Petrusdienst und Einheit
Der Petrusdienst markiert die spezifisch katholische Frage
Die katholische Lehre versteht den Petrusdienst als bleibend, weil Christus den Primat in Petrus und seinen Nachfolgern gestiftet hat. Drei Worte Jesu an Petrus eröffnen den Weg. Das Zeugnis des Irenäus zeigt, wie die Kirche diesen Auftrag mit der apostolischen Überlieferung verbindet, und die spätere Lehre benennt den Dienst an der Einheit in verbindlicher Sprache. Warum dieser Dienst über Petrus hinaus fortdauert, beschließt den Gang.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Schlüsselvollmacht und Hirtendienst Bibel und Textverständnis
Jesus überträgt Petrus die Schlüsselvollmacht, die Stärkung der Brüder und den Hirtendienst
Matthäus 16,18–19, Lukas 22,31–32 und Johannes 21,15–17 verbinden mit Petrus einen Auftrag, der auf die Einheit der Brüder und die Sorge für die Herde Christi gerichtet ist.
Auszug aus Mt 16,18–19 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗Vers 18: Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Vers 19: Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus spricht Simon Petrus persönlich an, verheißt den Bau seiner Kirche auf diesem Felsen und verheißt ihm die Schlüssel.
Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du wieder umgekehrt bist, dann stärke deine Brüder!
Auszug aus Lk 22,31–32 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus betet besonders für Petrus und beauftragt ihn, seine Brüder zu stärken.
Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! … Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! … Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
Auszug aus Joh 21,15–17 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Auferstandene beauftragt Petrus wiederholt, seine Lämmer und Schafe zu weiden.
In Matthäus 16,18–19 gibt Jesus dem Petrus die Schlüssel des Himmelreichs und die Vollmacht, zu binden und zu lösen. In Lukas 22,31–32 wendet er sich an Petrus mit der Fürbitte für dessen Glauben und mit dem Auftrag, die Brüder zu stärken. In Johannes 21,15–17 überträgt der auferstandene Christus dem Petrus den Auftrag, seine Lämmer und seine Schafe zu weiden.
Zusammengelesen bezeugen die drei Stellen einen besonderen Dienst des Petrus innerhalb des apostolischen Kollegiums, also innerhalb der Gemeinschaft der Apostel: die Vollmacht zu binden und zu lösen, eine Verantwortung für die Standfestigkeit der Brüder und die Hirtensorge für die Herde. Alles bleibt an Christus gebunden — die Schlüssel sind seine Schlüssel, die Fürbitte gilt dem Glauben des Petrus, damit er nicht erlischt, und die Herde ist seine Herde. Was dieser Auftrag für die Kirche über die Generationen hin bedeutet, entfaltet sich dort, wo das Zeugnis der ersten Christen weitergegeben wird.
Petrusdienst an der Einheit Glaube und Überlieferung
Irenäus bezeugt Rom als apostolisch gegründete Kirche mit überlieferter Bischofsfolge
Aus dem Zeugnis der frühen Kirche und aus der späteren dogmatischen Sprache tritt der Petrusdienst als Dienst an der Einheit der Kirche hervor.
Irenäus nennt die römische Kirche als die von Petrus und Paulus gegründete, sehr alte und weithin bekannte Kirche. Er überliefert eine Folge ihrer Bischöfe von Linus bis Eleutherius und verbindet diese Folge mit der apostolischen Verkündigung und mit der Übereinstimmung der Kirchen mit Rom. Die Weitergabe des Dienstes in ununterbrochener Folge — die apostolische Sukzession — macht Rom zu einem geschichtlichen Bezugspunkt, an dem die apostolische Lehre bewahrt und geprüft wird.
Auf diesem Boden lehrt die Kirche, dass der Bischof von Rom als Nachfolger des Petrus gegenüber den Bischöfen sichtbares Prinzip und Fundament der Einheit ist (Lumen gentium 22–23, kurz LG, und der Katechismus der Katholischen Kirche 880–882, kurz KKK). Das Erste Vatikanische Konzil hat am 18. Juli 1870 in der Konstitution Pastor aeternus als Dogma definiert, dass Christus den Primat über die ganze Kirche in Petrus gestiftet hat, dass dieser Primat nach Christi Einsetzung in den Bischöfen von Rom fortdauert (Kapitel 2) und dass der Bischof von Rom die volle, höchste und unmittelbare Jurisdiktion besitzt, also die Leitungsvollmacht über die ganze Kirche (Kapitel 3). Die spätere Lehre präzisiert, was im Zeugnis des Irenäus angelegt ist, und knüpft dabei an die von ihm bezeugte römische Kontinuität und an die Einheitsfunktion der römischen Kirche an. Damit ist der geschichtliche Faden sichtbar, an dem der Petrusdienst die Kirche trägt.
Bleibender Primat von Rom Glaube und Überlieferung
Begründet die besondere Stellung des Petrus einen bleibenden Primat?
Primat meint die Vollmacht, die der Bischof von Rom als Nachfolger Petri besitzt: die volle, höchste und universale Gewalt über die ganze Kirche, die er im Dienst ihrer Einheit ausübt (LG 22; KKK 882). Der Einwand liest die Schriftstellen als Beauftragung, die dem Petrus persönlich gilt, und behandelt die Dauer des Dienstes als eigene, weiterführende Frage.
Diese Lesart nimmt die besondere Stellung des Petrus ernst: Sie versteht die Beauftragung als Aufgabe, die dem Petrus und seiner Zeit gilt, und behandelt das Amt des Bischofs von Rom, wie es später beschrieben wird, als eigene, weiterführende Frage. Offen bleibt, wie weit der Auftrag reicht.
Die Antwort der Kirche erwächst aus dem Zusammenhang des Zeugnisses. Die Schriftstellen führen die Beauftragung des Petrus vor Augen; Rom und die Nachfolge treten dort hinzu, wo das Zeugnis der apostolischen Kirche weitergegeben wird. Die Konstitution Pastor aeternus benennt in ihrem zweiten Kapitel, das von der Dauer des Primats handelt (De perpetuitate), den Grund dieser Dauer: Christus hat den Primat über die ganze Kirche in Petrus und in seinen Nachfolgern dauerhaft gestiftet. So verbindet die Kirche die petrinische Beauftragung mit der apostolischen Sukzession, der bischöflichen Kontinuität, der Einheit der Kirche und dem frühen Zeugnis für die besondere Bedeutung Roms. Irenäus begründet den besonderen Vorrang der römischen Kirche mit ihrer Gründung durch Petrus und Paulus und mit ihrer öffentlich bezeugten Bischofsfolge; daraus folgert er, dass wegen dieses Vorrangs jede Kirche mit ihr übereinstimmen muss (Adversus haereses III,3,2; KKK 834). Aus diesem Zusammenhang bestimmt die Kirche die bleibende Gestalt des Dienstes. Der Auftrag des Petrus trägt die Kirche also durch die Zeiten, bezeugt durch die Sukzession und die Einheitsfunktion der römischen Kirche; so begründet die besondere Stellung des Petrus einen bleibenden Primat, der in seinen Nachfolgern fortdauert.