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Apostelgeschichte 15

Wie die Kirche eine Glaubensfrage gemeinsam und verbindlich klärt

In Jerusalem kommen Apostel und Älteste zusammen, beraten einen konkreten Lehrstreit und übermitteln ihre Entscheidung den Gemeinden. Der Beschluss lautet: „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen.“ Von dieser Stelle her erschließt sich, wie kirchliche Lehre verbindliche Gestalt gewinnt.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Apostel und Älteste sitzen an einem runden Tisch; über ihrer Versammlung steigt eine helle Flammenform auf, fern liegt eine Stadt.
KircheKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Jerusalem entscheidet den Lehrstreit Bibel und Textverständnis

Apostel und Älteste beraten in Jerusalem einen konkreten Lehrstreit

Das 15. Kapitel der Apostelgeschichte (Apg) berichtet von einer Versammlung, die eine strittige Glaubensfrage klärt.

Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!

Auszug aus Apg 15,28–29 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Apostel und Älteste beraten über einen Lehrstreit und beschließen eine für die Gemeinden verbindliche Regelung.

Apg 15,1–29: Zusammenhang und Übersetzung

In Jerusalem steht eine konkrete Frage zur Entscheidung: Müssen Christen aus den Völkern beschnitten werden und das Gesetz des Mose halten? Apostel und Älteste kommen zusammen, hören die Berichte über Gottes Wirken unter den Heiden und beraten die Streitfrage. Der Streit wird damit an die Gemeinschaft der apostolischen Amtsträger herangetragen und dort ausgetragen.

Petrus spricht aus der Erfahrung der Heidenmission und bezeugt, dass Gott zwischen Juden und Heiden keinen Unterschied macht, indem er ihnen den Glauben schenkt. Jakobus erinnert an die prophetische Schrift und formuliert daraus die praktische Weisung für die Gemeinden. Der Beschluss des Rates der Apostel und Ältesten wird anschließend schriftlich übermittelt; seine Formel lautet: „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen.“

Damit tritt das Muster dieser Stelle hervor: Streit, gemeinsame Beratung, geistgewirktes Urteil und Übermittlung an die Gemeinden.

Muster verbindlicher Lehrentscheidung Glaube und Überlieferung

Die Kirche erkennt in Jerusalem das apostolische Muster verbindlicher Lehrentscheidung

Apostel und Älteste beraten einen konkreten Streit und formulieren eine verbindliche Entscheidung, die den Gemeinden überbracht wird.

Die Kirche liest Apg 15 als das biblische Modell einer Lehrentscheidung, die aus der Gemeinschaft der apostolischen Amtsträger hervorgeht und dem Glauben der Gemeinden Orientierung gibt. Konziliar, also aus einer gemeinsamen Versammlung hervorgehend, entsteht die Entscheidung aus apostolischer Gemeinschaft, Zeugnis, Schriftbezug und geistlicher Unterscheidung. Petrus bringt die Erfahrung ein, dass Gott den Heiden den Heiligen Geist schenkt; Jakobus ordnet diese Erfahrung im Licht der Schrift ein und trägt zur Formulierung des Beschlusses bei.

Der Beschluss wird den Gemeinden schriftlich mitgeteilt und von ihnen befolgt. Darin wird kirchliche Lehrautorität öffentlich, gemeinschaftlich und verbindlich. Die Kirche bewahrt in solchen Entscheidungen die Offenbarung, die mit den Aposteln vollständig gegeben ist, und gibt sie weiter; der apostolische Dienst wird geordnet überliefert, sodass die Gemeinden verbindliche Orientierung im Glauben empfangen. Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) fasst diese Lehre zusammen (KKK 85–88; 888–892). Lumen gentium (LG, „Licht der Völker“) entfaltet das Wesen der Kirche und die Stellung der apostolischen Amtsträger in den Artikeln 18–29. Dei Verbum (DV, „Wort Gottes“) behandelt die Weitergabe der göttlichen Offenbarung.

Quellen zu dieser Frage 3

Fortdauer nach den Aposteln Glaube und Überlieferung

War die Versammlung von Jerusalem einmalig, weil die Apostel noch lebten?

Manche Leser halten die Versammlung in Jerusalem für einmalig, weil dort die Apostel selbst anwesend waren. Hat sie dann für die Kirche späterer Zeiten überhaupt Gewicht?

Der Einwand lautet: Die Lehrentscheidung von Jerusalem bleibt an die Situation der noch lebenden Apostel gebunden.

Apg 15 zeigt die kirchliche Form verbindlicher Glaubensentscheidung: Streit, gemeinsame Beratung, geistgewirktes Urteil und Übermittlung an die Gemeinden. Diese Form trägt über Jerusalem hinaus, weil der apostolische Dienst in geordneter Nachfolge weitergegeben wird: Lumen gentium 20 bezeugt, dass die Bischöfe als Nachfolger der Apostel in der Kirche stehen, sodass die Gemeinden zu jeder Zeit verbindliche Orientierung im Glauben empfangen; die Kirche bewahrt dabei die Offenbarung, die mit den Aposteln vollständig gegeben ist, und gibt sie weiter. Die Versammlung von Jerusalem zeigt der Kirche, wie sie unter apostolischer Leitung und im Beistand des Heiligen Geistes eine Frage des Glaubens gemeinsam klärt, und in dieser Gestalt klärt die Kirche Glaubensfragen zu jeder Zeit, in gemeinsamer Beratung der berufenen Amtsträger und im Beistand des Heiligen Geistes. Unfehlbar lehren die Bischöfe dabei, wenn sie in Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri, vor allem auf einem Ökumenischen Konzil, eine Lehre über Glauben und Sitten endgültig vorlegen (LG 25; KKK 891).

Quellen zu dieser Frage 2
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