Bibelstelle · EÜ 2016
1 Tim 3,1–5
Paulus nennt unter den Anforderungen an einen Bischof, „Mann einer einzigen Frau“ zu sein und seinem eigenen Haus gut vorzustehen. Die Stelle zeigt, dass in den frühen Gemeinden verheiratete Männer Bischöfe werden konnten, und verlangt von ihnen die Bindung an eine einzige Ehe; eine Pflicht zur Ehe folgt daraus nicht, denn Paulus lebt selbst ehelos und empfiehlt diese Lebensform um des ungeteilten Dienstes willen (1 Kor 7,7–8.32–35). Die Kirche kennt darum beide Ordnungen: In den Ostkirchen können verheiratete Männer zu Diakonen und Priestern geweiht werden, während die lateinische Kirche ihre Priester in der Regel aus Männern wählt, die ehelos leben (KKK 1579–1580).
Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Auszug
Auszug aus 1 Tim 3,1–5
Bibeltext
Mann einer einzigen Frau.
Auszug aus 1 Tim 3,2 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Wer hier spricht und in welcher Lage
Paulus schreibt Timotheus, wie man sich im Haus Gottes, der Kirche, verhalten soll (1 Tim 3,14–15), und nennt dafür die Anforderungen an den Bischof und an die Diakone. Der Abschnitt beginnt mit dem Satz „Das Wort ist glaubwürdig: Wer das Amt eines Bischofs anstrebt, der strebt nach einer großen Aufgabe“ und zählt dann auf, was vom Bischof verlangt wird, bis hin zu der Frage, wie einer für die Kirche Gottes sorgen soll, der seinem eigenen Haus nicht vorstehen kann (3,1–7). Mit „Ebenso“ schließen sich in 3,8–13 die Anforderungen an die Diakone an.
In den Themen
Warum diese Stelle hier wichtig ist
Eine Stelle trägt oft mehr als eine Glaubensfrage. Bei jeder steht, was sie zum Argument beiträgt und wo das Argument weitergeht.
Bischöfe, Priester und Diakone führen den Dienst der Apostel fort
Die Stelle zeigt das Bischofsamt als bestimmte Aufgabe, für die Bewerber geprüft werden; im selben Kapitel folgt der Dienst der Diakone (1 Tim 3,8–13).
Das Wort ist glaubwürdig: Wer das Amt eines Bischofs anstrebt, der strebt nach einer großen Aufgabe.
1 Tim 3,1 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
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Kirchliche Zeugen
Zeugnis der Kirche durch die Jahrhunderte
Die Zeugnisse von Kirchenvätern, Kirchenlehrern, Konzilien und dem Lehramt zeigen, wie die Kirche diese Stelle verstanden hat.
Ignatius von Antiochien
Ignatius bezeugt für die Gemeinden, an die er schreibt, einen Bischof, der an Stelle Gottes den Vorsitz führt, Presbyter an Stelle des Apostelkollegiums und Diakone; getrennt von ihnen kann man von keiner Kirche reden.
Gleicherweise sollen alle die Diakonen achten wie Jesus Christus, wie auch den Bischof als das Abbild des Vaters, die Presbyter aber wie eine Ratsversammlung Gottes und wie einen Bund von Aposteln. Getrennt von diesen kann man von keiner Kirche reden.
Ignatius von Antiochien: Briefe an die Magnesier und an die Trallianer · Ignatius, An die Magnesier 6,1; An die Trallianer 3,1 · Primärtext↗Einordnung der Quelle
Der Text zeigt: Ein dreigestaltiges Amt in den angeschriebenen Gemeinden: Bischof, Presbyter, Diakone. Die Einheit der Gemeinde hängt an dieser Ordnung, und Ignatius setzt sie als geltend voraus.
Die Grenze: Ignatius bezeugt diese Ordnung für die Gemeinden in Kleinasien, an die er schreibt; ein Bild aller Kirchen um 110 gibt er damit nicht.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Ignatius schreibt auf dem Weg zu seinem Martyrium in Rom an Gemeinden in Kleinasien und mahnt sie zur Einheit mit ihrem Bischof, den Presbytern und den Diakonen.
Historischer Text
Befleißiget euch, alles zu tun in der Eintracht Gottes, da der Bischof den Vorsitz führt an Stelle Gottes, die Presbyter an Stelle des Apostelkollegiums, und die Diakonen, die ich gar sehr liebe, mit dem Dienste Jesu Christi betraut sind, welcher von Ewigkeit beim Vater war und am Ende (der Zeiten) erschienen ist. […] Gleicherweise sollen alle die Diakonen achten wie Jesus Christus, wie auch den Bischof als das Abbild des Vaters, die Presbyter aber wie eine Ratsversammlung Gottes und wie einen Bund von Aposteln. Getrennt von diesen kann man von keiner Kirche reden.
Vollständigen historischen Text öffnen: Ignatius von AntiochienWarum diese Stelle wichtig ist
Die beiden Stellen zeigen um 110 eine feste Ordnung von Bischof, Presbyterium und Diakonen und binden die Kirche an diese Ordnung; der Katechismus zitiert Trall. 3,1 für die drei Stufen des Amtes (KKK 1554).
Irenäus von Lyon
Irenäus führt die Bischöfe an, die von den Aposteln in den Kirchen eingesetzt wurden, und ihre Nachfolger bis in seine Zeit; für Rom nennt er die Reihe bis Eleutherius als den Weg, auf dem die apostolische Überlieferung auf uns gekommen ist.
In dieser Ordnung und Reihenfolge ist die kirchliche apostolische Überlieferung auf uns gekommen
Gegen die Häresien, Buch III · Adversus haereses III,3,1.3 · Primärtext↗Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Irenäus widerlegt um 180 gnostische Lehrer, die sich auf eine geheime Überlieferung berufen. Er antwortet mit der öffentlichen Überlieferung der Kirchen und mit der Folge ihrer Bischöfe.
Historischer Text
Die von den Aposteln in der ganzen Welt verkündete Tradition kann in jeder Kirche jeder finden, der die Wahrheit sehen will, und wir können die von den Aposteln eingesetzten Bischöfe der einzelnen Kirchen aufzählen und ihre Nachfolger bis auf unsere Tage. […] Nachdem dann auf Anicetus Soter gefolgt war, hat jetzt als zwölfter von den Aposteln Eleutherius den Episkopat inne. In dieser Ordnung und Reihenfolge ist die kirchliche apostolische Überlieferung auf uns gekommen, und vollkommen schlüssig ist der Beweis, daß es derselbe Leben spendende Glaube sei, den die Kirche von den Aposteln empfangen, bis jetzt bewahrt und in Wahrheit uns überliefert hat.
Vollständigen historischen Text öffnen: Irenäus von LyonWarum diese Stelle wichtig ist
Irenäus macht die Bischofsfolge zum öffentlichen Prüfstein der apostolischen Lehre: Die Bischöfe sind von den Aposteln eingesetzt, und ihre Nachfolger lassen sich mit Namen nennen.
Quellen und HinweiseKKK 1536–1600
Katechismus
- Katechismus der Katholischen KircheKKK 1536–1600Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Der Katechismus behandelt Weihe, Priestertum und in KKK 1579–1580 die lateinische sowie die rechtmäßige ostkirchliche Ordnung des Zölibats.
Konzilien und Lehramt
- Lumen gentiumLG 10, 18–29Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Gemeinsames und amtliches Priestertum sowie apostolisches Amt.
- Presbyterorum ordinisPO 2, 5Primärtext · Offizielle kirchliche Quelle
Das Konzil beschreibt den priesterlichen Dienst als Anteil am Dienst Christi.
Historische Primärquellen
- Ignatius von Antiochien: Briefe an die Magnesier und an die TrallianerMagn. 6,1; Trall. 3,1Übersetzung · Primärtext / Edition
Ignatius nennt um 110 Bischof, Presbyter und Diakone als Ordnung der Gemeinden, an die er schreibt; deutsche Übersetzung von Franz Zeller (BKV, 1918).
- Gegen die Häresien, Buch IIIIII,3,1–3Übersetzung · Primärtext / Edition
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