Apostelgeschichte
Getaufte empfangen den Geist durch Handauflegung
Die Gemeinde in Samarien ist bereits getauft, als zwei Apostel zu ihr kommen. Der Bericht erzählt, was die Apostel tun und was die Getauften empfangen.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die Apostel kommen Bibel und Textverständnis
Was geht der Handauflegung in Samarien voraus?
Der Bericht beginnt mit einer Nachricht: In Samarien hat man das Wort Gottes angenommen.
Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist.
Auszug aus Apg 8,14–17 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Gemeinde in Samarien ist bereits getauft; nach dem Gebet und der Handauflegung der Apostel empfängt sie den Geist.
Die Apostel in Jerusalem hören, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hat, und senden Petrus und Johannes. Die Gemeinde bleibt damit nicht für sich: Sie wird mit den Aposteln verbunden, deren Ausgangspunkt Jerusalem ist.
Die Menschen dort sind bereits getauft. Der Bericht hält ausdrücklich fest, dass der Geist noch auf keinen von ihnen herabgekommen war. Lukas spricht vom Herabkommen des Geistes, das Jesus den Aposteln verheißen hatte und das sie an Pfingsten erfuhren (Apg 1,8; 2,4). Auch die Apostel hatten den Geist schon am Ostertag empfangen und wurden an Pfingsten noch offensichtlicher von ihm erfüllt (Joh 20,22; KKK 1287). Ebenso steht in Samarien neben der Taufe, die den Getauften zum Tempel des Geistes macht, noch die pfingstliche Ausgießung des Geistes aus (KKK 1265; 1302); sie wird ihnen zuteil, als Petrus und Johannes für sie beten und ihnen die Hände auflegen.
Gebet und Handauflegung Bibel und Textverständnis
Was empfangen die Getauften durch die Handauflegung?
Petrus und Johannes beten für die Getauften, und die Handauflegung begleitet dieses Gebet.
Die Handauflegung ist ein altes Zeichen des Segens. Hier steht sie bei der Bitte um den Heiligen Geist für Menschen, die bereits getauft sind.
Worum die Apostel bitten, erfüllt Gott: Die Getauften empfangen den Geist. Die Taufe liegt schon zurück, und die Gabe kommt durch das Tun der Apostel. Die beiden Wirklichkeiten bleiben unterschieden und sind doch aufeinander bezogen.
Eine einmalige Situation? Glaube und Überlieferung
Zeigt der Bericht nur einen Sonderfall in Samarien?
Der Bericht erzählt einen besonderen Anfang; die Kirche liest ihn als Ursprung der Firmung.
Die Situation ist besonders: Das Evangelium erreicht die Samariter, mit denen die Juden nicht verkehrten (Joh 4,9), und die Apostel senden zwei aus ihrer Mitte zu ihnen. Darum sehen manche Ausleger in der späteren Geistgabe einen einmaligen Schritt: Die von den Juden getrennten Samariter sollten sichtbar mit den Aposteln in Jerusalem verbunden werden, als das Evangelium nach Samarien kam (Apg 1,8).
Lukas beschreibt dabei eine Handlung, die über diesen Anfang hinausweist: Er nennt die Handauflegung ausdrücklich als das Mittel, durch das der Geist verliehen wird, und Simon will gerade diese Vollmacht kaufen, damit auch er durch Handauflegung den Geist mitteilen kann (Apg 8,18–19). In Ephesus begegnet dieselbe Handlung ohne samaritanische Vorgeschichte (Apg 19,6).
Die frühe Kirche hat den Bericht nicht als samaritanischen Sonderfall gelesen. Um 200 beschreibt Tertullian in Karthago die Feier der Eingliederung: Auf das Taufbad folgen die Salbung und die Handauflegung, mit der durch einen Segensspruch der Heilige Geist herbeigerufen wird (De baptismo 7–8). Ein halbes Jahrhundert später bezieht Cyprian von Karthago Apg 8 ausdrücklich auf die Praxis seiner Kirche: Die Apostel taten an den von Philippus rechtmäßig Getauften nur, was noch fehlte, und dasselbe geschieht auch jetzt, wenn die Getauften zu den Vorstehern gebracht werden und durch Gebet und Handauflegung den Heiligen Geist empfangen (Brief 73,9).
Tertullian
Darnach folgt die Handauflegung, womit durch einen Segensspruch der Heilige Geist herbeigerufen und eingeladen wird.
Über die Taufe · De baptismo 7–8 · Primärtext↗Tertullian beschreibt um 200 in Karthago, dass auf das Taufbad die Salbung folgt und danach die Handauflegung, mit der durch einen Segensspruch der Heilige Geist herbeigerufen wird.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Tertullian erklärt in seiner Schrift über die Taufe, was in Karthago nach dem Taufbad geschieht: Kapitel 7 behandelt die Salbung, Kapitel 8 die Handauflegung.
Historischer Text
Aus dem Taufbade herausgestiegen, werden wir gesalbt mit der gebenedeiten Salbung, welche aus der früheren Lehre herrührt, wonach man mit Öl aus dem Horn zum Priestertum gesalbt zu werden pflegte. […]
Darnach folgt die Handauflegung, womit durch einen Segensspruch der Heilige Geist herbeigerufen und eingeladen wird.
Vollständigen historischen Text öffnen: TertullianWarum diese Stelle wichtig ist
Tertullian bezeugt die Abfolge von Taufbad, Salbung und Handauflegung mit Geistgebet als selbstverständlichen Ablauf der Eingliederung um 200.
Cyprian von Karthago
Das geschieht auch jetzt bei uns: Die in der Kirche Getauften werden zu den Vorstehern der Kirche gebracht, und durch unser Gebet und die Auflegung der Hand empfangen sie den Heiligen Geist und werden mit dem Siegel des Herrn vollendet.
Cyprian von Karthago: Brief 73 an Jubaianus · Brief 73,9 (in englischen Ausgaben Brief 72) · Primärtext↗Cyprian liest um 256 die Handauflegung in Samarien als Ursprung der Praxis seiner Kirche: Was Petrus und Johannes an den Getauften taten, geschieht auch jetzt, wenn die in der Kirche Getauften vor die Vorsteher gebracht werden und durch Gebet und Handauflegung den Heiligen Geist empfangen.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Cyprian antwortet um 256 dem Bischof Jubaianus im Streit um die Taufe von Häretikern. Gegen den Einwand, die Getauften in Samarien hätten nur die Handauflegung empfangen, unterscheidet er ihre gültige Taufe von dem, was die Apostel hinzufügten.
Historischer Text
Die in Samarien zum Glauben gekommen waren, hatten mit wahrem Glauben geglaubt und waren in der einen Kirche, der allein es gegeben ist, die Gnade der Taufe zu spenden und Sünden zu vergeben, von dem Diakon Philippus getauft worden, den dieselben Apostel gesandt hatten. […] Von Petrus und Johannes wurde nur getan, was noch fehlte: Unter Gebet für sie und Auflegung der Hände wurde der Heilige Geist angerufen und über sie ausgegossen. Das geschieht auch jetzt bei uns: Die in der Kirche Getauften werden zu den Vorstehern der Kirche gebracht, und durch unser Gebet und die Auflegung der Hand empfangen sie den Heiligen Geist und werden mit dem Siegel des Herrn vollendet.
Vollständigen historischen Text öffnen: Cyprian von KarthagoWarum diese Stelle wichtig ist
Cyprian liest Apg 8 nicht als einmaligen Vorgang: Was die Apostel in Samarien taten, tut die Kirche seiner Zeit durch Gebet und Handauflegung der Vorsteher.
Die Kirche stützt ihre Lehre auf dieses wiederkehrende Muster und auf die bewahrte apostolische Praxis. Sie erkennt in der Handauflegung der Apostel den Ursprung der Firmung und die Fortsetzung der pfingstlichen Geistgabe: Was die Apostel den Getauften mitteilten, teilt die Kirche in der Firmung weiter (KKK 1288).
Quellen zu dieser Frage 3
Weiterführende Erklärungen
Handauflegung in Ephesus, Salbung und Siegel bei PaulusUnterstützender positiver Beleg