Vorausbilder der Taufe
Durch das Wasser in die Freiheit und zum Erbe
Die Bibel erzählt von zwei Wegen durch das Wasser: Israel entkommt durch das Rote Meer der ägyptischen Knechtschaft und überschreitet den Jordan auf dem Weg in das verheißene Land. Der Apostel Paulus deutet den Durchzug durch das Meer ausdrücklich als Taufe auf Mose. Die Kirche nimmt diese apostolische Spur auf und liest im Katechismus beide Wasserwege, das Meer und den Jordan, als Vorausbilder der Taufe. So werden zwei Seiten von Christi Gabe sichtbar: Gott befreit aus der Macht der Sünde und führt in das Leben, das er verheißt.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Befreiung Bibel und Textverständnis
Gott führt Israel durch das Wasser aus der Knechtschaft
Am Roten Meer wird sichtbar, was Befreiung im biblischen Sinn bedeutet: Gott selbst eröffnet Israel den Weg aus der Gewalt Ägyptens.
Mose streckte seine Hand über das Meer aus und der HERR trieb die ganze Nacht das Meer durch einen starken Ostwind fort.
Auszug aus Ex 14,21–31 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Israel durchquert auf Gottes Führung hin das Meer und entgeht der Bedrohung.
Exodus 14,21–31 erzählt, wie Gott das Meer öffnet, Israel auf trockenem Boden hindurchgeht und der ägyptischen Knechtschaft entkommt. Als Israel diese Rettung erkennt, antwortet es mit Vertrauen auf den Herrn und auf Mose. Das Wasser gehört damit zu der Befreiung, die Gott schenkt.
Ihr sollt wissen, Brüder und Schwestern, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren, alle durch das Meer zogen und alle auf Mose getauft wurden in der Wolke und im Meer.
Auszug aus 1 Kor 10,1–2 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus beschreibt Israels Weg unter der Wolke und durch das Meer als eine Taufe auf Mose in Wolke und Meer.
Paulus nimmt diese Geschichte ausdrücklich auf. In 1 Korinther 10,1–2 beschreibt er Israel unter der Wolke und beim Durchzug durch das Meer als Menschen, die auf Mose getauft wurden. Der Durchzug heißt damit schon im apostolischen Zeugnis Taufe.
Paulus führt die Erinnerung in 1 Korinther 10,5–13 weiter. Viele aus Israel hatten Gottes Gabe empfangen, wurden ihm aber untreu und verfielen der Sünde. Darum ruft die Erinnerung die christliche Gemeinde zu einem Leben, das an Gott festhält. Gottes Treue bleibt der Grund der Hoffnung: In Vers 13 bezeugt Paulus, dass Gott in der Versuchung einen Ausweg schafft.
Verheißung Bibel und Textverständnis
Gott öffnet durch den Jordan den Eintritt in das verheißene Land
Der Jordan steht für den nächsten Schritt der Rettung: Israel wird in das Land geführt, das Gott ihm verheißen hat.
Am frühen Morgen brach Josua mit allen Israeliten von Schittim auf. Als sie an den Jordan kamen, übernachteten sie dort, bevor sie ihn überschritten.
Auszug aus Jos 3,1 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Israel überschreitet unter Josua den Jordan und tritt in das verheißene Land ein.
In Josua 3,14–17 tragen die Priester die Bundeslade vor dem Volk. Als ihre Füße das Wasser des Jordans berühren, hält das Wasser an. Das ganze Volk überschreitet den Fluss auf trockenem Boden und gelangt in das verheißene Land.
Der Jordan ist der letzte Abschnitt des Weges, der am Roten Meer begonnen hat: Aus der Knechtschaft Ägyptens führt Gott sein Volk in das Land, das er ihm zugesagt hat. Der Durchzug steht deshalb für den Eintritt in das Erbe, das Israel von Gott empfängt.
Erfüllung Glaube und Überlieferung
Jesus offenbart am Jordan seine Sendung
Die Wasserwege Israels führen zu Jesus: In seiner Taufe werden der Sohn, der Geist und der Vater sichtbar.
Als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf.
Auszug aus Mt 3,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus wird im Jordan getauft; der Geist kommt auf ihn herab und die Stimme des Vaters bezeugt ihn.
Matthäus 3,13–17 erzählt, dass Jesus zu Johannes an den Jordan kommt und dessen Taufe annimmt, um die Gerechtigkeit zu erfüllen. Der Vater offenbart ihn als seinen geliebten Sohn, und der Geist kommt auf ihn herab. Jesus nimmt diesen Weg des Gehorsams frei an und tritt in seine öffentliche Sendung ein.
Die Kirche liest die Wasserwege Israels als Vorausbilder der Taufe. Der Durchzug durch das Rote Meer zeigt die Freiheit, die Gott in der Taufe schenkt (KKK 1221 – KKK steht für Katechismus der Katholischen Kirche). Der Übergang über den Jordan ist Bild des Eintritts in das ewige Leben, und das verheißene Erbe findet im Neuen Bund seine Erfüllung (KKK 1222).
In der Osternacht segnet die Kirche das Taufwasser; dabei werden die großen Wasserereignisse der Heilsgeschichte in Erinnerung gerufen (KKK 1217). Die christliche Taufe hat ihre Grundlage in Christi Pascha, seinem Tod und seiner Auferstehung (KKK 1225). Deshalb führt sie in die Freiheit, die Christus eröffnet, und richtet das Leben auf die Vollendung bei Gott aus.