SCRIPTURA PLENA

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Bibelstelle · EÜ 2016

Ex 20,1–17

Am Sinai verkündet Gott dem aus Ägypten befreiten Volk die Zehn Gebote: Israel soll neben ihm keine anderen Götter haben, sich kein Kultbild machen und sich nicht vor solchen Bildern niederwerfen. Die Gebote werden verschieden gezählt: Der Katechismus folgt mit den lutherischen Bekenntnissen der Einteilung des Augustinus, die das Bilderverbot zum ersten Gebot rechnet; orthodoxe Kirchen und reformierte Gemeinschaften zählen es nach den griechischen Vätern als eigenes zweites Gebot (KKK 2066). Die Kirche hält an der Anbetung des einen Gottes fest und unterscheidet sie von der Verehrung heiliger Zeichen und Bilder.

Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Auszug

Auszug aus Ex 20,1–17

Bibeltext

Du sollst dir kein Kultbild machen und keine Gestalt von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.

Auszug aus Ex 20,1–17 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Wer hier spricht und in welcher Lage

Israel lagert am Sinai, als Gott sich am dritten Tag in Donner, Blitz, Rauch und gewaltigem Hörnerschall auf dem Berg zeigt; das Volk bleibt unten am Berg stehen, und Mose steigt zu Gott hinauf (Ex 19,16–25). Mit dem Satz „Dann sprach Gott alle diese Worte“ beginnt die Rede, in der Gott sich als der vorstellt, der Israel aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, geführt hat, und das Volk in Geboten und Verboten unmittelbar anspricht (20,1–17). Danach bittet das verängstigte Volk Mose, an Gottes Stelle mit ihm zu reden, und Mose nähert sich der dunklen Wolke, dort, wo Gott ist (20,18–21).

In den Themen

Warum diese Stelle hier wichtig ist

Eine Stelle trägt oft mehr als eine Glaubensfrage. Bei jeder steht, was sie zum Argument beiträgt und wo das Argument weitergeht.

  1. Direkter BelegSchritt 1 von 3

    Was Exodus 20 verbietet

    Es begrenzt die Folgerung, jede religiöse Darstellung sei verboten: Das Verbot zielt auf die Vergöttlichung des Geschaffenen.

Kirchliche Zeugen

Zeugnis der Kirche durch die Jahrhunderte

Die Zeugnisse von Kirchenvätern, Kirchenlehrern, Konzilien und dem Lehramt zeigen, wie die Kirche diese Stelle verstanden hat.

  • Konzil787

    Zweites Konzil von Nizäa

    Das Zweite Konzil von Nizäa unterscheidet 787 in seiner Glaubensdefinition zwischen ehrender Verehrung von Bildern und der Anbetung, die allein der göttlichen Natur zukommt.

    Ihnen soll Begrüßung und ehrende Verehrung [τιμητικὴν προσκύνησιν; timētikēn proskynēsin, Grundform: timētikē proskynēsis, etwa: ti-me-ti-ken pros-kü-ne-sin] erwiesen werden, nicht aber jene wahre, unserem Glauben entsprechende Anbetung [ἀληθινὴν λατρείαν; alēthinēn latreian, Grundform: latreia, etwa: a-le-thi-nen la-tre-ian], die allein der göttlichen Natur zukommt.

    Zweites Konzil von Nizäa · Zweites Konzil von Nizäa, Glaubensdefinition (787); DH 600–601 · Primärtext
    Einordnung der Quelle

    Der Text zeigt: Bildern wird ehrende Verehrung erwiesen; die wahre Anbetung bleibt Gott allein vorbehalten.

    Die Grenze: Die Ehre gilt der dargestellten Person; dem Bild als Gegenstand schreibt die Definition keine eigene Kraft zu.

    Quelle im Zusammenhang lesen

    Worum es hier geht

    Das Zweite Konzil von Nizäa verteidigt 787 die überlieferte Bildpraxis gegen den Bilderstreit. Seine Definition ist die feierliche Lehrentscheidung des siebten ökumenischen Konzils, das die katholische und die orthodoxe Kirche gleichermaßen anerkennen; sie verbindet die Darstellung mit der Menschwerdung und unterscheidet ehrende Verehrung von der Anbetung, die allein Gott gebührt. Der Satz, dass die Ehre des Bildes auf das Urbild übergeht, stammt von Basilius dem Großen (Über den Heiligen Geist 18,45); das Konzil macht ihn sich zu eigen (KKK 2132).

    Historischer Text

    Wir bewahren unverändert alle kirchlichen Überlieferungen, die uns schriftlich oder mündlich übergeben wurden; eine davon ist die Anfertigung bildlicher Darstellungen, die mit der Verkündigung des Evangeliums übereinstimmt. Sie zeigt besonders, dass die Menschwerdung des Wortes Gottes wirklich und nicht bloß scheinbar war. […] Daher bestimmen wir mit aller Sicherheit und Genauigkeit, dass wie das Bild des kostbaren und lebensspendenden Kreuzes auch die ehrwürdigen und heiligen Bilder in den heiligen Kirchen Gottes, auf heiligen Geräten und Gewändern, an Wänden und auf Tafeln, in Häusern und an Wegen angebracht werden sollen: das Bild unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus, unserer unbefleckten Herrin, der heiligen Gottesgebärerin, der ehrwürdigen Engel und aller heiligen und frommen Menschen. […] Ihnen soll Begrüßung und ehrende Verehrung [τιμητικὴν προσκύνησιν; timētikēn proskynēsin, Grundform: timētikē proskynēsis, etwa: ti-me-ti-ken pros-kü-ne-sin] erwiesen werden, nicht aber jene wahre, unserem Glauben entsprechende Anbetung [ἀληθινὴν λατρείαν; alēthinēn latreian, Grundform: latreia, etwa: a-le-thi-nen la-tre-ian], die allein der göttlichen Natur zukommt. […] Denn die Ehre, die dem Bild erwiesen wird, geht auf das Urbild über; wer das Bild verehrt, verehrt in ihm die dargestellte Person.

    Warum diese Stelle wichtig ist

    Nizäa II formuliert die Unterscheidung der Kirche selbst: Gott allein gebührt Anbetung, während Bilder ehrend verehrt werden und auf das dargestellte Urbild verweisen. Tragender Grund ist dabei die Menschwerdung des Wortes.

    Quelle
    Zweites Konzil von Nizäa · Zweites Konzil von Nizäa, Glaubensdefinition (787); DH 600–601
    Textfassung und Rechte
    Eigene Übersetzung aus dem griechischen Konzilstext; verglichen mit der englischen Übersetzung der Reihe Nicene and Post-Nicene Fathers (1900); Orte und Titel nach der deutschen Fassung in KKK 1161 (DH 600). Der griechische Konzilstext und die englische Übersetzung sind gemeinfrei; der Link führt zu dieser englischen Übersetzung.
    Vollständigen historischen Text öffnen: Zweites Konzil von Nizäa
Quellen und HinweiseKKK 1159–1162, 1674, 2129–2132

Katechismus