SCRIPTURA PLENA

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Apostelgeschichte 15 und 16,4–5

Eine Entscheidung der Apostel, die die Gemeinden erreicht

Zwei Stellen der Apostelgeschichte berichten, wie die frühe Kirche eine Lehrfrage entscheidet: Apostel und Älteste beraten in Jerusalem, fällen ein Urteil und übergeben ihren Beschluss den Gemeinden. Die Kirche liest diese Stellen als Zeugnis ihres Auftrags, den Glauben verbindlich zu lehren.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Apostel und Älteste sitzen an einem runden Tisch; über ihrer Versammlung steigt eine helle Flammenform auf, fern liegt eine Stadt.
KircheKI-generierte Illustration
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Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Beschluss und seine Übergabe Bibel und Textverständnis

In Jerusalem beraten Apostel und Älteste, entscheiden den Streit und überbringen ihren Beschluss den Gemeinden

Apostelgeschichte 15 zeigt Beratung, Urteil und Mitteilung; Apostelgeschichte 16,4–5 zeigt die Übergabe der gefassten Anordnungen an die Gemeinden.

Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!

Auszug aus Apg 15,28–29 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Apostel und Älteste beraten und entscheiden einen Streit über die Zugehörigkeit und Praxis der Heidenchristen.

Apg 15,1–29: Zusammenhang und Übersetzung

Die Apostelgeschichte 15 schildert eine Versammlung in Jerusalem. Apostel und Älteste beraten eine Streitfrage, die die Gemeinden bewegt. Sie tragen das Für und Wider vor, prüfen es und fällen ein Urteil. Dieser Beschluss wird gefasst und den Gemeinden mitgeteilt, sodass die Gemeinden sich auf ihn verpflichtet wissen.

Als sie nun durch die Städte zogen, überbrachten sie ihnen die von den Aposteln und den Ältesten in Jerusalem gefassten Beschlüsse und trugen ihnen auf, sich daran zu halten.

Auszug aus Apg 16,4–5 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Paulus überbringt den Gemeinden die Beschlüsse der Apostel und Ältesten.

Apg 16,4–5: Zusammenhang und Übersetzung

Die Apostelgeschichte 16,4–5 nennt die Anordnungen, die von den Aposteln und den Ältesten in Jerusalem beschlossen worden sind, und berichtet, wie sie den Gemeinden übergeben werden. Damit reicht eine Entscheidung aus dem Kreis der Apostel in mehrere Gemeinden hinein. Sichtbar wird das Muster einer verbindlichen kirchlichen Entscheidung: Apostel und Älteste beraten eine Glaubensfrage — ob Heiden sich nach dem Brauch des Mose beschneiden lassen und das Gesetz halten müssen, um gerettet zu werden (Apg 15,1.5) —, und sie antworten mit einer Glaubensaussage: Juden wie Heiden werden durch die Gnade Jesu, des Herrn, gerettet (Apg 15,11). Daraus folgt eine praktische, für die Gemeinden verbindliche Weisung für das Zusammenleben (Apg 15,28–29).

Verbindliche Lehre, öffentlich weitergegeben Glaube und Überlieferung

Die Kirche trägt die verbindliche Entscheidung über den Glauben und gibt sie den Gemeinden weiter

Die Kirche liest die beiden Stellen als Zeugnis dafür, dass sie eine verbindliche Lehre trägt und diese öffentlich an die Gemeinden weitergibt.

Die Kirche liest die Apostelgeschichte 15 und 16,4–5 als Zeugnis ihres Auftrags, den Glauben verbindlich zu lehren. In der Jerusalemer Versammlung verbinden sich Beratung, apostolische Autorität und eine Entscheidung, die für mehrere Gemeinden bestimmt ist: Der Beschluss ergeht mit den Worten „Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden.“ (Apg 15,28), und die Gemeinden empfangen ihn als Anordnung der Apostel und Ältesten und richten sich danach (Apg 16,4–5). Auf dieser Verbindlichkeit ruht die Ordnung des Glaubenslebens, und so erscheint die Kirche als Trägerin einer verbindlichen Entscheidung, die die Glaubensfrage klärt, das Zusammenleben ordnet und die Einheit der Gemeinden schützt.

In der Dogmatischen Konstitution über die Kirche Lumen gentium („Licht der Völker“) lehrt das Konzil, dass die Bischöfe als Nachfolger der Apostel deren Lehramt fortführen und als authentische, mit der Autorität Christi ausgerüstete Lehrer verkünden (LG 20; 25); der Katechismus fasst dies in KKK 85–88 und 888–892 zusammen. Sichtbar ist damit: Die Kirche entscheidet Lehrfragen in der Gemeinschaft der Glaubenden und gibt ihre Entscheidung an die Gemeinden weiter.

Quellen zu dieser Frage 4

Bleibendes Amt und Lehrverantwortung Glaube und Überlieferung

Die Kirche führt ihre Lehrverantwortung in einem bleibenden Amt weiter

Der Einwand lautet: Die Versammlung in Jerusalem entscheidet eine Frage der Kultordnung; ein bleibendes Amt, das den Glauben verbindlich auslegt, liest der Einwender als spätere Gestalt der Kirche.

Der Einwand trifft die vier Enthaltungen, die eine zeitgebundene Ordnung sind; die Versammlung entscheidet aber zuerst die Lehrfrage nach dem Heil (Apg 15,11). Darum unterscheidet die Kirche bis heute Lehrurteile von disziplinarischen Entscheidungen (KKK 553). Auch die praktische Weisung ergeht in der Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist (Apg 15,28) und bindet mehrere Gemeinden, die sie als Anordnung der Apostel und Ältesten empfangen und sich danach richten (Apg 16,4–5).

Die Kirche führt diese Verantwortung in einem bleibenden Amt weiter: Das apostolische Amt, das in Jerusalem die Entscheidung trug, wirkt in der Gemeinschaft der Glaubenden fort, und die Kirche legt die empfangene Lehre verbindlich aus (LG 25).

Quellen zu dieser Frage 2
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