Kirche und Lehramt
Die Gesandten Christi handeln in seiner Sendungsautorität
Jesus sendet seine Jünger aus und verbindet das Hören der Boten mit dem Hören seiner selbst. Von dieser Sendung her trägt die Verkündigung der Kirche eine öffentliche und amtliche Gestalt.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Hören der Gesandten Bibel und Textverständnis
Jesus verbindet das Hören seiner Gesandten mit dem Hören seiner selbst
In Lk 10,16 sagt Jesus zu den Jüngern, die er aussendet: „Wer euch hört, der hört mich.“
Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.
Auszug aus Lk 10,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Wer die von Christus Gesandten hört, hört Christus; wer sie zurückweist, weist ihn zurück.
Jesus bezieht das Hören seiner Gesandten auf das Hören seiner selbst und des Vaters. Das Hören der Boten ist damit unmittelbar mit dem Hören Christi verbunden. Wer im Auftrag spricht, überbringt eine Botschaft, deren Autorität aus dem stammt, der ihn gesandt hat; seine Verkündigung steht für den, der ihn sendet. So bezeugt diese Stelle die von Christus abgeleitete Autorität der apostolischen Sendung.
Weil die Gesandten aus der Sendung Christi sprechen, trägt ihre Verkündigung eine öffentliche und amtliche Dimension: Es geht darum, wer im Auftrag Christi spricht und welche Lehre dieser Auftrag trägt. Der Gesandte tritt mit einer Botschaft auf, die ihm anvertraut ist, und die Vollmacht ruht auf dem Auftrag Christi, den er empfängt; damit bleibt die Vollmacht an die apostolische Sendung gebunden. Die Aussage Jesu richtet sich an die von ihm gesandten Jünger, und dieser Auftrag geht in der Kirche weiter: Lumen gentium 20 bekennt, dass die Bischöfe als Nachfolger der Apostel stehen und die Sendung Christi in der Kirche fortführen.
Dienst an Christi Sendung Glaube und Überlieferung
Die Kirche versteht ihr Lehramt als Dienst an der Sendung Christi
Die Kirche liest die Sendungsworte Jesu als Grundlage ihres Lehramts: Sie spricht aus der apostolischen Lehre, die ihr anvertraut ist.
Die Kirche lehrt, dass der Auftrag Christi an die Apostel in ihren Nachfolgern weitergeht, den Bischöfen, die in der Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom stehen; Lumen gentium 20 entfaltet diese Nachfolge. Aus dieser Sendung heraus spricht die Kirche öffentlich und verbindlich: Sie bewahrt die apostolische Lehre und legt sie aus. Dei Verbum 10 beschreibt diesen Dienst am Wort Gottes: Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist; es hört das Wort voll Ehrfurcht, bewahrt es heilig und legt es treu aus.
Weil die Gesandten im Auftrag Christi sprechen, wird ihre Verkündigung in der apostolischen Gemeinschaft bewahrt und weitergegeben. Aus dieser Sendung heraus spricht die Kirche öffentlich und verbindlich: Sie hält die apostolische Lehre fest, legt sie aus und gibt sie weiter, sodass das Wort Jesu an seine Gesandten seinen Dienst durch die Zeiten trägt. Die Vollmacht zu lehren stammt also von dem, der sendet, und die Botschaft bleibt die empfangene. Offen ist noch, wer darüber urteilt, ob ein Gesandter das Evangelium treu weitergibt.
Quellen zu dieser Frage 3
Weitergabe an die Nachfolger Glaube und Überlieferung
Entscheidet nicht die Schrift, ob ein Gesandter im Auftrag Christi spricht?
Das Wort Jesu bindet das Hören an die Gesandten. Daraus erwächst die Frage, wer darüber urteilt, ob ein Gesandter das Evangelium lehrt.
Der Einwand lautet: Lk 10,16 bindet den Hörer an den Gesandten nur, solange dieser das Evangelium lehrt; ob er das tut, entscheidet die Schrift. So begründet das Augsburger Bekenntnis den Gehorsam gegenüber den Bischöfen mit Lk 10,16 und begrenzt ihn zugleich (Confessio Augustana, Art. XXVIII).
Die Kirche teilt die Voraussetzung, dass das Lehramt dem Wort Gottes dient und nichts lehrt, als was überliefert ist. Die Aufgabe, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist aber nach Dei Verbum 10 nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird; darum bezieht das Konzil das Wort Lk 10,16 auf die Bischöfe als Nachfolger der Apostel: „Wer sie hört, hört Christus“ (LG 20; KKK 87). Weil das Hören der Boten mit dem Hören Christi verbunden ist, trägt dieser Dienst durch die Zeiten: Die Sendung Jesu begründet einen fortdauernden Dienst an derselben apostolischen Verkündigung.