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Ehe · Christus und die Kirche

Warum die Kirche die Ehe als Sakrament versteht

Getaufte Eheleute haben an der Liebe Christi zu seiner Kirche teil und empfangen seine Gnade für ihr gemeinsames Leben.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Ein Mann und eine Frau stehen Hand in Hand in einem leuchtenden Ring; ein Weg führt zu einer versammelten Gemeinschaft und einer offenen Tür.
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Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Paulus und der Ehebund Bibel und Textverständnis

Wovon Paulus in Epheser 5 spricht

Paulus beschreibt die Hingabe Christi an die Kirche und bezieht den Schöpfungssatz vom einen Fleisch auf dieses Geheimnis.

Vers 31: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein.

Vers 32: Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche.

Auszug aus Eph 5,31–32 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

In Epheser 5,31–32 bezieht Paulus den Schöpfungssatz vom einen Fleisch auf Christus und die Kirche; diesen Zusammenhang nennt er ein tiefes Geheimnis.

Eph 5,31–32: Zusammenhang und Übersetzung

Epheser 5,25–30 spricht zuerst von Christus: Er gibt sich für die Kirche hin und heiligt sie; die Gläubigen gehören zu seinem Leib.

Die Verse 31–32 führen den Schöpfungssatz an, dass Mann und Frau ein Fleisch werden, und wenden ihn auf Christus und die Kirche an. Diesen Zusammenhang nennt Paulus ein tiefes Geheimnis.

Die Einheit der Eheleute verweist damit auf die Einheit, mit der Christus sich seiner Kirche verbindet. Weil Paulus den Schöpfungssatz auf Christus und die Kirche bezieht, liest die Kirche die Ehe der Getauften von dieser Verbindung her.

Teilhabe und Gnade Glaube und Überlieferung

Was getaufte Eheleute an diesem Bund empfangen

Die Kirche lehrt, dass die Ehe der Getauften an diesem Bund teilhat und aus ihm die Gnade Christi empfängt.

Die Kirche liest den Abschnitt von Christus her, der sich für die Kirche hingibt und sie heiligt (V. 25–27). Unmittelbar vor dem Wort vom einen Fleisch sagt Paulus: „Denn wir sind Glieder seines Leibes“ (V. 30). Getaufte Eheleute sind also selbst Glieder Christi, und ihre eheliche Einheit steht innerhalb der Verbindung Christi mit seiner Kirche; schon die Taufe, das „Wasserbad im Wort“ (V. 26), nennt der Katechismus ein „bräutliches Mysterium“ (KKK 1617). Darum wird die Ehe von Getauften zum Sakrament: Das Zweite Vatikanische Konzil sagt in Lumen gentium 11, dass die Eheleute die Einheit und die fruchtbare Liebe Christi mit seiner Kirche darstellen und an ihr teilhaben.

Der Katechismus nennt den Ehebund der Getauften ein Zeichen des Bundes Christi mit der Kirche und lehrt, dass er die Gnade übermittelt; diese Gnade kommt vom Kreuz Christi. Christus begegnet den Eheleuten in diesem Sakrament und bleibt bei ihnen; seine erlösende Kraft erneuert ihre menschliche Liebe und lenkt sie auf Gott und auf die gegenseitige Heiligung.

Was diese Gnade wirkt, nennt der Katechismus konkret: Christus stärkt die Liebe und die Einheit der Eheleute, trägt ihre Vergebung, ihre Ausdauer und den Dienst aneinander und lässt sie in der Heiligung wachsen.

Das Konzil von Trient hat diese Lehre 1563 verbindlich ausgesprochen. In seiner Lehre über das Sakrament der Ehe, die den Kanones vorausgeht, erklärt es, Christus habe durch sein Leiden die Gnade der Ehe verdient, und Paulus deute sie in Epheser 5,25 und 5,32 an. Der erste Lehrsatz spricht als Glaubenslehre aus, dass die Ehe ein wahres Sakrament ist, von Christus eingesetzt, eines der sieben, und dass sie Gnade spendet. Dabei beruft sich das Konzil auf die Väter, die Konzilien und die Überlieferung der ganzen Kirche, die die Ehe stets zu den Sakramenten des Neuen Bundes gezählt hätten; so nennt das Konzil von Florenz sie 1439 das siebte Sakrament und ein Zeichen der Verbindung Christi mit der Kirche nach Epheser 5,32, und die orthodoxen Kirchen feiern sie bis heute als Mysterium, als Sakrament. Bestritten hatten diese Überlieferung die Reformatoren, die die Ehe nicht zu den von Christus eingesetzten Sakramenten zählten. Paulus spricht in Bildern des Ehebundes; die Fachsprache des Sakraments ist jünger als sein Brief.

Quellen zu dieser Frage 6

Schöpfung und Sakrament Glaube und Überlieferung

Ist die Ehe nicht eine gute Schöpfungsordnung für alle Menschen und darum kein Sakrament?

Lutherische und reformierte Christen achten die Ehe hoch und zählen sie doch nicht zu den Sakramenten des Neuen Bundes. Die Kirche teilt ihren Ausgangspunkt und lehrt zugleich, was Christus an der Ehe der Getauften getan hat.

Die Apologie der Confessio Augustana begründet den Einwand aus der Schrift: Die Ehe ist nicht erst im Neuen Testament eingesetzt worden, sondern am Anfang, bei der Erschaffung des Menschen. Sie hat Gottes Gebot und Verheißungen, die eher das leibliche Leben betreffen als den Neuen Bund. Wer sie dennoch Sakrament nennen will, muss sie nach der Apologie von den eigentlichen Zeichen des Neuen Bundes unterscheiden, die Zeugnisse der Gnade und der Sündenvergebung sind (Apologie, Art. XIII,14).

Die reformierten Bekenntnisse ziehen dieselbe Grenze. Der Heidelberger Katechismus antwortet auf die Frage, wie viele Sakramente Christus im Neuen Testament eingesetzt hat: zwei, die heilige Taufe und das heilige Abendmahl (Frage 68). Ebenso kennt das Westminster-Bekenntnis nur zwei Sakramente, die Christus im Evangelium angeordnet hat (XXVII.4).

Am Epheserbrief gewinnt der Einwand sprachliches Gewicht. Paulus nennt den Zusammenhang von Mann und Frau, den er auf Christus und die Kirche bezieht, ein μυστήριον (mystērion, etwa: müs-TE-ri-on), ein Geheimnis; erst die lateinische Bibel gibt das Wort hier mit sacramentum wieder. Paulus sagt ausdrücklich, dass er das Geheimnis auf Christus und die Kirche bezieht (V. 32), und leitet aus ihrer Verbindung eine Weisung für die Eheleute ab (V. 25, 28–29). Die Ehe wäre dann ein Bild, das die Liebe der Eheleute an der Hingabe Christi misst, ohne selbst Gnade zu vermitteln.

Die Kirche teilt den Ausgangspunkt des Einwands. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sagt der Katechismus: „Gott selbst ist Urheber der Ehe“ (KKK 1603; GS 48,1). Die Berufung zur Ehe liegt schon in der Natur von Mann und Frau; die Ehe ist eine Ordnung der Schöpfung, allen Menschen gegeben, Getauften wie Nichtgetauften.

Was die Kirche hinzufügt, betrifft die Getauften: Christus hat den Ehebund „zwischen Getauften“ „zur Würde eines Sakramentes erhoben“ (KKK 1601; CIC can. 1055 § 1). Darum ist nicht jede Ehe ein Sakrament; zwischen Getauften aber gibt es keinen gültigen Ehevertrag, der nicht zugleich Sakrament ist (CIC can. 1055 § 2). Die Schöpfungsordnung bleibt bestehen; Christus nimmt die Ehe der Getauften in seinen Bund hinein.

Gerade das leibliche Leben, das die Apologie vom Neuen Bund unterscheidet, gehört bei den Getauften Christus. Paulus schreibt den Korinthern: „Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind?“ (1 Kor 6,15), und zieht im selben Zusammenhang das Schöpfungswort heran: „Die zwei werden ein Fleisch sein“ (1 Kor 6,16). Einer Witwe erlaubt er die neue Ehe, „nur geschehe es im Herrn“ (1 Kor 7,39). Die Ehe der Getauften verbindet Glieder Christi, wie Paulus auch in Epheser 5,30 sagt. In ihr bezeichnet die Ehe die Gnade des Bundes zwischen Christus und der Kirche und teilt sie mit; darum ist die Ehe zwischen Getauften ein wahres Sakrament des Neuen Bundes (KKK 1617).

Die Lehre der Kirche ruht dabei nicht auf dem lateinischen Wort. Das Konzil von Trient hat sie, wie oben dargestellt, auf das Leiden Christi, das die Gnade der Ehe verdient hat, und auf die Überlieferung der ganzen Kirche gestützt. Paulus nennt die Einheit von Christus und Kirche ein Geheimnis; die Ehe der Getauften hat an diesem Geheimnis teil, und darum nennt die Kirche sie Sakrament.

Was der Einwand an der Ehe ehrt, bejaht die Kirche: Sie bleibt eine Gabe des Schöpfers für alle Menschen. In der Ehe der Getauften wird diese Gabe zum wirksamen Zeichen des Bundes, in dem Christus seiner Kirche treu ist.

Quellen zu dieser Frage 6
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