SCRIPTURA PLENA

Scriptura Plena

FaithOSUnterstützenImpressumDatenschutz

Sakramente

Die Siebenzahl als kirchlich erkannte Ordnung

Die Kirche zählt sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Ehe und Weihe. Sie bekennt, dass Christus sie alle eingesetzt hat; der Katechismus beschreibt, wie die Kirche dieses Vermächtnis im Lauf der Jahrhunderte erkannt hat.

3 Fragen · Quellen zum Prüfen

Brot und Kelch stehen in der Mitte; darum gruppieren sich Wasser, Öl, Ringe, Salbung und Handauflegung, verbunden durch einen Lichtstrom.
SakramenteKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Die Siebenzahl der Sakramente Glaube und Überlieferung

Die Kirche hat die Siebenzahl im Lauf der Jahrhunderte erkannt

Die Kirche lehrt, dass es unter ihren liturgischen Feiern sieben Sakramente im eigentlichen Sinn gibt.

Der Katechismus der Katholischen Kirche beschreibt diesen Vorgang in Nummer 1117: Geleitet vom Heiligen Geist hat die Kirche das „von Christus erhaltene kostbare Vermächtnis“ nach und nach erkannt, so wie sie auch den Kanon der heiligen Schriften erkannt hat, und sie hat im Lauf der Jahrhunderte erkannt, dass es unter ihren liturgischen Feiern sieben gibt, „die im eigentlichen Sinn vom Herrn eingesetzte Sakramente sind“. Dabei sind zwei Fragen zu unterscheiden. Die erste betrifft die einzelnen biblischen und apostolischen Zeugnisse; sie wird durch die jeweiligen Texte beantwortet. Die zweite betrifft ihre gemeinsame Zahl und ihre systematische Zuordnung; sie wurde im Lauf der Kirchengeschichte ausdrücklich geklärt.

Die Kirche geht von den überlieferten Feiern aus. Taufe, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Handauflegung (die Firmung), Weihe und Ehe bewahrt sie in ihren jeweiligen apostolischen Zusammenhängen. Erst die spätere theologische Reflexion fragt, welche Feiern im eigentlichen Sinn Sakramente des Herrn sind. Das Konzil von Florenz beschreibt in seinem Dekret für die Armenier (Decretum pro Armenis) die sieben Sakramente des Neuen Gesetzes und ihre Gnadenwirkung; das Konzil von Trient hat 1547 als Glaubenssatz (Dogma) definiert, dass die Sakramente des Neuen Bundes alle von Jesus Christus eingesetzt sind und dass es weder mehr noch weniger als sieben sind (Sitzung VII, Kanon 1). Geklärt wurde damit nicht der Ursprung der Sakramente, sondern ihre Zahl und ihre genaue Unterscheidung von anderen heiligen Handlungen; weil Christus sie eingesetzt hat, kann die Kirche sie weder vermehren noch verringern. Ihre Aussagen stehen am Ende einer Entwicklung von Schrift, apostolischer Praxis, liturgischer Feier und kirchlicher Unterscheidung. Die spätere Klärung der Zahl setzt eine bereits gefeierte und überlieferte sakramentale Wirklichkeit voraus und ordnet sie.

Quellen zu dieser Frage 3

Wirkung und Frucht Glaube und Überlieferung

Wirken die Sakramente mechanisch, ohne den Glauben des Empfängers?

Die reformatorischen Bekenntnisse wenden sich gegen eine Lehre, nach der die Sakramente die Gnade durch den bloßen Vollzug verleihen, ohne dass der Empfänger glaubt. Die Kirche lehrt, dass Christus selbst im Sakrament handelt und dass die Frucht vom Glauben und von der inneren Haltung des Empfängers abhängt.

Die Apologie des Augsburger Bekenntnisses verwirft die Lehre der scholastischen Theologen, die Sakramente verliehen die Gnade kraft des vollzogenen Werkes ohne gute Regung des Empfängers, sofern er nur kein Hindernis setze; das hieße, der Mensch werde durch eine Zeremonie ohne Glauben gerechtfertigt (Apologie XIII,18). Die 39 Artikel der Kirche von England sagen, die Sakramente hätten nur in denen eine heilsame Wirkung, die sie würdig empfangen (Art. XXV). Beide Texte wollen verhindern, dass der Empfänger zum bloßen Gegenstand einer Wirkung wird, die an seinem Glauben vorbeigeht.

Die Kirche teilt diese Sorge: Ein Sakrament wirkt nicht wie Magie am Menschen vorbei. Die Formel „ex opere operato“, wörtlich „aufgrund der vollzogenen Handlung“, nennt den, der im Sakrament handelt: „Sie sind wirksam, denn in ihnen ist Christus selbst am Werk: er selbst tauft, er selbst handelt in seinen Sakramenten“ (KKK 1127). Die Sakramente wirken darum „kraft des ein für allemal vollbrachten Heilswerkes Christi“; wird ein Sakrament der Absicht der Kirche gemäß gefeiert, wirkt in ihm die Macht Christi „unabhängig von der persönlichen Heiligkeit des Spenders“ (KKK 1128). Darin stimmen auch die 39 Artikel zu: Die Unwürdigkeit des Spenders hebt die Wirkung der Einsetzung Christi nicht auf (Art. XXVI).

Zugleich lehrt die Kirche: „Die Früchte der Sakramente sind auch von der inneren Verfassung ihres Empfängers abhängig“ (KKK 1128); in Gläubigen, die sie mit der erforderlichen inneren Haltung empfangen, bringen sie Frucht (KKK 1131). Darum nennt das Zweite Vatikanische Konzil sie Sakramente des Glaubens: „Den Glauben setzen sie nicht nur voraus, sondern durch Wort und Ding nähren sie ihn auch, stärken ihn und zeigen ihn an; deshalb heißen sie Sakramente des Glaubens“ (SC 59). Das Konzil von Trient hat in der siebten Sitzung festgehalten, dass die Sakramente die Gnade enthalten, die sie bezeichnen, und sie denen verleihen, die kein Hindernis setzen; vom Spender verlangt es wenigstens die Absicht, zu tun, was die Kirche tut, und es lehrt, dass seine schwere Sünde das Sakrament nicht aufhebt, wenn er alles Wesentliche beachtet (Kanones 6, 11 und 12).

Die wirkliche Differenz liegt an einer genau bestimmbaren Stelle. Dass der würdige Empfang nötig ist, damit das Sakrament Frucht bringt, sagen Art. XXV und KKK 1128 übereinstimmend. Die Kirche lehrt darüber hinaus, dass die Gnade durch das Sakrament selbst verliehen wird, weil Christus in ihm handelt; den Satz, allein der Glaube an die göttliche Verheißung genüge zur Erlangung der Gnade, hat das Konzil verworfen (Kanon 8). Der Glaube empfängt die Gabe; geschenkt wird sie von Christus im sakramentalen Zeichen.

Quellen zu dieser Frage 5

Erfindung der Siebenzahl Glaube und Überlieferung

Ist die Siebenzahl eine spätere Erfindung der Kirche?

Der Einwand lautet: Wenn die Kirche die Siebenzahl erst im Lauf der Jahrhunderte erkannt hat, sei sie eine spätere Erfindung und deshalb nicht apostolisch.

Eine spätere begriffliche Klärung ist die genauere Benennung eines Gegenstands, der bereits gefeiert und überliefert war. Die Kirche kann eine bereits gefeierte und überlieferte Wirklichkeit später genauer unterscheiden und benennen; das geschieht bei den sieben Sakramenten. Die biblischen Zeugnisse haben je ihr eigenes Gewicht und ihre eigene Sprache. Gemeinsam mit der apostolischen Praxis zeigen sie eigenständige sakramentale Zusammenhänge. Die kirchliche Erkenntnis der Siebenzahl fasst diese Wirklichkeit zusammen und grenzt sie gegen eine beliebige Vermehrung oder Verkürzung ab. Die Systematisierung setzt dabei die einzelnen Schriftzeugnisse, die apostolische Praxis und die überlieferte Feier voraus und führt sie zusammen. Auch der Osten bezeugt diese Überlieferung: Die orthodoxen Kirchen, seit Jahrhunderten von Rom getrennt, feiern dieselben sieben heiligen Handlungen als Mysterien, und schon das Glaubensbekenntnis des byzantinischen Kaisers Michael VIII. Palaiologos auf dem Zweiten Konzil von Lyon 1274 zählt sieben Sakramente auf (vgl. KKK 1113). Offen ist noch, wie die Sprache vom biblischen mysterion zur genauen Sakramentenlehre gelangt ist.

Quellen zu dieser Frage 2
← Zur Übersicht: Sakramente