Glaube und Lehre
Der Sohn ist wahrhaft Gott: was die Schriftstellen bezeugen und wie die Kirche es bekennt
Matthäus 28,19 nennt Vater, Sohn und Heiligen Geist gemeinsam, und Johannes 1,1 nennt das Wort Gott, während Johannes 1,14 bezeugt, dass dieses Wort Fleisch geworden ist. Der Weg beginnt bei diesen Texten, führt zur Lehre der Kirche und stellt sich der Frage, wie sich die späteren Begriffe zu ihnen verhalten.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die drei göttlichen Namen Bibel und Textverständnis
Vater, Sohn und Heiliger Geist werden gemeinsam genannt, und das Wort, das Fleisch wurde, heißt Gott
Zwei Stellen aus verschiedenen Schriften nennen die drei göttlichen Namen und sprechen dem Wort die Gottheit zu.
Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.
Auszug aus Mt 28,19–20 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Die Frage an diesen Text
Jesus nennt bei der Taufe den einen Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. … Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.
Auszug aus Joh 1,1.14 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Die Frage an diesen Text
Das Wort ist Gott und wird Fleisch.
Matthäus 28,19 nennt Vater, Sohn und Heiligen Geist gemeinsam, in einem einzigen Auftrag und in einer einzigen Wendung. Johannes 1,1 nennt das Wort Gott, und Johannes 1,14 bezeugt, dass dieses Wort Fleisch geworden ist. Die drei Namen stehen damit in einem Vollzug zusammen, und über das Wort wird ausgesagt, was Gott selbst bezeichnet.
Zusammengenommen führen diese beiden Stellen über die bloße Abfolge hinaus. Weil das Wort nach Johannes 1,1 Gott ist und nach Johannes 1,14 Fleisch wurde, ist der Sohn, der Mensch geworden ist, wahrhaft Gott. Und weil Matthäus 28,19 Vater, Sohn und den Heiligen Geist in einem einzigen Heilshandeln nennt, gehören Sohn und Geist zu dem einen Vollzug des göttlichen Auftrags. Dass der Sohn und der Heilige Geist mit dem Vater wesensgleich sind, klärt die Kirche anschließend im Streit um den Glauben; die Stelle benennt den einen Namen, in dem die Jünger taufen. Wie die Kirche dieses Zeugnis über Vater, Sohn und Heiligen Geist verbindlich festhält, zeigen die Konzilien von Nizäa (325) und Konstantinopel (381).
Die Wesensgleichheit des Sohnes Glaube und Überlieferung
Die Kirche bekennt den Sohn als wesensgleich mit dem Vater und schützt damit die Gottheit des Wortes
Die Kirche liest diese Stellen als einen Zusammenhang und bekennt ihn mit Begriffen, die sie später geprägt hat.
Der Katechismus der Katholischen Kirche nennt die Dreifaltigkeit das Zentralgeheimnis des christlichen Glaubens (KKK 234). Das Wort Dreifaltigkeit bezeichnet den einen Gott, der als Vater, Sohn und Heiliger Geist bezeugt ist. Die Kirche versteht die Formel des Konzils von Nizäa als präzise begriffliche Sicherung des biblischen und apostolischen Zeugnisses: Nizäa bezeichnet den Sohn mit dem Wort homoousios als wesensgleich mit dem Vater; homoousios bedeutet „wesensgleich“ (KKK 465).
Nizäa sichert die wahre Gottheit des Sohnes verbindlich gegen jede Verkürzung: Er ist „gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit [homoúsios] dem Vater“ (KKK 465). Was Johannes dem Wort zuspricht, wird in dieser Formel als bleibende Wahrheit des Glaubens bekannt. Den Glauben an die Gottheit des Heiligen Geistes bekannte 381 das Konzil von Konstantinopel: Er ist der Geist, „der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater hervorgeht“, und er wird „mit dem Vater und dem Sohn [zugleich] angebetet und verherrlicht“ (DS 150; KKK 245). Beide Konzilien zusammen halten den biblischen Befund über Vater, Sohn und Heiligen Geist fest.
Formel und Schrift Glaube und Überlieferung
Wenn Nizäa schriftgemäß ist, warum braucht es dann ein Konzil?
Viele evangelische Christen bekennen den Glauben von Nizäa mit seinem nichtbiblischen Wort homoousios. Gerade dieses Bekenntnis zeigt, warum ein verbindliches Urteil der Kirche nötig war: Beide Seiten des Streits beriefen sich auf die Schrift.
Die Wörter Dreifaltigkeit und homoousios stehen nicht im Neuen Testament, und das Bekenntnis von Nizäa verdankt seinen Schlüsselbegriff einem Konzilsurteil. Wer die Schrift als höchste Autorität achtet, fragt darum, ob hier ein außerbiblisches Wort und eine kirchliche Entscheidung festlegen, was die Schrift lehrt. Zugleich nehmen viele evangelische Christen das Bekenntnis von Nizäa selbst an: Das Augsburger Bekenntnis lehrt die Dreifaltigkeit nach dem Beschluss des Konzils von Nizäa (Art. 1), und die anglikanischen Glaubensartikel verlangen, das Nizänische Glaubensbekenntnis anzunehmen, weil es sich durch die Schrift erweisen lasse (Art. 8).
Der Streit, den Nizäa entschied, wurde auf beiden Seiten mit der Schrift geführt. Die Arianer beriefen sich auf Worte wie „Der HERR hat mich geschaffen als Anfang seines Weges“ (Spr 8,22) und „der Vater ist größer als ich“ (Joh 14,28), wie Athanasius in seinen Reden gegen die Arianer berichtet; ihre Gegner nannten andere Stellen derselben Schrift. Weil beide Seiten dieselben Texte vorlegten, entschied die Nennung eines Verses nicht mehr, welchen Sinn die Kirche bekennt. Die Frage betraf den Sinn der vorliegenden Worte: Ist der Sohn dem Vater nachgeordnet wie ein Geschöpf seinem Schöpfer, oder ist er eines Wesens mit ihm? Das Konzil verurteilte Arius, der behauptete, der Sohn sei „aus nichts“ und „aus einer anderen Substanz oder Wesenheit“ als der Vater, und bekannte ihn als wesensgleich mit dem Vater (KKK 465).
Ein späterer Begriff kann den apostolischen Inhalt treu schützen, wenn er die von der Schrift bezeugte Wahrheit präzise gegen eine Verfälschung abgrenzt. Genau das leistet homoousios: Das Wort lässt sich nicht in zwei Richtungen lesen und hält fest, was Johannes vom Wort sagt, das Gott ist und Fleisch geworden ist. Wer das Bekenntnis von Nizäa annimmt, hat damit einen Fall vor Augen, in dem die Kirche den Sinn der Schrift verbindlich geklärt hat; diese Klärung fügt der Schrift nichts hinzu, sondern bewahrt ihr Zeugnis im Streit der Auslegungen. Dass der Aussagegehalt solcher Formeln bleibt, auch wenn ihr Ausdruck später deutlicher gefasst werden kann, hat die Kirche ausdrücklich gelehrt (Mysterium Ecclesiae, Nr. 5).