Glaube und Zeichen
Gott wirkt durch die Gebeine Elischas
Nach dem Tod des Propheten Elischa wird ein Verstorbener in das Grab des Propheten geworfen. Als der Tote die Gebeine berührt, wird er lebendig. Die Erzählung führt zu der Frage, wie Gott sterbliche Überreste in sein Handeln einbezieht und was daraus für die Verehrung der Reliquien folgt.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die Gebeine des Propheten Bibel und Textverständnis
Gott schenkt Leben bei der Berührung mit den Gebeinen
Die Erzählung im zweiten Buch der Könige (2 Kön 13,20–21) berichtet von einem Toten, der bei der Berührung mit den Gebeinen des Propheten Elischa lebendig wird.
Sobald aber der Tote die Gebeine Elischas berührte, wurde er wieder lebendig und richtete sich auf.
Auszug aus 2 Kön 13,20–21 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Berührung mit Elischas Gebeinen belebt einen Toten.
Der Text bezieht die sterblichen Überreste des Propheten in ein Geschehen ein, dessen letzte Quelle Gott ist.
Die Wiederbelebung kommt von Gott. Er wirkt durch das, was vom Propheten geblieben ist, und schenkt dem Toten das Leben; darin zeigt sich materielle Vermittlung, also ein Wirken Gottes durch körperliche Dinge.
Reliquien und Gottes Wirken Glaube und Überlieferung
Die Kirche ehrt in den Reliquien das Wirken Gottes
Die Kirche liest die Erzählung als Zeugnis dafür, dass Gottes Wirken mit dem Körper eines verstorbenen Propheten verbunden sein kann.
Die Gebeine Elischas bleiben geschaffene Materie und stehen vollständig unter Gottes Verfügung. Was an ihnen geschieht, bleibt ganz Geschenk Gottes: ein Zeichen, das Gottes Gnade zeigt und ihn selbst als den Handelnden erkennen lässt.
Darin liegt der biblische Bezug zur Verehrung der Reliquien, also der sterblichen Überreste eines Heiligen. Die Kirche ehrt in ihnen das Wirken Gottes in einem konkreten Heiligen; diese Verehrung gilt dem Heiligen als Zeugen der Gnade und führt über ihn zu Gott. Ausschließlich Gott empfängt Anbetung, und die Kirche unterscheidet sie von der Verehrung der Heiligen und ihrer Zeugnisse (KKK 2131; 2132). Das Konzil von Trient hat festgehalten, dass die Leiber der Heiligen, die lebendige Glieder Christi und Tempel des Heiligen Geistes waren, von den Gläubigen zu verehren sind (DH 1822; vgl. KKK 1674); die einzelnen Andachtsformen gehören zur Volksfrömmigkeit, der gelebten Frömmigkeit des Volkes Gottes.
Quellen zu dieser Frage 2
Ein einmaliges Ereignis Glaube und Überlieferung
Ist die Erzählung von Elischas Gebeinen nur ein einmaliges Ereignis?
Der Einwand fragt, ob die Erzählung nur ein einmaliges Ereignis schildert und ob daraus eine Ordnung der Kirche folgt.
Gewiss berichtet die Schrift das Ereignis nur einmal. Es zeigt aber, dass Gott die Gebeine eines Propheten nicht als bloße tote Materie behandelt, sondern durch sie Leben schenkt.
Die Kirche verwendet die Stelle als Hinweis darauf, dass Gottes Handeln materielle Dinge einschließt. Die Verehrung der Reliquien ist zudem früh bezeugt: Um die Mitte des 2. Jahrhunderts bewahrte die Gemeinde von Smyrna die Gebeine ihres Bischofs Polykarp, die ihr kostbarer waren als Gold, und wollte sich an ihrer Ruhestätte versammeln, um den Tag seines Martyriums zu feiern; dabei betete sie Christus als den Sohn Gottes an und erwies den Märtyrern als Schülern und Nachahmern des Herrn Liebe (Martyrium des Polykarp 17–18).