Einheit und Sakrament
Einheit und sakramentales Leben bilden eine kirchliche Wirklichkeit
Die Einheit der Kirche ist eine konkrete Gemeinschaft in apostolischem Glauben, geordnetem Dienst und sakramentalem Leben. Vier Schriftstellen zeigen, wie diese Gemeinschaft aufgebaut wird und woraus sie lebt. Die Lehre der Kirche liest sie als Grundstruktur ihres eigenen Lebens.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Einheit am einen Brot Bibel und Textverständnis
Vier Zeugnisse verbinden Einheit, Dienst und das eine Brot
Die angeführten Stellen bezeugen die Einheit der Christen als Gemeinschaft, die aus Christus lebt und in Glauben, Dienst und Mahl Gestalt gewinnt.
Alle sollen eins sein … damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.
Auszug aus Joh 17,21 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus betet für die Einheit der Glaubenden in ihm und im Vater.
Auszug aus Eph 4,3–6 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 3: und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens!
Vers 4: Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung:
Vers 5: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe,
Vers 6: ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Ein Leib, ein Geist, ein Herr, ein Glaube und eine Taufe gehören zusammen.
Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?
Auszug aus 1 Kor 10,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Kelch und das Brot der Eucharistie werden als Teilhabe am Blut und Leib Christi beschrieben.
Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn.
Auszug aus 1 Kor 11,27 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Gemeinde verkündet im Mahl den Tod des Herrn und soll den Leib unterscheiden.
Johannes 17,20–23 überliefert das Gebet Jesu, in dem er um die Einheit seiner Jünger bittet und diese Einheit an seine eigene Gemeinschaft mit dem Vater bindet. Der Epheserbrief nennt den einen Leib, den einen Geist, den einen Herrn, den einen Glauben und die eine Taufe (Epheser 4,3–6) und stellt daneben die verschiedenen Dienste, durch die der Leib Christi aufgebaut wird, sowie das gemeinsame Wachstum im Glauben (Epheser 4,11–16). Der erste Korintherbrief verbindet in Kapitel 10 den einen eucharistischen Leib mit der Einheit der vielen, die an einem Brot teilhaben, und in Kapitel 11 die Verkündigung des Todes des Herrn in der Feier des Herrenmahls mit der Prüfung, die sie von den Glaubenden verlangt (1 Korinther 11,26–29).
In dieser Zusammenschau stehen kirchliche Dienste, gemeinsames Glaubenswachstum und sakramentale Einheit in einem Zusammenhang: Die Texte verbinden Einheit, einen Leib, eine gemeinsame Taufe und die Eucharistie mit dem Leben der Kirche und zeigen eine sichtbare und geistliche Wirklichkeit, die die Kirche aus Christus empfängt. Sie tragen damit die Grundstruktur einer sichtbaren, einheitlichen und sakramental geprägten apostolischen Kirche. Wer diese Grundstruktur verstehen will, hört zunächst, wie die Kirche selbst diese Stellen liest.
Sakrament, Dienst und Einheit Glaube und Überlieferung
Die Kirche versteht ihre Einheit als sichtbare Gemeinschaft in Glaube, Dienst und Sakrament
Das Neue Testament beschreibt die Einheit der Christen als gemeinsames Leben in einem Leib, einem Glauben, einer Taufe und einem eucharistischen Brot.
In diesem Zeugnis versteht die Kirche ihre Einheit als sichtbare Gemeinschaft im apostolischen Glauben, im geordneten Dienst und im sakramentalen Leben. Geordneter Dienst meint das Amt der Bischöfe — der Vorsteher der Ortskirchen, die die Gemeinden im Glauben und in der Feier sammeln. Sakramentales Leben meint die Sakramente, die von Christus eingesetzten wirksamen Zeichen, in denen er selbst handelt und die Gnade schenkt, die sie bezeichnen (KKK 1127; 1131). In der Eucharistie — das Wort bedeutet Danksagung —, in der Christus mit Leib und Blut wirklich gegenwärtig ist und die Kirche an seinem Opfer teilnimmt (KKK 1322; 1374), hat dieses Leben seine Quelle und seinen Höhepunkt.
Frühe Zeugnisse außerhalb des Neuen Testaments zeigen dieselbe Ordnung: Der Brief des Ignatius von Antiochien an die Gemeinde in Smyrna stellt Einheit, Bischofsamt und Eucharistie in einen Zusammenhang, und die Erste Apologie Justins des Märtyrers beschreibt Taufe, Sonntagsversammlung und Eucharistiefeier als feste Praxis der Gemeinden. So steht vor Augen, wie die Kirche diese Stellen liest: als Beschreibung ihres eigenen Lebens aus Lehre, Dienst und Sakrament.
Frühe Praxis, ganze Lehre Glaube und Überlieferung
Folgt aus gemeinsamer Praxis die gesamte katholische Lehre?
Der Einwand fragt, ob gemeinsame Gottesdienste und eine Bischofsordnung in früher Zeit bereits die gesamte katholische Sakramenten- und Kirchenlehre tragen.
Der Einwand bringt einen möglichen Verlauf ins Spiel: Frühe Christen entwickeln gemeinsame Gottesdienste und eine Bischofsordnung; die katholische Sakramenten- und Kirchenlehre liest er als späteren Zusatz, der in diesen frühen Zeugnissen seinen Grund noch nicht hat. Damit steht die Frage im Raum, welche Rolle die frühen Zeugnisse in diesem Verlauf spielen.
Die Kirche antwortet mit ihrer Lehre von der Entfaltung des Glaubens: Spätere Lehrentscheidungen fügen der abgeschlossenen apostolischen Offenbarung nichts Neues hinzu, sondern klären, was in ihr enthalten ist; unter dem Beistand des Heiligen Geistes wächst das Verständnis der überlieferten Dinge und Worte durch das Nachsinnen der Gläubigen, durch die Einsicht aus geistlicher Erfahrung und durch die Verkündigung der Bischöfe (DV 8; KKK 66; 94). Die frühen Zeugnisse des Ignatius und Justins zeigen, dass Einheit, Bischofsamt, Taufe, Sonntagsversammlung und Eucharistie keine späten Erfindungen sind, sondern der Boden, auf dem diese spätere Klärung steht. Offen ist damit die Frage, wie die Kirche ihre Einheit in einer weltweiten Gemeinschaft sichtbar hält.