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Kirche und Lehramt

Ein Konflikt soll der Kirche vorgetragen werden

In Matthäus 18 schildert Jesus einen geordneten Weg durch einen Streit: zuerst das Gespräch unter vier Augen, dann die Zeugen, schließlich die Kirche. An diesen Weg schließt Jesus das Wort vom Binden und Lösen an. Von dort führt die Spur weiter zu der Frage, wie die Kirche diese Vollmacht versteht und was daraus für das Lehramt folgt.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Apostel und Älteste sitzen an einem runden Tisch; über ihrer Versammlung steigt eine helle Flammenform auf, fern liegt eine Stadt.
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Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Streitschlichtung vor der Gemeinde Bibel und Textverständnis

Jesus verweist die Streitenden an eine ansprechbare Kirche mit Binde- und Lösevollmacht

In Matthäus 18 beschreibt Jesus, wie ein Streit unter Brüdern seinen Weg nimmt: vom persönlichen Gespräch über die Zeugen bis zur Kirche; der Auszug Matthäus 18,17–18 zeigt, wie die Sache vor die Kirche kommt. Israel kannte eine Instanz für strittige Fälle, und Jesus erkennt die Lehrautorität des Stuhls des Mose an.

Vers 17: Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.

Vers 18: Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Auszug aus Mt 18,17–18 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was der Text unmittelbar zeigt

Jesus verweist einen ungelösten Streit an die Kirche; die Vollmacht zu binden und zu lösen spricht er den Jüngern zu, an die er sich wendet. Die Kirche versteht sie als Vollmacht, die Petrus gegeben und auch dem mit ihm verbundenen Apostelkollegium zugeteilt ist (LG 22; KKK 553).

Mt 18,17–18: Zusammenhang und Übersetzung

Der Weg beginnt beim Einzelnen: Wenn ein Bruder sündigt, sucht der andere zuerst das Gespräch unter vier Augen. Bleibt die Sache strittig, treten ein oder zwei Zeugen hinzu, die den Sachverhalt klären. Führt der Streit weiter, trägt der Betroffene die Sache der Kirche vor — einer Gemeinschaft, die er kennt und ansprechen kann.

An diesen Weg schließt Jesus das Wort vom Binden und Lösen an: das Wortpaar für die Vollmacht verbindlicher Entscheidung. Das Urteil, das die Streitenden von der Kirche empfangen, erhält dadurch ein reales Gewicht. So zeigt der Abschnitt eine sichtbare kirchliche Verantwortung für konkrete Streitfragen.

Wenn bei einem Verfahren wegen Mord, Eigentumsdelikt oder Körperverletzung - also wegen Streitsachen, über die in deinen Stadtbereichen entschieden werden darf - der Fall für dich zu ungewöhnlich liegt, dann sollst du dich aufmachen, zu der Stätte hinaufziehen, die der HERR erwählen wird, und vor die levitischen Priester und den Richter treten, der dann amtiert. Du sollst genaue Ermittlungen anstellen lassen und sie sollen dir den Urteilsspruch verkünden. Dann sollst du dich an den Wortlaut des Spruchs halten, den sie dir an dieser Stätte, die der HERR erwählen wird, verkünden, und du sollst alles, was sie dich lehren, genau bewahren und es halten.

Dtn 17,8–10 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Für strittige Fälle verweist das Deuteronomium an Priester und Richter, deren Spruch zu halten ist.

Dtn 17,8–10: Zusammenhang und Übersetzung

Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und die Pharisäer. Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach ihren Taten; denn sie reden nur, tun es aber nicht.

Mt 23,2–3 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Jesus bindet seine Hörer an die Lehre des Mosesstuhls und tadelt zugleich die Taten seiner Träger.

Mt 23,2–3: Zusammenhang und Übersetzung

Diese Verantwortung hat einen Vorlauf in Israel. Für Streitfälle, die für die Richter in den Städten zu schwierig liegen, verweist das Deuteronomium an die levitischen Priester und den Richter an der Stätte, die der Herr erwählt, und verlangt, alles genau zu bewahren und zu halten, was sie lehren (Dtn 17,8–10). Jesus selbst erkennt die Lehrautorität derer an, die auf dem Stuhl des Mose sitzen, und tadelt zugleich ihr Verhalten: Seine Hörer sollen tun und befolgen, was sie sagen, sich aber nicht nach ihren Taten richten (Mt 23,2–3). Die Verbindlichkeit der Lehre hängt hier am Amt, nicht an der persönlichen Heiligkeit dessen, der es ausübt. Als Typus gelesen, zeigt der Stuhl des Mose voraus, was in den Gesandten Christi Gestalt gewinnt: eine Lehrvollmacht, die aus der Sendung kommt, und eine Stelle, an die eine strittige Frage getragen werden kann.

Dienst am Wort Gottes Glaube und Überlieferung

Die Kirche versteht das Lehramt als Dienst am Wort Gottes

Das Lehramt ist die Vollmacht der Kirche, das Wort Gottes verbindlich auszulegen. Dei Verbum, die Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die göttliche Offenbarung, beschreibt es als Dienst an diesem Wort.

Nach Dei Verbum 10 steht das Lehramt nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm: Es lehrt nichts, als was überliefert ist, weil es das Wort Gottes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt. Die Aufgabe, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist ihm im Namen Jesu Christi anvertraut.

Lumen gentium, die Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Kirche, behandelt das kirchliche Lehramt in Artikel 25 (im Kapitel III über die hierarchische Verfassung der Kirche) innerhalb dieses Dienstzusammenhangs und ordnet es dem Wort Gottes zu, das die Kirche hört und verkündet. Der Auftrag, in Streitfragen verbindlich zu sprechen, ruht auf dem Wort, das Jesus seinen Jüngern zuspricht; Lumen gentium 22 beschreibt diese Vollmacht in der Gemeinschaft der Bischöfe. Damit versteht die Kirche das Wort Jesu von der ansprechbaren Kirche als Auftrag, in Streitfragen verbindlich zu sprechen.

Verbindliche Lehre unterscheidet sich von persönlicher Meinung durch die Form, in der die Kirche selbst spricht, und durch die Zustimmung, die sie verlangt. Wahrheiten, die sie als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, verlangen die Glaubenszustimmung (KKK 88). Lehren über Glauben und Sitten, die sie endgültig vorlegt, auch wenn sie sie nicht als formell geoffenbart bezeichnet, sind fest und endgültig anzunehmen (Kommentar zur Professio fidei, Nr. 6). Authentische Lehren, die nicht endgültig vorgelegt werden, verlangen religiösen Gehorsam des Willens und des Verstandes, der sich von der Glaubenszustimmung unterscheidet und sie unterstützt (KKK 892). Unfehlbar lehrt die Kirche nicht nur in feierlichen Definitionen: Auch die über die Welt verstreuten Bischöfe verkündigen die Lehre Christi auf unfehlbare Weise, wenn sie in Gemeinschaft untereinander und mit dem Nachfolger Petri eine Lehre übereinstimmend als endgültig verpflichtend vortragen (LG 25). Eine theologische Auffassung, die die Kirche nicht in einer dieser Formen vorlegt, bindet den Glauben nicht, und disziplinarische Bestimmungen können sich ändern; der Katechismus unterscheidet bei der Vollmacht zu binden und zu lösen zwischen Lehrurteilen und disziplinarischen Entscheiden (KKK 553). Das Thema „Dogma und Glaubenslehre“ entfaltet diese Stufen mit den Beispielen, die die Glaubenskongregation nennt.

Quellen zu dieser Frage 4

Geltung für jede Gemeinde Glaube und Überlieferung

Regelt Matthäus 18 nur eine örtliche Gemeinde?

Matthäus 18,17–18 schildert einen Streit unter Brüdern, der in einer konkreten Gemeinschaft ausgetragen wird. Daraus erwächst die Frage, ob der Abschnitt die Ordnung einer örtlichen Gemeinde vor Augen hat.

Der Einwand lautet: Matthäus 18 regelt die Ordnung einer örtlichen Gemeinde und bleibt auf deren Verfahren beschränkt.

Der Abschnitt nimmt diesen Anlass ernst: Der Streit beginnt im persönlichen Gespräch, führt über die Zeugen und kommt vor die Kirche — eine Gemeinschaft, die an einem Ort versammelt ist. Und das Wort vom Binden und Lösen reicht über diesen Anlass hinaus: Jesus spricht es den Jüngern zu, an die er sich wendet — „Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.“ Diese Vollmacht trägt die Kirche, die eine Streitfrage hört und entscheidet; in der Gemeinschaft der Apostel und ihrer Nachfolger, wie Lumen gentium 22 sie beschreibt, wird sie weitergegeben, und Lumen gentium 25 entfaltet sie als verbindliche Lehre in Glaubens- und Sittenfragen. So gehören die Ordnung der örtlichen Gemeinde und die Vollmacht der ganzen Kirche zusammen: In der konkreten Streitfrage wird sichtbar, was der Kirche von Christus anvertraut ist.

Quellen zu dieser Frage 2
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