SCRIPTURA PLENA

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Der Petrusdienst

Christus betet für Petrus und beauftragt ihn, die Brüder zu stärken

Jesus kündigt beim letzten Mahl an, dass der Glaube der Jünger auf die Probe gestellt wird. In dieser Stunde wendet er sich Simon namentlich zu und gibt ihm einen Auftrag, der über ihn selbst hinausreicht. Wer die Stelle liest, stößt auf eine Fürbitte, die einem Einzelnen gilt, und auf eine Aufgabe, die viele betrifft.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Ein Amtsträger steht auf einem Felsen und hält einen großen Schlüssel; hinter ihm liegen eine Tür und ein kleiner Schlüssel im Morgenlicht.
PetrusKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Jesu Gebet für Simon Bibel und Textverständnis

Jesus betet für Simon und beauftragt ihn, die Brüder zu stärken

Lukas 22,31–32 zeigt, wie Christus den Petrus in einer Stunde der Prüfung trägt und ihm daraus einen Auftrag gibt.

Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du wieder umgekehrt bist, dann stärke deine Brüder!

Auszug aus Lk 22,31–32 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Jesus betet für den Glauben des Petrus und beauftragt ihn, nach seiner Umkehr die Brüder zu stärken.

Lk 22,31–32: Zusammenhang und Übersetzung

Jesus kündigt seinen Jüngern an, dass Satan sie prüfen will. Mitten in dieser Ankündigung nennt er Simon beim Namen: Er hat für ihn gebetet, damit sein Glaube nicht erlischt. Die Prüfung trifft alle, die Fürbitte gilt dem einen, und dieser eine wird anschließend gebraucht.

Der Auftrag ruht auf der Fürbitte, die Petrus zuvor empfängt. Christus trägt ihn durch die Krise hindurch und macht ihn gerade dadurch fähig, andere zu tragen. Das Versagen des Petrus gehört zur Ankündigung dazu, und der Auftrag folgt auf die Umkehr. Petrus soll seine Brüder stärken, weil zuerst für ihn gebetet wurde.

Dienst an der Einheit Glaube und Überlieferung

Die Kirche erkennt darin einen Dienst an Glauben und Einheit

Die Kirche liest die Fürbitte und den Auftrag von Lukas 22 als Grundzug des Petrusdienstes.

Die Kirche erkennt in diesem Auftrag einen Grundzug des Petrusdienstes: Der Dienst des Bischofs von Rom soll die Brüder im Glauben stärken und die Einheit in der apostolischen Wahrheit schützen. Die kirchliche Lehre findet darin eine besondere Verantwortung für die Glaubensfestigkeit der übrigen Jünger. Zugleich nimmt sie den persönlichen Petrus nicht von jeder Schwäche oder Sünde aus; die Verheißung gilt dem Dienst, nicht einer makellosen Person.

Dieser Dienst hat die Gestalt brüderlicher Festigung. Er kommt aus empfangener Gnade und bleibt auf Christus angewiesen; aus dieser Bindung empfängt er die Vollmacht, den Aposteln zu dienen und sie im Glauben zu festigen. Die Kirche sieht in Lukas 22,32 einen Kern des Petrusdienstes: Petrus hat die Sendung, den Glauben „vor allem Schwanken zu bewahren und seine Brüder darin zu bestärken“ (KKK 552). Das Erste Vatikanische Konzil zitiert das Wort Jesu wörtlich, um zu begründen, dass Petrus und seinen Nachfolgern das Charisma der Wahrheit und eines nie wankenden Glaubens geschenkt ist (Pastor aeternus, Kap. 4); das Zweite Vatikanische Konzil nennt den Papst bei der Lehre über die Unfehlbarkeit ausdrücklich den, „der seine Brüder im Glauben stärkt“ (LG 25; KKK 891). Die kirchliche Lehre fasst diesen Dienst damit aus empfangener Gnade, in Bindung an Christus, geordnet auf die Einheit der Kirche. Offen bleibt, wie weit die Vollmacht reicht, die in diesem Auftrag liegt.

Quellen zu dieser Frage 3

Herrschaft und Dienst Glaube und Überlieferung

Verbietet Jesus in Lukas 22 jede Herrschaft unter seinen Jüngern, und nennt sich Petrus nicht selbst nur Mitältester?

Der Einwand stützt sich auf zwei Stellen: das Wort Jesu über die Könige, die über ihre Völker herrschen, und die Selbstbezeichnung des Petrus als Mitältester. Die Antwort liest beide in ihrem Zusammenhang, und dieser führt in Lukas 22 unmittelbar zu Simon Petrus.

Im Streit der Jünger darüber, wer von ihnen der Größte sei, sagt Jesus: „Die Könige herrschen über ihre Völker und die Vollmacht über sie haben, lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Jüngste und der Führende soll werden wie der Dienende.“ (Lk 22,25–26) Petrus schreibt an die Ältesten: „Eure Ältesten ermahne ich, als Mitältester und Zeuge der Leiden Christi …“ (1 Petr 5,1). Er stellt sich in die Reihe der Ältesten, anstatt sich von ihnen abzuheben. Aus beiden Stellen folgert der Einwand, dass besondere Vollmacht in der Kirche keinen Platz hat: Wer Autorität beansprucht, stehe gegen das Wort Jesu, und wer sich Mitältester nennt, habe auf diesen Anspruch verzichtet.

Die Antwort liegt im Zusammenhang von Lukas 22. Dieselbe Rede, in der Jesus die Herrschaft der Könige abweist, rechnet mit Größeren und Führenden unter den Jüngern und schreibt ihnen vor, wie sie führen sollen: wie der Jüngste und wie der Dienende. Jesus begründet es mit seinem eigenen Beispiel: „Ich aber bin unter euch wie der, der bedient.“ (Lk 22,27) Abgewiesen wird die Herrschaft, die sich über die anderen stellt und sich dafür Wohltäter nennen lässt; die Leitung der Jünger bleibt und erhält ihr Maß.

Wenige Verse später wendet sich Jesus an Simon: Er betet für ihn, dass sein Glaube nicht erlischt, und beauftragt ihn, seine Brüder zu stärken (Lk 22,31–32). Der Dienst ist die Gestalt der Vollmacht, die Christus vergibt: Petrus stärkt die Brüder, indem er sie im Glauben festhält, und er tut es als der, für den Christus betet. So ist Petrus mit der Glaubensfestigkeit der übrigen Jünger verbunden, und seine Aufgabe reicht über seine eigene Person hinaus. Zusammen mit den Worten über die Schlüssel und den Hirten (Mt 16,18–19; Joh 21,15–17) ergibt sich ein besonderer Dienst an der Einheit und am Glauben der Kirche.

Die Päpste haben dieses Maß in einen Titel gefasst. Johannes Paul II. schreibt: „Wie es Papst Gregor der große treffend formulierte, ist mein Amt das eines servus servorum Dei (eines Dieners der Diener Gottes). Diese Definition schützt am besten vor der Gefahr, die Amtsvollmacht (und im besonderen den Primat) vom Dienstamt zu trennen“, und er fügt das Wort aus Lukas 22 hinzu: „Ich aber bin unter euch wie der, der bedient“ (UUS 88). In diesem Titel spricht die Kirche aus, was Lukas 22 über die Leitung sagt: Vollmacht bleibt an den Dienst gebunden.

Quellen zu dieser Frage 4
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