SCRIPTURA PLENA

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Schrift und Überlieferung

Mündlich und brieflich: Paulus ruft zum Festhalten an der Überlieferung auf

Der Zweite Thessalonicherbrief nennt zwei Wege, auf denen eine Gemeinde die Lehre des Apostels empfangen hat: die mündliche Verkündigung und den Brief. Paulus ruft zum Festhalten an dem auf, was er sie gelehrt hat. Die folgende Lesung geht von der Stelle aus, fragt nach der Lehre der Kirche über die Weitergabe des Evangeliums und nimmt den Einwand auf, woran eine apostolische Überlieferung erkennbar bleibt.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Eine offene Schriftrolle und eine Lichtflamme stehen zwischen drei Gestalten, die das Empfangene von einer zur nächsten weiterreichen.
Schrift & TraditionKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Mündliche Verkündigung und Brief Bibel und Textverständnis

Paulus bindet die Gemeinde an die Überlieferung, in der er sie unterwiesen hat

Der Zweite Thessalonicherbrief, Kapitel 2, Vers 15 nennt zwei Wege, auf denen die Gemeinde die Lehre des Apostels empfangen hat: die mündliche Verkündigung und den Brief.

Seid also standhaft, Brüder und Schwestern, und haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben, sei es mündlich, sei es durch einen Brief!

Auszug aus 2 Thess 2,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Die Gemeinde soll an den mündlich und schriftlich überlieferten Lehren festhalten.

2 Thess 2,15: Zusammenhang und Übersetzung

Paulus schreibt an eine Gemeinde, die er zuvor selbst unterwiesen hat. Er ruft sie auf, an den Überlieferungen festzuhalten, in denen er sie unterwiesen hat. Der Vers nennt dabei beide Wege nebeneinander: die mündliche Verkündigung und den Brief, den die Gemeinde von ihm empfangen hat.

Paulus unterscheidet die beiden Wege nicht nach ihrem Gewicht. Mündliche Rede und geschriebener Brief stehen unter demselben apostolischen Auftrag, das Empfangene zu bewahren. Der Vers bezeugt damit die apostolische Herkunft der Lehre, die in der Gemeinde bereits lebendig ist.

Das Neue Testament spricht auch an anderen Stellen von dieser Lage. Das Johannesevangelium sagt am Ende selbst, dass es eine Auswahl bietet: „Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind“ (Joh 20,30); und sein Schluss fügt hinzu: „Wenn man alles einzeln aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die dann geschriebenen Bücher nicht fassen“ (Joh 21,25). Der Verfasser des zweiten Johannesbriefs schreibt: „Vieles hätte ich euch noch zu schreiben; ich will es aber nicht mit Papier und Tinte tun, sondern hoffe, selbst zu euch zu kommen und persönlich mit euch zu sprechen“ (2 Joh 12). Die Schriften verstehen sich so als geschriebenes Zeugnis innerhalb einer lebendigen Verkündigung, die ihnen vorausgeht und sie begleitet. Sie sprechen von der Fülle dessen, was Jesus getan hat, und vom persönlichen Wort des Apostels; einzelne Lehrinhalte, die nur mündlich überliefert wären, nennen sie nicht. Von dieser Beobachtung aus stellt sich die Frage, wie die apostolische Überlieferung in der Kirche dauerhaft bewahrt und ausgelegt wird.

Die apostolische Predigt Glaube und Überlieferung

Die Kirche bewahrt die apostolische Predigt in ununterbrochener Folge

Wie die Kirche diese Stellen liest.

Die Kirche liest den Vers im Zusammenhang der Weitergabe des Evangeliums. Dei Verbum, abgekürzt DV, behandelt diesen Vorgang. Die Weitergabe des Evangeliums geschah danach auf zwei Weisen: durch die Apostel, die in mündlicher Predigt, durch Beispiel und Einrichtungen weitergaben, was sie von Christus empfangen oder unter der Eingebung des Heiligen Geistes gelernt hatten, und durch Apostel und apostolische Männer, die die Heilsbotschaft unter der Inspiration desselben Heiligen Geistes niederschrieben (DV 7; vgl. KKK 76). Der Katechismus erinnert daran: „Die erste Christengeneration hatte ja noch kein schriftliches Neues Testament, und das Neue Testament selbst bezeugt den Vorgang der lebendigen Überlieferung“ (KKK 83). Die Kirche bewahrt diese apostolische Predigt in ununterbrochener Folge.

Die Kirche lehrt, dass Schrift und Überlieferung derselben göttlichen Quelle entspringen. Die verbindliche Erklärung des Wortes Gottes ist dem lebendigen Lehramt anvertraut, also dem Amt, das das geschriebene und überlieferte Wort Gottes auslegt und dabei dem Wort dient. Der Katechismus der Katholischen Kirche, abgekürzt KKK, ordnet die Frage in demselben Zusammenhang ein. Offen ist noch, woran sich eine apostolische Überlieferung von späteren Zusätzen unterscheiden lässt.

Quellen zu dieser Frage 2

Erkennbarkeit späterer Überlieferung Glaube und Überlieferung

Woran lässt sich erkennen, welche spätere Überlieferung apostolisch ist?

Der Vers nennt beide Wege der Übermittlung; ein Verfahren, spätere Überlieferungen als apostolisch zu erkennen, beschreibt er nicht.

2 Thess 2,15 nennt die mündliche Überlieferung neben dem Brief. Wie spätere kirchliche Überlieferungen als apostolisch erkannt werden, gehört zur Aufgabe der Ordnung, in der die Kirche das Empfangene bewahrt; mündliche Weitergabe kann sich im Lauf der Zeit mit menschlichen Zusätzen verbinden. Damit steht die Frage im Raum, woran die apostolische Herkunft einer Überlieferung erkennbar bleibt.

Paulus bindet die Überlieferungen an das, worin er die Gemeinde unterwiesen hat. Der Vers trägt damit die apostolische Herkunft der empfangenen Lehre, und an ihr misst die Kirche auch spätere Überlieferungen: Apostolisch ist, was von den Aposteln herkommt und weitergibt, was diese der Lehre und dem Beispiel Jesu entnahmen und vom Heiligen Geist vernahmen; die Aussagen der Kirchenväter bezeugen die Gegenwart dieser Überlieferung im Leben der glaubenden und betenden Kirche (KKK 83; DV 8). Davon unterscheidet die Kirche die Traditionen, die im Lauf der Zeit in den Ortskirchen entstanden sind; sie können unter der Leitung des Lehramtes beibehalten, abgeändert oder aufgegeben werden (KKK 83). Das Lehramt urteilt darüber in Bindung an das Empfangene: Dei Verbum 10 überträgt ihm die verbindliche Erklärung des geschriebenen und überlieferten Wortes Gottes, und es lehrt nur, was überliefert ist.

Quellen zu dieser Frage 2
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