Glaube und Zeichen
Gott wirkt durch Schweißbinden und Tücher, die Paulus auf der Haut getragen hatte
Die Apostelgeschichte berichtet, dass Kranke geheilt werden und böse Geister weichen, wenn man ihnen Schweißbinden und Tücher auflegt, die Paulus auf der Haut getragen hatte. Wirken solche Gegenstände wie Talismane, oder handelt Gott durch sie?
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Schweißbinden und Tücher Bibel und Textverständnis
Lukas bezeugt Heilungen durch Schweißbinden und Tücher, die Paulus auf der Haut getragen hatte
Die Apostelgeschichte berichtet von Zeichen im Dienst des Paulus und von Heilungen im Umfeld des Petrus.
Auszug aus Apg 19,11–12 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 11: Auch ungewöhnliche Machttaten tat Gott durch die Hand des Paulus.
Vers 12: Sogar seine Schweißbinden und Tücher, die er auf der Haut getragen hatte, nahm man weg und legte sie den Kranken auf; da wichen die Krankheiten und die bösen Geister fuhren aus.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Durch Schweißbinden und Tücher, die Paulus auf der Haut getragen hatte, wirkt Gott Heilungen.
Lukas beschreibt in Apg 19,11–12 außergewöhnliche Zeichen im apostolischen Dienst des Paulus: Kranke werden geheilt, böse Geister weichen. Schweißbinden und Tücher, die Paulus auf der Haut getragen hatte, werden dabei zu materiellen Trägern dieser Zeichen. Sie stehen in Beziehung zu seinem apostolischen Dienst, und durch sie erreicht die Heilung die Kranken.
Selbst die Kranken trug man auf die Straßen hinaus und legte sie auf Betten und Liegen, damit, wenn Petrus vorüberkam, wenigstens sein Schatten auf einen von ihnen fiel.
Auszug aus Apg 5,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Kranken erwarten Heilung schon vom Schatten des vorübergehenden Petrus; Lukas berichtet, dass alle geheilt wurden.
Beide Berichte verbinden die Heilungen mit dem Dienst der Apostel: Lukas nennt solche Zeichen ein Wirken durch die Hände der Apostel und die Machttaten des Paulus ein Wirken Gottes (Apg 5,12; 19,11). Auch im Neuen Bund wirkt Gott also durch sichtbare Dinge, die mit seinen Boten verbunden sind.
Dinge im Dienst Gottes Glaube und Überlieferung
Die Kirche liest diese Stellen als Zeichen, durch die Gott materielle Dinge in seinen Dienst nimmt
Die Kirche erkennt in diesen Berichten ein biblisches Muster für Zeichen, durch die Gott mit materiellen Dingen wirkt.
Der Text sagt von Paulus: Gott tat durch seine Hand ungewöhnliche Machttaten (Apg 19,11–12). Die Schweißbinden und Tücher erhalten ihre Bedeutung durch ihre Beziehung zum apostolischen Dienst; ihre Verwendung zeigt, dass Gott geschaffene Dinge in den Dienst seines Handelns nimmt.
Der Gegenstand bleibt auf Gott angewiesen, und in dieser Abhängigkeit ist die Verehrung der Reliquien verständlich. Reliquien sind leibliche Überreste eines Heiligen oder Gegenstände, die mit seinem Leib in Berührung gekommen sind, wie hier die Tücher des Paulus; sie verweisen auf den Heiligen und auf die Gnade Gottes, die in ihm gewirkt hat. Die Anbetung empfängt allein Gott, die Verehrung gilt den Zeugen seiner Gnade (KKK 2131; 2132). Jede Heilung und jede andere Wirkung bleibt Gottes freie Gabe. Christen bewahren und ehren die Gebeine ihrer Märtyrer seit dem 2. Jahrhundert (Martyrium des Polykarp 18), und das Konzil von Trient hat diese Verehrung 1563 verbindlich festgehalten (DH 1822; vgl. KKK 1674); die einzelnen Andachtsformen gehören zur Volksfrömmigkeit, der gelebten Frömmigkeit des Volkes Gottes.
Quellen zu dieser Frage 2
Tücher und Talismane Glaube und Überlieferung
Wirken die Tücher des Paulus wie magische Talismane?
Der Einwand sieht in Schweißbinden und Tüchern magische Talismane; der biblische Text selbst hält den Maßstab dagegen.
Die Schweißbinden und Tücher des Paulus, so der Einwand, wirken wie magische Talismane: Ein Talisman ist ein Gegenstand, dem eine eigene, von Gott unabhängige Wirkkraft zugeschrieben wird. Wer die Berichte so liest, sucht die Ursache der Heilung im Gegenstand selbst.
Der biblische Text setzt den Maßstab: Gott wirkt die Machttaten durch Paulus (Apg 19,11). Unmittelbar danach grenzt Lukas dieses Wirken von der Magie ab: Jüdische Beschwörer, die den Namen Jesu wie eine Beschwörungsformel gebrauchen, scheitern, und nicht wenige, die Zauberei getrieben hatten, verbrennen ihre Zauberbücher (Apg 19,13–19). Entsprechend nennt die Kirche es Aberglauben, wenn bestimmten Handlungen eine magische Bedeutung beigemessen wird (KKK 2111); die Verehrung, die sie den Reliquien erweist, verweist stets auf Gott, der wirkt (KKK 2131; 2132).