Gebet in der katholischen Praxis
Das Wort wird Fleisch
Der Angelus sammelt die Verkündigung an Maria und ihre Antwort im Gedächtnis des menschgewordenen Sohnes Gottes. Sein christologischer Mittelpunkt, der Kern seiner Aussage über Christus, ist die Menschwerdung des Wortes. Johannes 1,1.14 bezeugt, dass das ewige Wort Gott ist und bei Gott ist und Fleisch wird, um unter den Menschen zu wohnen.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die Menschwerdung des Wortes Bibel und Textverständnis
Das ewige Wort wird Fleisch und wohnt unter den Menschen
Johannes 1,1.14 bezeugt, wer das Wort ist und was mit ihm geschieht: Das ewige Wort ist Gott und ist bei Gott; es wird Fleisch und wohnt unter den Menschen.
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. … Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.
Auszug aus Joh 1,1.14 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Das Wort ist Gott und wird Fleisch.
Das Zeugnis des Johannes hält zwei Aussagen zusammen. Die eine nennt das Wort bei Gott und Gott selbst; die andere nennt das Fleischwerden und das Wohnen unter den Menschen.
Beide Aussagen gehören im Text zusammen: Der bei Gott ist und selbst Gott ist, wird Fleisch; diese Menschwerdung steht im Zentrum dessen, was die Stelle bezeugt.
Menschwerdung, Kreuz und Auferstehung Glaube und Überlieferung
Die Kirche verbindet die Menschwerdung mit Leiden, Kreuz und Auferstehung
Die Kirche bekennt in diesem Gebet die Menschwerdung Christi und verbindet sie mit seinem Leiden, seinem Kreuz und seiner Auferstehung.
Von der Verkündigung an Maria führt der Angelus zu diesem Inhalt des Glaubens, den der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) in den Nummern 456 und 461 auslegt.
Das Schlussgebet des Angelus verbindet beides ausdrücklich: „Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Lass uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen.“ Der Sohn Gottes hat eine menschliche Natur angenommen, „um in ihr unser Heil zu wirken“ (KKK 461); wer seine Menschwerdung betrachtet, betrachtet den Anfang des Weges, der durch das Kreuz zur Auferstehung führt. Paul VI. sieht gerade in dieser Ausrichtung auf das österliche Geheimnis einen Grund für die bleibende Kraft des Gebets (MC 41). Weil feste Formeln die Frage nach dem Hören auf die Schrift aufwerfen, folgt der Einwand, der genau hier ansetzt.
Paul VI.
Der „Engel des Herrn“ bedarf keiner Erneuerung: seine einfache Struktur, der biblische Charakter, der geschichtliche Ursprung, der ihn (den Engel des Herrn) mit der innigen Bitte um die Erhaltung des Friedens verbindet, der fast liturgische Rhythmus, der verschiedene Augenblicke des Tages heiligt, die Ausrichtung auf das österliche Geheimnis, weshalb wir, während wir der Menschwerdung des Sohnes Gottes gedenken, darum bitten, „durch sein Leiden und sein Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung“ geführt zu werden, bewirken, daß dieses Gebet noch nach Jahrhunderten unverändert seinen Wert und seine ursprüngliche Frische bewahrt.
Marialis cultus · MC 41 · Primärtext↗Der Angelus bewahrt durch seine schlichte, biblische Form, seinen Tagesrhythmus und seinen Bezug auf das Pascha seine geistliche Kraft.
Quelle im Zusammenhang lesen
Worum es hier geht
Paul VI. empfiehlt den Angelus wegen seiner einfachen biblischen Struktur, seines Tagesrhythmus und seiner Ausrichtung auf das österliche Geheimnis.
Historischer Text
Der „Engel des Herrn“ bedarf keiner Erneuerung: seine einfache Struktur, der biblische Charakter, der geschichtliche Ursprung, der ihn (den Engel des Herrn) mit der innigen Bitte um die Erhaltung des Friedens verbindet, der fast liturgische Rhythmus, der verschiedene Augenblicke des Tages heiligt, die Ausrichtung auf das österliche Geheimnis, weshalb wir, während wir der Menschwerdung des Sohnes Gottes gedenken, darum bitten, „durch sein Leiden und sein Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung“ geführt zu werden, bewirken, daß dieses Gebet noch nach Jahrhunderten unverändert seinen Wert und seine ursprüngliche Frische bewahrt.
Vollständigen historischen Text öffnen: Paul VI.Warum diese Stelle wichtig ist
Die Quelle kennzeichnet den Angelus ausdrücklich als biblisch geprägtes Christusgebet mit einem Rhythmus, der Morgen, Mittag und Abend heiligt.
Feste Formel und Schrift Glaube und Überlieferung
Ersetzt eine feste Formel das lebendige Hören auf die Schrift?
Eine feste Formel könne das lebendige Hören auf die Schrift ersetzen. Damit stellt sich die Frage, ob das wiederholte Gebet dem Wort Gottes im Weg steht oder ihm dient.
Der Angelus spricht Worte, die der Betende nicht selbst formuliert. Der Einwand lautet, dass eine solche Formel an die Stelle des lebendigen Hörens auf die Schrift treten könne: Das Gebet läuft dann neben der Schrift her, während die Schrift gehört werden will.
Das Beten antwortet auf das Wort, das Gott gesprochen hat. Wer diese Antwort mit festen Worten spricht, spricht die Schrift nach und hält sie im Gedächtnis. Die Formel führt den Betenden zu dem Wort, das er hört, und lässt ihn dort bleiben.