Ehe · Jesu grundlegendes Wort
Warum nennt Jesus die Wiederheirat nach der Scheidung Ehebruch?
Jesus nennt die Wiederheirat nach der Entlassung eines Ehegatten Ehebruch: in einem Streitgespräch (Mk 10,2–12) und in einem Wort aus einer Lehrrede (Lk 16,18). Aus beiden Worten ergibt sich, was die Entlassung für die erste Ehe bedeutet und ob sie zu einer zweiten Ehe frei macht.
2 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Jesu Wort Bibel und Textverständnis
Wen Jesu Urteil trifft
Markus überliefert die Worte im Haus vor den Jüngern, Lukas einen Satz aus einer Lehrrede.
Auszug aus Mk 10,9.11–12 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 9: Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
Auslassung im Bibeltext.
Vers 11: Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch.
Vers 12: Und wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch.
Was der Text unmittelbar zeigt
In Mk 10,11–12 nennt Jesus den Mann, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, und ebenso die Frau, die ihren Mann entlässt und einen anderen heiratet.
In Mk 10,2–12 prüfen Pharisäer Jesus mit der Frage, ob ein Mann seine Frau entlassen darf. Entlassen meint das Wegschicken des Ehegatten, die Scheidung. Jesus hatte zuvor auf den Schöpfer verwiesen, der Mann und Frau verbindet; nach der öffentlichen Antwort fragen die Jünger im Haus weiter (V. 10), und dort nennt Jesus zwei Fälle. Ein Mann, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch gegen sie (V. 11). Dieselbe Beurteilung gilt für die Frau, die ihren Mann entlässt und einen anderen heiratet (V. 12).
Lk 16,18 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 18: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch; auch wer eine Frau heiratet, die von ihrem Mann entlassen worden ist, begeht Ehebruch.
Was der Text unmittelbar zeigt
In Lk 16,18 nennt Jesus den Mann, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, und den Mann, der eine von ihrem Mann entlassene Frau heiratet.
Lk 16,18 richtet sich an die Pharisäer und steht zwischen zwei Gleichnissen über den Reichtum. Der Satz nennt zwei Männer, die Ehebruch begehen: den, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, und den, der eine von ihrem Mann entlassene Frau heiratet. Der zweite Fall greift über das Paar hinaus; auch wer in die neue Verbindung hineinheiratet, ist in den Bruch einbezogen.
In beiden Worten kann die zweite Ehe nur deshalb Ehebruch heißen, weil die erste weiter besteht; der entlassene Ehegatte bleibt der Mensch, gegen den die Treue gebrochen wird. Die Entlassung betrifft das gemeinsame Leben; die zwei bleiben ein Fleisch, weil Gott sie verbunden hat, und diese Verbindung trägt über die Entlassung hinaus.
Eheband und Trennung Glaube und Überlieferung
Was bleibt, wenn die Eheleute getrennt leben
Die Kirche hält am Eheband fest und unterscheidet davon das getrennte Leben der Eheleute.
Die Kirche empfängt Jesu Wort als Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe. Gott selbst hat die Eheleute verbunden, und was er verbunden hat, darf kein Mensch trennen (KKK 1614). Das Bestehen dieser Verbindung heißt in der Sprache der Kirche Eheband.
Die Unauflöslichkeit gehört zum Wesen jeder Ehe; in der Ehe von Getauften erhält sie durch das Sakrament eine besondere Festigkeit (CIC 1056). Eine gültige Ehe, die zwei Getaufte geschlossen und vollzogen haben, kann die Kirche nicht auflösen (KKK 1640). Vollzogen meint die leibliche Vereinigung der Eheleute als Mann und Frau; eine nicht vollzogene Ehe kann der Papst aus gerechtem Grund lösen (CIC 1142). Der tiefste Grund dieser Unauflöslichkeit liegt in der Treue Gottes zu seinem Bund und in der Treue Christi zu seiner Kirche (KKK 1647).
Wenn das gemeinsame Leben unmöglich geworden ist, erlaubt die Kirche, dass die Eheleute getrennt leben. Die Getrennten bleiben vor Gott verheiratet, und die Trennung eröffnet ihnen keine Freiheit zu einer neuen Ehe. Wo es möglich ist, lädt die Kirche zur Versöhnung ein (KKK 1649).
Ein Einwand hält dem entgegen, Jesu Worte über die Scheidung seien keine erschöpfende Rechtsregel und ließen eine Anwendung nach den Umständen zu. Die Ausnahme bei Matthäus und die Weisung des Paulus für die Ehe mit einem ungläubigen Partner wären dann Unterscheidungen der Apostel. Joseph Ratzinger hat diesen Einwand 1998 in der Einleitung eines Dokumentenbandes der Glaubenskongregation festgehalten. Er beantwortet ihn dort zugleich: Jesus nennt die Scheidungspraxis des Mose eine Folge der Herzenshärte und stellt ihr den Willen des Schöpfers entgegen; sein Wort überwindet die alte Ordnung des Gesetzes durch die neue Ordnung des Glaubens und der Gnade. Die Trennung, von der Paulus spricht, betrifft die Ehe eines Christen mit einem Ungetauften, also keine sakramentale Ehe; sie kann um des Glaubens willen gelöst werden, während die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe gewahrt bleibt, und ist darum keine Ausnahme vom Wort des Herrn. Über die Bedeutung der Ausnahme bei Matthäus sind die Ausleger nicht einig; auf unsichere Hypothesen kann die Kirche ihre Lehre nicht bauen, sie hält sich an die klare Weisung Christi, die Markus und Lukas ohne Ausnahme überliefern.
Quellen zu dieser Frage 3
- KKK 1614; 1640; 1647; 1649Katechismus der Katholischen Kirche ↗
- Einleitung zu Documenti e Studi 17, dritter Teil, Nr. 1Joseph Ratzinger: Zu einigen Einwänden gegen die kirchliche Lehre über den Kommunionempfang wiederverheirateter geschiedener Gläubiger (1998) ↗
- can. 1056; 1141; 1142Codex Iuris Canonici: Eherecht ↗
Weiterführende Erklärungen
Erlaubt Matthäus die neue Ehe nach Ehebruch?Umstrittene Auslegung