufe, die die Einheit im Geist begründen (Epheser 4,3–6). Die Heiligkeit dieser Gemeinschaft gründet in der Hingabe Christi: Er hat die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben, um sie zu heiligen (Epheser 5,25–27). Petrus gründet die Heiligkeit der Glaubenden in ihrer Berufung als Volk Gottes (1 Petrus 2,9).
Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.
Auszug aus Mt 28,19–20 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Christus sendet die Jünger zu allen Völkern.
ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
Auszug aus Apg 1,8 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Jünger sollen bis an die Grenzen der Erde als Zeugen wirken.
Danach sah ich und siehe, eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen.
Auszug aus Offb 7,9 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Menschen aus allen Nationen und Sprachen stehen vor Gottes Thron.
Auszug aus Joh 20,21–23 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 21: Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Vers 22: Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
Vers 23: Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Christus sendet die Apostel und überträgt ihnen Vollmacht.
Was du vor vielen Zeugen von mir gehört hast, das vertraue zuverlässigen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren!
Auszug aus 2 Tim 2,2 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Apostolische Lehre soll zuverlässigen Menschen anvertraut werden, die sie an andere weitergeben.
Die Weite dieser Gemeinschaft zeigt sich in der Sendung. Der Auferstandene beauftragt seine Jünger, alle Völker zu Jüngern zu machen (Matthäus 28,18–20). Vor seiner Himmelfahrt sagt er ihnen zu, dass sie seine Zeugen sein werden bis an die Grenzen der Erde (Apostelgeschichte 1,8). Die Vollendung dieses Auftrags schaut der Seher Johannes: eine große Schar von Erlösten aus allen Nationen (Offenbarung 7,9). Die Sendung selbst kommt von Christus: Wie der Vater ihn gesandt hat, so sendet er seine Jünger und gibt ihnen den Heiligen Geist für den Dienst der Versöhnung (Johannes 20,21–23). Timotheus empfängt den Auftrag, das Gehörte zuverlässigen Menschen anzuvertrauen, die fähig sind, auch andere zu lehren (2 Timotheus 2,2). Damit stehen Einheit, Heiligkeit, universaler Auftrag und apostolische Weitergabe als miteinander verbundene Beschreibungen der Kirche vor Augen.
Vier Gaben Christi Glaube und Überlieferung
Die Kirche bekennt die vier Kennzeichen als Gaben Christi
Wie die Kirche diese Stellen liest: als Eigenschaften, die Christus seiner Kirche durch den Heiligen Geist schenkt.
Die Kirche lehrt, dass Christus sie durch den Heiligen Geist zur einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche macht. In der Bekenntnisformel von Konstantinopel aus dem Jahr 381, dem nizäno-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis, das die Gemeinden bis heute im Gottesdienst sprechen, sammelt sie diese vier Eigenschaften in einer verbindlichen Bekenntnisformel. Der Katechismus nennt diese Formel im Zusammenhang des Glaubensbekenntnisses und legt die vier Kennzeichen als Gaben aus, die die Kirche von Christus empfängt.
Die vier Kennzeichen sind Gaben Christi, die die Kirche empfängt und in ihrem Leben bewahren muss. „Eine“ sammelt die biblische Rede vom einen Leib, dem einen Herrn, dem einen Glauben und der einen Taufe. „Heilig“ verweist auf Christi Hingabe für die Kirche, auf seine heiligende Tat und auf die Berufung des Gottesvolkes. „Katholisch“ nimmt den Auftrag auf, alle Völker zu Jüngern zu machen, und den Blick auf die Erlösten aus allen Nationen. „Apostolisch“ fasst die Sendung durch Christus und die geordnete Weitergabe von Lehre und Dienst zusammen. Die spätere kirchliche Bekenntnissprache bewahrt und klärt, was die Kirche aus Schrift und apostolischer Überlieferung bekennt; ihre Grundlage bleibt die apostolische Offenbarung. Damit steht die Bekenntnisformel als verbindliche Zusammenfassung der vier Kennzeichen vor Augen.
Späte Formel, viele Kirchen Glaube und Überlieferung
Die spätere Formel bekennt verbindlich, was Schrift und Überlieferung bezeugen
Können die vier Kennzeichen trotz später Formel verbindlich sein – und was bedeutet es, dass viele Kirchen dieselben Worte sprechen?
Die vier Begriffe wurden im vierten Jahrhundert zu einer Formel verbunden; die Frage lautet, ob sie damit eine verbindliche Beschreibung der Kirche sind. Die Kirche bekennt sie als verbindlich, weil die Formel aus den ersten beiden Ökumenischen Konzilien von Nizäa (325) und Konstantinopel (381) hervorgegangen ist (KKK 195) und die apostolische Überlieferung wiedergibt, die in der Kirche lebt: Einheit, Heiligkeit, universale Sendung und apostolische Weitergabe. In ihr spricht die Kirche aus, was sie aus Schrift und apostolischer Überlieferung empfangen hat (Dei Verbum 10); die Bekenntnissprache von 381 gibt diesen Bezügen ihre knappe, kirchliche Gestalt. Die spätere Terminologie hat ihre Grundlage in der apostolischen Offenbarung; sie bewahrt und klärt, was die Kirche empfangen hat.
Dass eine Vielzahl christlicher Kirchen dieselben Worte des Glaubensbekenntnisses spricht, bezeugt die Reichweite dieses Bekenntnisses; verbindlich sind die vier Kennzeichen, weil sie die apostolische Überlieferung wiedergeben. Die Formel hat ihre Gestalt in der kirchlichen Bekenntnissprache des vierten Jahrhunderts; die Entfaltung ihrer biblischen Grundlagen gehört in die Katechese, und die gesamte Lehre der Kirche entfaltet der Katechismus. Damit steht das Credo als kirchliches Bekenntnis der vier Kennzeichen vor Augen. Die eine Kirche Christi, die dieses Bekenntnis nennt, ist nach der Lehre der Kirche in der katholischen Kirche verwirklicht, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird (LG 8; KKK 816).