SCRIPTURA PLENA

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Fürbitte der Heiligen

Die Verehrung der Heiligen ist keine Anbetung

Die Bitte um die Fürsprache der Heiligen gehört innerhalb der Kirche zur Verehrung. Anbetung gebührt Gott allein.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Eine helle Christusgestalt verbindet Himmel und Erde; oben tragen Gestalten Lichtschalen, unten versammeln sich Menschen zum Gebet.
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Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Anbetung und Ehre Bibel und Textverständnis

Die Schrift unterscheidet die Anbetung Gottes von der Ehre, die Gott seinen Dienern gibt

Neben der Anbetung, die Gott allein gebührt, kennt die Bibel eine Ehre, die Gott selbst seinen Dienern gibt und die die Gemeinde ihnen erweist.

Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

Joh 12,26 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Jesus verheißt: Wer ihm dient, den wird der Vater ehren.

Joh 12,26: Zusammenhang und Übersetzung

Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

Auszug aus Lk 1,48 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Maria sagt voraus, dass alle Geschlechter sie seligpreisen werden, weil Gott auf seine Magd geschaut hat.

Lk 1,48: Zusammenhang und Übersetzung

Jesus verbindet den Dienst an ihm mit einer Ehre, die der Vater selbst gibt (Joh 12,26): Der Jünger dient, und Gott ehrt ihn. Die Ehre, die einem Diener Christi zukommt, hat ihren Ursprung also im Handeln des Vaters. Maria sagt im Magnifikat voraus, dass alle Geschlechter sie seligpreisen werden, und nennt den Grund: Gott hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut (Lk 1,48). Das Lob, das ihr gilt, antwortet auf Gottes Werk an ihr; es steht nicht neben der Anbetung Gottes, denn im selben Lied preist ihre Seele die Größe des Herrn (Lk 1,46).

Gedenkt eurer Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkündet haben! Betrachtet den Ertrag ihres Lebenswandels! Ahmt ihren Glauben nach!

Hebr 13,7 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Die Gemeinde soll ihrer Vorsteher gedenken, den Ertrag ihres Lebens betrachten und ihren Glauben nachahmen.

Hebr 13,7: Zusammenhang und Übersetzung

Der Hebräerbrief verlangt von der Gemeinde, ihrer Vorsteher zu gedenken, die ihr das Wort Gottes verkündet haben, den Ertrag ihres Lebens zu betrachten und ihren Glauben nachzuahmen (Hebr 13,7). Gedenken, Betrachten und Nachahmen richten sich auf das, was Gott durch diese Menschen gewirkt hat; keine dieser Handlungen gilt ihnen wie Gott. Paulus beschreibt dieselbe Ordnung im Bild des Leibes: „wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle Glieder mit“ (1 Kor 12,26), und der Hebräerbrief stellt der Gemeinde eine ganze Reihe von Glaubenszeugen vor Augen, damit sie ihnen im Glauben folgt (Hebr 11). So unterscheidet die Schrift selbst: Anbetung hat Gott zum Ziel; Ehre richtet sich auf das, was Gott an einem Menschen getan hat, und führt zu Gott zurück.

Verehrung und Anbetung Glaube und Überlieferung

Anbetung gebührt Gott allein: Die Heiligen bittet die Kirche um Fürsprache

Die Kirche ehrt die Heiligen, weil Gott seine Gnade in ihnen sichtbar macht.

Wer einen Heiligen um Fürsprache bittet, erwartet von ihm keine eigene göttliche Macht. Fürsprache meint die Bitte an ein Glied der Kirche, vor Gott für die anderen einzutreten. Der Heilige besitzt die Quelle des Heils nicht selbst; sie liegt bei Gott. Anbetung, also die unbedingte Hingabe, die Gott zukommt, gebührt deshalb Gott allein, während die Heiligen als Freunde Gottes und Fürsprecher der Kirche Verehrung empfangen. Mit Freunden Gottes sind Menschen gemeint, die Gott in seine Nähe aufgenommen hat; die Verehrung gilt der Gnade, die Gott an ihnen wirkt.

Schon der Bericht über das Martyrium Polykarps aus Smyrna (um 155–160) hält diese Unterscheidung fest: Christus wird als Sohn Gottes angebetet, die Märtyrer werden als Jünger und Nachahmer des Herrn geliebt; der Katechismus führt diesen Satz an (KKK 957). Rund 250 Jahre später, im Jahr 406, verteidigt Hieronymus in seiner Streitschrift gegen Vigilantius (Contra Vigilantium) die Verehrung der Märtyrer und ihre Fürsprache. Er hält dem Vorwurf entgegen, dass die Christen die Märtyrer als Menschen und Freunde Gottes verehrt und die Anbetung Gott vorbehalten haben, und grenzt ihre Verehrung von der Verehrung der Götzen ab. Die Streitschrift ist polemisch und steht im Zusammenhang einer Auseinandersetzung über die kirchliche Praxis. Verbindlich ausgesprochen hat die Kirche diese Unterscheidung auf dem II. Konzil von Nizäa (787), das auch die orthodoxen Kirchen anerkennen: Im Streit um die Bilder unterschied es die ehrfürchtige Verehrung von der Anbetung, die allein Gott zusteht (KKK 2131–2132); das Zweite Vatikanische Konzil legt diesen Beschluss für die Verehrung der Heiligen erneut vor (LG 51). Die Theologie nennt die Anbetung latria und die Verehrung der Heiligen dulia; Maria wird in einem „Kult eigener Art“ geehrt, der sich „wesentlich vom Kult der Anbetung“ unterscheidet (LG 66; KKK 971).

  • Frühchristliches Zeugnisca. 155–160

    Martyrium des Polykarp

    Wir können Christus niemals verlassen und keinen anderen anbeten. Ihn beten wir als den Sohn Gottes an; die Märtyrer aber lieben wir als Jünger und Nachahmer des Herrn wegen ihrer außerordentlichen Liebe zu ihrem König und Meister.

    Martyrium des Polykarp · Martyrium Polycarpi 17–18 · Primärtext

    Der Text unterscheidet zwischen der Anbetung Christi als Sohn Gottes und der Liebe zu den Märtyrern als Jüngern und Nachahmern des Herrn.

    Einordnung der Quelle

    Der Text zeigt: Schon um die Mitte des 2. Jahrhunderts unterscheidet eine Gemeinde die Anbetung, die Christus gebührt, von der Liebe zu den Märtyrern als Jüngern und Nachahmern des Herrn.

    Die Grenze: Eine Anrufung der Märtyrer um ihre Fürsprache beschreibt der Bericht nicht; er ehrt sie wegen ihrer Liebe zu Christus und als Vorbild für die, die ihnen folgen sollen.

    Quelle im Zusammenhang lesen

    Worum es hier geht

    Der Bericht aus Smyrna beschreibt nach Polykarps Tod, wie die Gemeinde Christus und die Märtyrer unterscheidet. Im selben Zusammenhang erzählt er von der Sammlung der Gebeine und dem jährlichen Gedächtnis des Todestages.

    Historischer Text

    Wir können Christus niemals verlassen und keinen anderen anbeten. Ihn beten wir als den Sohn Gottes an; die Märtyrer aber lieben wir als Jünger und Nachahmer des Herrn wegen ihrer außerordentlichen Liebe zu ihrem König und Meister. […] Danach sammelten wir seine Gebeine, die uns kostbarer als die wertvollsten Edelsteine und reiner als Gold erschienen, und legten sie an einem geeigneten Ort nieder. Dort werden wir uns, soweit es möglich ist, mit Freude versammeln, um den Jahrestag seines Martyriums zu feiern: zum Gedächtnis derer, die ihren Weg vollendet haben, und zur Übung und Vorbereitung derer, die ihnen folgen sollen.

    Warum diese Stelle wichtig ist

    Der frühe Bericht hält die Unterscheidung ausdrücklich fest: Christus wird angebetet, Märtyrer werden als Jünger geliebt und geehrt. Zugleich bezeugt derselbe Text die ehrende Sorge um die Gebeine und das jährliche Gedächtnis des Martyriums.

    Quelle
    Martyrium des Polykarp · Martyrium Polycarpi 17–18
    Textfassung und Rechte
    Eigene Übersetzung aus dem Griechischen; verglichen mit der englischen Übersetzung der Ante-Nicene Fathers (1885). Der griechische Text und die englische Übersetzung sind gemeinfrei; der Link führt zur deutschen Übersetzung der Bibliothek der Kirchenväter.
    Vollständigen historischen Text öffnen: Martyrium des Polykarp
Quellen zu dieser Frage 3

Götzendienst und Verehrung Glaube und Überlieferung

Verdeckt die Unterscheidung von Verehrung und Anbetung Götzendienst?

Jede religiöse Anrufung eines Geschöpfes, so der Einwand, überschreite die Grenze zur Anbetung.

Der Einwand beruft sich auf die Schrift: Als Johannes vor dem Engel niederfällt, um ihn anzubeten, hört er: „Tu das nicht! Ich bin ein Mitknecht wie du und deine Brüder … Gott bete an!“ (Offb 19,10; vgl. 22,8–9); Petrus richtet Kornelius auf: „Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch“ (Apg 10,25–26). Die Unterscheidung zwischen Anbetung und Verehrung könne eine spätere Systematik sein, die das tatsächliche Risiko von Götzendienst verdecke. Götzendienst meint die Verehrung eines Geschöpfes an der Stelle Gottes. Der Einwand hält es für möglich, dass eine solche Begriffstrennung den Blick darauf verstellt, wie nah die Anrufung eines Heiligen an die Anbetung heranrückt.

Diese Stellen verwehren einem Geschöpf die Anbetung, die Gott allein zusteht; dieselbe Grenze zieht die Kirche, und der Engel, der sich „Mitknecht“ der Glaubenden nennt, zeigt zugleich, wie sie die Heiligen ehrt: als Glieder derselben Gemeinschaft vor Gott. Hieronymus bezeugt, dass die Kirche die Märtyrer nicht als Gottheiten verstand. Die Anrufung hat ihren Sinn in der Bitte um Fürsprache; der Heilige besitzt die Quelle des Heils nicht selbst. Die Anbetung bleibt auf den dreifaltigen Gott gerichtet, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Die Unterscheidung ist damit älter als ihre Fachbegriffe: Der Bericht über das Martyrium Polykarps hält sie im 2. Jahrhundert fest, und das II. Konzil von Nizäa hat sie 787 verbindlich formuliert. Offen bleibt die Rückfrage, wie die Heiligen die Bitten der Kirche überhaupt hören können.

Quellen zu dieser Frage 1
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