Christus, der Hohepriester
Der eine Hohepriester und der priesterliche Dienst der Kirche
Der Hebräerbrief bezeugt Christus als den von Gott eingesetzten und bleibenden Hohenpriester des neuen Bundes. Von diesem Zeugnis her erschließt sich, wie die Kirche jedes priesterliche Amt versteht. Welchen Ort hat dann ein priesterliches Amt in der Kirche?
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Das eine Opfer Christi Bibel und Textverständnis
Christus bleibt der Hohepriester, sein Opfer ist ein für alle Mal dargebracht
Die angeführten Abschnitte bezeugen Christus als den von Gott eingesetzten und bleibenden Hohepriester des neuen Bundes.
Jeder Hohepriester wird aus den Menschen genommen und für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott, um Gaben und Opfer für die Sünden darzubringen.
Auszug aus Hebr 5,1 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Hohepriester wird aus den Menschen genommen und für die Menschen vor Gott eingesetzt.
Im Hebräerbrief trägt Christus den Titel des Hohepriesters. Gemeint ist der oberste Priester Israels, der einmal im Jahr mit dem Blut des Opfers in das Allerheiligste eintrat und für das ganze Volk vor Gott stand (vgl. Hebr 9,7). Die angeführten Abschnitte aus Hebräer 5–7 bezeugen ihn als den Hohepriester des neuen Bundes: Sein Priestertum währt, weil er in Ewigkeit bleibt, und sein Opfer hat er ein für alle Mal dargebracht.
Jeder Hohepriester wird aus den Menschen genommen und für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott, um Gaben und Opfer für die Sünden darzubringen.
Auszug aus Hebr 5,1–10 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Hohepriester wird für die Menschen zum Dienst vor Gott eingesetzt und bringt Gaben und Opfer dar.
Der Brief stellt dafür die vielen Priester dem einen gegenüber. Jene konnten wegen ihres Todes nicht bleiben und brachten ihre Opfer wiederholt dar. Christus bleibt in Ewigkeit und besitzt ein unvergängliches Priestertum; er hat sich selbst ein für alle Mal dargebracht. Die Zeugnisse zu apostolischer Sendung und geordnetem Amt zeigen, wie die Kirche aus diesem Priestertum lebt.
Gemeinsames Priestertum und Dienst Glaube und Überlieferung
Die Kirche unterscheidet das gemeinsame Priestertum der Gläubigen und das Priestertum des Dienstes
Die Kirche liest diese Stellen so, dass jedes priesterliche Amt seine Bedeutung vollständig von dem einen Hohepriester empfängt.
Lumen gentium (LG) 10 und der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) unterscheiden das gemeinsame Priestertum der Gläubigen und das Priestertum des Dienstes, auch Amtspriestertum oder ministeriales Priestertum genannt, dem Wesen nach, nicht nur dem Grade nach. Beide nehmen auf je besondere Weise am einen Priestertum Christi teil und sind einander zugeordnet.
Das Amtspriestertum steht im Dienst des gemeinsamen Priestertums. Es macht das einzige Priestertum Christi gegenwärtig, ohne seine Einzigkeit anzutasten, und empfängt vollständig von Christus und seinem einzigen Priestertum seine Sendung. Damit ist auch bestimmt, wie das Amtspriestertum zu verstehen ist, das Christus beim Letzten Abendmahl seinen Aposteln anvertraut hat (KKK 1337): als abhängige Teilhabe, die niemals als eigenes oder konkurrierendes Priestertum neben Christus steht.
Quellen zu dieser Frage 2
Der Ort des Amtes Glaube und Überlieferung
Wenn Christus der eine Hohepriester ist, welchen Ort hat dann ein priesterliches Amt?
Hebräer bezeugt Christi einziges, bleibendes Hohepriestertum und sein einmaliges Opfer. Daraus ergibt sich die Frage, ob ein Amtspriestertum damit vereinbar ist.
Der Einwand hält fest, dass die Stellen ein Amtspriestertum auszuschließen scheinen: Wenn Christus der eine Hohepriester ist und sein Opfer ein für alle Mal vollbracht wurde, könnte ein priesterlich verstandenes kirchliches Amt nur mit ihm konkurrieren oder die beendete Opferordnung fortsetzen. Dazu kommt das Bekenntnis des Ersten Timotheusbriefs zu dem einen Mittler zwischen Gott und Menschen.
Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und Menschen: der Mensch Christus Jesus.
Auszug aus 1 Tim 2,5 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Die Frage an diesen Text
Paulus bekennt Christus Jesus als den einen Mittler zwischen Gott und Menschen.
Der Einwand hält zu Recht fest, dass Christus der eine ewige Hohepriester ist; sein Opfer bleibt das eine und ganze, aus dem jeder Dienst der Kirche lebt. Die kirchliche Lehre versteht das Amtspriestertum als Teilhabe und Dienst: Es macht das eine Priestertum Christi gegenwärtig und bleibt ganz auf ihn hingeordnet. Die Einzigkeit des Mittlers schließt nach dem Konzil eine von ihm abhängige Teilnahme nicht aus, „sondern erweckt sie“ (LG 62); die Priester haben darum „Anteil am Amt des einzigen Mittlers Christus“ (LG 28). Dasselbe zeigt die Schrift am Hirtenamt: Der Erste Petrusbrief nennt Christus den Hirten und Hüter der Seelen und den „obersten Hirten“, und doch sollen die Ältesten die ihnen anvertraute Herde Gottes weiden (1 Petr 2,25; 5,2–4). Hebräer 5–7 trägt diese christologische Grundlage. Offen bleibt der Ort des ganzen Volkes: Wie stehen das priesterliche Volk Gottes und der besondere Dienst zueinander?