Schrift und Tradition
Christus liest und erfüllt die Schrift
Eine Szene im Evangelium nach Lukas zeigt, wie die Schrift öffentlich gelesen und auf Christus hin gedeutet wird. Von dieser Lesung her wird verständlich, warum die Kirche die Bibel in ihrer Liturgie verkündet und sie auf Christus hin liest.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Jesu Lesung in Nazareth Bibel und Textverständnis
In der Synagoge liest Jesus aus Jesaja und erklärt das Schriftwort als erfüllt
Die Erzählung führt Jesus mitten in den öffentlichen Schriftgottesdienst seiner Zeit.
Als er aufstand, um vorzulesen, reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja.
Auszug aus Lk 4,16–17 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Jesus liest in der Synagoge aus Jesaja und erklärt, dass sich die Schrift in ihm erfüllt.
Am Sabbat geht Jesus wie gewohnt in die Synagoge. Er steht auf, erhält die Buchrolle des Jesaja und liest daraus vor der versammelten Gemeinde.
An die Lesung schließt sich die Deutung an: Heute hat sich das Schriftwort erfüllt. Jesus bezieht das Gehörte auf seine eigene Sendung, und damit gehören öffentliche Lesung, versammelte Gemeinde und die Erfüllung in seiner Person in ein und dieselbe Szene.
Christus in der Schrift Glaube und Überlieferung
Die Kirche liest die Schrift in dem Geist, in dem sie geschrieben wurde, und empfängt in ihr Christus
Aus dieser Szene folgt für die Kirche, wie sie mit der Heiligen Schrift umgeht.
Die Kirche liest die Heilige Schrift in dem Geist, in dem sie geschrieben wurde, wie das Konzil in Dei Verbum 12 festhält (vgl. KKK 111), und empfängt in ihr Christus. Wenn die Schrift in der Kirche gelesen wird, spricht Christus selbst (Sacrosanctum Concilium 7); die Liturgie ist deshalb der bevorzugte Ort, an dem Gott sein Volk durch sein Wort anspricht.
Die Kirche folgt damit der Grundgestalt, die die Lesung in der Synagoge vorgibt: Die biblischen Bücher werden in der Liturgie verkündet und auf Christus hin gelesen. Er ist in seinem Wort gegenwärtig und spricht, wenn die Kirche die Schrift liest. Das Evangelium wird dadurch in seinem eigentlichen Ziel empfangen. Offen ist noch, ob die Synagogenlesung Jesu damit auch eine Ordnung für die heutige Liturgie vorgibt.
Quellen zu dieser Frage 3
Synagoge und heutige Liturgie Glaube und Überlieferung
Gibt Jesu Synagogenlesung eine Anweisung für die heutige Liturgie?
Der Einwand fragt, ob die Szene in der Synagoge eine Ordnung für die heutige Liturgie vorgibt.
Die Szene berichtet von einem Synagogengottesdienst vor Ostern. Wer daraus eine Ordnung für die christliche Messe ableitet, macht aus einer einmaligen messianischen Selbstoffenbarung Jesu eine liturgische Vorschrift.
Die Kirche leitet aus der Szene keine Ablaufvorschrift ab. Sie erkennt darin, was jede christliche Schriftlesung im Kern ist: Die Schrift wird vor der versammelten Gemeinde gelesen, und Christus legt sie als in ihm erfüllt aus. Die Ordnung der Lesungen gestaltet die Kirche in ihrer liturgischen Überlieferung; das Konzil hat sie erweitert, damit den Gläubigen „der Tisch des Gotteswortes reicher bereitet werde“ (SC 51).