Bibelstelle · EÜ 2016
Offb 8,3–4
Ein Engel bringt den Weihrauch mit den Gebeten der Heiligen vor Gottes Thron. Die Kirche lehrt, dass die Fürsprache der Heiligen in die Anbetung Gottes eintritt und von der Mittlerschaft Christi abhängt.
Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Auszug
Auszug aus Offb 8,3–4
Bibeltext
Aus der Hand des Engels stieg der Weihrauch mit den Gebeten der Heiligen zu Gott empor.
Auszug aus Offb 8,3–4 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
In den Themen
Warum diese Stelle hier wichtig ist
Eine Stelle trägt oft mehr als eine Glaubensfrage. Bei jeder steht, was sie zum Argument beiträgt und wo das Argument weitergeht.
Gebete der Heiligen vor Gottes Thron
Baustein für die himmlische Darbringung von Gebeten; nächste Prämisse: Offb 5,8.
Die Kenntnis der Heiligen gründet in Gottes Leben
Baustein für die himmlische Vermittlung von Gebeten; nächste Prämisse: Offb 5,8.
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Kirchliche Zeugen
Zeugnis der Kirche durch die Jahrhunderte
Die Zeugnisse von Kirchenvätern, Kirchenlehrern, Konzilien und dem Lehramt zeigen, wie die Kirche diese Stelle verstanden hat.
Martyrium des Polykarp
Der Text unterscheidet zwischen der Anbetung Christi als Sohn Gottes und der Liebe zu den Märtyrern als Jüngern und Nachahmern des Herrn.
Wir können Christus niemals verlassen und keinen anderen anbeten. Ihn beten wir als den Sohn Gottes an; die Märtyrer aber lieben wir als Jünger und Nachahmer des Herrn wegen ihrer außerordentlichen Liebe zu ihrem König und Meister.
Martyrium des Polykarp · Martyrium Polycarpi 17–18 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Schon um die Mitte des 2. Jahrhunderts unterscheidet eine Gemeinde die Anbetung, die Christus gebührt, von der Liebe zu den Märtyrern als Jüngern und Nachahmern des Herrn.
Die Grenze: Eine Anrufung der Märtyrer um ihre Fürsprache beschreibt der Bericht nicht; er ehrt sie wegen ihrer Liebe zu Christus und als Vorbild für die, die ihnen folgen sollen.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Der Bericht aus Smyrna beschreibt nach Polykarps Tod, wie die Gemeinde Christus und die Märtyrer unterscheidet. Im selben Zusammenhang erzählt er von der Sammlung der Gebeine und dem jährlichen Gedächtnis des Todestages.
Historischer Text
Wir können Christus niemals verlassen und keinen anderen anbeten. Ihn beten wir als den Sohn Gottes an; die Märtyrer aber lieben wir als Jünger und Nachahmer des Herrn wegen ihrer außerordentlichen Liebe zu ihrem König und Meister. […] Danach sammelten wir seine Gebeine, die uns kostbarer als die wertvollsten Edelsteine und reiner als Gold erschienen, und legten sie an einem geeigneten Ort nieder. Dort werden wir uns, soweit es möglich ist, mit Freude versammeln, um den Jahrestag seines Martyriums zu feiern: zum Gedächtnis derer, die ihren Weg vollendet haben, und zur Übung und Vorbereitung derer, die ihnen folgen sollen.
Vollständigen historischen Text öffnen: Martyrium des PolykarpWarum diese Stelle wichtig ist
Der frühe Bericht hält die Unterscheidung ausdrücklich fest: Christus wird angebetet, Märtyrer werden als Jünger geliebt und geehrt. Zugleich bezeugt derselbe Text die ehrende Sorge um die Gebeine und das jährliche Gedächtnis des Martyriums.
Cyrill von Jerusalem
Cyrill bezeugt, dass die Kirche im Hochgebet der Patriarchen, Propheten, Apostel und Märtyrer gedenkt, damit Gott auf ihre Gebete und Fürbitten hin das Anliegen der Gemeinde annehme; für die übrigen Verstorbenen betet sie anschließend.
Dann gedenken wir auch derer, die vor uns entschlafen sind: zuerst der Patriarchen, Propheten, Apostel und Märtyrer, damit Gott auf ihre Gebete und Fürbitten unser Anliegen annehme.
Katechetische Vorträge · Mystagogische Katechese 5,9 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Im Hochgebet stützt sich die Bitte der Gemeinde auf die Fürbitte der Heiligen.
Die Grenze: Die Gemeinde richtet ihre Bitte an Gott und stützt sie auf die Gebete der Heiligen; eine unmittelbare Anrede an die Heiligen enthält der Satz nicht.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Cyrill von Jerusalem erklärt in der mystagogischen Katechese die Anaphora, also das eucharistische Hochgebet. Im Anschluss an die Darbringung nennt er das Gedenken der Patriarchen, Propheten, Apostel und Märtyrer. Die Mystagogischen Katechesen stammen aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts; einige Handschriften schreiben sie Cyrills Nachfolger Johannes von Jerusalem zu.
Historischer Text
Nachdem das geistliche Opfer, der unblutige Gottesdienst, vollendet ist, bitten wir über diesem Opfer der Versöhnung Gott um den Frieden der Kirchen, um das Wohl der Welt und um alle, die Hilfe nötig haben, und wir beten und bringen dieses Opfer dar. Dann gedenken wir auch derer, die vor uns entschlafen sind: zuerst der Patriarchen, Propheten, Apostel und Märtyrer, damit Gott auf ihre Gebete und Fürbitten unser Anliegen annehme. Dann beten wir für die bereits entschlafenen heiligen Väter und Bischöfe und überhaupt für alle unsere Verstorbenen.
Vollständigen historischen Text öffnen: Cyrill von JerusalemWarum diese Stelle wichtig ist
Cyrill bezeugt im 4. Jahrhundert eine konkrete liturgische Praxis: Die Kirche gedenkt der vollendeten Heiligen und verbindet dieses Gedenken mit ihrer Fürbitte.
Quellen und HinweiseKKK 946–962, 2634–2636
Katechismus
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 946–962, 2634–2636Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Gemeinschaft der Heiligen und Fürbitte.
Konzilien und Lehramt
- Lumen gentiumLG 49–51Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Gemeinschaft der pilgernden und vollendeten Kirche.