Fürbitte der Heiligen
Die Kenntnis der Heiligen gründet in Gottes Leben
Die Kirche bekennt, dass die Liebe Gottes und seiner Heiligen unseren Gebeten stets Gehör schenkt (KKK 962). Die Theologie erklärt dies damit, dass Gott die Heiligen an seinem Leben und an seiner Erkenntnis teilhaben lässt.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die himmlische Liturgie Bibel und Textverständnis
Offenbarung 5 und 8 stellen Gebete in der himmlischen Gegenwart Gottes dar
Die angeführten Stellen schildern die himmlische Liturgie und zeigen das Gebet der Kirche vor Gottes Thron.
Auszug aus Offb 5,8 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 8: Als es das Buch empfangen hatte, fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Ältesten tragen die Gebete der Heiligen vor Gottes Thron.
Die Offenbarung des Johannes, das letzte Buch der Bibel, schildert in Kapitel 5 und in Kapitel 8 Bilder aus der himmlischen Liturgie. Gebete gelangen vor Gottes Thron und werden in der himmlischen Sphäre dargestellt. Die Kirche erkennt in diesen Bildern, dass die himmlische Kirche am Gebet der Kirche auf Erden Anteil hat.
Aus der Hand des Engels stieg der Weihrauch mit den Gebeten der Heiligen zu Gott empor.
Auszug aus Offb 8,3–4 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Ein Engel bringt die Gebete der Heiligen vor Gottes Thron.
Die Stellen zeigen Gebete, die vor Gottes Thron gelangen und dort zur himmlischen Liturgie gehören. Die Kirche verbindet diese Gebete mit den Glaubenden auf Erden und mit den Vollendeten bei Gott. Was die Stellen zeigen, ist die Gegenwart des Gebets vor Gott und seine Aufnahme in die himmlische Sphäre. Weil das Gebet der Kirche in dieser himmlischen Sphäre gegenwärtig ist, entfaltet die Lehre der Kirche, wie die Heiligen davon erfahren.
Anteil am göttlichen Leben Glaube und Überlieferung
Die Heiligen erkennen, weil Gott sie an seinem Leben teilhaben lässt
Die Kirche schreibt den Heiligen keine natürliche Allwissenheit zu.
Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK), in dem die Kirche ihren Glauben zusammenhängend darlegt, bekennt mit dem Credo des Gottesvolkes, dass in der Gemeinschaft der Heiligen „die barmherzige Liebe Gottes und seiner Heiligen stets unseren Gebeten Gehör schenkt“ (KKK 962). Die Seligen schauen Gott „von Angesicht zu Angesicht“ (KKK 1023); sie „sorgen unablässig für jene, die sie auf Erden zurückließen“ (KKK 2683), und sie erfüllen den Willen Gottes auch „in bezug auf die anderen Menschen“ (KKK 1029). Die Theologie erklärt daraus, dass Gott ihnen in der Schau seiner selbst zu erkennen gibt, was ihrer Liebe zu den Menschen dient. Geschöpfe bleiben Geschöpfe; ihre Kenntnis ist geschenkt und begrenzt. Die Fürsprache der Heiligen bleibt darum vollständig von Gottes Gnade abhängig.
Die Bilder der himmlischen Liturgie werden mit dem Leben der Gerechten bei Gott und mit der Gemeinschaft des Leibes Christi zusammengelesen; darin liegt die Grundlage für die kirchliche Lehre von der Fürsprache.
Quellen zu dieser Frage 1
Kenntnis in Gottes Schau Glaube und Überlieferung
Müssten Heilige allwissend sein, um Gebete zu hören?
Gott allein kennt die Herzen. Wie können Verstorbene die stillen Gebete vieler Menschen hören, ohne selbst alles zu wissen?
Die Schrift nennt Gott den, der allein die Herzen kennt: „du allein kennst die Herzen aller Menschen“ (1 Kön 8,39), und bei Jesaja bekennt Israel: „Abraham weiß nichts von uns, Israel kennt uns nicht“ (Jes 63,16). Daraus folgt für den Einwand: Die stillen Gedanken eines Menschen kennt Gott allein; ein Verstorbener, der die Gebete vieler Menschen an vielen Orten zugleich hören soll, bräuchte ein Wissen, das Gott vorbehalten ist. Der Heidelberger Katechismus zählt das Anrufen der Heiligen zu dem, was das erste Gebot verbietet (Frage 94).
Gott allein kennt die Herzen aus sich selbst; die Heiligen kennen, was Gott ihnen zu erkennen gibt. Eine geschenkte und begrenzte Kenntnis ist keine Allwissenheit und nimmt Gottes alleinigem Wissen nichts. Dass der Himmel um Vorgänge auf der Erde weiß, zeigt die Schrift selbst: Im Himmel herrscht Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt (Lk 15,7.10); die Märtyrer unter dem Altar wissen, dass ihr Blut noch nicht gerächt ist (Offb 6,9–10); Mose und Elija sprechen bei der Verklärung mit Jesus über sein Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte (Lk 9,30–31). Jesaja 63,16 stellt dem Stammvater Abraham Gott als den Vater gegenüber, auf den Israel hofft; die Fürsprache der Heiligen führt in dieselbe Richtung, denn sie richtet sich an Gott. Für die Vollendung verheißt Paulus eine Erkenntnis, die alles Stückwerk übersteigt: „dann aber werde ich durch und durch erkennen“ (1 Kor 13,12). Von hier aus erklärt die Theologie die Kenntnis der Heiligen als Erkenntnis in der Schau Gottes: Die Seligen sehen Gott und erkennen in ihm, was er ihnen zu erkennen gibt.
Schon Origenes begründet im dritten Jahrhundert mit 1 Kor 13,12, dass die entschlafenen Frommen in der Liebe zu den noch Kämpfenden vollendet sind und darum mit denen beten, die recht beten (Vom Gebet XI,1–2). Die Bitte an die Heiligen bleibt so Gebet in der einen Gemeinschaft, die aus Gott lebt: Wer seine stillen Anliegen vor Gott bringt, vertraut sie dem an, der die Herzen kennt, und denen, die ihn schauen.