Bibelstelle · EÜ 2016
Joh 21,15–17
Der auferstandene Christus beauftragt Petrus, seine Lämmer und Schafe zu weiden. Die Kirche versteht darin den besonderen Petrusdienst, der unter Christus der Einheit der ganzen Kirche dient.
Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Auszug
Auszug aus Joh 21,15–17
Bibeltext
Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! … Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! … Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
Auszug aus Joh 21,15–17 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
In den Themen
Warum diese Stelle hier wichtig ist
Eine Stelle trägt oft mehr als eine Glaubensfrage. Bei jeder steht, was sie zum Argument beiträgt und wo das Argument weitergeht.
Der auferstandene Christus überträgt Petrus den Hirtenauftrag für Lämmer und Schafe
Die Stelle bezeugt einen besonderen pastoralen Auftrag des Petrus im Dienst an der Herde Christi.
Der Petrusdienst markiert die spezifisch katholische Frage
Die Stelle trägt den umfassenden Hirtendienst des Petrus für die Herde Christi.
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Kirchliche Zeugen
Zeugnis der Kirche durch die Jahrhunderte
Die Zeugnisse von Kirchenvätern, Kirchenlehrern, Konzilien und dem Lehramt zeigen, wie die Kirche diese Stelle verstanden hat.
Irenäus von Lyon
Irenäus von Lyon bezeugt um 180 in Adversus haereses III,3,2–3 die von Petrus und Paulus gegründete und eingerichtete Kirche in Rom, die durch die Nachfolge der Bischöfe bis in seine Zeit gelangte apostolische Überlieferung und Roms herausragende Stellung als Bezugspunkt kirchlicher Übereinstimmung.
Die sehr große, sehr alte und allbekannte Kirche, die in Rom von den ruhmreichsten Aposteln Petrus und Paulus gegründet und eingerichtet wurde, besitzt die von den Aposteln herkommende Überlieferung und die Verkündigung, die durch die Nachfolge der Bischöfe bis zu uns gelangt ist. […] Mit dieser Kirche muss wegen ihrer herausragenden Stellung [potentiorem principalitatem] jede Kirche übereinstimmen [convenire], das heißt die Gläubigen von überall.
Gegen die Häresien, Buch III · Adversus haereses III,3,2–3 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Irenäus bezeugt die von den Aposteln Petrus und Paulus in Rom gegründete und eingerichtete Kirche, die von den Aposteln herkommende Überlieferung, ihre Weitergabe durch die Nachfolge der Bischöfe (Linus, Anacletus, Clemens) und Roms herausragende Stellung als Bezugspunkt der Übereinstimmung aller Kirchen.
Die Grenze: Irenäus bezeugt den Vorrang Roms als Maßstab der apostolischen Überlieferung; die rechtliche Gestalt dieses Vorrangs hat das Erste Vatikanische Konzil später bestimmt und dabei gerade dieses Wort aufgenommen (DS 3057; KKK 834).
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Irenäus argumentiert gegen geheime Lehren mit der öffentlichen apostolischen Überlieferung und der Bischofsnachfolge. In diesem kurzen Ausschnitt tritt die römische Kirche als besonderer Bezugspunkt seines Sukzessionsarguments hervor.
Historischer Text
Die sehr große, sehr alte und allbekannte Kirche, die in Rom von den ruhmreichsten Aposteln Petrus und Paulus gegründet und eingerichtet wurde, besitzt die von den Aposteln herkommende Überlieferung und die Verkündigung, die durch die Nachfolge der Bischöfe bis zu uns gelangt ist. […] Mit dieser Kirche muss wegen ihrer herausragenden Stellung [potentiorem principalitatem] jede Kirche übereinstimmen [convenire], das heißt die Gläubigen von überall. In ihr ist die von den Aposteln stammende Überlieferung von denen, die von überall her sind, stets bewahrt worden. […] Nachdem die seligen Apostel die Kirche gegründet und eingerichtet hatten, übergaben sie Linus das Bischofsamt zur Leitung der Kirche; auf ihn folgte Anacletus, und an dritter Stelle nach den Aposteln wurde Clemens Bischof.
Vollständigen historischen Text öffnen: Irenäus von LyonWarum diese Stelle wichtig ist
Der Abschnitt nennt die von den Aposteln Petrus und Paulus gegründete und eingerichtete Kirche in Rom, die von den Aposteln herkommende Überlieferung, die Bischofsfolge Linus, Anacletus und Clemens und weist Rom innerhalb des öffentlichen Sukzessionsarguments eine herausgehobene Referenzstellung zu. Er zeigt damit, wie Rom im zweiten Jahrhundert als Bezugspunkt der einen apostolischen Verkündigung galt.
Cyprian von Karthago
Cyprian verbindet den Ursprung der Einheit bei einem Einzigen mit der Gleichheit der Apostel in Ehre und Vollmacht.
Auf einen baut er die Kirche. Und obwohl er allen Aposteln nach seiner Auferstehung eine gleiche Vollmacht gibt und sagt: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende auch ich euch: Empfangt den Heiligen Geist: Wem immer ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; und wem immer ihr sie behaltet, dem sind sie behalten; so ordnete er doch, um die Einheit darzustellen, durch seine Vollmacht den Ursprung dieser Einheit an, die bei einem Einzigen beginnt. Gewiss, die übrigen Apostel waren auch dasselbe, was Petrus war, ausgestattet mit einer gleichartigen Teilhabe sowohl an Ehre als auch an Macht; aber der Anfang geht von der Einheit aus, damit die Kirche Christi als eine erwiesen werde.
Über die Einheit der Kirche (De unitate ecclesiae) · De unitate ecclesiae 4 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Cyprian bezeugt den Ursprung der Einheit bei einem Einzigen und die Gleichheit der Apostel in Ehre und Vollmacht.
Die Grenze: Cyprian denkt die Einheit vom einen Bischofsamt her, an dem alle Bischöfe teilhaben. Zugleich heißt es in einer zweiten überlieferten Fassung dieses Kapitels ausdrücklich, Petrus werde der Primat gegeben, damit eine Kirche und ein Lehrstuhl gezeigt würden, und in Brief 59,14 nennt Cyprian Rom „den Stuhl Petri und die Hauptkirche, von der die Einheit des Priestertums ausgegangen ist“. Wie weit eine Entscheidung des Bischofs von Rom die anderen Bischöfe bindet, hat er im Streit um die von Häretikern gespendete Taufe bestritten.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Cyprian verbindet Petrus, die Einheit der Kirche und die Gleichheit der Apostel.
Historischer Text
Der Herr spricht zu Petrus und sagt: Ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Und ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; und was immer du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein, und was immer du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein. Und wiederum sagt er nach seiner Auferstehung zu demselben: Weide meine Schafe. Auf einen baut er die Kirche. Und obwohl er allen Aposteln nach seiner Auferstehung eine gleiche Vollmacht gibt und sagt: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende auch ich euch: Empfangt den Heiligen Geist: Wem immer ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; und wem immer ihr sie behaltet, dem sind sie behalten; so ordnete er doch, um die Einheit darzustellen, durch seine Vollmacht den Ursprung dieser Einheit an, die bei einem Einzigen beginnt. Gewiss, die übrigen Apostel waren auch dasselbe, was Petrus war, ausgestattet mit einer gleichartigen Teilhabe sowohl an Ehre als auch an Macht; aber der Anfang geht von der Einheit aus, damit die Kirche Christi als eine erwiesen werde.
Vollständigen historischen Text öffnen: Cyprian von KarthagoWarum diese Stelle wichtig ist
Cyprian lässt die Einheit bei einem Einzigen beginnen, obwohl alle Apostel gleiche Ehre und Vollmacht empfangen. Wie beides zusammengehört, sagt Leo der Große: Unter den Aposteln war „bei der Ähnlichkeit ihrer Würde dennoch eine gewisse Verschiedenheit der Gewalt“, und nur einem war gegeben, „dass er über die Übrigen hervorragte“ (Brief 14,11).
Weitere historische Zeugnisse (1)
Leo der Große
Leo beschreibt einen Anspruch universaler Sorge kraft göttlicher Einsetzung und überträgt Vollmacht in einem Stellvertretungsverhältnis.
Denn da meine Vorgänger gegenüber den euren so handelten, habe auch ich, Geliebter, ihrem Beispiel folgend, meine Vollmacht an dich übertragen, damit du, indem du unsere Milde nachahmst, uns bei der Sorge hilfst, die wir kraft göttlicher Einsetzung vor allem allen Kirchen schulden, und damit du bis zu einem gewissen Grad unsere persönliche Gegenwart ersetzt, indem du jene Provinzen besuchst, die von uns weit entfernt sind.
Brief 14 an Anastasius von Thessaloniki · Leo der Große, Epistula 14, 1 (um 446) · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Leo bezeugt übertragene Vollmacht zur Unterstützung der Sorge, die kraft göttlicher Einsetzung allen Kirchen geschuldet wird.
Die Grenze: Leo begründet die Sorge für alle Kirchen mit göttlicher Einsetzung und übt sie in einem Stellvertretungsverhältnis aus; die rechtliche Fassung dieser Vollmacht für die ganze Kirche hat das Erste Vatikanische Konzil später bestimmt.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Leo beschreibt die von ihm delegierte Vollmacht des Anastasios von Thessaloniki im Rahmen einer Sorge für die Kirchen.
Historischer Text
Denn da meine Vorgänger gegenüber den euren so handelten, habe auch ich, Geliebter, ihrem Beispiel folgend, meine Vollmacht an dich übertragen, damit du, indem du unsere Milde nachahmst, uns bei der Sorge hilfst, die wir kraft göttlicher Einsetzung vor allem allen Kirchen schulden, und damit du bis zu einem gewissen Grad unsere persönliche Gegenwart ersetzt, indem du jene Provinzen besuchst, die von uns weit entfernt sind.
Vollständigen historischen Text öffnen: Leo der GroßeWarum diese Stelle wichtig ist
Der Text zeigt die Entwicklung eines römischen Anspruchs auf eine universale kirchliche Sorge, die durch delegierte Stellvertretung ausgeübt wird.
Quellen und HinweiseKKK 880–887 · KKK 748–975
Katechismus
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 880–887Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Petrusdienst und Bischofskollegium.
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 748–975Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Kirche und ihre Ämter.
Konzilien und Lehramt
- Lumen gentiumLG 18–23Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Hierarchische Verfassung und Petrusamt.
- Lumen gentiumLG 18–29Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Apostolisches Amt und Bischöfe.
Historische Primärquellen
- Gegen die Häresien, Buch IIIIII,3,1–3Übersetzung · Primärtext / Edition
Irenäus argumentiert mit öffentlicher apostolischer Sukzession und der besonderen Bedeutung Roms.
- Pastor aeternus, Erstes Vatikanisches KonzilPastor aeternus, Kap. 4, 18. Juli 1870 (Definition: DH 3074)Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Offizieller lateinischer Originaltext der späteren Definition päpstlicher Unfehlbarkeit unter bestimmten Bedingungen.