Ehe, Bund und Gnade
Wie Sakrament, Treue und Gnade in der Ehe zusammengehören
Was gilt, wenn eine Ehe zerbricht — darf ein Christ neu heiraten, und was sagt die Kirche dem Verlassenen? Die Kirche antwortet mit dem Anfang: Gott schafft Mann und Frau und fügt sie selbst zu einem Fleisch; darum kommt der Bund von Gott her und bleibt in seiner Hand. Zwischen Getauften nimmt Christus diesen Bund in seine Hingabe an die Kirche hinein und macht ihn zum Sakrament; ist eine solche Ehe gültig geschlossen und vollzogen, kann keine menschliche Macht sie lösen, solange beide leben. Weil der erste Bund fortbesteht, nennt Jesus die neue Ehe nach einer Entlassung Ehebruch, und von seinem Schöpfungswort her liest die Kirche auch die Ausnahme bei Matthäus. Eine Trennung kann nötig werden, löst aber den Bund nicht; stellt ein kirchliches Gericht fest, dass nie eine gültige Ehe bestand, sind beide frei zu heiraten. Einen besonderen Fall ordnet die Kirche nach dem Wort des Paulus: Verlässt der ungetaufte Ehepartner den später Getauften, wird die erste, natürliche Ehe gelöst, sobald der Getaufte nach kirchlicher Prüfung eine neue Ehe schließt.
5 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

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Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Unterthema 1 von 2 · Ehebund
Gott verbindet Mann und Frau, und die Ehe Getaufter wird zum Zeichen für Christus und die Kirche
Gottes schöpferisches Handeln Bibel und Textverständnis
Wodurch wird die Ehe zu einem bleibenden Bund?
Jesus führt die Scheidungsfrage zum Anfang zurück: Gott hat Mann und Frau geschaffen und fügt sie zu einem Fleisch.
Auszug aus Mt 19,4–6 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 4: Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer sie am Anfang männlich und weiblich erschaffen hat
Vers 5: und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein?
Vers 6: Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
Was der Text unmittelbar zeigt
Jesus verweist auf den Schöpfer, der den Menschen männlich und weiblich erschaffen hat, und auf Gott, der die zwei verbindet.
In seiner Antwort auf die Frage nach der Entlassung der Ehefrau erinnert Jesus an die Schöpfung von Mann und Frau. Die beiden werden ein Fleisch, weil Gott sie zusammengefügt hat. Die Dauer der ehelichen Einheit gründet deshalb in Gottes Handeln und ist der Verfügung der Ehepartner entzogen, auch ihrer gemeinsamen.
Christus und die Kirche Glaube und Überlieferung
Wie wird der Ehebund zum Sakrament?
Paulus stellt die eheliche Einheit in das Geheimnis der Selbsthingabe Christi an die Kirche.
Auszug aus Eph 5,31–32 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 31: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein.
Vers 32: Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
In Epheser 5,31–32 bezieht Paulus den Schöpfungssatz vom einen Fleisch auf Christus und die Kirche; diesen Zusammenhang nennt er ein tiefes Geheimnis.
Paulus nimmt das Wort vom einen Fleisch auf und nennt es ein tiefes Geheimnis im Blick auf Christus und die Kirche. Nach reformatorischer Auffassung meint dieses Geheimnis allein Christus und die Kirche, und die Ehe ist dafür ein Bild; Paulus spricht es jedoch gerade über dem Schöpfungswort aus, das die Ehe selbst begründet. Im unmittelbaren Zusammenhang gibt Christus sich hin, um die Kirche zu heiligen; die Glaubenden gehören zu seinem Leib. Die eheliche Einheit erhält dadurch ihren Platz in der Wirklichkeit von Christi Hingabe.
Die Kirche bekennt auf dieser Grundlage, dass Ehepartner die Einheit und fruchtbare Liebe Christi und der Kirche nicht bloß veranschaulichen, sondern an ihr teilnehmen. Darum ist eine gültige Ehe zwischen Getauften ein Sakrament: Sie bezeichnet die Gnade des Bundes Christi und teilt sie mit (KKK 1617). Christi Gnade kommt vom Kreuz her und stärkt die Ehepartner zu Einheit, Vergebung, gegenseitigem Dienst und gemeinsamer Heiligung (KKK 1641–1642).
Das Konzil von Trient bestätigte diese Lehre am 11. November 1563: Kanon I der Sessio XXIV bekräftigt als verbindliche Glaubenslehre die Ehe als eines der sieben von Christus eingesetzten Sakramente, das Gnade verleiht.
Die Sakramentalität beginnt mit der gültigen Eheschließung zwischen Getauften; zwischen ihnen gibt es keinen gültigen Ehebund, der nicht zugleich Sakrament ist, auch nicht bei zwei evangelischen Christen oder in einer konfessionsverschiedenen Ehe (CIC 1055 § 2). Zustande kommt die Ehe durch den freien Konsens der Brautleute, den keine menschliche Macht ersetzen kann; in der lateinischen Kirche spenden die Brautleute einander das Sakrament, in den östlichen Liturgien spendet es der Priester oder Bischof (KKK 1623; 1626). Wenn die Kirche zusätzlich vom vollzogenen Ehebund spricht, meint sie die körperliche eheliche Vereinigung. Für eine gültige und vollzogene Ehe zwischen Getauften bekennt sie die absolute Unauflöslichkeit: Keine menschliche Macht kann diesen Bund auflösen, solange beide Ehepartner leben.
Jesus führt die Ehe auf die Schöpfung zurück: Gott selbst verbindet Mann und Frau, und diese Einheit bleibt. Paulus beschreibt Christus, der sich für die Kirche hingibt und sie heiligt. Das Wort von den zwei, die ein Fleisch werden, bezieht er auf Christus und die Kirche und nennt diese Verbindung ein tiefes Geheimnis. Darauf gründet die Lehre der Kirche: Die Ehe getaufter Christen bezeichnet die Einheit und die fruchtbare Liebe Christi und der Kirche; die Eheleute haben daran Anteil. Trient hat 1563 verbindlich festgehalten, dass die Ehe eines der sieben Sakramente ist, von Christus eingesetzt, und Gnade schenkt; diese Gnade kommt vom Kreuz. Sie festigt ihre Liebe und ihre Einheit, lässt sie in Heiligkeit wachsen und gibt ihnen Kraft zur Vergebung, zum Ausharren und zum Dienst. Christus begegnet ihnen im Sakrament, bleibt bei ihnen und erneuert ihre Liebe.
Weiterführende Erklärungen
Warum Jesus auf die Frage nach der Scheidung mit der Schöpfung antwortetDirekter positiver BelegDie Dauer der ehelichen Einheit gründet in Gottes Handeln. Daraus erwächst die Frage, wie der Bund der Getauften an Christus und seiner Kirche teilhat und welche Gnade er schenkt.
Warum die Kirche die Ehe als Sakrament verstehtUnterstützender positiver BelegUnterthema 2 von 2 · Scheidung und Wiederheirat
Eine gültig geschlossene und vollzogene Ehe zwischen Getauften kann auch die Kirche nicht auflösen
Jesu Wort über Entlassung und Wiederheirat Bibel und Textverständnis
Warum setzt Jesu Urteil über Ehebruch den ersten Bund voraus?
Markus und Lukas überliefern Jesu Urteil über Ehebruch bei Entlassung und Wiederheirat.
Auszug aus Mk 10,9.11–12 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 9: Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 11: Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch.
Vers 12: Und wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch.
Was der Text unmittelbar zeigt
In Mk 10,11–12 nennt Jesus den Mann, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, und ebenso die Frau, die ihren Mann entlässt und einen anderen heiratet.
Lk 16,18 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 18: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch; auch wer eine Frau heiratet, die von ihrem Mann entlassen worden ist, begeht Ehebruch.
Was der Text unmittelbar zeigt
In Lk 16,18 nennt Jesus den Mann, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, und den Mann, der eine von ihrem Mann entlassene Frau heiratet.
In Markus richtet Jesus das Wort über Ehebruch bei Entlassung und Wiederheirat an Mann und Frau. Lukas nennt zusätzlich den Mann, der eine entlassene Frau heiratet. Jesu Urteil betrifft damit die Bindung beider Ehepartner.
Dass eine neue Verbindung als Ehebruch bezeichnet wird, setzt die fortbestehende erste Bindung voraus. Die Entlassung verändert die gemeinsame Lebensform, hebt den Ehebund aber nicht auf.
Die umstrittene Matthäus-Klausel Glaube und Überlieferung
Wie wird die Ausnahme bei Matthäus im Zusammenhang mit Jesu Schöpfungswort gelesen?
Die Matthäus-Stellen enthalten eine Klausel, die in der Frage nach Scheidung und Wiederheirat unterschiedlich verstanden wird.
Auszug aus Mt 19,6.9 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 6: Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 9: Ich sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch.
Die Frage an diesen Text
Mt 19,3–12 verbindet Wegschicken und neue Ehe; voraus geht Jesu Schöpfungsbegründung.
Matthäus nennt in Jesu Wort über Entlassung und eine weitere Ehe eine Ausnahme. Die reformatorischen Bekenntnisse verstehen sie so, dass sexuelle Untreue die Entlassung und die anschließende Wiederheirat des unschuldigen Ehepartners erlaubt: Das reformierte Westminster-Bekenntnis gestattet dem unschuldigen Teil nach Ehebruch Scheidung und neue Ehe (XXIV.5), und der lutherische Traktat über die Gewalt und den Primat des Papstes (1537) nennt es eine ungerechte Satzung, dem unschuldigen Teil nach der Scheidung die neue Ehe zu verbieten (Tractatus 78). Der sprachliche Grund für diese Lesart liegt darin, dass die Klausel im Satz über Entlassung und Wiederheirat steht.
Auszug aus Mt 5,32 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 32: Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.
Die Frage an diesen Text
Mt 5,31–32 verbindet das Wegschicken mit dem Ehebruch und verurteilt die Ehe mit einer entlassenen Frau.
Matthäus überliefert die Klausel im selben Gespräch, in dem Jesus die Ehe auf den Anfang der Schöpfung zurückführt; auch sein Wort gegen die Heirat einer entlassenen Frau in Matthäus 5 gehört zu dieser Frage. Die Kirche liest die Klausel im Licht der von Jesus bekräftigten Verbindung. Die Kanones VII und VIII des Konzils von Trient bekräftigen, dass Ehebruch den Ehebund nicht auflöst, und unterscheiden davon die erlaubte Trennung von Tisch und Bett.
Diese tridentinische Klärung richtete sich gegen die Auffassung, Ehebruch löse die Ehe auf. Sie bindet die Klausel an Jesu Wort von der Schöpfung und an das bleibende Eheband; die genaue Bedeutung des griechischen Ausdrucks bleibt der Auslegung überlassen, die sich an dieser Verbindung misst.
Eine Trennung kann nötig werden, wenn das gemeinsame Leben unmöglich oder gefährlich geworden ist. Bei schwerer Gefahr darf die Trennung erfolgen; ein vorheriger kirchlicher Entscheid muss nur dann nicht abgewartet werden, wenn die Verzögerung selbst gefährlich wäre. Der bestehende Bund bleibt dabei bestehen.
Eine Nichtigkeitserklärung stellt nach kirchlicher Prüfung fest, dass ein gültiger Ehebund von Anfang an nicht entstanden ist. Sie löst keine gültige Ehe auf.
Quellen zu dieser Frage 6
- Sessio XXIV, Kanones VII–VIIIKonzil von Trient, Sitzung XXIV ↗
- XXIV.5Westminster Confession of Faith ↗
- Einleitung zu Documenti e Studi 17, dritter Teil, Nr. 1Joseph Ratzinger: Zu einigen Einwänden gegen die kirchliche Lehre über den Kommunionempfang wiederverheirateter geschiedener Gläubiger (1998) ↗
- KKK 1629; 1649–1651Katechismus der Katholischen Kirche ↗
- can. 1153 §1Codex Iuris Canonici: Eherecht ↗
- Traktat über die Gewalt und den Primat des Papstes, 78Konkordienbuch ↗
Paulus über Trennung und Frieden Glaube und Überlieferung
Wann eröffnet Paulus eine besondere Freiheit zur neuen Ehe?
Paulus unterscheidet zwischen der Weisung des Herrn, dem Verbleib in einer Ehe mit einem ungläubigen Partner und dessen Weggang.
Auszug aus 1 Kor 7,10–11.15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 10: Den Verheirateten gebiete nicht ich, sondern der Herr: Die Frau soll sich vom Mann nicht trennen
Vers 11: - wenn sie sich aber trennt, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich wieder mit dem Mann - und der Mann darf die Frau nicht verstoßen.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 15: Wenn aber der Ungläubige sich trennen will, soll er es tun. Der Bruder oder die Schwester ist in solchen Fällen nicht wie ein Sklave gebunden; zu einem Leben in Frieden hat Gott euch berufen.
Die Frage an diesen Text
In 1 Kor 7,15 nennt Paulus den Glaubenden nicht gebunden, wenn der ungläubige Partner fortgeht.
In 1 Korinther 7 überliefert Paulus zunächst die Weisung des Herrn zur Nichttrennung. Wer sich dennoch trennt, soll nach dieser Weisung unverheiratet bleiben oder sich versöhnen. Danach spricht er vom gläubigen und vom ungläubigen Partner: Der gläubige Partner soll das gemeinsame Leben fortsetzen, wenn der andere bleiben will.
Geht der ungläubige Partner weg, sagt Paulus, der gläubige Partner sei nicht gebunden, und ruft den Frieden als Ziel auf. Paulus selbst spricht dabei von Gläubigem und Ungläubigem; die Kirche wendet sein Wort auf ein ursprünglich ungetauftes Paar an, von dem später ein Ehepartner getauft wird. Darin erkennt die Kirche eine wirkliche Freiheit des verlassenen Getauften zu einer neuen Ehe unter den geltenden Voraussetzungen.
Der konkrete Fall ist dieser: Ein ursprünglich ungetauftes Paar ist gültig verheiratet, einer der Ehepartner wird später getauft, und der ungetaufte Partner verweigert danach entweder das Zusammenleben oder ein friedliches Zusammenleben ohne Beleidigung des Schöpfers. Der getaufte Ehepartner darf nach der Taufe keinen gerechten Grund für den Weggang gegeben haben. Nach kirchlicher Prüfung kann der ursprünglich natürliche Ehebund dann durch die erlaubte neue Eheschließung gelöst werden. Nicht die Taufe und nicht der Weggang allein bewirken diese Lösung.
Jesus nennt die neue Verbindung Ehebruch, denn die erste besteht fort: Weil Gott Mann und Frau verbunden hat, bleibt der entlassene Ehegatte der Mensch, an dem die Treue gebrochen wird, und die Entlassung allein macht niemanden frei. Eine Ehe zwischen zwei Getauften, die gültig geschlossen und durch die körperliche Vereinigung der Eheleute vollzogen ist, kann die Kirche nicht auflösen.
Bei Matthäus steht die Ausnahme im 19. Kapitel, im selben Gespräch, in dem Jesus die Ehe von der Schöpfung her begründet. Die Kirche liest sie von diesem Wort Jesu her. Das Konzil von Trient hat verbindlich gelehrt, dass Ehebruch das Eheband nicht löst und der schuldlose Teil zu Lebzeiten des anderen nicht heiraten darf.
Paulus regelt den Fall eines Glaubenden, dessen Partner ungläubig ist: Bleibt dieser, soll die Gemeinschaft bestehen; geht er fort, ist der Glaubende nicht gebunden. Die Kirche wendet das auf eine Ehe an, die zwei Ungetaufte geschlossen haben, und erkennt darin unter geprüften Voraussetzungen die Freiheit zu einer neuen Ehe; gelöst wird der erste Bund erst durch die erlaubte neue Ehe.
Wenn das gemeinsame Leben unmöglich geworden ist oder Leib und Leben gefährdet sind, darf getrennt gelebt werden; das Eheband bleibt, und wo Versöhnung möglich ist, lädt die Kirche dazu ein. Dem Verlassenen, der keine neue Verbindung eingeht, schuldet die Gemeinde besondere Fürsorge; seine Treue ist ein wertvolles Zeugnis vor der Welt und der Kirche, und dem Empfang der Sakramente steht nichts im Weg.
In Gottes Verbinden hat die Treue der Eheleute ihren Grund und ihren Halt. Im besonderen Fall des Paulus trägt der Glaube den Verlassenen in den Frieden, zu dem Gott ihn ruft.
Weiterführende Erklärungen
Warum nennt Jesus die Wiederheirat nach der Scheidung Ehebruch?Direkter positiver BelegJesus nennt die neue Verbindung Ehebruch, weil die erste fortbesteht. Offen ist noch die Ausnahme, die Matthäus überliefert; die Kirche liest sie von Jesu Schöpfungsbegründung her.
Erlaubt Matthäus die neue Ehe nach Ehebruch?Umstrittene AuslegungMatthäus überliefert die Ausnahme im Zusammenhang der Schöpfungsordnung. Paulus regelt einen anderen Fall: den Glaubenden, dessen ungläubiger Partner fortgeht und der dadurch nicht gebunden ist.
Was heißt es, dass der verlassene Glaubende nicht gebunden ist?Umstrittene AuslegungWarum folgt die Kirche nicht der orthodoxen Praxis, Geschiedenen aus Nachsicht eine zweite Ehe zu gewähren?
Der Einwand
Die orthodoxe Kirche bekennt die Ehe als Mysterium, als dauerhafte geistliche Verbindung, die selbst der Tod nicht zerstört, und hält die eine Ehe für die Norm; so sagt es die Enzyklika des Heiligen Synods der Orthodoxen Kirche in Amerika über die Ehe. Der Herr selbst hat die Scheidung verurteilt, und die Kirche lässt sie so wenig zu wie die Sünde. Doch Jesu Wort bei Matthäus nennt eine Ausnahme (Mt 19,9), und die Kirche übt Barmherzigkeit an Menschen, deren Ehe zerbrochen ist: Nach dem Bericht des Pfarrers und der Entscheidung des Diözesanbischofs kann Geschiedenen eine zweite Ehe gewährt werden, in bestimmten Fällen auch eine dritte; eine vierte verbietet die Kirche ganz (Tomos der Einheit, Konstantinopel 920). Die Feier der zweiten Ehe trägt Bußcharakter, und schon die Kanones, etwa der zweite Kanon Basilius’ des Großen, legen sogar Verwitweten, die wieder heiraten, eine Buße auf. Die Orthodoxie nennt diesen Weg Oikonomia: Neben die Akribeia, die genaue Treue zur geoffenbarten Wahrheit, tritt aus Sorge um das geistliche Wohl der Betroffenen eine Ausnahme von der Regel. Warum übernimmt die katholische Kirche diese Praxis nicht, obwohl sie mit den orthodoxen Kirchen die apostolische Nachfolge und die Sakramente teilt?
Die Antwort der Kirche
Die Kirche lehrt: Das Band der Ehe wird von Gott selbst geknüpft, so dass die zwischen Getauften geschlossene und vollzogene Ehe nie aufgelöst werden kann; „Es liegt nicht in der Macht der Kirche, sich gegen diese Verfügung der göttlichen Weisheit auszusprechen“ (KKK 1640). Weil die Unauflöslichkeit aus dem Willen des Herrn kommt, hat die Kirche keine Vollmacht über sie (Ratzinger 1998, Nr. 2); sie kann darum auch aus Barmherzigkeit keine zweite Ehe gewähren, solange das erste Band besteht.
So hat es die Kirche von Anfang an gehalten. Über die Unauflöslichkeit der Ehe besteht unter den Vätern ein klarer Konsens, und die Kirche der Väterzeit hat Scheidung und Wiederheirat gerade aus treuem Gehorsam gegenüber dem Neuen Testament ausgeschlossen (Ratzinger 1998, Nr. 2). Markus und Lukas überliefern Jesu Wort ohne Ausnahme (Mk 10,11–12; Lk 16,18); die Ausnahme bei Matthäus hat die frühe Kirche als Erlaubnis zur Trennung gelesen, nicht zur neuen Ehe, und so hat es 1439 auch das Konzil von Florenz festgehalten.
Die östliche Praxis ist erst später gewachsen: in der Reichskirche nach Konstantin im immer engeren Zusammenspiel von Kirche und Staat und in den von Rom getrennten Ostkirchen weiter im zweiten Jahrtausend. Sie beruht nach Ratzinger auf einer zunehmend freien Auslegung einiger dunkler Vätertexte, die stark vom bürgerlichen Recht beeinflusst war, und kann darum aus Gründen der Lehre nicht übernommen werden. Das Konzil von Trient hat diese Praxis nicht ausdrücklich verurteilt. Sein siebter Kanon über die Ehe schützt die Lehre, ohne eine Kirche zu nennen: Er verwirft die Behauptung, die Kirche irre, wenn sie in Übereinstimmung mit der Lehre des Evangeliums und der Apostel lehrt, dass das Eheband wegen Ehebruchs nicht gelöst werden kann. Die mittelalterlichen Kanonisten nannten die östliche Übung durchweg unzulässig, und Gruppen orthodoxer Gläubiger, die katholisch wurden, mussten die Unmöglichkeit einer zweiten Ehe ausdrücklich bekennen (Ratzinger 1998, Nr. 2).
Die katholische Kirche erkennt in den orthodoxen Kirchen wahre Sakramente an, vor allem in der Kraft der apostolischen Sukzession das Priestertum und die Eucharistie (UR 15); in den östlichen Liturgien wird das BegriffEhesakramentIm Ehesakrament schließen ein getaufter Mann und eine getaufte Frau ihren unauflöslichen Bund und bilden Christus und die Kirche ab.Glossareintrag öffnen , die Krönung, durch den Priester oder Bischof gespendet (KKK 1623). Beide Kirchen bekennen die eine Ehe als Norm und lehnen die Scheidung ab. Der Unterschied liegt in der Frage, ob die Kirche zu Lebzeiten des ersten Gatten eine weitere Ehe gewähren darf.
Die katholische Kirche hält an der strengeren Ordnung fest, weil sie die Barmherzigkeit nicht vom Wort des Herrn lösen will: Besteht das erste Band, so kann eine zweite Verbindung keine Ehe sein; Nachsicht kann den Schmerz lindern, das Band aber nicht lösen. Darum schenkt sie Geschiedenen, die wieder geheiratet haben, aufmerksame Zuwendung und lädt sie ein, am Leben der Kirche teilzunehmen (KKK 1651), und hält zugleich das Wort fest, mit dem Gott ihre Ehe gestiftet hat.
Was andere Christen dazu glauben
Die christlichen Traditionen vergleichen
Katholisch
- Offizielle Lehrposition
- Die Ehe zwischen Getauften ist Sakrament; ihre Einheit und Unauflöslichkeit verweisen auf Christus und die Kirche.
Lutherisch
- Offizielle Lehrposition
- Die Ehe wird als von Gott gegebene Ordnung hochgehalten, aber nicht im katholischen Sinn als Sakrament gezählt.
Reformiert / calvinistisch
- Offizielle Lehrposition
- Nach dem Westminster-Bekenntnis ist die Ehe die Verbindung eines Mannes mit einer Frau, eingesetzt zur gegenseitigen Hilfe der Gatten, zur Mehrung des Menschengeschlechts und der Kirche und zum Schutz vor Unzucht (XXIV,1–2). Sakramente hat Christus nach dem Bekenntnis nur zwei eingesetzt, Taufe und Abendmahl (XXVII,4); die Ehe zählt nicht dazu.
Baptistisch
- Offizielle Lehrposition
- Die Ehe ist ein von Gott gestifteter, lebenslanger Bund zwischen einem Mann und einer Frau; sie soll die Verbindung zwischen Christus und seiner Kirche sichtbar machen.
Methodistisch / wesleyanisch
- Offizielle Lehrposition
- Die Articles of Religion (Art. XVI) zählen die Ehe nicht zu den Sakramenten des Evangeliums; sie wird als christlicher Bund und kirchliche Ordnung bejaht.
Anglikanisch
- Offizielle Lehrposition
- Die 39 Artikel der Kirche von England zählen die Ehe zu den fünf gemeinhin so genannten Sakramenten, unterscheiden sie aber von Taufe und Abendmahl als Sakramenten des Evangeliums; sie gehört zu den Lebensständen, die die Schrift billigt (Artikel XXV).
Orthodox / byzantinisch
- Offizielle Lehrposition
- Nach der Orthodoxen Kirche in Amerika ist die Ehe ein Mysterium, eine dauerhafte geistliche Verbindung, und die eine Ehe die Norm; die Kirche lässt die Scheidung so wenig zu wie die Sünde. Aus Oikonomia, aus Sorge um das geistliche Wohl der Betroffenen, kann sie Geschiedenen nach bischöflicher Entscheidung eine zweite und in bestimmten Fällen eine dritte Ehe mit Bußcharakter gewähren, eine vierte nie.
| Tradition | Offizielle Lehrposition | Quelle |
|---|---|---|
| Katholisch | Die Ehe zwischen Getauften ist Sakrament; ihre Einheit und Unauflöslichkeit verweisen auf Christus und die Kirche. | Offizielle Quelle: Katholisch |
| Lutherisch | Die Ehe wird als von Gott gegebene Ordnung hochgehalten, aber nicht im katholischen Sinn als Sakrament gezählt. | Offizielle Quelle: Lutherisch |
| Reformiert / calvinistisch | Nach dem Westminster-Bekenntnis ist die Ehe die Verbindung eines Mannes mit einer Frau, eingesetzt zur gegenseitigen Hilfe der Gatten, zur Mehrung des Menschengeschlechts und der Kirche und zum Schutz vor Unzucht (XXIV,1–2). Sakramente hat Christus nach dem Bekenntnis nur zwei eingesetzt, Taufe und Abendmahl (XXVII,4); die Ehe zählt nicht dazu. | Offizielle Quelle: Reformiert / calvinistisch |
| Baptistisch | Die Ehe ist ein von Gott gestifteter, lebenslanger Bund zwischen einem Mann und einer Frau; sie soll die Verbindung zwischen Christus und seiner Kirche sichtbar machen. | Offizielle Quelle: Baptistisch |
| Methodistisch / wesleyanisch | Die Articles of Religion (Art. XVI) zählen die Ehe nicht zu den Sakramenten des Evangeliums; sie wird als christlicher Bund und kirchliche Ordnung bejaht. | Offizielle Quelle: Methodistisch / wesleyanisch |
| Anglikanisch | Die 39 Artikel der Kirche von England zählen die Ehe zu den fünf gemeinhin so genannten Sakramenten, unterscheiden sie aber von Taufe und Abendmahl als Sakramenten des Evangeliums; sie gehört zu den Lebensständen, die die Schrift billigt (Artikel XXV). | Offizielle Quelle: Anglikanisch |
| Orthodox / byzantinisch | Nach der Orthodoxen Kirche in Amerika ist die Ehe ein Mysterium, eine dauerhafte geistliche Verbindung, und die eine Ehe die Norm; die Kirche lässt die Scheidung so wenig zu wie die Sünde. Aus Oikonomia, aus Sorge um das geistliche Wohl der Betroffenen, kann sie Geschiedenen nach bischöflicher Entscheidung eine zweite und in bestimmten Fällen eine dritte Ehe mit Bußcharakter gewähren, eine vierte nie. | Offizielle Quelle: Orthodox / byzantinisch |
7 Bibelstellen · Ehe
Was die Schrift selbst sagt
Alle Bibelstellen dieses Themas im Wortlaut, geordnet nach den Fragen, für die sie zeugen. Jede führt zu ihrer Erklärung.
Ehebund
Mt 19,4–6Warum Jesus auf die Frage nach der Scheidung mit der Schöpfung antwortet
Jesus verweist bei der Frage nach der Scheidung auf die Schöpfung: Mann und Frau werden ein Fleisch und sind von Gott verbunden. Die Kirche lehrt deshalb die Ehe als von Gott gestifteten, einheitlichen und unauflöslichen Bund.
Bibeltext
Auszug aus Mt 19,4–6 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 4: Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer sie am Anfang männlich und weiblich erschaffen hat
Vers 5: und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein?
Vers 6: Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
Eph 5,31–32Warum die Kirche die Ehe als Sakrament versteht
Paulus verbindet die Ein-Fleisch-Einheit der Ehe mit Christus und der Kirche und nennt diesen Zusammenhang ein tiefes Geheimnis. Die Kirche versteht die Ehe deshalb als von Gott gestifteten Bund und als Sakrament.
Bibeltext
Auszug aus Eph 5,31–32 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 31: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein.
Vers 32: Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche.
Scheidung und Wiederheirat
Mk 10,2–12Warum nennt Jesus die Wiederheirat nach der Scheidung Ehebruch?
Jesus führt die Ehe auf Gottes Schöpfungsordnung zurück und erklärt, dass der Mensch nicht trennen darf, was Gott verbunden hat. Die Kirche lehrt deshalb, dass jede gültige Ehe ihrem Wesen nach unauflöslich ist; eine gültige und vollzogene Ehe zwischen Getauften kann keine menschliche Macht lösen.
Bibeltext
Auszug aus Mk 10,9.11–12 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 9: Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 11: Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch.
Vers 12: Und wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch.
Lk 16,18Warum nennt Jesus die Wiederheirat nach der Scheidung Ehebruch?
Jesus bezeichnet die Entlassung eines Ehepartners und die Heirat eines anderen als Ehebruch. Die Kirche versteht dieses Wort im Zusammenhang mit der Unauflöslichkeit einer gültigen Ehe.
Bibeltext
Lk 16,18 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 18: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch; auch wer eine Frau heiratet, die von ihrem Mann entlassen worden ist, begeht Ehebruch.
Mt 5,31–32Erlaubt Matthäus die neue Ehe nach Ehebruch?
In der Bergpredigt stellt Jesus der Scheidungspraxis seiner Zeit sein Wort entgegen: „Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.“ Die genaue Bedeutung der Ausnahmewendung ist umstritten; die Kirche liest sie im Licht von Jesu Rückgriff auf die Schöpfung (Mt 19,4–6) und hält an der Unauflöslichkeit der gültig geschlossenen Ehe fest.
Bibeltext
Auszug aus Mt 5,32 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 32: Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.
Mt 19,3–12Erlaubt Matthäus die neue Ehe nach Ehebruch?
Auf die Frage der Pharisäer, ob man seine Frau aus jedem beliebigen Grund entlassen dürfe, führt Jesus die Ehe auf den Anfang der Schöpfung zurück: „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Die Erlaubnis des Mose führt er auf die Hartherzigkeit zurück; wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, begeht Ehebruch. Die Kirche erlaubt bei schwerer Not die Trennung, versteht die Ausnahme aber nicht als Auflösung einer gültigen Ehe.
Bibeltext
Auszug aus Mt 19,6.9 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 6: Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 9: Ich sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch.
1 Kor 7,10–16Was heißt es, dass der verlassene Glaubende nicht gebunden ist?
In 1 Kor 7 spricht Paulus über Trennung, über die Ehe mit einem ungläubigen Partner und über dessen Fortgehen.
Bibeltext
Auszug aus 1 Kor 7,10–11.15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 10: Den Verheirateten gebiete nicht ich, sondern der Herr: Die Frau soll sich vom Mann nicht trennen
Vers 11: - wenn sie sich aber trennt, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich wieder mit dem Mann - und der Mann darf die Frau nicht verstoßen.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 15: Wenn aber der Ungläubige sich trennen will, soll er es tun. Der Bruder oder die Schwester ist in solchen Fällen nicht wie ein Sklave gebunden; zu einem Leben in Frieden hat Gott euch berufen.
Jede Frage zu Ehe einzeln geprüft
Jeder Schritt prüft eine Bibelstelle genau: was sie sagt, was sie zum Argument beiträgt und welcher Einwand sich an ihr festmacht.
Ehebund
Die Begriffe dieses Themas kurz erklärt
Wo das Argument weiterführt
Betrachten und beten
Wie verändert sich das Verständnis der Ehe, wenn ihre Einheit auf Christus und die Kirche verweist?
Herr Jesus Christus, segne die Ehen und Familien. Stärke Treue, Wahrhaftigkeit, Schutz und die Bereitschaft, den Bund als Gabe und Aufgabe zu leben. Amen.