Gebet in der katholischen Praxis
Segen im Namen des Herrn: beauftragter Dienst und geordnete Zuständigkeit in der Kirche
Segen im Namen des Herrn ist im Alten Bund ein öffentlicher, beauftragter Dienst. Daneben steht das persönliche Gebet, und beide gehören zu derselben biblischen Wirklichkeit.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die Aussonderung Levis Bibel und Textverständnis
Nach Deuteronomium 10,8 sondert der HERR den Stamm Levi für den Dienst vor ihm und für den Segen in seinem Namen aus
Der Alte Bund kennt einen öffentlichen, beauftragten Segensdienst im Namen Gottes.
Damals sonderte der HERR den Stamm Levi aus, damit er die Lade des Bundes des HERRN trage, vor dem HERRN stehe, vor ihm Dienst tue und in seinem Namen den Segen spreche.
Auszug aus Dtn 10,8 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Levi wird ausgesondert, im Namen des Herrn zu segnen.
Deuteronomium 10,8 beschreibt die Aussonderung des Stammes Levi: Levi wird für den Dienst vor dem HERRN ausgesondert und dafür, den Segen in Gottes Namen zu sprechen. Die Stelle verbindet den ausgesonderten Dienst mit dem Segenswort, das im Namen des HERRN gesprochen wird.
Im Blick steht ein öffentlicher Vollzug, der an die Aussonderung Levis gebunden ist. Der Segen im Namen des HERRN erscheint damit als ein Dienst, der dem ausgesonderten Stamm übertragen ist. Im Volk Israel ist der Segen im Namen des HERRN damit ein öffentlicher Dienst, den Gott einem dafür ausgesonderten Stamm anvertraut.
Berufung und Zuständigkeit Glaube und Überlieferung
Die Kirche verbindet die Berufung aller Getauften mit einer geordneten Zuständigkeit für einzelne Segnungen
Die Kirche überträgt den levitischen Dienst nicht unverändert; sie ordnet die Segnungen und unterscheidet dabei zwei Ebenen.
Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) unterscheidet in KKK 1669 zwei Ebenen des Segnens: das Segnen aller Getauften und die Segnungen, deren Vollzug wegen ihrer Nähe zum kirchlichen und sakramentalen Leben dem geweihten Amt zugeordnet ist.
Die konkrete Zuständigkeit regelt das kirchliche Gesetzbuch, der Codex Iuris Canonici (CIC); seine einzelnen Rechtsnormen heißen canones (cc.). Die Canones 1168 und 1169 bestimmen, welche Segnungen dem geweihten Amt zukommen und welche nach den liturgischen Büchern auch von geeigneten Laien gespendet werden können, wenn der Ortsordinarius, der zuständige kirchliche Amtsträger vor Ort, dies zulässt. Offen bleibt die Frage, wie sich diese Ordnung zum levitischen Dienst verhält.
Quellen zu dieser Frage 2
Der levitische Dienst Glaube und Überlieferung
Lässt sich der levitische Dienst auf christliche Amtsträger übertragen?
Der levitische Dienst gehört zur Ordnung Israels. Auf christliche Amtsträger lässt er sich nicht unverändert übertragen.
Wer heute segnet, folgt der Ordnung, die die Kirche gegeben hat. Das kirchliche Gesetzbuch bestimmt in den Canones 1168 und 1169, welche Segnungen Priestern und Diakonen zukommen und welche nach den liturgischen Büchern auch geeignete Laien spenden können, wenn der Ortsordinarius es zulässt. Priester und Diakone stehen damit in einem Dienst, der ihnen übertragen wird.
Der Einwand hat recht, soweit er eine bloße Fortsetzung des levitischen Dienstes zurückweist: Alles, was das Priestertum des Alten Bundes im Voraus bezeichnete, findet seine Vollendung in Jesus Christus, dem einen Mittler (KKK 1544). Zugleich erblickt die Kirche im Priestertum Aarons und im Dienst der Leviten Vorzeichen des geweihten Amtes des Neuen Bundes; bei der Diakonenweihe bekennt sie, dass Gott „schon im Anfang die Söhne des Levi zum Dienst am ersten heiligen Zelt“ erwählt hat (KKK 1541; 1543). Darum hat der Segen im Namen des Herrn auch im Neuen Bund einen geordneten Ort: Alle Getauften sind berufen zu segnen, und je mehr eine Segnung das kirchliche und sakramentale Leben betrifft, desto mehr ist ihr Vollzug dem geweihten Amt vorbehalten (KKK 1669).